Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 8 (22.8.1927)
- Date
- 1927-08-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Br««l«u«r Jüdisch«« 01 m «J n b « b f«11 Nr. .8 Gkbraud) gemacht. Die Steueranregung von R.-A. Jacobsohn s!i erfreulich, weil sie zu den Vorschlägen gehört, die er bereits r or drei Jahren in. einer Denkschrift über die Reform der j tirchensteuergesetze von 1A05 gemoscht habe. Der Vorstand habe über diese Anregung auch des längeren mit dem Landesrkrband korrespondiert. Im November 1926 habe er einen gleichen Vorschlag in Berlin vorgetragen, allerdings nicht beim Breuß. Landesverband, — denn dieser habe die Heranziehung leamteter Sachverständiger anscheinend nicht nötig —, sondern c uf Einladung des Eo. Parochialverbandes vor dem Ev. Oberkirchenrat. Die Bemängelung der Ladenmieten ist Ebenfalls Glicht richtig. Die Mieten Peierls und Marcos müßten zu- , fmmengerechnet werden, dann ergebe sich keine Ermäßigung, stndern «ine Erhöhung. Die Miete Kretschmer sei ermäßigt, rteil er den halben Laden abgegeben hat, in dem jetzt, alleriings umsonst, die „Peah" sitzt. Der Zuschuß für das Gei teindeblatt betreffe die Kosten des Portos, des Adressens hreibens, der Versendung und gelegentlicher Honorare. Wenn B.-A. Jacobsohn günstigere Bedingungen von irgend einer Druckerei! unterbreite, werde er sofort mit dieser abschließen. (!r verliest ferner die im Vorjahr an Jugendvereine gegebenen Beihilfen; die höchsten Beihilfen haben der Turn- und Sport- Brein Bar-Kochba mit 500 Mark und die Sportvereinigung Bar-Kochba mit 200 Mark erhalten. Nachdem Dr. Schlesinger und Wilhelm Kober die Petriebs-. fihrung des Krankenhauses, der Altersversorgung und ves Liiechenhaujes verteidigt hatten, wird in die Spezialdebatte eingetreten. , Generalkonsul Smoschewer berichtet über! die Grundstückschrwaltung und regt an, die Berwaltungskosten nicht ryit 10%, sondern etwa mit 3% zu bemessen. Dann erhalte der Etat ff fort ein anderes Gesicht. l Einen eingehenden Bericht über das Wohlfahrtsamt erstattet Frau Bial. Im vergangenen Jahre seien 162 000 Mark rnrbraucht worden; bei der produktiven Fürsorge denke man a ii eine Holzspalteansralt, möglichst im Verein mit der „Peah", e ste Tapezier- und Tischlerwerkstatt zum Auffrischen von 2 säbeln und eine Nähstube. Die gebesserte Arbeitsmarktlage h »be leider eine Entlastung des jüdischen Wohlfahrtsamtes bish sr nicht herveigeführt. Bei der bemängelten Hohe der Veru Ultungskoften sei zu berücksichtigen, daß 160 000 Fälle persönlih uno 11 uüü Falle brieflich erledigt worden seien. Das süd. L chwesternheim lasse sich mit einer Prioawnstalt nicht verg eichen, da die jüoischen Schwestern anders,gehalten würden a js Privatjchweftern. S.-R. Bach bemerkt, daß die Berwalli jiigskosten ohne die aufopfernde, ehrenamtliche Arbeit von Tllmen und Herren noch wesentlich hoher sein würden. Er j ss iricht allen diesen Ehrenbeamten an dieser Stelle seinen Dank als, dein sich J.-R. Peijer namens der Gemeindevertretung a lschließt. R.-A. Nothmann beantragt, 2500 Mark für den Verein jüdische Waisenhilfe" abzuzweigen, der sich der Derscsickung von Kindern nach Palästina zu produktiver Tätigkeit ir der Landwirtschaft widme. Dieser Antrag wird abgelehnt ui tb der Wohlfahrtsetat angenommen. Ein Antrag von Frau Dt. Rabin, der jüd. Studentenhilfe am Seminar eine Beihilfe von 500 Mark zu gewähren, wird nach Erwiderung von S.-R. Biach und J.-R. Hirjchberg in den Etat „Allgemeine Lerwaltvng" verwiesen. Die Etats Religions-Unterrichts-Anstalten, Religions-Unterricht an höheren Lehranstalten und Bibliothek werden auf Bericht von R.-A. Nothmann mit den Anträgen die Vorstandes angenommen. Zum Etat Archiv wird ein Antr ig von J.-R. Peiser angenommen, die sachlichen Ausgaben ai if 1000 Mark zu erhöhen, dagegen ein Antrag, die persönlichen Ausgaben auf 3000 Mark zu erhöhen, nach Aufklärung derch die Herren Waldstein und Dr. Rosenstein abgelehnt. B lim Etat Alte und Neue Synagoge begründet J.