Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1927-07-17 · 6 (17.7.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
4 (1927)
Issue
6 (17.7.1927)
Date
1927-07-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3970005-7569520-7569575--0559-3970521
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i f Nr. Vr«»I«««r Irdische« Se««k»»«dl»<« SS Altruismus. Eckstein vom junpjüdischen Wanderbund berichtete über die bish, rige Tätiflkeit des vorbereitenden Ortsausschusses, der berei s sozial-pädagogische Kurse abaehalten bade, denen jetzt in größerem Umfange die von Herrn Direktor Glaser vorgeschlagenen Kurse folgen werden. Nacki einem Schlusswort des Referenten, in dem er auch auf ine Leistungen der Jugendverbände in der Iugendvflegearbeit in der Berliner Gemeinde hinwies, war die Versammlung, zu der die stattlichen Behörden Begrüßungsschreiben entsandt hatten, beetzdA. v Kcrtenausoabe 1927 Die Inhaber der Plätze in den Zweiaaottesdiensten werden es sicherlich mit Freude begrüßen, daß die Gemeindebehörden besch ossen haben, hier! die Preise wesentlich herabzusetzen rrnd ' insbesondere eine grössere Anzahl von Plätzen in mittlerer Prei ilaae zu schaffen. I Sämtliche Gottesdienste werden in denselben Räumen stattfinden wie im Dorjahre, so dass endlich ein f sster Zustand eingetreten ist und Aenderungen, die in dem Dorj chre unter dem Zwange der Verhältnisse erfolgen mußten, nunriehr aufhören. Aus diesem Grunde konnten auch viele Wünsche der Gemeindemitglieder, besonders hinsichtlich der Lage ihrer Plätze, nicht immer Berücksichtigung finden. Infolge der Pre sherabsetzung und auch in Anbetracht des Umstandes, daß in einigen Sälen die Einteilung der Plätze eine teilweise Aenderu ig erfahren muß, können die Gemeindemitglieder in diesem Ichre in deii einzelnen Gottesdiensten, in bene i sie Plätze qehab haben, diese neu a u s w ä h l e n. Die sehr wesentliche Herabs'tzung der Platzpreise bedingt jedoch, daß eine Ermäßigung füi die Zweiggottesdienste ausgeschlossen bleiben muß. Um Andrang und unnötiges Warten zu vermeiden, ist die Frist für die Kartenausgabe ausgedehnt und auch früher angesett worden, als in den Vorjahren. Im Interesse einer glatt in und schnellen Abfertigung liegt es aber auch, daß die Gemnndemitglieder dis angegebenen Fristen innehalten. Gemeindemitglieder, die Karten bisher überhaupt noch nicht gehabt haben, können fclche am Mittwoch, den 21. September, und Donnerstag, den 12. September, erhalten. Da die Zweiggölterdienste insgesamt gegen 6000 Plätze fassen, wird jedem Einzelnen die Möglichkeit der Teilnahme an einem Gottesdien st an den hohen Festtagen gegeben. Anträge auf Uebtrlassung von Gratiskarten sind schriftlich einzureichen. Wün che bezüglich des Ritus können geäußert werdm, hingegen werken solche kür einen bestimmten Saal — schon aus technischen gründen f— werdm können. Jugendgottesdienste werden^ auch in diesem Jahre in denselber Räumen wie irr Dorjahre veranstaltet. Die Ausgabe der Karten erfolgt hier lediglich durch die Herren Religionslehrei (innen). Bezüglich der Sijnagogen^ ist zu erwähnen, daß hier irgeni »welche Aenderurlgen von Bedeutung nicht eingetreten jnur, die Preise der später eingefügteir Durchsicht zu unterziehen und eventl. sind, (a u. einzelne Herabsetzunger eintreten zu lassen. 