Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 4 (4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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65 Nr. 4 BjccBlaujet Jüdische» (5emctn&cblatf Diese Arbeitsgemeinschaft wurde als „Abschlagszahlung^ hingenommen unter der Voraussetzung und mit dem Wunsche, daß die erstrebte Gesamtorganisation dadurch in absehbarer Zeit erreicht werden wird. Der Schluß der Tagung stand unter dem Eindruck der allseitigen Befriedigung über die beim Iudengesetz erzielte Einigung — kann in ihr der berühmte Silberstreifen einer beginnenden Entspannung schroffer l Zarteixjegensätze erblickt werden?!G ' o, r g P e i s e r. der jüdische Arbeitsnachweis im ^ahre'lyr?. Bon Eugen Samson, Leiter des jüdj Arbeitsnachweises. Als vor fast zwei Jahren die Zentralisation der bestehenden jüdischen Arbeitsnachweise beschlossen wurde, war trotz allem zur Schau getragenen Optimismus nicht jeder der an der Neugründung beteiligten Männer und grauen überzeugt, daß diese Institution sich bewähren würde. Der einzige bestehend« jüdische Arbeitsnachweis in Deutschland,, der irgendwie als Borbild hätte dienen können, bestand in Berlin, und etz bedarf keiner Erwähnung, daß die unverhältnismäßig viel größere Zahl der jüdischen Bevölkerung Berlins in Bezug auf die Arbeitsmoglfchkeiten und Methoden keinen Vergleich zuließen. Der mit Skepsis unternommene Versuch kann heute im allgemeinen als geglückt bezeichnet werden, wenngleich auch seine Unvollkommenheit nicht verschwiegen werden sollj Nur die klare Erkenntnis der Schwächen vermag in einer höchst: praktischen Institution zu bessern. Es folgen hier zunächst die Zahlen der! Meldungen und Vermittlungen im Jahre 1927: Monat Januar Februär März April Mai Juni Juli August September X Oktober A November Dezember Petenten 582 <530 576 496 483 419 363 472 511 512 675 547 6266 Neumell >en Vermittlungen 48 44 47! 37 35 34 i 29 I 33 36 ' 40 40 33 Die Bernsittlungen verteilen sich wie solgt: Kaufmännische Angestellte, männlich . - weiblich. . \ Hausatzgestellte..' . Kindermädchen. Handuterker, männlich -! weiblich. Arbeit», Arbeiterinnen, Aushilfen . Nachhilfestunden . Lehrliifge, männlich. - | weiblich. Wohnungen, möblierte Zimmer . . 456 36 136 86 .50 16 II 61 4 17 20 19 Kapitel der Nachkriegsverhältnisse: der den Angestellten im Alter voin über . ausgesprochen werden — bei Fortdaa eine Stellenbeschasfung fast unmöglich, die Unterbringung in Arbeit für Mei s Stellung im Alter von 30 Jahren zu r, Menschen durch den jüdischen Arbeitsh Zahl gestellt werden können, während und wertvolle Kräfte, über 30 Jahre alt, , Gründe für die absylut unzureichende Letz weises. DieEpalten der Stellenangebot, offenen, zumeist kaufmännischen Lehrlingen treibt selbst diejenigen Nachweis, die ihr sonstiges Personal jüdisches Personal nicht einstallen. Es mangelhafte Inanspruchnahme der Le! ausgezeichneten Propaganda ünd Tät Breslau, mit dem der jüdische 2Trbcifunterhält und dessen technisch! vollkon Anspruch genommen und auch gern zu Diese geschilderten-Mängel zu ri sie trotz aller Schwierigkeiten tu überchi Geschäftsjahr in dieser Hinsicht wenn die nicht zum wenigsten abhängig sind verfügbaren Geldmittel, dann wird t weiterem Maße seinen Aufgaben ger, , die Mitarbeit aller jüdischen Organistztb zum wenigsten auch aus die Tatsache, die Konkurrenz mit jeden: anderen wenn er nicht durch Borurteil! und Leh »r Not der älteren