Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 1 (1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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(T JSdische« 0<«<inb<bI«11. Nr. 1 Ueber den Berwaltungsbericht referiert der Vorsitzende He^! J.-R. P eis er. Tie Abrechnung über die Renovation des Hauses Anger 8 und der Religions-Unterrichtsanstalt II mit 12 981,95 Mk., über die Renovation des Treppenhauses Watlstraße 5 mit 1 465,70 Mk., über die Renovation und Anf-rich des Hauses Schweidnitzer Stadtgraben 8 mijt 3 848,91 Mkl und die Renovationen der Wohnungen Sackur -und Cersni mit 1 092,02 Mk. und über die Schaffung eines Raumes für das Mincha-Gebet bei Trauungen in der Neuen Synagoge mit 1 193,10 Mk. werden genehmigt und die Abrechnung übet die Renovation und Anstrich der. Vorderfassade des Hauses der Schaefer-Stiftung, Gartenstraße 10 mit 2 816,27 Mkj. und die von der Baupolizei verlangte Umlegung des BÄgerfteiges mit 571,31 Mk. zur Kenntnis genommen. Bel der Mitteilung, daß wegen Beschädigung des Tores am Friedhof Claassenstraße gegen den Studenten Wilhi Gensert und den Schlpsser Paul Schönborn öffentliche Anklage wegen qualifizierter Sachbeschädigung erhoben worden und der Potstand diesem Verfahren als Nebenkläger beigetreten sei Uni« seine Vertretung Herrn R.-A. Foerder übertragen habe, wurde von einigen Juristen erörtert, ob der Vorstand hierzu die Genehmigung der Gemeindevertretung gemäß 8 39 der Satzung einholen müßte. Geh.-Rat Goldfeld meinte, daß die ^Satzungsbestimmung nur Zivilklagen im Auge hätte, während es sich hier um den Beitritt zu einem öffentlichen Strafverfahren handele. Auf Vorschlag von Herrn J.-R Pariser wurde für alle Fälle die Genehmigung ausgesprochen. Mit herzlichem Tank nahm die Versammlung des weiteren Kenntnis, daß Frau Paula Weißmann der Alten Stnagoge eine selbstgestickte kostbare Simchas Thauro-Fahne gestiftet habe, zu der die Fahnenstange - und Fahnenhalter Hsrr Altmann in Fa. Herz L. Ehrlich geschenkt hat. Tie Versammlung nahm ferner Kenntnis davon, ,daß anstelle des verstorbenen Herrn Hermann Schottländer Frau Professor WNhlauer in das Kuratorium der Ferd. u. Flora Landsberger-Stiftung gewählt worden ist, daß am 8. und dm 28j. Tezember 1927 im Jüdischen Krapkenhaus und im Waisenhanse Filmvorführungen ftattgefuntten haben, zu der Herr Direktor Ernst Eisner wieder in liebenswürdigster Weise Fülme zur Verfügung gestellt hat, und daß der im Vorjahre emlassene Leichenwärter Zernik die Gemeinde vor dem Arbeitsgericht auf Wiedereinstellung bezw. Fortzahlung des Gehaltes verklagt hat. (Tie Klage ist inzwischen kostenpflichtig «gewiesen worden.) Ter Vorstand berichtete weiter über seinen Streit mit dem Preuß. Landesverbände wegen des Beitrages für das Jahr 1925/26 und 1926/27 unter Vorlegung der Denkschrift, die der Vorstand dem Reklamations- Ausschüsse überreicht hat. Schließlich genehmigte die Versammlung die vom Vorstande geregelte Vertretung des erkrankten Hilfskantors der Alten Synagoge Herrn Ehrlich. I Uebkr den Rechnungsabschluß für das Verwaltungsjahr 1826/27 berichtete Herr Bankdirektor- Sander. Gegenüber ' den: Etat ergeben sich Mehrausgaben von rund '50'000 Mk., die aus dem Uebertrag am 1. April 1926 von 98 150,71 Mk. eutnommen worden sind. Tabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß unter den Mehrausgaben sich, der Gegenwert für angeschaffte pom. 318 000 Mk. Goldpfdbr. befindet, um die der Betriebsfonds verstärkt worden ist, der damit wieder die frühere 'Höhe erreicht hat. Die größte Mehrausgabe mit 3f7 900 Mk. habe das Fürsorgewesen erfordert. Der Berichterstatter macht einige Vorschläge über die künftige Ausgestaltung des Etats, worauf der Rechnungsabschluß genehmigt wird. Zu Rechnungsprüfern werden die bisherigen Prüfer, die Herren Wilh. Kober, Fritz Goldschmidt und Bankdirektor Sander ernannt. Deü Antrag des Vorstandes,. dem vorbereitenden Ausfluß für die Einrichtung eines jüdischen Museums in Breslau für diefjes Etatsjahr 500 Mk. zu bewilligen, begrüßt der Berichterstatter Herr W a l s^ch lebhaft, bjttet aber mit den Breslauer Logen, bei denen ähnliche Bestrebungen im Gange sind, zusammenzuarbeiten. J.