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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1927-08-22 · 8 (22.8.1927) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
4 (1927)
Issue
8 (22.8.1927)
Date
1927-08-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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I Nr. 8 Br«»l«»«r Jldl sch«« ®«m«{nfc«tl«f< Pla tzkarteuaurgabe. Die geehrten Gemeindemitglieder werden dringend gebeten, die Termine für die Plaf jkartenausgabe (siehe Amtl. Bekanni machung) genau zu bea, ften. Bei Versäumnis der Frist i' baldige Meldung erforde lich. f u(tu»-Steuer. Es wird von Hen Gemeindemitgliedern immer noch nic^t genügend berücksichtigt, d lß die Veranlagung und E i n Ziehung der Kultusste> lern, ebenso wie die der evangelischest und katholischen Kirchensteuern, von den Finanzämtern ooi genommen wird. Die C ynagogengemeinde weiß daher nich, ob das einzelne Gemein remitglieb Steuern zahlt, wieviel eß zahlt und ob es mit den Zahlungen im Rückstände ist, sonderst sie erhält von den Finar zämtern nur die eingegangenen Beträge an Kultussteuer im ganzen überwiesen. jp Wenn daher ein Gemeindemitglied an den Vorstand der Synagogengemeinde, als der hierfür zuständigen Stelle, einest Antrag auf Stundung, Ermäßigung und Erlaß stellt, so ist ejs unbedingt erforderlich, ba[j diesem Anträge beigefügt wird: > I. der Kirchensteuer-B rscheid, II. a) bei Vorauszahlimgspflichtigen der Einkommensteuerbescheid des vorhergegangenen Jahres, l>) bei Lohn- und Gehaltsempfängern eine Lohn- oder Gehaltsbescheinigung des vorhergegangenen Jahres, III. falls erwerbslos^ di > Erwerbslofen-Befcheinigung. Anträge ohne bieje Angaben können überhaupt nicht oder nur mit großer Verzögerung wegen der erforderlichen Rückfragen bei den Finanzäin! ern erledigt werden.! Das Kinderheim -es ^ü-ifchen Zrauenbun-es Breslau. „Unsere Kinder sind usisere Zukunft." Unter diesem Geleitwort stehen all die zahlreichen Bes rebungen, die von Fürsorge-Organisationen jeder Art zu Taten umgesetzt Derben. Der Instinkt der Müt erlichkeit, der als Urbegriss tief in jedor Frauenseele verankert ist, macht die Frauen zu den berusenen Hüterinnen und Leiterinnen der Kinder- und Jugendfürsorge. Unter dem sozialen Berantwortlichkeitsgesühl, da « die Frauen zusammenschließt, damit sie über den persönlichen Leben »kreis hinaus der Gemeinschaft dienen, ist auch in Breslau durch die Bemühungen und Werbearbeit des I ü d i|- schen Frauenbundes ius kleinen Anfängen ein Kinderheim entstanden, das hilfsbedürftigen . lindern vom 2. bis zum 6. Lebensjahre eiste Pflegestätte gewährt, in der sie alles finden, was ihr Elternhaus odejr ihre unverheirateten Mütter ihnen nicht geben können.! Aus engen, bedrängten Verhältnissen kommen alle diese Kinder: au; der vergiftenden Atmosphäre der Not und des seelischen Tiefstandes: au; Wohnungen, in denen sie zusammengepfercht und vernachlässigt gehaut haben. Nun finden sie hier in den großen, zweckmäßig ausgestattete» Räumen alles, was sie bishe' entbehrt haben: Licht, Lust, Sonne, zweckmäßige, saubere Bekleidung, liebevolle Pflege, saubere Betten, Bädei, Spielzeug und Spielkameraden — so recht alles, was einem Kinderkörper Frische und Gesundheit, einen i Kinderherzen Sonnenschein und freundliche Erinnerungen für das ganze Leben schaffen kann'. Das neuausgestattete Kinderheim des Jüdischen Frauenbundes ,>-B r e s l a u, lieg in dem umarünten Villenvorort