Angestellten. Für 40 Jahren ist — leider muß das er dje» augenblicklichen Zustandes Unerhört schwierig ist heute schon IcherH die das Unglück hatten, ihre. rjerlieren. Dagegen haben oft junge achweis nicht in der angeforderten zu gleicher Zeit genügend geeignete gemeldet'waren. Hier liegen auch die jrstellxnvermittlung desArbeitsnachin der Tages presse sind angesüllt von rstellen. Die Anforderung von beitgeber zum jüdischen Arbeitsnicht von diesem anfordern -oder ne erfreuliche Begründung für die tzrstellenvermittlung liegt noch in der . eit des städtischen Berufsamtes in snachweis die besten Beziehungen mener Apparat in jedem Falle in - Verfügung gestellt wird. ' Erkennen, bedeutet selbstverständlich, inden streben! -Wenn das laufende mch nur geringe Fortschritte macht, von der Höhe der für Propaganda r jüdische Arbeitsnachweis in noch 5t werden. Er vertraut dabei auf onen und Institutionen und nicht daß der. jüdische Stellungsuchende Stellungsuchenden aufnehmen kann, n Willen.zurückgesetzt wird. echt bö e! j - '! 456 Zahl der lslnsang Februar 1928 gemeldeten Stellungsuchenden: Männer . . . 294' . Lehrlinge .16 310 Frauen . . . 274! ° i i Lehrmädchen 15 289 j! 599 > In vorstehenden Zahlen sind die Vermittlungen nicht einbegriffen, die für die Notstandsarbeiten des Jüdischen Wohlfahrtsamtes (Friedhossarbeiten, Schreibstube) und für die Gelegenheitsarbeiten aus Wohlfahrtsmitteln (Peah) getätigt wurden. Diese Zahlen sprechen atz sich eine sehr erfreuliche Sprache, wenn matt bedenkt, daß der Zeitraum, den sie umfassen, das End« des ersten und Dreiviertel des zweiten Jahres der Tätigkeit des Arbeitsnachweises ist. Diese Ausführungen aber sollen mehr der Kritik dienen, die für diese Arbeit immer wieder erforderlsch und für die jeder Mitarbeiter stets dankbar ist, wenn sie die Bewältigung der Aufgaben des Arbeitsnachweise» fördert. Zwei Tatsachen fallen dem kritischen Beobachter der tzbigen Zahlen ins Auge. Zunächst der geringe Prozentsatz von Vermittlungen männlicher Stellungsuchender und dann die geringe Anzahl von vermittelten Lehrstellen. Der erftf Punkt siegt zum Teil darin begründet, daß der Arbeitsnachweis die Nachfolge, der Stellungoermittlung der Loge übernommen hat, die fast ausschließlich weibliche Stellenvermittlttztg betrieb. Dann werden bei männlichen Vakanzen meist spezialisierte Kräfte verlangt, z. B. als Konfektionär, Lagerist, Verkäufer bestimmter Branchen, während bei weiblichen Kräften zumeist nur allgemeine Kennttziste (Stenographie, Schreibmaschine. Buchhaltung) benötigt werden. ^Schließlich aber liegen die Ursachen nicht zum wenigsten in den Konjunkturschwankungen der letzten Jahre. Der Arbeitgeber behilft sich selbst Hel steigender Konjunktur oft mit weiblich«), Hilfskräften, da er furchtet, bei Arbeitsmangel männliche Angestellte, zumal wenn sie verheiratet sind,! entlasten und das Odium sozialer Verständnislosigkeit auf sich nehmen zu | mästen. Diese Tatsache fuhrt uns zu dfm traurigsten > i Jü-ifch-SHiale Schulungswoche Unter Beteiligung von etwa 200 Teilnehmern, von denen ein großer Teil aizs dem Reiche nach Berlin xekomitzen war, fand vom 48. bis 23. März 1928 in Berlin ein« von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden gemeinsam mit den anderen großen'Wohlfahrtsorganisationen veranstlutete I üsd.i s ch - S oz i a l x S ch u l u n g sw o ch e in der Hochschule für die Wissenschaft des IudenMms statt. Unter den Teilnehmern