Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 11 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ZiM^^chluß berichtet der Besitzende des Vorstandes, Geheimtat Goldfel drüber die eingeganaenen Bewerbungen auf die ausgeschriebene Stelle eines Obersekretärs. Auf seinen Antrag wird ferner! genehmigt, Herrn Batschinski nach bestandenem Referendar-Examen als Volontär bei der Gemeindeverwaltung einz^stellen. Kr «ela« er Jüdisch«» Semeivdeblatl oben ein Bret, mit br Erde geleget und danst El Bibliothekarin der Industrie- und m Rücken aber wird er bloß auf die verscharret." . i isabeth K u p k a . Handelskammer Breslau. Lao erste jüüifche Begräbnis auf dem Kneöhofe Elaaffenstraße ln Breslau Eröffnungsvortrag -ec Art! Das Judentum «! Int 13., 14. und 1$. Jahrhundert aus Breslau vertrieben, blieben die Juden durch lange Zeiträume der Stadt fern: Im Wechsel der Zeiten entstanden in Breslau aber doch wieder geue Anstedlungen. Da der Breslauer Judenfriedhof 1343 durch den König Johann von Böhmen aufgehoben worden! war, mußten die jüdischen Leichen nach den auswärtigen Friedhöhen in Krotofchin, Zülz und Dyhernfurth gebracht werden.! Die Schwierigkeiten, die hiermit verbunden waren, drängten gebieterisch nach Schaffung einer eigenen Begräbnisstätte.! Endlos waren die Bemühungen der Breslauer Judenfehaftf diese Schwiechgkeiten zu überwinden, die ihren doch so berechtigten Wünschen entgegenstanden, obwohl wiederholte Edikte Friedrich II. die Anlegung eines jüdischen Begräbnisplatzes gefordert hatten. Ein entsetzliches Unglück, dps die Stadt Breslau heimsuchte, erzwang die Entscheidung. Am 21, Juni 1749 entlud sich ein heftiges Gewitter über Breslau, ein Blitzstrahl schlug in den Puloerturm, der damals in der Festungsmauer yuf der jetzigen Wallstraße stand. Mehr als 60 Personen kamen bei dieser Explosion ums Leben, unter ihnen mehr als! 30 Juden. Der Mangel eines Friedhofes machte sich so empfindlich fühlbar, daß die zuständigen Stellen Nunmehr! ernstlich! daran dachten, den Wünschen der Juden zu entsprechen. Trotzdem mußten noch Jahre vergehen, ehe die nötigen Gelder zusämmengebracht werden tonnten. Dem Rabbiner Gompertz und vor allen Dingen Joseph Jonas Fränkel, dem Großvater der Philanthropen Gebrüder Fränkel, ist es zu danken, daß am 31. März 1761 der Kaufkontrakt abgeschlossen werden konnte, durch den-George Anton Lange seinen Gärten auf dem Schweidnitzer Anger, jetzt Claaßenstraße und Fränkelplajtz, der Gemeinde überließ.! Am 16. April 1761 wurde die erste Leiche bestattet. Mendel Fraenkel ist der erste, der am 26. Nissan hier beerdigt wurde, neben ihm liegt seine Frau Sistel Fraenkel.! . Ueber diese erste Beerdigung finden wir in den alten Akten der ,^Judenkästen" desBreslauer Stadtarchivs handschriftlich folgende Schilderung: Die Leiche wurite auf einer Bahre auf einen abarten Niedrigen Wagen mit zwey Pferden, welche vost Zwey Juden an die Hand geführet worden, gezogen. Die Bahre wurde mit einem schwartzen sLuche bedecket und mit 3 Sauve-Garde begleitet. i Hinter der Leiche giengen die Klagenden und Betrübten, gu erst die Manns ustd hernach die Frauens Personen, und gieng dieses wohl die gantze Judenschaft mit. .! Bei ihrein Begräbniß vor dem Schweidstitzschen lThore (:der ehemalige Langische Garten:) wurde die Leiche von dem Wagen herunter genommen, und von allen vornehmen Juden, ausgenommen die Rabbiner nicht, 10 Schritt und wiederumb abgewechselt bis in ihre Bade oder Reinigungs Haus getragen. Ist es ein Mannsbild, so entkleiden kyn die männlichen Geschlecht, ist es ein Frauens Perspn, so wird der Tote von denselben ausgezogen. Nach diesech wird der Körper durch und durch gewaschen and bey jedetn Strich ein Gebeth verrichtet. Sodann wird er wieder angezogen