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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1927-12-09 · 12 (9.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
4 (1927)
Issue
12 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Nr. 12 190 S8t<«I«utt Jüdisch«« 0«m«inb<bIatt Die Gemeindeschwester hat 1071 Ambuljänzen und 629 Besuche und Wege erledigen können, während die Hilfsfürsargerin 154 Wege im Interesse der Petenten und 263 Hausbesuche vorgenvmmen bat.' Unsere Jugendfürsorge wurde nach wie, vor stark in Anspruch genommen. Wir hotten 266 Hausbesuche und Wegtz; 370 Einzelfälle gelangten zur Bearbeitung.!' Durch,die Uebernahme der Bereinsvormundscha!ft — gemäß § 47 KJWG. — ist ein neues wichti - g e s Arbeitsgebiet für uns erschlossen worden. Die Kinderfürsorge des Jüdischen Frauenbundes in engster Zusammenarbeit mit uns, hat gleichfalls eine rege Tätigkeit entwickelt. Sie hat 180 Einzelfälle bearbeitet und' 159 Besuche und Wege erledigt. Die Vielseitigkeit der Anforderungen, die an uns gestellt werden, die große Zahl der Bedürftigen, die andauernd zunehmend« Arbeit auf allen Gebieten, unserer Fürsorge stellt große Anforderungen an unsere Beamten und Angestellten, die sich vielfach auch zu einer seelischen Belastung steigert. Ihrer anstrengenden Tätigkeit soll hier anerkennend gedacht werden. Die Ehrenbeamten unserer. Ausschüsse haben sich vielfach zur Verfügung gestellt und sind bei der Erledigung der Geschäfte uns hilfreich zur Hand gewesen. Wir danken ihnen hierfür bestens. Roch lange ist die Not^nnerhalb unserer Genteinde nicht behoben. Roch viele Schwierigkeiten werden zu überwinden sein, ganz besonders, um die Mittel für unsere Wohlfahrtspflege aufzubringen. Wir wollen jedoch nicht zurükttchrecken in dem Bewußtsein, daß unsere Arbeit einer guten Sache dient und uns hierbei der Gedanke leitet, den Bedürftigen und Ge-- beugten im Rahmen der Möglichkeit zu helfen. G. flu« unserem Gemeinde-Tlrchiv Lon Rabb. Dr. Hcppner, Archivar der Gemeinde. Archiv und Museum sind, wie Dr. Jacobson, , der Leiter des Gjrsamtsarchivs der deutschen Juden in Berlin im Hamburger „Israelit. Fom,lienblatt"') ganz richtig bemerkt, ihrem Wesen nach durchaus verschiedene Sammelstätten geschichtlichen Materials; aber ihre Grenzen sind strittig, fügt er sofort hinzu, und Grenzüberschreitungen sind nicht zu vermeiden. :— Run, solange wir in Breslau ein jüdisches Museum nicht haben, macht man sich eines Verstoßes gegen- Deuteronomium 19,« ganz gewiß nicht schuldig, wenn man der Ansicht ist und dafür sorgt, ^aß Gegenstände,'wie Thoraschmuck und -Kleidung, wie Vorhänge und Decken, die nicht mehr gebraucht «erden und ganz besonders, wenn sie mit Aufschristen versehen sind, die auf jüdische Verhältnisse oder Personen in Breslau oder Schlesien Bezug haben, in unser Gemeindearchiv kommen, und nicht, wie dieses leider in den meisten Fällen geschieht, auf Böden und in Kammern der Vernichtung preisgegeben werden. Denn aych jene sind, wie Bücher, Bilder und Akten Dokumente, die von Zeiten und Menschen uns künden und berichten, welche der Vergangenheit, der Geschichte schon angehören.! Und deshalb erftreckte sich in letzter Zest unsere Sammeltätigkeit auch auf dieses Gebiet, und wir erhielten durch die Freundlichkeit des Herrn Synagogen-Borstehers Sklarz eine kleine Decke und einige, leider schon stark beschädigte Vorhänge, die uns aus der Vergangenheit der Juden in Breslau verschiedenes erzählen und so manche Person, die für die jüdische Gemeinschaft gestrebt und gewirkt hat, uns näher bringt und zu netzem Leben erstehen läßt. — Düs älteste Stück ist ein P o r a u ch e s, ein Vorhang aus dein Jahre 5517 — 1757, eine Schenkung des Seeb ben Jehuda! Leib und seiner Ehefrau Esther, Tochter des Schraga. Wer jedoch die Spender gewesen sind und für welche der damals vorhandenen Betftuben der Vorhang geschenkt wurde, konnte bisher nicht ermittelt werden. Da aber das älteste der in unserem Archiv befindlichen Schriftstücke aus dem Jahre 1744 ist und wir aus jener Zeit überhaupt nicht viel besitzen, ist der Vorhang an sich schon eine wesentliche Bereicherung unserer archioalischen Schätze. — Weit besser ergeht es uns bei dem Zweitältesten Gegenstände, bei der kleinen Decke aus roter Seide, die in ihrer Mitte in Goldstickerei die Worte?