waren vor allem in der jüdisch-sozialen Arbeit-der verschiedensten Gebiete beruflich tzätige K äste, ferner Rabbiner, Lehrer und freiwillige Mitarbeiter der Wwhlfahrtt pfleg). Aus Breslau nahmen teil: die Beamtin des Jüdischen Wohlsal rtsattzte^, Frl„ Heimanusohn, die Jugendsürsorgerin, Frl. Nelken, und-hie Kinderfürsorgerin des Jüdischen Frauenbundes, Frl. Dr. Oppenheimer,! Die Schulungswoche tzourde durch. einen Vortrag von Frau 2. Wronsky über „Neuzeitliche W ihlfahrtdpflege" (Wandlungen der Ideen,-Begriffe und Methoden) eingelt itet, der den Gesamtzusammenhang der jüdischen mit der allgemeinen Wl hlsahrtspflege, sowie der einzelnen Themen untereinander herstellte und zahlreiche Anregungen für die neuzeitliche Ausgestaltung der Arbeit gal . An den Vortrag schloß sich ein geselliges Zusammensein fast üller Tei nehnier in den neuen Räumen der Zentralwohlfahrtsstelle. Nachdem Professor Dr. Erich Seligmann am nächsten Tage die Schulungswoche itzit einer Ansprache eröffnet hatte, wurden aus den einzelnen, jwährend^ der Schulungswoche behandelten Gebieten eine Reihe ausgewählter Themen möglichst vom allgemeinen und vom jüdischen Standputzkt aus dargestellt, um sie* für die Praxis nutzbar zu machen. So ergänzten sich die Vorlesungen von Stadtrat Dr. Muthesius und Dr. Berdel über ^Durchführung der Reichsfürforgeoerordnung", ferner die Vorbesung von Frl. Dr. Wunderlich über „Pro-, duktioe Sozialpolitik" mit denen von!Adlek»Rudel über „Jüdische Wanderungen und Wanderfürsorae" und Dr. Kreutzberger über „Fragen der Arbeitsfürsorge"., während Rechtsanwalt Dr. Fraustädter das «ander - gebiet des „Ausländerrechts" behandelte. Heber „Soziale Gerichtshilfe" sprach Frl. Meyer, und für das Gebiet der „Sozialversicherung" wurde ein allgemeiner Ueberblick von Frl. Pertrud Israel gegeben. Auch die Vorlesungen von Frl. Ruth v. d. Letzen und Dr. Stahl über „Sozialärztlich« und sozialpädagogisch« Fragen bei, schwer erziehbaren Kindern" stellten! eine gegenseitige Ergänzung dar. Abs dem vielgestaltigen, im Vordergrund der neuzeitlichen Arbeitsstehenden Gebiet der Sozialpädagogik sind ferner die Vorlesungen von Direktor! Schloster-Wakenitzhos über Fürsorgeerziehung". Frl. Fürst über „Neuzeitliche Führung der Kindergärten und Horte, Frl. Karminski und Dr. Lublinskj über „Die schulentlassene Jugend" zu nennen. In der Sozialhygiene konnten — wie auf allen anderen Gebieten — auch! nur einige besonders bedeutsame Fragen zur Behandlung gelangen, so! „Dosksbelehrung als Ausgabe der Gesundheitsfürsorge", über welche R.-A. Dr. Philipsborn und Frl. Reufeld referierten, ferner „eine allgemeine Einführung in die Gesundheitsfürsorge", mit Magistrats-Mjedizinalrat Dr, Goldmann als Referenten, und schließlich „Praktische Tuberkulosefürsorge", über welche Dr. Samson, und „Geschlechtskrankenfürsorge", üben welche Stadtarzt Dr. Löwenstein berichtete. Die Vorlesungen wurden zum Teil durch Arbeitsgemeinschaften in willkommenster Weise erginzt: Außerdem fanden einige Besichtigungen statt. . _ Im Rahmen der Schulnngswoch - veränstältete auch der Verein der Lester und Leiterinnen jüdischer Erz ehungsanstalteN Deutschlands «ine Sondersitzung, in der Direktor Dr. R ithschtld-Dinslaken zugleich für di« Teilnehmer der Jüdisch-sozialen Schul angschoch« über die Frage sprach: „Was können wir aus der! Erzieywgwwets« der Landerziehungsheime für unsere Anstaltserziehung verwende i?" Während der Schnlungswoche