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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1927-04-08 · 4 (8.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
4 (1927)
Issue
4 (8.4.1927)
Date
1927-04-08
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 daljah Tiktins Weizen, offensichtlich begünstigte Rabbiners ausgezeichnet Breslauer Jüdische« Gemeind« nie sein Ziel aus den Aupen verlor. Während der berüchtigten Aera Manteuffel-Westfal« n der fünfziger Jahre blühte auch Getruu— on_:— Er hielt sich zur Regierung,' die ihn Er wurde mit dem Titel eines Land- und die Breslauer Spötter beeilten sich, ihm noch den eines „Waffer"-Rabbiners hinzuzusetzen. Gedaljah war ein«! stattliche Erscheinung. In seinen? schwarzen, weiten Obergei vande, den Stock mit de'm Goldknauf in der Rechten, gravitätisch einherschreitend, machte er einen nicht Übeln äußerlichen (Eindruck. Er hielt sichtlich auf eine Würdigkeit im Auftreten und er versäumte keine sich ihm darbietende Gelegenheit, l iefe seine geistliche Würde zur Schau zu tragen. Als der zum Nachfolge^ des Cardinals von Diepenbrock erwählte Fürstbischof Dr. Förster in sein hohes Kirchenamt eingeführt wrrde, fehlte auch Gedaljah nicht unter den Glückwünschenden. Nicht lange darauf erhielt er den Roten Adler-Orden vierb r Klaffe. Damals au und für. sich eine hohe Auszeichnung iind nun gar für einen Juden eines ganz besondere Ehrung! Allein des Lebens ungemischte Freude ward keinem Sterblichen zu teil und so ergings auch unserem neugebackenen Ritter. Der in der Gemeinde durch seine Schlagfertigkeit und sein m stacheligen Witz bekannte Hirsch Joachimsohn besuchte den Rabbiner eines Tages, und beglückwünschte ihn zu seiner Ordensauszeichnung mif den Worten: „Wenn man sich vor dem ,Zeilem" (Abbild, im Jargon soviel als Kreuz) bückt, wird m< n groß". Der Spötter spielte dainit auf die Verbeugung Gedaljähs bei dem Besuche im erzbischöflichen Palais an. Tiktin erfreute sich selbst unter den orthodox gerichteten Gen eindemitgliedern keiner sonderlichen Wertschätzung. Seine Pe 'sönlichkeit hatte nichts Gewinnendes, in seinem Blicke offenbarte sich etwas Lauerndes und tatsächlich war er ein zur Intrige hinneigender Mensch. Dazu kam noch, daß die Meinung«» l über seine talmudischen Kenntnisse sehr weib auseinander gingen. Der Dajan Reb Josef Leib Feder hielt, sobald die 3 ede darauf kam, mit seiner Ansicht vorsichtig und respektvoll zurück. Allein Reb Iankew Leib Kroch, ein in allen Brühen gebeizter Pilpulist zuckte verächtlich »nit den Achseln bei der bloßen Namenserwähnung Tiktins. Es gingen sogar Gerüchte uin, daß. er zuweilen sehr scharfsinnig zusammengebraute „Schales" (Fragen), die eine sofortige Beantwortung erheischen, an ihn habe richten lassen um ihn auf die Probe zu stellen. Mit der deutschen Sprache stand er auf einem mehr als gespannten Fuße. Gleichwohl kam ihn zurpeilen die Lust an, schon um seine Borurteilslosigkeit gewissen Ansprüchen des Zeitgeistes gegenüber zu erweisen, eiirü deutsche Predigt zu halten, oder sich zu einer Ansprache an ein Brautpaar aus ansehnlichem Hause aufzuschwingen. Dabei sind ihm dann gar häufig die ergötzlichsten Entgleisungen mituntergelaufen, die sehr bald zu erheiternden Stadtgesprächen mürben. Er gab daher diesen aussichtslosen Wettstreit mit dem ihm fremden Jdioin auf. (Schluß folgt.) - Tätigkeitsbericht ües Jüdischen Wohlfahrtsamtes bis 31. Dezember 1-26. unserem Bericht vom Dezember vorigen Jahres vorausMagt hatten, ist tatsächlich auch für die oben angegebene Berichtszeit eine weitere Zunahme der einzelnen Fälle und somit auch der Ausgaben erfolgt. Dje wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen wir uns weitem noch nicht aberden aller Voraussicht aum einen Rückgang ervom Wie wir 1. Oktober bereits ui hier befinden, sind geklungen und w nach auch sobald fahren. . Die Gemeindekörperschaften haben in Würdigung dieser Tatsachen zur Linderung des großen Elends in unserer Gemeinde,! von dem viele Gemeindemitglieder des Mittelstandes, Rentner und K kommende I Haushaltsjahr Bereitstelluttg größerer Im (»ergangenen stützungjszwecke f lei st et worden: einrentner betroffen sind, für das für unsere- Wohlfahrtspflege die Mittel in Aussicht genommen. Vierteljahr sind für Unter- »lg ende Ausgaben ge- Nochwetfuno de r Ausgaben v. l. Oktober bt« 3i. Dezember 1936 frlaf f 53 4= Sfb. Bezrichnung Oktober November Dezember Insgesamt Rr. Fälle Betrag. Fälle Betrag FäNe Betrag Fälle Betrag 1 Sfb. Monat-unte stützungkn . . Spritung 292 3382.80 319 3782.80 534 3928.50 1145 11093.50 * a) Soltilüdjt . . 