Krieterr. Das solide gebaute Haus ent!,ält im Erdgeschoß und ersten Stockwerk die geräumigen, Schlaf-, Spielräume, sowie Küche, Badezimmer, das Zimmer jür die Leiterin und ein Einzelzimmer für Krankheitsfälle. Die beide t Hortnerinnen teilen sich in i Te Betreuung der Kinder. Im Erdgescho; ist ein großer, lichter Raum mit anschließender Veranda für das Sä»klingsheim vorgesehen, das binnen kurzer Zeit eröfsnet werden soll. Hier stehen schon weiße Körbchen; ur Aufnahme der kleinsten Pfleglinge berei, ebenso harren Badewannen, Wickeltisch und Wage ihrer Bestimmung. Die Räume Insgesamt zeichnen sich durch Licht und Lust aus. Die ganze zweckmäßiges bis in die kleiiste Einzelheit durchdachte Ausstattung deö Hauses, die blitzsaubere Küste, die Wäsche- und Spielzcugschränke, die hygienisch« Badestube, bezeichnen nicht nur den Geist der Ordnung sondern auch die mütterlichen Herzen, die dieses Heim geschaffen Haber . Hinter dem Hause beti eten wir zunächst einen geräumigen, ungrünten Hof, in dessen Mitte ein eingegrenzter Sandspielplatz den Kleine i die beliebte Gelegenheit zun i Sandbuddeln bietet. Als wir das Heil i besichtigten' waren sie gerade dabei, einen hügelig angelegten Garten m t grünen Zweigen von der na >en Hecke zu bepflanzen und die Beete m t Muscheln zu verzieren. Es war ein lustiges Getribbel in dem 'emsige t kleinen Ameisenhausen.' Strchlende Augen. Gesichter, die gesund« Farbe, zeigten, fröhliche» Gelächter boten sich uns als der schönste Willkommen!- grüß dar. Zwei der kleinsten, die kränklich sind, saßen in ihren bequeme , Wagen undIsahen dem Spiel der großen Brüder und Schwestern zu. An den Hof schließt sic!, ein mehrere Morgen großer Grasgartest, dicht mit Obstbäumen und B «rensträuchern bestanden, und von Gemüsebeeten unterbrochen, an. Er liefert fast alles Gemüse und Obst, da» fü : der die Hausversorgung nötig ist. Aus dem Küchenzettel, den un< mitteilte, war die durchaus rationelle, nach Nährwerten b aantz vegetarische Ernährung zu erjehen. Das Aussehen stätigie die Zweckmäßigkeit der Beköstigung. Das Heim bietet Aufnahme für etwa 36 Kinder. Die jüdischen Frauen Breslau», die ini Frauenbunl geschlossen sind, haben dieses Werk nut Hilfe der Marcus Schot t l ä n d e r - Stiftung, durch Spenden und werktäti iiründel. Sie haben sich damit rin lebendiges Denkmal gesti j euernd zur Mitarbeit ausfordert und bis in die fernsten Z t'ften wird. Elisabeth Lan 114 die Leiterin csmessene, fast Kinder bezusammen- und Bekta Hilf« betet, das an- Feitrn Segen d m a n n.!>« Breslau als Tagungsort. Wie wir von der Ortsgruppe Breslau des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" erfahren, findet die diesjährige Hauptversammlung des Lundes vom 22.—24. Oktober in Breslau statt. Sie ist in Form einer großen Kundgebung geplant, bei welcher Prof. Franz Oppi nheimer und Dr. Ludwig Haas sprechen werden. Außerdem soll eine Gedenkfeier für die Gefallenen in der Neuen Synagoge und ein Festessen mit Ball, stattsinden. — Für die Tagung rechnet man mit einer Teilnahme von etwa 266 Delegierten mit ihren Damen aus dem ganzen Reich«. Den Gemeindemitgliedern wird Gelegenheit geboten lein, an der Kundgebung, die im großen Konzerthausfaal ftattfindet, md an der Gedenkfeier teilzunehmen. Die goldene Hochzeit _ : feiert am 26. August 1927 Herr Josef Deutsch und Gatten, Friedrichs Wilhelmstraße 21. Herr Deutsch, seit fast .50. Jahren. Mitglied und seit vielen Jahren