Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 7 (22.7.1927)
- Date
- 1927-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Wrocław 2× ep/1002369
- Pinsk 1× ep/1045440
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Nr. 7 Breslauer yüdisch^ Semeiuveblatt [y; 103 . Sklower, auch Marcus Israel genannt, aus Sklow am Dnjepr im östlichen Lithauen, war 1716 geboren. Die be- - deutende und schicksalsreiche Heimatgemeinde zeichnete sich dusch einen hohen Grad jüdischer Kultur aus, besaß bereits im achtzehnten Jahrhundert eine berühmte hebräische Druckerei, die etwa vier Jahrzehnte ununterbrochen starke Bildungs- und Wissenselemente verbreitete, sowie mannigfache charitative Institute und hatte bekannte Gelehrte aber auch eine weitgnifende kommerzielle Tätigkeit aufzuweisen. Der Dater Sklowers, R. Israel Jsserl, Sohin des Abraham Mari, bekle dete um 1747 bis 1763 das bedeutende Rabbinat in Pinsk in iLithauen und spielte auf der lithauischen Landessynode eine mcißgebende Rolle'). Diese Erziehungsmomente wurden fük öeiji Sohn richtunggebend. j 1758 wurde er zum lithauischen Schames von der schlesischen Kriegs- und Domänenkammer ernannt. Als solcher Hane er den in Breslau Handel treibenden lithauischen Juden, „d^n reichsten und bedeutendsten unter den in Breslau Handelsbeziehungen unterhaltenden", als Dermsttler, Berater und Sachwalter zur Seite stehen. Bereits vorher gehörte er selbstverständlich zu den „Tolerierten". I Am 2. April 1763 batey die lithauischen „anhier neHotiirendcn" Juden um hie Verstattung einer Betstube, weil ihne Ceremonien von denen atiderer polnischer Juden verschieden seien, und sie dock dieser Gnade ebenso würdig seien wie andere polnische Juden. Am 12. April schickte die Kammer dar Gesuch an das Judenamt zur Begutachtung, das am 5. Mai foläendes berichtete: Die vernommenen Landrabbiner Fränkel und Gemeindevorsteher Abraham Kuh und Lipmann Freund sagen aus: Die Lithauer haben sich bisher in allen „Schulen" verteilt, besonders in der Krotjoschiner. Nachdem die abgebrhnnten') Gasthöfe, „Fechtschule" und „Goldener Hirsche!" wieder aufgebaut, und die Krotoschiner Schul wieder eingerichtet fei; könnten sich die Lithau?r wieder dorthin halten. Indessen seien die Lithauer die bet eutendsten Handelsleute unter den Palen. Ihre Ehrbegierde verlange darum, so wie die anderen eine eigene Betstube zu besizen. Sie hätten nun dagegen nichts einjzuwenden, aber da sie rlsdann einen eigenen Schulsänger und Schuldiener brauchten, also zwei „Famulizen", jo möchten sie von der Gewährung der Bitte abraten. So wurde am 15. Juli abschlägig beschied n. Am 26. Dezember 1771 baten sie erneut,- die Errichtung )er „Juden-Schule in des hiesigen Ob?r-Schammes Marcus Israels Haufe für die Lithauer, Neu- Reußer ^und Podlachischen Juden unter dem Namen einer Lithauischen zu concediren.' Am 5. Januar 1772 wurde die Juoenkommssion zu einem Gutachten hierüber aufgefordert. „Dsas allerhöchste Reskript" der schlesischen Kammer vom 1. Juni 1772 bewilligte die (Errichtung dieser „Lithauer Schule". Dest „Canon" von fünfzehn > Thalern fürs Jahr bezahlte Sklower und mußte hierfür bürgen. Am 16. April 1773 und 24s August 1774 bat er, es hierbei zu belassen; da die Anzahl M lithauischen Juden, die zurzeit nach Breslau kamen, gering sei, „durch deren Beytrag ko um die Schul-Kosten bestreitet (so) werden können." 1776 be;eugen dreizehn lithauische Juden aus Tiktin, Rowno und and;reiü Orten, daß „diese Schule vortreflich und mit sehr vielen Kosten eingerichtet worden"'). Ueberlieferungsgemäß!>efand sie sich ununterbrochen bis zustr heutigen Tage in dem Hofe des Hauses Goldene Radegaffe 2 und enthielt im Erdgeschoß ein Lehrchaus (Beth- Hastimidrasch), im ersten < Stockwerk die Männer- und im zweiten die. Frauensynagoge, sklower war auch Borsteher der ..heiligen Bruderschaft" (Ch>brh Kadischa) und Unterzeichnete als! solcher an^weiter Stelle mn>12. Elul 1767 den Anstellungsoemrag mit dem Bereinsarzt > Pr. Kisch. In seinem Testament hinterließ er die Verpflichtung,! daß die Bruderschaft die Aufsicht über die von ihm gegrü rdcite Synagoge übernehme"). Der um die sozialen Institutionen der Breslauer jüdischen Gesneinde hochverdiente und Igelehrte