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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1927-07-17 · 6 (17.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
4 (1927)
Issue
6 (17.7.1927)
Date
1927-07-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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SS heitszustand der einzelnen durch Maßnahmen aller Art zu heben und su verbejjern. Der Ausschuß für Gesundheitsfürsorge hat — in Gemeinschaft mit linderen Linrichrüngen — trotz der geringen Mittel, die ihm zur Ver- Fügung gestanden haben, in 104 Fallen Beihilfen zu Erholungs- oder ftadcreisea gewährt. Hierbei mußte in allereftter Reihe der Standpunkt cnreten werden, daß nur solche Bedürftige berücksichtigt werden können, »ei denen eine Aussicht aus Wiederherstellung ihrer Erwerbssähigkeit jegeben ist. Seitens der Kinderfürsorge sind 580 Fälle bearbeitet worden, bährend durch die Äugend- und G e s ä h r d eten-Fü r.f o r ge 1» Fälle zur Erledigung gelangt sind. Alle diese Fälle mußten feidsterstandlich andauernd und wiederholt betreut werden. Die fürsorgeriscye lätigkeit aus diesen beiden Gebieterr-war mannigfacher Art: z. B. Einisilung der Fürsorgeerziehung, Unterbringung in Heimen, Anstalten und liei Privaten, Erziehungsmatznahmen, Eryotungssurforge u. a. m. ,! Die G e m e i n d e s ch w e st e r hat 1281 Besuche mit 2492 i »nbulanlen Hilfeleistungen'- erledigt, während seitens der H i l j s - sursorgerin 529 Hausbesuche und 258 Gänge im jnteresse der Beistrsligeu «Rücksprachen mit Behörden, Aerzten, Krankenhäusern usw.) «ssorderlich gewesen stnd. I Nicht alle Einzelheiten der vielseitigen Tätigleit unseres Wohlfahrlscstites haben hier Erwähnung finden tonnen. Nur eimges wäre noch t lirz zu sagen. Zunächst wollen wir an dieser Stelle den Behörden iliiü sonstigen öffentlichen Einrichtungen für ihre Hilsstfieitfchajl gegenüber unseren Bedürftigen unseren besten Dank aus- I »rechen. Nicht minder gilt aber unser Dank allen unseren j u d. Beregnen und A n st a l t e n, die sich nach besten Kräften bemüht haben, din sozialen Anforderungen der Gegenwan gerecht zu werden. Die Lu- |< jmmenarbeit mit ihnen hat sich als durchaus segensreich erwiesen; haoen f doch oft über den ttrcis ihrer Ausgaben hinaus Schönes und Gutes gtteijtet. Auch jn den Kreisen unserer Gemeindemitglieder ist erjreulichcr »rife ein« nicht zu uiiterschatzende Wohltätigkeit ausgeübt worden. Es i| anzuerkennen, daß sich immer mehr der Gedanke Bahn gebrochen Hai, v jrher bei unserer AuskunsissteUe über die Würdigkeit und Bedurstigleu Vir Hilfesuchenden Auskunft einzuholen. Hierdurch wird dem Mißbrauch e silgeiunaßen gesteuert. Es sou hierbei auch nicht unerwähnt bleiben, d lß in neuerer Leit wiederum Bisten wohltätiger Gemeindemitglieder m d in Handel gebracht worden sind. Diese Bisten enthüllen auch Angaben u jer die Geoesreubigkeit und die Eharaktereigenschasten der in izrage kitnmenden Gcmeindemitglieder. Ferner ist in letzter Leit vielfach oer- >> cht worden, Kinder und jugendliche bettelnd in oie Hauser zu schicken. Asir bitten dringend, in solchen Fällen die Namen und Adressen der L stressenden fesizustellen und uns diese melden zu wollen. Wir vertrusten auch aus den Anikel in dieser Nummer „Bernunst wird Unsinn". Schließlich bitten wir unsere Gemeindemitglieder erneut, bei Bergidung oo» spenden, insbesondere bei Famittenereignisjen aller Art, ach unsere Bedürftigen nicht vergessen zu wollen; desinoen sich doch unter di sien viele Angehörige des Mittelstandes, die einst bessere Dage gesehen hi den. . G. Bre«l«u«r Jüdische» Gemeindeblatt Nr. 6 ch, sich Lp 3?i in be d n >e v li ei de Muß das fein? Uiuer dieser Ueberschrifl brachten wir in Nr. 11,1926 des meindeblattes eine Zuschrift von sehr Kschätzter Seite, die mit einem Uebelstand befaßte, den viele taktvolle Glaubens- Glossen längst bedauern, nämlich mit dem Angebot von nagogenkarten in den Tageszeitungen. Wir bitten diese schrlfl nachzulesen und zu beherzigen! Solche Angebote m n Tageszeitungen können mißverständliche Auslegung finden, d unwürdig und schließlich auch unnötig. Denn das Geindebüro übernimmt von jeher gern und völlig gehrenfrei die Vermietung von EigentumsägenfürdasganzeJahr. odereinzelneFestge und die Verwertung von Mietsplatzen r einzelne Tage, ohne sich um die Motive kümmern! Es ist unter den jetzigen Verhältnissen hts Besonderes, wenn Platzinhaber zu den Feiertagen ihren atz bestmöglichst verwerten, ihn aber für das übrige Jahr in iuer Anhänglichkeit behalten wollen. Dagegen muß das Büro e Umgehung der Vorschriften vermuten, wenn für diesen eck ein Vermittler oder das namenlose Inserat (noch dazu einer für Leser aller Bekenntnisse bestimmten