Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 9 (19.9.1927)
- Date
- 1927-09-19
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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156 V»4»l«»«r AEslfche« 6ftl»MHiH Nr. 9 Aufruf an alle Juden in Preutzen! Dein Unterzeichneten Verein ist dom Preußischen Wohlsahrts- MinistePum eine Wohlfahrts-Lotterie . genehm gt worSen. Ter Ueberschuß ist zur Errichtung einer Tuberkul-seuheilftättr für jüdisch« Männer und Knaben bestimmt. Eine derartig« Einrichtung besteht in Deutschland noch nicht. Wir verweisen auf die Artikel in jüdischen Blättern, namentlich auch in diesem Blatt; sie schistjern die Rot der Kranken, denen nicht geholfen wird. Tie Artikel führen den Nachweis, daß der Kampf gegen die Tuberkulose, den tückischen Feind der Menschheit, durch eine derartig« Fürsorge-Einrichtung ausgenommen werden muß.. Die Lotterie hat einen Gesamtbetrag von , 210 OOO Mark. Es werden 66<o Gewinne (Waren- und Wertgewinne) im Werte von 70 000 Mark auSaespielt. Das Los kostet 2 Mark. Die Ziehung ist auf den 14. März 1928 festgesetzt. An alle Juden ergeht die Bitte: Kauft Lose und werbet für die Wohlfahrts-Lotterie der v Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden E. V. Lose sind in 'allen größeren Städten durch'die jüdischen Wohlsahrtseinrichtungen und Frauenvereinigungen zu beziehen oder direkt bei der Geschästsstelke Frankfurt o. M., Goechestraße 17 (RechtSa;n!walt Tr. Ernst Goldschmidt). Der Arbeitsausschuß: Henriette Besthoff Dr. Siegfried Oppenheimer Elem. Cramer - Bertha Pappenheim Dr. Gustav Löffler > . Henry Rochschild Dr. Eugen A. Mayer Ella Werner Hermabn Wronker Der vorläufig« Ehreaausschuß: A«*«,: J.-R. Dr. Framle». Rabb. Dr. Schöub-rvr; WUaftthi: »abb Dr. Hpt; »«ich: K. bau 3)1)t; San»»: Sabb. Dr. »«ibn; Ocrlii: grau Bertha Bad>- Siraub, Labb. Dr. Saed, 6.-SR. Dr. Brat», gra» Eruestrue Lschelbacher, Bruno *“££• Dr. Salliner. Fra» vrttr Doldschmrdi. grau Senta ivöritz, >iabb. Tr, Meier tyUxlbtaict, Frauleiu Hau»ab «armiusli, Dr. Rabats Lktjyask,. »l!«d Marc»«, grau t»a Rathftei». «rh. S. Prof. Dr. H. Straub, grau Mru« Schwär, Dr. Felip Theiihaber, «rar» Tietz. »eh. I.-«. «rrih. rimruborf-r, Pros. Dr. Dürt, Dr. Zwillenbera; Beuttz,, O^S.: Rabb. Tr. Soliniti, Hugo «»»,. Robb. Tr. Melchior; «rliffrl»; Frau Hrbwi, Bechei, Dr. Crawer, Dr. WMi «atzeufteiu; Doch»»: Rabb. Dr. David; B»»u: S.-R. Dr. Lichte uHeiu. Solo Siwou; Beedtau: Rabb. 2>I. Hob» Sohn, Aböls Daugiaer, Dr. Isidor > griebebrrg. grau Peate Duttwauu, Dr. I. Heiurwauu, Rabb. Tr. Heppuer,. J>.-R. Hirfchbera. Rabb. Tr.'Hoff»»»». Fr,» »eriha Lader, Dr. «lberr Lewkowi , gra» Paula Olleudors, J.-R. «eor, Peifer, S.-R. 3>r. Alfrr» Staub. J.-R! r. Peorg Daru-wski, Rabb. Tr. «ogrtstri», Tr. Lar, «ieuer; Dar«»», >: Rabb. Dr. 3«ob, Tr. «alter Steinbe»; Duitbur«: Dir. «uv» Lausura, >, Tr. Laufwauu I, Theodor Lauter, Rabb. Tr. M. Reumark^ Tiiffrlbar j: Rabb. Dr. «schalbacher u. Frau, lkrich gelseachal. Rabb. Dr. Sie,- Dne» »l in. Vberfelb-Varmeu: S.