Vorsitzender der Beerdigungskommission, widchet sich noch heut bei Wind und Wetter in unermüdlicher Pflichttreue1 bem letzten Liebesdienste a» unseren teuren Verstorbenen. In der ganzen Gemeinde ist di« edle Patriarchengestalt, das Wirklichkeit gewordene Phantasiebild eines „Nathan des Weisen", eine vertraute ■ Erscheinung. IWir wollen hoffen, daß er an der Seite seiner Gattin sich noch viele Jahre seinem Berufe und seinem uneigennützigen Dienste als Gabbai * niird widmen können. Den 70. Geburtstag feiert am 3. September Herr Steinmetzmeister H e r in a n n — früher in Posen, jetzt hier, Alsenstraße 93 wohnhaft - Sohne, Herrn Nathan Wcinstock, Werderstraße 33. n Bue dem vereinslebea. Iß c i n ft o cf bei seinem n Pro-Falascha-Somitee. Seit zwanzig Jahren ist der Blick der Äudenheit wieder auf die Falaschas gerichtet, einen Stamm im schwer zugänglichen abesflnischen, Hochland, der mit vorbildlicher Treue an der jüdischen Religion festhält. Obwohl seit 2000 Jahren ohne Verbindung mit der Gesamtheit der Juden, haben die Falaschas allen Bekehrungsoersuchen christlicher Missionare zähesten Widerstand entgegengesetzt. Erst als um 1870 die in ihnen erweckte Hoffnung auf eine Verbindung mit der Judenheit sich nicht verwirklichte, hatte die Mission Erfolge — aber kaum war 1903 diese Verbindung durch Dr. I. Faitlovich wirklich angeknöpft, als die Falaschas wieder Mut schöpften und mit ihrer erprobten Festigkeit den alten Glauben vertraten. Seitdem hat Dr. Faitlovich wiederholt ihr Land bereist, die Schwankenden gefestigt, ihnen Belehrung und Bücher gebracht. Junge Falaschas wurden in Italien, in Deutschland und neuerdings in Palästina als Lehrer der jüdischen Religion ausgebildet, die, in die H -imat zurückgekehrt, die Lehre der Väter verbreiten und bereits viel» Abtrünnige wieder zu ihr zurückgeführt haben. Um die Lehrtätigkeit intensiver und weniger kostspielig gestalten zu können, ist yeuerdings in Addis Abeba unter Leitung eines gut oorgebildeten Falascha ein Lehrerseminar eingerichtet. Es ist geplant, einen tüchtigen Fachmann aus Deutschland dorthin zu schicken, der insbesondere den hebräischen Unterricht überneDnen soll. Der deutsche Gesandte in Addis Abeba bringt diesem Plan das wännste Interesse entgegen und beabsichtigt, dem Herrn! auch Unterricht an der dortigen deutschen Schule zu übertragen — wodurch die Kosten für seinen Unterhalt sich vermindern. Ueberdies sind einige junge Falaschas in Deutschland; die eine bester« jüdische und allgemeine' Erziehung erhalten und zu Handwerkern ausgebildet werden alle Stellen, die mit ihnen in Berührung kommen, rühmen ihren Ern t und ihren sympathischen Charakter. ' Die Hauptkosten des jüdischen Missionswerkes unter den Falaschas werden von Amerika getragen. Für uns in Deutschland ist es eine Ehrenpflicht, diejenigen Beträge aufzubringen, die zur Schaltung der Falaschas in Deutschland und zur Entsendung de» deutschen Lehrers erforderlich sind. Eie sind nicht sehr groß und wir wüsten uns >rer Religion zuliebe dieses Opfer bringen. Nichts fordern jene Glaubensgenossen von uns als religiöse Festigung und Belehrung, wir dürfen ihnen diese nicht versagenl - Geldsendungen für das Falaschawerk nimmt die Firria Gebrüder Oppler, Banktommandite, Berlin W 15, Kurfürstendamm li >7/168, Postscheckkonto 11038, Berlin, entgegen. Prof. Dr. Eugen Mittwoch-Berlin RW 87, Attonaer Straße 26.

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