Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 3 (3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. Z ventiou für den Zentralverein, wiederholt Stellung genommen habe, jfieht Herr R.-A. Jacobsohn seinen Vertagungsantrag zurück .und begründet eingehend die Resolution, insbesond:re die: Beihilfe für den Keren Hvjessod. Zunächst wende: er sich hegen den Fraktionszwang der liberalen Partei, » die er i r der Gemeindevertretung, im Gegensatz zum Parlament, für unzulässig erachtet; denn hier handele es sich um ideelle Gütern beim Staat aber nur um materielle. Tatsächlich stehe 'ein TÄl der liberalen Mitglieder dem Anträge auf Unterstützun; des K. H. freundlich gegenüber. Die Umstände hätten sich seil der letzsen Stellungnahme der Versammlung wesentlich geändert. Zunächst sei die Haltung des Zentralvereins gegen den Zionismus noch viel scharfer geworden, wie sich aus dem Buche des Veteinssyndikus Dr. Wiener „Kritische Reise durch Paläst na" ergebe. Es sei auch nicht schön gewesen, daß die führenden Männer des Z. V. sich beirp Minister über den Empfang von Prof. Weizmann beschwert hülsten. Des weiteren habe inzwischen eine große Anzahl von Mittel- und Großgemen den dem K. H. Beihilfen bewilligt. > Schließlich haben inzwischen alle Parteien und Religionen Deutschlands an dem Ausbmi Palästinas durch das Pro-Palästista-Komitee Anteil genommen, wobei zum Ausdruck gekommen sei, daß der Aufbau die Staatsstellung der deutschen Irden nicht berühre. Redne: verliest den Brief des Grafen Berrüdorff. Die Synagogen; >emeinde kann daher aus diesem Eirunde kein Recht' herleit!n, dis, Unterstützung des K. H. abzüehnen. : . J-R. Kalisch erwidert, daß die Ausführungen des R.-A. Jacobsohn über den Fraktionszwang anscheinend'nur dann zelten sollen, wenn es sich nicht uin seine Partei handele. Deswegen habe er seine.Ausführr ngen in der Folge stark eingeschränkt. Im übrigen werde ein Fraktionszwang von dcn Liberalen nicht ausgeübt. In der Sache selbst habe sich ni hts geändert; nian habe gehofft, dc ß der K. H. nicht eine zionistische Sache bleiben, sondern sich paritätisch entwickeln werde. Aber diese Erwartung sei nicht erfüllt worden, der Ks H. betreibt den national-jüdischen Aufbau nach der zionistischen Jdiee und darf daher nach unserer Auffassung nicht gefördert Wörden. Die Herren vom Z. V. h rben sich nicht üher den Empfang!von Prof. Weizmann beschwert, sondern den Minister über die Stellung der überwiegenden Mehrheit der deutschen Jrcden zum Zionismus aufgeklärt, der nur eine ganz kleine Partei unter den deutschen Juden bildet. Führende - Männer des-Pro-Palästina-Komitees haken geäußert, sie verständen nicht, wie sich 'Juden gecen ihre ^imat Palästina sträuben könnten, sie gehörten all nn nach Palästina. Taraws gehe klar hervor, daß den. Juden die Verbundenheit . mit der deutschen Heimat abgestritten we de. Redner verbreitet sich des! weiteren über das, was Tr. Wieper über den Aufbau Palästinas ausgeführt habe, der n!cht gegen die Besiedlung des Landes, sondern gegen die Schaffung eines nationalen Staates sich gewendet habe, der unmöglich sei und za Widerständen führe und auch geführt hat. Auch der Kultusminister! Becker habe in seinem öd kannten Schreiben die Juden den Teutschen gegenübergestellr, und die liberale Zeitung habe dagegen scharfen Protest erheben müssen. Was Graf Bernsdo^fs aussühre, sei nur die Auflassung des Völkerbundes, und was wir von diesem zu haltest haben, zeigen die - Pogrofne jn Rumänien. Die Bestrebung?» des Zionismus untersWtzen bi^ Auffassung, daß wir hier fremde seien; das schein« aber den Zionismus und die Mitglieder des P.-P.- Komitees nicht zu stören. t * J!-R. Herschberg erklärt namens des Vorstandes, daß dieser zur Frage des Fraktionszwanges und zum Buche von Tr. Wiener keine Stellung zu nehmen! habe. Die Unterstützung des E H. habe der Vorstand äbgeilehnt, weil die beschränkten Mittel der Gemeinde für andere Zwecke benötigt werdest. , Dr. Schlesinger bezeichnet sich als zwischen den Parteien stehend. Er tritt für eine Unterstützung des K. H. ein, da die, Zionisten; die es am besten wissen müßten, ihn als paritätisch bezeichnen. Den Fraktionszwang halte er auch^ in der Gemeindevertretung für notwendig. Die Ausführungen von J.