-R. Tr. «ufta» Olleudars. gra» Llara S-»»eI: P»b»»: Rabb. Tr. «lum; «rsurt: Rabb. Dr. R. Sal«brr«r; «ßeu: Rabb. T. S. Sa»ael; gr»»kf»rt/«.: J.-R. Dr. Bla», gra» Mar Bloch.Neuliabt, D n> Tretzfu», Prof. Tr. Robert Drehfuh, Dir. Dr. Driefeu, Dir. Dr. giuk. Ha r» Falb, gra» Heuriette giirtb. Juliu« So!bsch»ibt. Prof. Dr. S^aul fbroffer, c». Dr. Albert Hah», Leuor -Helft. Rabb. Dr. Hoffwau». Rabb. Dr. fdorovitz, Pffof. Dr. Jsaa«. Dir. Jakob, Trust «aha. Prof. Dr. R. «och, Rabb. Dr. 2a,am». Albert Mai»,, Michael Mose» Main«. Dr. S. Oppenheim, Prof, .r. Fra; , 'Oppenheimer, Ialob Rofeuheim. Dr. Frau, Roseu,w«ig. Dr. David lothschilt 'Rabb. Dr. Sal^ergrr. Red. Schachuoivch. Rabb. Tr. Seligmauu. )r. Er» t .Simou, Pros. Dr. «. P. Simou, Rektor ». Ster», Pros. T». raugott Tr. *. «. «rill. Snlia* «eruer: Feaukfurt/O.: R.-A. Leo Rehab; ulba: t etwa »irteurulh, Rabb.-Tr. L. «ah» u. grau, gra, TMa Feldheim.!r. Lech »lb Her,. L»car Ruhbau», Tr. Le, Steiur Seyeutircheu: Rabb. Dr. ialliuer, Rudolf Plaut; «eiwitz: Rabb. Dr. Och«: Alaoau: Tr. Arthur Cohu. labb. 3 c. Sueat; «Mi«: Juliu« Herbst, R.-A. Tr. Alfred «Up,; «Mtiagn: «rmauu Jacob: •■»<«: Paul Leich; Halberstab«: «uftav Levi, Hai« «. S.t S.-R. 3:. Oppeuheimer; Ha»»»/».: Rabb. Tr. »radeuwitz. Dr. Mar Rap»; b«»»»b«i: S.-R. Tr. ». Eahenfteiu, grau Marth- Fischer. Rabb. Dr. Freuud. Rep.-Bai r. Paul Roseuselb, Tr. Heiurich Etrautz: Herfarb i. V.: Dir. I. Saruch: vilb»«h»i»: Dl. «er«. Alber« «olbschmcht. Rabb. Tr. Lewiuskh; lusterb« R.-A. «urt Lewiusohu- «»fsel: Dr. D. «aldschmidt, Richard istotteist, gi au Adele Roseuzweig, Ernst Rubeufohu, Rabb. Dr. Walter, gra» kuprnie Ser,heim; K^l«»,: S.-R. Tr. Earl Laudauj »»l, ». Rh.: »eh. e.-R. vr. Aue dach «. Frau, Tir. Albert ««»dir. Earl Bitr u. gra», J.-R. Ludwi, sahen, t lud.-Tir. Tr. E. Earledach. «orih «ahn. »abb. Dr. «ober. Tir. SK. llato. R bb. Tr. Roseuthal; ai»ia«b<r«: Arthur Loh», Prof. Tr. Srh. Meb.-R. kalkeuhei». grau Repiua Freitag. Tr. Leo Pollnows Frau »lara Reichmauu; N»«tb»«:>R»bb. Tr. P»«uer; «re»z»»ch: Rabb. Tr. Tawrooi; »refelb: R.-A. »ofeph Wilczet; Li«,»l»: R.-A. Dr. Albert Lochuitz, Rabb. Dr. Perih; l»,beb»r«: S.-R. Tr. grautcnftei», Juliu» Wichactz«, M. Stciuhardt, Raw. Tr. «eof, Wlld«: «arb»r»: Rabb. Tr. Loh«, Prof. Tr. Fraeukel ». grau: Istlhei»'«. b. Ruhr: Rabb. Tn. Reuhau«; Mstihe, »Icchbach: Tr. Loeb; »üuster «. Rabb. Dr. Steiuthal: Rorbhause»: 3>r. P. grohnhauseu, S.-R.;r. (£. Uten; Oppelu: Rabb. Tr. T. »rou»schwei«r; Oboabrii«: A. Joua», labb. Dt. Hugo «rakauer; Saarbrii««»: J.-R. A. August I. Rabb. Dr. Trust lakob: I ichoeibemahl: Mar Paumau», Rabb. Dr. Atth»r Roseuzweig; Stetti»: lr. Sie, bat Auerbach, Dr. Walter »laser, Lurt Joseph, S.-R. Tr. »ufta» audbberStulp i. P-: -Bevuo Philiprthal; Tili lbeaabb Dr. Adolf Altmau»; Wetzlar: gra». Heb! jab. Baum, Fra» Tr. »oibsteiu. S.-R. Tr. Artur Sirou«. 