9 jähriges Spna ivgenjubiläum in Neustadt G.»S. Synagp verstau ' auswä flläubt) |i Landn! beteilig ti SamuH einem Orgelb mit (Eli 'Brat »nd ti Hauses Nach Beabsichtigt ist d) Plätze einer rd „ rügen jüdischen en Konfessionen, an len. Das stattliche. G. t, Bürgermeister und die Vertreter der Post» und Schulbehörden seinerzeit von dem Geheimen Kommerzienrat Fraenkel gestiftete Gotteshaus war festlich geschmückt. Nach Orgel-Präludmm sang der für diesen Zweck verstärkte (Ehor unter -gleitung das „Mah tauwoh". Darauf trug Kantor L ö w e n st e i n or drei Hallelpfalmen vor. Nunmehr ergriff Herr Rabbiner Dr. nschweiger aus Oppeln Vas. Wort zu einer formvollendeten i^fdurchdachten Festpredigt, in der er die Bestimmung des Gottesals Beth Tefillah, Beth hamidrasch und Beth haknesseth darlegte, kjinem Tenorsolo „Die Allmacht" von Schubert wurden die Thora» Am IS. Mai dieses Jahres fand das fünfzigjährige Jubiläum der ge in Neustadt O.-L. statt. Aus diesem Anlaß hatte der Gemeindezu einer synagogo len-Feier eingeladen, an der sich außer vielen Deputationen auch die Vertreter der anders» - " ihrer Spitze der Erzpriester des Ortes sowie rollen herausgehoben und in feierlichem Umzüge durch das Gotteshaus getragen. Sodann verrichtete der Kantor das Gebet für die Gemeinde nebst der Fürbitte für das Vaterland und einem Seelengebet für den Stifter der Synagoge, die um die Entwicklung der Gemeinde besonders verdienten Mitglieder und die km Kriege Gefallenen. Das Einheben der Thora mit den dabei üblichen Gelängen beendete die außerordentlich eindrucksvolle und wohlvorbereitete Feier. 1 Im Anschluß hieran fand eine Festtafel statt, an der sich über Kundert Personen beteiligten. Der DorsiKende des Gemeindevorftandes, Kommerzienrat Pinkus, bearüßte die Gäste. Festansprachen Kielten Rabbiner Dr. Ellguther-Neisse namens des, Rabbinerverbandes, Dozent Dr. Lewkowitz namens des Breslauer Rab imerfeminars, Rechtsanwalt Foerder-Breslau für den Niederfchlesifchen Srnaqoqenverband und Rechtsanwalt Guthaner-Hindenburg für den Oberfrl lesifchen Synagogenverband. Ihnen antwortete der Vorsitzende des steustadter Repräsentanten-- kollegiums. Katosteroberfekretär i. R. Adler, Kantor Löwen st ein und das Borstandsmitglied Dr. med. W o l f f - Neustadt, der auch den Dcnyentoast nusbrachte. Bis in den späten A bend.hinein hielten die reichlichen Genüsse der Tafel und .die bekannte oberschlesische Gemütlichkeit die Anwesenden zusammen. ' „Vernunft wird Unsinn. wöjltat Plage". ■ Es muß einmal mit aller Schärte betont werden, in wie unfruchtbarer Weife die unoraanisierte jüdische Wohltätigkeit in ihrer Wirkung lein kann und zumeist auch ist. .Gewiß gehört es zu den schönsten Pflichten des jüdischen Religionsgesetzes, bien Armen nicht j von der Schwelle zu weifen, doch es muß einmal klar werden, daß in äiner Zeit, in der die deutsche Iudenbeit in außerordentlich starkem Maße verarmt ist, die Not immer größer wird, und die Wohlfahrtsächter und Institutionen der Gemeinden nicht mehr m der Lage sind, .auch nur annähernd alle Nöte des Alltag-,, zu lindern, jeder Pfennigs der an> falschen Platze ausaegeben wird, denen entzogen wird, deren! Not mit den vorbandenen Mitteln nicht behoben werden kann. Es ist Pflicht, sittliche Pflicht jedes Gebenden, sich darüber zu 'unterrichten, an wen und wofür er gibt. Es ist nur allzu bequem für den Besitzenden, deni Bittenden ein Geldstück in die Hand zu -drücken und sich dadurch das Bewußtsein zu schassen, eine „Wohltat" tzetail zu haben, denu. er "bedenkt nicht, wie häufig diese Wobltat zur Plage werden kann. Ein