-R. Hirschberg eingehend den Borstandsantrag, die Rücklagen für Ausbe serung auf 15 000 Mark bzw. 25 900 Mark festzusetzen. Hlrr Malsch berichtet hierzu, daß die Sandsteinbekleidung der Ti lrme an der Neuen Synagoge stark verwittert sei. Zur Zeit fir «den chemische Untersuchungen in Berlin statt. Die Reparatur würde viel Geld kosten. Diese Etats werden mit den Vorstandsanträgen angenommen, desgleichen unverändert der Etat Zweiggottesdienste. Ueber das Bestattungswesen referiert Dr. Schlesinger und empfiehlt Annahme des Vorstandsantrages, 10 000 Mark für Tisgung des Restkaufgeldes bei Friedhof Cosel einzustellen. Auf Äunsch von Herrn Gins gibt Dr. Rechnitz Auskunft über die Höhe des Restkaufgeldes. Der Etat wird darauf mit den Anträgen des Vorstandes angenommen. ' Der Etat Schlachtwesen wird unverändert angenommen, nach einer kurzen Aussprache über die Höhe der Fleischpreise. Bei dem Bericht über die Allgemeine Verwaltung äußert . sich R.-A. Jacobsohn zu den Entgegnungen über die Unter- . stützung der Jugendvereine, des Zuschusses für das Gemeindeblatt und die Tätigkeit des Finanzausschusses. Unter scharfen Borwürfen gegen die antizioniftische Tätigkeit des Z.-D. beantragt er die Streichung der Beihilfe für diesen. Durch J.-R. Hirschberg, J.-R. Kalisch und R.-A. Spitz werden die Vorwürfe gegen den Z.-D. energisch zurückgewiesen. Unter Ablehnung aller Etat-Aenderungsanträge wird hierauf der Etat Allgemeine Verwaltung mit den Anträgen des Vorstandes angenommen, der Antrag von R.-A. Iacobsohn auf Einberufung des Finanzausschusses, auf Bewilligung einer Beihilfe für den Keren Hajessod von 3000 Mark und auf Streichung der Beihilfe für den Z.-V. abgelehnt, dagegen sein Antrag betr. Steuerzuschlag für die G. m. b. H. etc. und betr. Einsetzung bezahlter Grundstücksverwalter in Form einer Erwägung für den Vorstand angenommen. In der Geheimen Sitzung wurden neue Gehaltsregelungen getroffen, für die Leichenwärter eine Aufrückungsmöglichkeit nach 10 Dienstjahren nach Gruppe III geschaffen und die Pensionierung des Schächters Freier unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste zum 1. Oktober 1927 genehmigt. Schluß der Sitzung: 0,30 Uhr. Mittelalter. Gelegentlich der jetzigen Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und Preußen über bie Abfindung der Standesherren wurde in der größeren Oeffentlichkeit bekannt, daß teilweise noch Renten gezahlt werden für die Aufgabe mittelalterlicher Rechte, wie Iu d e n sch u tz a b g a b e n , Brautgaben und ähnlicher Institute, die seit Jahrhunderten der Rechtsgeschichte angehören. Daß aber auch in Prozessen noch solch alter Rechtsschutt.aufgewirbelt werden kann, zeigt folgender interessante in Nr. 5 des Berwaltungsblattes des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden vom 15. Juni d. 2. veröffentlichte Fall: Die evangelische Kirchengemeinde in Mansbach (Rhönhalte eine Lieferungsklage gegen 10 in der Gemeinde Mansbach hauseingesessene „beweibte Juden" mit der Behauptung erhoben, daß sie nach altem Herkommen, privaten oder sonstigen Rechtstiteln verpflichtet seien,' ihr, der evangelischen Kirchengemeinde, zu Michaelis eines jeden Jahres eine lebende Gans zu liefern, und außerdem gegen die Synagogengemeinde Mansbach selbst mit der Behauptung, daß diese aus dem gleichen Grunde gehallen sei, ihr zu denselben Zeiten verschiedene Mengen Gewürz als Abgabe zu entrichten. Während das Landgericht Hanau dieser Klage stattgegeben hatte, hat das Oberlandesgericht Kassel die Klägerin abgewiesen, und zwar mit der Begründung, daß die Grundstücksbesitzer innerhalb einer Parochie ohne Rücksicht auf Konfession und Religion nur dann zur Tragung, von Parochiallasten verpflichtet seien, wenn diese sich „zu gemeinen Lasten" entwickelt hätten und das sei hier nicht nachgewiesen. So wird also der Pfarrer von Mansbach auf die jüdische Beisteuer zu seiner Michaelis-Gans nebst Gewürz künftig verzichten müssen. , G. P. wir bitten um Beachtung -es Anzeigenteiles