-R. Kalisch zu diesem Punkte seien unzweifelhaft richtig, nur dürfe per Zwang niemandem zumutcn, gegen seine Ueberzeugüng zu stimmen. R.-A. Spitz macht keinen Hehl daraus, daß er und Herr Unikower dem K. H. gegenüber eine andere Stellung einnehmen. Diese persönliche Ansicht, habe aber nichts mit dem Fraktionszwange zu tun. Die Ausführungen von R.-A. Jacobsohn rennen offene Türen ein, da kein Zwang in dieser Frage ausgeübt worden sei. Er erhoffe den Tag, wo die deutschen Juden eine andere Stellung dem K. H. gegenüber einnehmen können. Dieser Tag sei leidex wieder in weitere Ferne gerückt, und zwar wegen der Stellung der Zionisten zu dem Buche von-Dr. Wiener und zum Z. V. Gerade R.-A. Jacobsohn habe trotz seiner Verdienste um die zionistische ' Partei durch seine unerhörte, jedes Maß überschreitende Kritik über das Buch von Dr. Wiener Verständigungen zerstört, die sich angebahnt haben, insbesondere sein Vorwurf, daß Dr. Wiener eine Fälschung begangen habe. Deshalb könnten die Liberalen jetzt noch nicht für den K. H. stimmen, und er und Herr Unikower würden sich der Stimme enthalten. Nicht Stellung zu nehmen brauche er zu dein Standpunkt des Vorstandes, der die Unterstützung ablehnt, solange wir für so segensreiche Institute wie z. B. die Mittelstandshilfe uns im Interesse der Steuerzahler so starke Einschränkungen auferlegen müssen. J.-R. Kalisch wendet sich gegen die Behauptung, daß der K. H. neutral sei, nachdem Dr. Wiener nachgewiesen habe, daß die Gelder zum Teil für national-jüdische Zwecke verwendet werden. Der neutrale Vorstand sei trotz Versprechung bisher nicht gebildet worden/ es bleibe alles wie bisher bei der zionistischen Exekutive. Die Stellung der Rabbiner sei nicht beweiskräftig, weil sie aus religiösen Gründen gegenüber Zion einen anderen Standpunkt einnehmen müßten. Ein Teil der Mitglieder des K. H. sei dank der geschickten Propaganda der Zionisten nicht richtig über den K. H. informiert. Bei Gemeindemitteln müssen wir bedenken, ob wir Mittel für fremde Institutionen verwenden dürfen, solange unsere heimischen Not leiden. Frau Tr. R a b i n verteidigt R.-A. Jacobsohn gegen den Vorwurf der Maßlosigkeit; man müsse berücksichtigen, daß den Zioüisten der Vorwurf des Mdrdes gemacht worden sei. (Aus den Zwischenruf von J.-R. Kalisch „begtündet" entsteht ein Tumult, und Zwischenrufe wie „unerhört", „Gemeinheit", „Frechheit" werden laut.) Das Buch von Dr. Wiener habe die Spannung erzeugt. Sie bedauere, daß J.-R. Kalisch bei der Erwähnung des Besuches der Herren vom Z. V. die alte Frage aufgeworfen habe, als ob wir Zionisten nicht dieselbe Liebe und Anhänglichkeit zum deutschen Vaterlande hätten. Nachdem die Juden gleichberechtigte Bürger sind, sollten wir endlich bei unseren Erwägungen die Zweckmäßigkeitsfrage ausschalten, wie sich das deutsche Recht hierzu stelle. Ueber die richtige Verwendung der K. H.-Gelder wache der Vorstand, dsm Männer aller Parteien angehöven. Der Vorstand scheine alle Sachen abzulehncn, die national-jüdisch seien, so z. B. die Unterstützung für das Lehrgut Rodges. R.-Ä. I a c o b s o h n vergleicht den Vorwurf des Mordes von Tr. Wiener mit dem Vorwurf des Ritualmordes in einer deutschen Zeitung. Da würden wir dpch nicht sagen, die Zeitung habe den Vorwurf begründet. Dr. Wi'ener habe die viel zahlreicheren Zitate über die wahren Motive des Mordes an de Haan, die auf homosexrlellem Gebiete liegen, geflissentlich unterdrückt. Den Vorwurf gegen seinen Artikel über das Buch nehme er R.-A.X Spitz nicht übel. Mag Redner maßlos, unsachlich, kurzum ein Verbrecher sein, was habe das mit dem K. H. zu tun? Jn Palästina selbst kenne man den Begriff * national-jüdisch nicht, denn er sei dort.selbstverständlich. ,Nur die deutschen Juden haben sich in diesen Begriff verrannt. Dr. G l u s k i n o s kann für eine Unterstützung des K. H. , nicht eintreten, weil die Zionisten in Palästina unsere Lehre, deren Aufrechterhaltung seinen Freunden am Herzen liege, nicht genügend beachten. i-