*o (Mafsol tau«) aufweist und sich uns dadurch als ein sog. D e ck t u ch präsentiert, mit welchem vor der Trauung das Haupt der Braut bedeckt wurde. Es ist aus dem Jahre 5544 — 1784 und gehörte dem Jehuda ben Nathan utzd feiner Ehefrau Scheindel. Heber diese Personen konnten wir uns schon besser informieren dank dem ich Archiv vorhandenen Beerdigungsregister des Friedhofs Claajssenstraße'), den Grabsteininschriften'), den Geburts- und Stefberegiftem4) und ganz besonders durch das hochinteressante, kunstvoll auf Pergament geschriebene und mit farbigen Zeichnungen versehene Mohelbuch') jenes Jehuda ben Nathan aus dein Jahre 1759/60. Und wir erfahren, daß er um 1740 gcbmjen wurde, 1760 nach Breslau kam, um 1791 den Stamrnnäfnen .^Hausmann" annahm, bis zu dieser Zeit Joseph ode r") Juda Nathan sich nannte, Vorbeter — wahrscheinlich in der „Glogauer Schul" — gewesen, gegen 1800* in die seit 1780 bestehende „Gesellschaft der Brüder" eingetreten und am 11. Mai 1814 in Breslau gestorben ist. Sein Vater, der Verfertitzer jenes Mohelbuches, Nathan Schreiber (X“'ED), war Sofer in Märkisch-Friedlatzd und stammte wohl aus Liffa in Posen^j Juda Hausmann, dfr von 1760 bis zu seinem Ableben als Mohel tätig war. scheint vorher in Schlichtingsheim gelebt zu höben'). 1787 heiratete er als Witwer die um 27 Ähre jüngere Scheindel (Schönette Hirsche! Morgenstern), urid aus dieser Ehe gingen hervor: Nathan, geb. am 16. Schebat 1789, Dögejle, geb. am 1. Tammus 1790, Lea'), geb. 2. Adar 1793, Joseph/ geb. im Pokoyhof am 17. Adar I. 1794, Mosche, geb. im „gold. Rad" am 8. Elul 1795, Fradel, geb. im Hause „der Tempel"-Antoniengasse am 22. Nissan 1800 und Gietel, geb. in demselben Hause am 15. Siwan 1802. Diese, Henriette genannt, war die Stadt- Hebeamme Wohlfahrt"), später verehelschte Landsberger, und hat im Jahre 1855 das Mohelbuch ihreq Vaters der Gemeinde geschenkt. Vögele war an Abraham Joachimsohn verheiratet, und ihr ältester Sohn Hirsch war jahrzehntelang Repräsentant der jüdischen Gemeinde und Stadverordneter und spielte auch in der bereits erwähnten „Gesellschaft! der Brüder" eine besondere Rolle"). — Juda oder Joseph Nath. Hausmann war Inhaber der Stamm-Nummer 140"), und seine Frau Scheindel überlebte ihn um mehrere Jahrzehnte; sie starb am 9. Elul 1851. — Aus den Jahren 1810 sind zwei weitere Vorhänge: der eine, gespendet von Jakob ben Joel Bloch für seine Frau Rifka, und der andere, von der Witwe Nenche, der Tochter des Bezalel, zum Andenken an ihren verstorbenen Mann, den Dajan Jehoschua Falk. Utzd den anderen, zum Teil bereits erwähnten Hilfsquellen entiiehmen wir. daß Bloch 1799 Mitglied der „Gesellschaft der Brüder" wurde, 1816 dem engeren Ausschuß derselben angehörte, 1826 Repräsentant der jüdischen. Gemeinde, 1833 Dorstandsmiiglied der II. Brüder- Gesellschaft war und plötzlich im Alter von 58 Jahren am 25. September 1833 gestorben ist. S^ine Frau Rifka, geb. 1783, Tochter des Stamm-Numeranten 7., des Gab oder Gottschalk Abrah. Wartenberg"). starb am 30. Nissan 1844. Bon ihren Kindern") wird nur der, am 20. Oktober 1812 in Breslau geborene und in Berlitz im Jahre 1849 verstorbene Julius (Jakob) Bloch genannt. Ein Bruder von Jakob b. Joel Bl. war der Häusermakler Isaak Joel Bl., der Vorsteher der p*rt (Chewra Kaddischa) und des Malbisch-Arumim-Dereins gewesen und im Alter von 74 Jahren am 2. September 1855 gestorben ist. — Der Dajan (Rabb. Assessor oder Unterrabbiner) Jehoschua Falk ist, nach dem „Stammbuch der Breslauischen Juden-Gemeinde" 1791 Teil II im Jahre 1749 geboren, war der Sohn des R. Jizchak Eisig aus Breslau, ist Verfasser des in Dyhernfurt 1788 gedruckten Buches") rW.T pj3 und hieß mit seinem Stammnamen „Neumögen". Er gehörte, als der letzte „Ober-Landrabbiner der schlesischen Juden" Breslau sein Amt und später auch seinen Glauben verließ") und R. Aharon Karfunkel als Stellvertreter fungierte, zusammen mit Salomo Pappenheim (gest. 1814) und Abr. Salomo Ha-Levi (gest. 1817) bis zu seinem, am 7. Cheschwan 1807 erfolgten Tode dem Breslauer Rabbinats-Kollegium ckn, und seine Frau

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