Tageszeitung!) nutzt wird. Auf Anweisung des Vorstandes werden Plätze Pprmiftler — sie sind dem Büro genau bekannt! — nicht eingelöst. Wer also Schwierigkeiten vermeiden und iinen alten Platz behalten will, lasse ihn unter Darlegung der iHherigen Beschaffung endlich auf seinen Namen in den Platzder Gemeinde umschreiben! Wer dürch Mehrangebot Vermittlers seinen bisherigen Platz verliert, zeige dies n Vorstand sofort an. R. 3 di -j st t 3 nt P ln! ein 3>jk>i vrch i^hr ssten ries Die jüdische Jugend und die soziale Arbeit. Ueber dieses Thema sprach am! Sonntag, den 22. Mai, in der Lessing-Loge der Geschäftsführet des Retchsausschuffes der jüdischen Jugendverbände, Herr Dr. Lubinski-Berltn. Den Anlaß hierzu bot der Zusammenschluß der Breslauer jüdischen Jugendgverbände zu einem Ortsausschuß im Anschluß an den Neichsausschuß mit dem Bestrebens unter Zurückstellung bestehender Unterschiede religiöser mjd politischer Art gemeinsame Aufgaben aller Jugendbünde durchzuführen. Dr. Lubinski gab zunächst einen histori Jugendbewegung, die ihre Daseinsberechtigung aus der Arbeit chen Ueberblick über die geleistet hat. Daraus ist sie jetzt über ihren engen abgeleitet hat, dle sie für sich selbs jetzt die Erkenntnis gewachsen, daß Kreis hinauszugehen habe, um Leitungen zu vollbringen für das allgemeine soziale Leben, für die gesamte jüdische Gemeinschaft. Es ist naheliegend, daß dieses Hinausgehen über den eigenen Kreis für alle Jugendoerbande in der sozialen Arbeit liegt, die andererseits auch durch die Jugendbewegung wertvolle Bereicherung erfahren könne.! Diese Bereicherung liegt zunächst in der Uebertragung der von der Jugendbewegung gefundenen pädagogischen Formers, der Erziehung in der' Gruppe durch einen nicht sehr viel alteren Führer, dem einerseits die Einfühlung in die nicht wesentlich jüngeren Menschen leichter wird, andererseits diese wegen des geringeren Altersunterschiedes eher Gefolgschaft leisten. Dies auf die soziale Arbeit übertragen, würde sich leicht in der Jugendpflege und Jugendfürsorge auswirken. Hinzu kommt, daß die sozialen Unterschiede von jungen Menschen schneller überwunden werden können als von älteren, da sie im Wirtschaftsleben noch keine feste Position gefunden haben. Schließlich und nicht unwesentlich ist die Tatsachedaß der junge Mensch die Grenzen sozialer Hilfe noch nicht für unverrückbar anerkennt, ja er sie nicht einmal kennt und dadurch viel leichter in der Lage ist, über diese Grenzen hinauszugehen, sie zu überwinden. Auf Grund dieser theoretischen Klarstellung glaubte der Redner folgende Vorschläge für die praktische Mitarbeit auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge machen zu können: 1. Schon bei den Jüngsten ist eine Mitarbeit möglich durch Besorgungen für das Wohlfahrtsamt, Austräger^ von Spenden, Veranstaltung von Vorträgen in Altersheime« etc., Hilfeleistung für alte Leute beim Wareyemkauf. ' 2. Fisr Aeltere, die schon selbständiger arbeiten können, bietet die Jugendfürsorge und Jugendpflege ein wirksames Feld der Betätigung. Die Ueber nähme von Schutzaufsichten und Pflegschaften auf Grund der erwähnten Erziehungsprinzipien der Jugendbewegung, Ein richtung von Leseftuben, Erteilung von Sportunterricht in geschlossenen Jugendanstalten sei hier nur erwähnt. Voraussetzung für jede praktische Arbeit muß auch hier die theoretische Schulung sein über Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, Gesetzgebung u. a. m. Hierüber dürfen natürlich auch nicht die Grenzen der Arbeit vergessen werden, die von Jugendlichen in der sozialen Arbeit geleistet werden kann, da die Jugendbewegung ja die in ihr selbst begründeten Verpflichtungen nicht vernachlässigen darf. Aber auch der begrenzte Teil dieser Arbeit würde nicht allein der Jugendbswegung selbst, sondern auch der jüdischen Wohlfahrt und der jüdischen Gesellschaft zum Segen gereichen. Die Diskussion wurde durch eine besonders herzliche Begrüßung von Herrn Rechtsanwalt tzpitz für den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eingeleitet, der den Zusammenschluß der Jugend zu einem wirklichen Zentralverein willkommen hieß. Es sprachen ferner Assesior Dr. H i r j ch b e r g vom deutsch-jüdischen Jugendbund „Kameraden", der Leiter des jüdischen Wohlfahrtsamtes Glaser der seiner Freude über die Bereitwilligkeit der jüdischen Jugend zur Mitarbeit Ausdruck gab, jedoch Bedenken äußerte, ob die Versprechungen der geeinten Jugend in Erfüllung gehen werden, da die bisherigen Erfahrungen zur Skepsis mahnten. Dr. Josef Schlesinger, als Vertreter der Lessing-Loge, begrüßte die Bestrebungen der Jugend^ und er hofft von ihr eine Zurückdpängung des Egoismus und ein Hinführen zum

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