-R. Hirschberg als Vorsitzender des vorbereitenden Ausschusses berichtet über die r Pläne der Durchführung. Ins Auge gefaßt sei nach dem Vorbilde von Frankfurt a. M. und Prag einen Museumsverein zu gründen. Schwierigkeiten werde die Beschaffung geeigneter Räume machen. Die Durchführung werde natürlich einige Zeit erfordern. Bis dahin brauche der Ausschuß oder Verein Mittel zur Propaganda und zu Ankäufen. Das Zusammenarbeiten mit den Logen sei zu begrüßen. >R.-A. Jacobsohn bittet, die auf diesem Gebiete verdienstvolle Frau Lachmann und einen Vertreter des Dozentenkollegiums des Rabb.-Scminars in den Ausschuß zu wählen. J.-R. P.e i s e r erwidert, daß der Ausschuß das Recht der Zuwahl habe und daher diese Wünsche berücksichtigen könne. Herr Kober snterpelliert zum Schluß wegen des Aufrufes des Bürgermeisters von Tyhrenfurth an die hiesigen Gemeindemitglieder, zur Unterhaltung der Friedhofsmauer in Tyhrenfurth beizutragen. Geh>Rat Goldfeld erinnert an die Verkaufsbedingungen des Synagogen-Grundstücks, wonach der Magistrat Tyhrenfurth außer der Zahlung der 4000 Mk. auch' noch die Verpflichtung übernommen habe, die Friedhofsmauer dauernd zu unterhalten. Er habe es daher als unangemessen empfunden, daß der Magistrat an die Gemeindemitglieder herangehe. Herr Kober empfiehlt demnach nichts zu zeichnen. J.-R. H i r s ch b e r g ergänzt die Ausführung von Geh.-Rat Goldfeld und betont, daß der Magistrat die übernommenen Verpflichtungen voll erfüllt habe. Wenn er sich in den Kosten verkalkuliert habe, so sei has kein Grund, von den Gemeinde-Mitgliedern eine Beihilfe zu erbitten. Bei der richtigen Darlegung der Sachlage durch den Magistrat habe aber der Vorstand keinen Anlaß gehabt, vorstellig zu werden. Es bleibe jedem überlassen, ob er etwas geben wolle. In der Geheimen Sitzung werden die Bezüge für den Bälgetreter Bittner) die Badefrau Sohrauer, den Kassenboten Pietsch und den H'lfsschächter Tykotschinsky neu geregelt. Ferner wird die Anstellung des Herrn Erich Schäffer als Organist der Reuen Synagoge auf Privat-Dienstbertrag ab 1. 10. 1927 beschlossen. Die Gewährung eines Darlehens von 1500 Mk., rückzahlbar in Raten von 100 Mk. ab 1. 12. 1927, an die Jüdische Arbeiterfürsorge Breslau, wird genehmigt, desgl. die Fortgewährung des Gnadenbezufles an die Witwe des Leichenwärters Schaal. Der vorgelegte Prozcßvergleich wird nach Aussprache ebenfalls genehmigt. Die vom Vorstande beantragte Genehmigung der Anstellung des Äemeindesekretärs, Herrn Jacob Singer aus Stettin, als Büroobersekretär der Gemeinde Breslau auf Privat-Dienstvertrag ab 1. Januar 1928 ivird nach längerer Aussprache auf eine Sondersitzung der Gemeinde-Vertretung am 22. Dezember 1927 vertagt und in dieser Sitzung nach Prüfung der eingegangenen Bewerbungen durch einen eingesetzten Unterausschuß genehmigt. Zum 24. Januar 1Y28 _■ ' (Dem Andenken eines großen Gelehrten.) Ferdinand Cohn, dessen Geburtstag sich heute zum *10 0. Male jährt, war eiüer der ersten jüdischen Ordinarien an einer deutschen Universität. Das ist ein gewisser, wenn auch nur indirekter Beweis für die Bedeutung des Gelehrten. In der Tat bildet der Verfasser des bekannten Werkes: „Die Pflanze" mit Pringsheim und Straßburger ein unsterbliches Triumvirat auf dem von unfern Glaubensgenossen sonst wenig bevorzugten Forschungsfeld der systematischen Botanik. Was er in dieser Materie Bahnbrechendes geleistet hat, ist mit goldenen Lettern im Buche der Wissenschaft eingetragen, entzieht sich aber bei der Sprödigkeit des Stoffes der eingehenden Detaillierung. Uns interessiert hier in erster Reihe Ferdinand Cohn's Gesinnung als aufrechter Jude, die aus seinen Aufzeichnungen in den wenigen Monaten, die ihm nach seinem 70. Geburtstag noch zu; leben vergönnt waren, und den „Erinnerungsblättern" seiner Ehefrau Pauline geb. Reichenbach spricht. < Letztere hat sie zusammen mit Cohns Nachfolger im Lehramt und'