Fall für viele sei hier angeführt: Zwek Jungens, Abenteurer, kommen aus Lodz ohne Papiere nach Deutschland in dem Bestreben, noch Frankfurt zu fahren, um eine dortige Ieschiwah zu besuchen. Sie kommen zu dem Büro, das in unserer G-meinde olle Durchwanderer absertigt, die Arbeiterfürsorge, Gartenstraße 2V, Tel. Ring 8331. die sich der Jungens annimmt und nach ausführlicher Rückfrage in Frankfurt feststellt, daß ein Unterkommen für sie dort njcht-, möglich iftt Darauf will diese Stelle die Jungens wieder nach Haufe schicken, ihnen durch Vermittlung der zuständigen Behörden die Möglichkeit hierfüj schaffen, doch vergebens, „Wohltäter" hatten sich der Jungensangenommen und lie!n dem Bestreben bestärkt, doch nach Frankfurt zu gehen. Zwei Wochen wurden sie von diesen Wohltätern ausqehalten, d. h. verpflegt und beköstigt, dann hatte man auch genügend Geld zusammen, um diese weiter zu schicken, die finanzielle Sorge für das Weiterkommen der Iungens in Frankfurt' der dortigen Gemeinde überlassend und in der Annahme, daß ein Empfehlungsbrief die Iüngens vo.r allen Schwierigkeiten schützt. Aber sie kamen nicht bis Frankfurt, in Berlin wurden sie festgenommen und nach Derbühunq der Grenzüberfchreitungsstrafe iiach Haufe geschickt. Vierzehn Tage Unterkunft und Verpflegung für die 'Jungens, die Fahrt bis Berlln. d. h. eine» Summe, von annähernd 100 Mark ist sinnlos vertan und Bedürftigen, entzogen, den demoralisiereüden! Einfluß auf die Jungens nicht gerechnet. —-! Was lehrt dieser Fall? Nicht etwa nicht zu geben, aber in jedem Falle diejenigen Institutionen zum mindesten zu befragen, die mit Der» antwortung produktive Fürsorge leisten und unter Berücksichtigung der jeweiligen Berhältnisse stets bestrebt sind, helfend, einzugreifen, wo Hilfe notwendig und möglich ist.- Das ist dos jüdische Wohlfahrtsamt für Personen, die in Breslau ansässig sind, das ist die Arbeiterfürsorge für vorübergehend in Breslau Weilende. Eine telephonische Anfrage genügt stets, und sie soll in jedem Falle bei diesen Stellen erfolgen, bevor i» Unkenntnis der Berhältnisse gegeben wird. Nur so kann verhindert werden, daß Wohltat wirklich zur Plage wird, und bejvirkt werden, daß mitj hen zur Verfügung stehenden Mitteln die größttnögliche Hilfe geleistet' wird. E7S. Spendet Kleider' Meine wiederholte Bitte um Spenden an die ,,-Peah" für unsere Bedürftigen ist von vielen Gemeindemitgliedern erfüllt worden, und große Not konnte gelindert werden. Unserem.Wohlfahrtsamt gegenüber wird dcr^ großen Arbeitslosigkeit wegen ganz besonders oft »der Wunsch ausgesprochen, Männerkleidungzu erhalten, und wir -können nicht im entferntesten der großen Notlage gerecht werden. Deshalb muß jeder zu Helsen versuchen, der durch Hergabe von MännerklZdern helfen kann. Wie oft muh das Wohlfahrtsamt einfpringen, wenn sich ein« Arbeit»- ’ Möglichkeit findet, da die obgetrogene Kleidung kaum eine Bewerbung zulaßt! Diejenigen Herren und Damen, die . in den Fürforgeausfchüfsen Mitarbeiten, werden bestätigen können, wie hier dringende Hilfe not tut iunv meine Bitte bekräftigen können. Beim Weglegen der Winter» gaifderobe wird vielleicht in dem oder jenem Haushalt ein Anzug gefunden werden, der entbehrlich ist mnd gespendet werden kann. Der Dank deö Wohlfahrtsamtes und der bedürftigen Semeindemitglieder, die früher felver für sich sorgen konnten und jetzt Hisse brauchen, wird nicht aus»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.