3)r. Schönseid; Trier: Hofsmonn; Wiebbabca: »um, Rabb. Tr. Latzaru«, lleber die Nolwendj-eit der LrrichtAng einer TnberkuloseheilfiStte für jüdische Männer. Während von 1870 bis 1914 die Tuberkulosesterblichkeit von 25,1% Sterbefällen auf 10000 Einwohner in Deutschland auf etwa 15 zurückgegangen war, ist diese Ziffer jetzt wieder auf etwa 20 angestiegen. Die allgemein« Sterbeslatistik lehrt, daß in Deutschland auf 10 000 Einwohner 19.4 an Lungentuberkulose und darüber hinaus 2 an Tuberkulose anderer Organe zugrunde gehen, also 21,4 Sterbesiille an Tuberkulose. Bon den 600 000 Juden in Deutschland gehen nach obigen Ziffern pro Jahr 1284 an Tuberkulose zugrunde. Bei dem etwa siebenjährigen Turnus (Strauß nimmt 6% Jahre an) der Krankheit ist mit der siebenfachen Zahl von Tuberkulosekranken zu rechnen. Es gibt also in Deutschland statistisch 7 mal 1284 gleich etwa 9000 tuberkulöse Juden. Diese Zahl bedarf jedoch einer Einschränkung. Zwar kann nicht angenommen werden, daß die Berufsgliederung der Juden ihnen einen besonderen Schutz gegen diese Krankheit verleiht. Wir wiflen im Gegenteil, daß die von den Juden bevorzugten Gewerbe, insbesondere das Handelsgcwerbe, einen erheblichen Anteil, etwa 2,65% auf taufend Erwerbstätige, tuberkulöse Todesfälle stellt, während beispielsweise in der Landwirtschaft nur 1,06, im Bergbau 1,54, dagegen im Bekleidungsgewerbe 3,05, im Gast- und Schankgewerbe 3,01 an Tuberkulose-Sterbefällen (immer auf tausend Erwerbstätige errechnet) fallen. Günstiger ist die Statistik für die Juden auf dem Lande, wo ersahrungsgemäß wegen der gcringerejn Wohndichte und der besseren Ernährimgsoerhällnisse etwa nur mit! der halben Sterblichkeitszisser zl> rechnen ist. Bei der erfahrungsgemäß hingebenden Fürsorge, die die Juden im allgemeinen ihren Erkrankten und Krankheitsgefährdeten angedeihen lassen, kann somit angenommen werden, daß etwa die Hülste der statistisch errcchneten Zahl, d. h. also etwa 4500 Tuberkulose dauernd in der deutschen Judenhcit sich befinden. Wenn wir von den 4500 tuberkulösen Juden diejenigen des Stadiums ausschalten, da für sie ein« allgemeine tuberkulöse Fürsorge nicht mehr, sondern höchstens Krankenhausbehandlung in Betracht kommt,, bleiben etwa 3500 tuberkulöse Kranke, für die die jüdische Oeffentlichkeit sorgen muß. Bon diesen scheiden nochmals 1500 aus, die infolge ihrer wirtschaftlichen Lage keinen Anspruch auf; öffentliche Fürsorge erheben oder mit den allgemeinen Tuberkulosefürsorgeeinrichtungen des Staates und der Städte vorlieb nehmen. — Wir mußten, um die errechneten 2000 Tuberkulosen ordnungsgemäß zu oersorf>en — wenn wir annehmen, daß im Durchschnitt der Einzelerkrartkte ein Dierteljahr in Dauerbehandlung zu nehmen ist — somit ständig 500 Betten für jüdische Tuberkulose zur Verfügung haben. Kinder könne» zum Teil an der See, in Wyk, schon jetzt versorgt werden. Es fehlt tm wesentlichen eine Anstalt für-tuberkulöse Männer mit zunächst hundert