761 266.35 830 290.50 850 . 297.50 2441 854.35 b) Blittelftandslüc '« 779 506.35 760 494.— 71* 464.75 2254 1465.10 3 Lebensmittel . . 197 828.96 155 687.50 85 484.69 427 2001.15 <» vrrfchird. «röh n 4 u. Zusammenstell, a) Brotmarken 572 305.75 874 350.42 991 450.52 2437 1106.69 b) Semmeln . . 834 113 212 659 5 Semeinde-Gescher I 65 1186.— 81 1470.— 88 1731.— 834 4387.— 6 a) Einmalige Untc c* 2fl31.59 stühungen . . 169 . 3018.35 166 2852.01 181 516 8701.95 b) Diskrete Beihil! rn 6 650.— 80 1085.— 22 1680.60 48 3415.60 Jugendfürsorge a) laufend . . . 38 516.35 45 745.15 44 625.60 127 1887.10 b) einmalig . . . 11 349.25 6 •80.50 12 265.25 . 29 695.— 8 Entlassene Straf gefangene . 1 20.— 135 — 7 111.50 15 ' 266.50 9 Durchwandererfüi folge a) an Arbeltersürf 300.— 300.— 300.— 900.— b) Fahrkarten . . 59 411.30 49 298,85 40 351.45 148 1061.60 10 Peah <Kleider, Bäldie ufw.I 70 249.90 39 139.10 81 136.15 190 525*15 11 Heiratsbeihilfen — — 1 100.— — 1 100.— 12 Heizslossbcihilfen ■i — — '— —• — — 1048 3769.57 | |ll99p.76 12810.83 ,'j 13650,10 42230.26 DieZun lich auch l e i st u n g 737 Hausbe An Spenden von Privatpersonen, Z u w e nsd u n g e n von Behörden und anderen Stellen, Rückzahlungen von Unterstühuygen usw. sind insgesamt X i 4023,80 Mark v - j eingegangen. Bei dieser Gelegenheit sei -allen j Spendern herzlichster Dar k ausgesprochen. a h m e der Unterstühungsfälle bedingte natürwiederum eine erhebliche Ärbeitsalier Beteiligten. Es waren! insgesamt suche und Ermittlungen frotwendig, während in 41 US Fällen unsere Hilfsbedürftigen Rat und Hilfe in den v e r s ch i e d e n st e n Angelegersheiten bei uns nachgesuchl haben. Insbesorrdere wurde hierbei darauf gesehen, daß auch alle öffentlich-rechtlich verpflichteten! Stellen i n. A n s p r u ch g e n o m m e n wurden. Die K i n d e r s ü r s o r g e Hab .166 Fälle bearbeitet, während die Jugend- und Gefährdete n-Fürsorge 104 Fälle zu erledigen hatte. Seitens der G e m e i n d e s ch w e st e r waren 237 Besuche, 58 Wege verschiedener Art und 544 Ambulantenhilfeleistungen erforderlich gewesen/ . " Die Hilfssü^rsorgerin hat 147 Hausbesuche vorgenommen und im Interesse der Hilfsbedürftigen in 83 Fällen Rücksprache mit Behörden, Aerzten, Krankenhäusern usw. gehalten. . 1 Die Ausschüsse des Wohlfahrtsamtes habien — einschließlich der Teilnahme an arideren Stellen — insgesamt 61 Sitzungen abgehalten. Die neu eingerichtete R e ch t s s ch p tz st e l! e hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens 35 Fälle erledigt, während seitens der Lungenfürsorge — in Arbeitsg« meinschaft mit dem Iüd. Frauenbund — in ebenfalls kürzer Zeit 25 Fälle bearbeitet worden sind. Man kann hieraus schon je ft ersehen, daß diese beiden Neueinrichtungen einem dringenden Bedürfnisse entsprachen. ' In der Angelegenheit der Errichtung eines! W o h lfahrte- oder Iugendhauses sind wiedchcholt Beratungen abgehalten und Erhebungen angestellt woffden. Mit Rücksicht auf dies augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse ist es jedoch bisher »richt möglich gewesenein endgültiges Resultat zu zeitigen. Die Vorprüfungen haben, er; eben, daß zur Durchführung dieses Gedankens äußerordent Ich große Mittel erforderlich sein dürften, zumalffich jetzt schon weit mehr Einrichtungen und Vereine gemeldet haben, >ie Unterkunft finden wollen, als man überhaupt geglaubt Han Schließlich ist auch die Beschaffung eines geeigneten Grundstücks oder Terrains nicht gänz einfach, weil hierfür, nur das Innere der Stadt in Frage kommen dürste.

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