Bernhgrd Schweitzer zeichnet gegen Ende seiner -läge folgendes interessante Bild') des Lebens und Treibens in der Sklower Schul Pis dem letzten Jahrzehnt des achtze inten und der ersten Hälfte des .neunzehnten Jahrhunderts: „Zu dieser Zeit bestand das Lehrhau; in der Goldenen Radegasse, das begründet und instand gesetzt hatte! der gelehrte, frommes, ..reiche, berühmte sti- Mochechai Sflower — das Andenken des Frommen sei gesegret. Dieses Haus stand jedermann offen, klein und groß, der den Wunsch hatte, die Goueslehre zu erfassen und zu verherrlichen, zu lernen und zu lehren, zu jeder Zeit, Tag und Nacht, ohne Hindernis, Störung oder Unterbrechung."" Biel Gel ) gab der erwähnte fromme Gelehrte aus eigener Tasche her, um Bibl othek und Lehrhaus zum Nutzen der jüdischen Jugend zu , rhalten. In diesem Gotteshause saßen und studierten ohre Unterlaß Männer der Lehre, ausgezeichnete Mä rner ihrer Zeit, von Nah und Ferm Jünglinge unseres Dolles wählte:r mit Freude den Pfad, hen ihre Väter beschritten hattm, auf daß die Lehre in Israel nicht vergessen werde . . . Auc) ich, in zartem Alter damals stehend, verwandelte die Näkste zu Ta >en, um die Lehre aus dem Münde der Weisen zu bören, die ich dort sammelten. An den Abenden der Montage und Donnerstage, wenn ich in der zehnten Stunde das Hans meines Lehrers verließ, des vielbewunderten Rabbiners, des heiligen 6 ottesmannes R. Jesaja Berlin, auch R. Jesaja Pick genannt" , wandte ich meine Schritte in das erwähnte Leh chaus. D)rt beschäftigten wir uns die ganze Nacht mit scha:fsinnigen Erörterungen"), wie es damals üblich war. Auch nack seinem T >de war das Lehrhaus unter der Leitung Samson (sklowers, sei ies Sohnes)'") in voller Blüte. Auch er opferte viel aus eiger en Mitteln, damit es den Nahen und Fernen web geöffnet sei, ebenso sein Sohn, der teure und geehrte R.!lrje Löb . A."), sowie dessen Sohn, der fromme, untadliche gelehrte 8. David Sklower. Auch er war bemüht, es. in unversehrte i Ehren ohne .Störung und Unterbrechung zu erhc lten, aber infolge der Zeiten Not wurden die Zelte der Leh'e in hiesic er Stadt niedergelegt." David Sk ower, Mitbesitzer der berühmten Dyhernfurther Druckerei, verl;gte sie 1833 oder kurz danach nach Warschau, wo er noch 1839 wohnte"). Jakob, der Bruder Arje Löbs, „des en ständig!S Streben es war, in den Zelten der Lehre zu forsihen, denn das Forschungshaus war. von ehedem fein . Erb:""), war der letzte aus der Familie, der an der Stätte feiner Bäter b s zu seinem Tode wirkte. — Aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts datiert ein Zwe ter Bericht"). Man könnte desien Verfasser einen Antipodl n des er ten nennen, und dennoch spricht er von der Skli wer Schul mit größter Pietät, nennt sie „eine Merkwürdigkeit des damcligen Breslau", erzählt, daß Jakob als „Reb Jan kel Sklowe °" und Träger der verehrten Ueberlieferungen den Ehrensitz h ne hatte, und feiert in begeisterten Worten die 'Innigkeit, Ergriffenheit und Inbrunst der Andachten in diesem Got eshause. _ -. Den Ertra > aus Den Büchsensa.mMlungen beim Frühgebet am Montag un > Donnerstag überwies man 1801.3 der heiligen Bruderschaft'').. — Aus Stiftungen der Familie Sklower ist manches Stück nocf in der Gegenwart erhalten. Ein auf Pergament ge schriebenes Geb Ubuch^ dessen Titelblatt mit Darstellungen aus ■ bibl scher Geschi hte in lebhaften Färben geschmückt, ist, stammt aus dem Jahre 1776 und ist, eine Schenkung Mordechais. Das aüs dem Jahre 178^ stammende Synagogenbuch feiert das See engedächtnis der polnischen Märtyrer des Jahres 1648, dasjenige der 1749 bei der Breslauer Pulverexplosion umgekommenen, der Breslauer Rabbiner und sehr vieler Gemeiudemitglieder. Ein prächtiger Vorhang aM heiligen Schrein weist in Stickerei den siebenarmigen Leuchter, den Altar mit loderndem Feuer und den goldenen Tisch mit den zwölf Schaubroten und dem sie tragenden Gestänge auf, eine Schenkung Sanison Sklowers, die bereits im Testa,ment-Auszuge des Jahres 1779 erwähnt wird. Die alte Büchersammlung des Leh'Hauses wird noch benutzt, und alte eigenartig stilisierte Hängeleuchter sind noch vorhanben. Ein herrliches silbernes Thocafchild aus der "Barockzeit trägt das unmögliche Jahresdatum 1332"). - . --