Betten. Zwar besitzen wir in Soden am Taunus in der Israelitischen Kuranstalt fünfzig Betten, die leicht Erkrankte (nicht offene, d. h. keine Tuberkelbazillen an die Umgebung abgebende Kranke) aufnehmgn können. Dagegen fehlt es vollständig an einer fach- und fachgemäß geführten Heilstätte für tuberkulöse Männer, die Bazillen ausstreue» und somit nur in den hygienisch einwandfreien Verhältnissen eines Sanatoriums die Vorbedingung für ein« kunstgerechte Heilkur finden- Aus die Frage, warum nicht alle solche Kranken in den bestehenden öffentlichen Anstalten Unterkunst und Heilung suchen können oder wollen, muß vom ärztlichen Standpunkt darauf hingewiesen werden, daß die Rücksicht auf die religiöse Einstellung vieler Kranker unbedingte Richtlinie für unser Vorgehen sein muß. Ein Kranker, der mit Widerwillen die Vorgesetzte Kost zu sich nimmt, kann erfahrungsgemäß nicht gedeihen. Dazu kommch daß leider die Verhetzung und Vergröberung der innerpolltischen Gegensätze vielfach einen jüdischen Kurgast in den allgemeinen Anstallen Verunglimpfungen und Hänseleien aussetzt, die ihn zu keinem wahren Kurgebuß kommen lasten. Selbst die Einstellung mancher Avstaltsleitungen und dort beschäftigter Aerzte ist dem seelischen Wohlbefinden solcher! Erkrankter nicht immer förderlich. Wir müffen vom Menschlichkeitsständpunkt verlangen, daß die in körperlicher und seelischer Not Be sindlichen, vor allem in Zeiten des Kurgebrauchs möglichst von allen Störungen materieller und ideeller Art befreit bleiben. Wir müsten auch verlangen, daß den Erfahrungen der Allgemeinheit entsprechend der Hauplleil der Erkrankten in Deutschland selbst untergebracht wird. Es bleibt somit die Forderung, für die im werktätigen Alter erkrankter jüdischen Männer eine jüdische Heilstätte in Deutschllmd an geeignetem Ort zu errichten und so die Lücke zu schließen, die in unseren ,udischrn Fürsorgeeinrichrungen klosst. (Siehe nebenstehendes Inserat.) 'i Jüdische Mittrlfiandsküche. iieoielc unserer Gememdcmitglied-r kennen die Jüdische Mittelche, die, eine Blüte der Inflation, fest einem Jahrfünft zu den igkeitsmstituten unserer Gemeinde gehört? Sie ist aus dem Beenmichsen, unserem Mittelstand, der gerade durch die Inflation e Habe verloren, wenigstens einen behaglichen und gemütlichen sch zu bieten. Kostenlos werden Mahlzeiten nicht abgegeben. Wer e Tat begehen will, der nimmt Gutscheine aus 10 oder 20 Mahl- >nd diese verteilt er an die Bedürftigen seiner Bekannten, von. er weiß, daß sie eine öffentliche Hilfe nicht in uch nehmen wurden. Darum: wer keine Gutscheine hat. sich an Frau Bankier Loewy. Gaethestxaße 3«. oder Herrn Helm Freyhon, Eichbornstroß« 4/6. Di« Scheine werden franko s gefchi«. Gerade letzt zu den Feiertagen kann man wohl kaum nderes Feiertagsgeschenk geben, als daß man solchen Hilfefuchen- "n uncr die garten Feiertage em kräftiges warmes Mittag,rot — an Sabbcrfhen und Feiertagen natürlich auch Abendbrot — verschafft, I