und bis zur Grube gebracht, wo ihm eine Rede gehalten wird (:ist es ein vornehmer Jude so j eschiehet die Trauer Rade vom Rabbiner:) und sodann in die Grube geleget. Ist nun der Tobte vom ©tdmmi2Iraon, si bekommt er ein Kasten wie ein Sarg, rer aber bekommt auf beyden Seiten ein Bret und L: 171 Zreien Molschen Volkshochschule, hur Holitscht der komuieude« Weltkrise, ein ande Man muß es dem Vorstand her Freien Jüdischen Volks- Hochschule in Breslau als besonderes Verdienst anrechnen, daß er es in den letzten Jahren verständen hat, ganz hervorragende Persönlichkeit r der gegenwärtigen Literatur, zu gewinnen. Man denke an Max Brod und' Lion Feüchtwanger u. a. Das 17. Halbsemcster eröffnete Arthur Holitscher mit einem fast zweistündigen Referat über das Judentum in der kommenden Weltkrise, i Der völlig gefüllte große Saal der Lesssngloge zeigte, düs! unsere Bteslauer' Gemeinde das Schaffen Holitschers mt regem Interesse verfolgt hat und seinä Bücher über Palätina, Sowjehcuhland, fein „Tagebuch eines Rebellen" haben zweifellos ist Breslau nicht weniger Leser gefunden als seine Aufsätze im „Berliner Tageblatt" und in der „Neuen Rundschau". Man weiß, daß Holitscher ssine im politischen Leben auf der äußersten Linken stehende Persönlichkeit ist, und so waren seine Ausführungen von vornherein durch ein starkes Temperament und großen Bekennermut gekennzeichnet^ - Wie es immer.bei derartigen! Themen zu gehen pflegt. Im Au ntorium bildeten sich auch Meinungen, die von der seinen abwichen, aber mit Recht wies der Vorsitzende Dozent Dr. Lkwkowitz darauf hin, daß man einer solchen Persönlichkeit cs unbedingt zugestehen müsse, ihre Meinungen in ungestörter Ruhe zu entwickeln. So blieb glücklicherweise ein taktl iser Zwischenruf ohne Folgen. Im einzelnen führt: der Vortragende, ohne daß es möglich wäre, die Fülle sei rer Gedanken nur annähernd zu erschöpfen, aus, daß in der zukünftigen Auseinandersetzung zwischen der kapitalistischen und sozialistischen Weltordnung das Judentum eine besondere Stellung habe. Zwei Fragen seien im Augenblick vor brennendstem Interesse. Der Fortbestand von Erez Israel v nd die Kolonisation jüdischer Menschen ,in Sowjetrußland, Er! chilverte, wie die russische Regierung sich mit Erfolg bemüht l at, II 000 jüdische Kolonistenfamilien in der Steppe anzusiediln. Heute befänden sich dort bereits blühende Dörfer. Eine umfassende Organisation sei geschaffen worden, um die Pläne zu verwirklichen. Die gegenwärtige Krisis in Pülästina sähe er nicht nur als eine'wirtschaftliche sondern auch als eine geistige an, es sei die Frage der Ehalupm, in her das amerikanische! Judentum eine andere Auffassung deswegen seine Zählungen eingeschränkt habe. . | Die ganzen Sympathien des Redners waren durchaus den arbeitenden Manschen, und aus seinen ganzen Aus-., raß er sich eine Welt ersehnt, iw der Ertrag seiner Arbeit findet. Das!>on der Größe eines Spinoza, Heine, per Welt geschenkt habe, müsse auch in der kommenden Weltkrise, die vielleicht zu einer Epoche der Katastrophe werden I könne, wenn es zu der gefürchteten Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit käme, seiner grcßen Vergangenheit gemäß, eine entschiedene Stellung einnehmen. ' ■ _ Wenn auch, wie eingangs gesagt, das Auditorium nicht völlig mit dem Redner umging und manche seiner Ausführungen zu Widerspruch herausiorderten, vielleicht im besonderen seine Schilderung des gegenwärtigen Standes vom Aufbau ^eite übertrieben erschienen, so vervaal, ohne das Gefühl zu haben, von fn kommenden Worten innerlich er- Dr. W. C. b?i fühcungen ging hervor, der Arbeiter den volles Judentum, das^Führer Mcrx, Lassalle, Trotzki Pclästinas nach einer lie; doch niemand den dein aus warmen Herz griffen zu sein.!!!