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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1926-12-17 · 12 (17.12.1926) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1926)
Issue
12 (17.12.1926)
Date
1926-12-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Breslauer Jüdische« Gemeiudel'latl 171 Wiese die Anordnungen der Verwaltung? Recht unerquickliche Vermögens-, und Einkomme nsverbä ltnisse der Gemeinde drängten dazu, die hohen Kosten für Einrichtung und Unterhaltung der Zweiggottesdienst«— Mieten, Besoldungen, Sachtes en— durch die Preise der Platzkarten wenigstens zum größeren Teil hereinzuh >l«n. Hatten doch im Nähre 1925 die Zweiggortcsdienste gegenüber eine« Einnahme aus Platzkarten von Mark 27003 eine Ausgabe von mehr als Mark 66000 verursacht, also einen Zuschuß von annühernd,Mark 40 000 erfordert. Damit wqr für 1926 eine Erhöhung der Plc tzkartenpreise gegenüber denen des Vorjahres aiigezeigt. Leider hatte sich inzwischen die wirtschaftliche Lage derart ver- °- schlcchtert, daß viele Gemeind ^Mitglieder die Erhöhung nicht auf sich nehmen ivollten und über sie ungchclten wurden. Verwirrend und verstin mcnd trat hinzu, daß wir sowohl für das Iabr 1925 als auch für 1926 andcre Säle in Benutzung nehmen mußten als in jedem der vvraufgcgangcncn Nähre. Das hat natürlich eine starke Unischicbtung in dcp Platzkartenzuteil ing zur Folge gehabt, und die Wirkung dieser Verschiebung wurde vergrößcrt und vergröbert, als man für 1926 die Säle des Konzerßhauses zwar wic der bekommen hatte, aber mit gegen früher ilark veränderter Einrichtung i>cr Plätze. Die innerhalb zweier Nähre zweimal erforderlich! gewordene Rotwendigkeit einer Platzncuw.ahl verläuft, wic leicht erklärlich, nicht nur vielfach zeitraubend, sondern auch unter Erregung besonderer?lergcrnisse, weil viele Gemeindemitglieder zu solcher Gelegenheit einen groß:», meist nicht eifüllbarcn Wunschzettel initzubringen pflegen. Vora tssichtlich wird es möglich sein, daß für das Nähr 1927 die gleiche» Säle in Benutzung genommen werden, wie im Nähre 1926, so daß ein Teil der Reibungen beseitigt sein wird. Wenn die hiervor erör erten Anordnungen der Gemeindeverwaltung auch von ihrer besonderen Zwangslage diktiert waren, so kann gleichwohl gesagt werde», daß es nicht nur zukünftige Sorge ifciu wird, sondern daß bereits jetzr schon ernste Beriltung darüber gepflogen wird, die Platzkartcnprcisc unter wesentlicher Ermäßigung gegen da» Vorjahr auf einen tragbaren Satz zu btingcn und in Vetbindung damit sowohl für die Zuteilung der Plätze, wie für die Form dir Kartcnausgabe Wege zu schaffen, bei deren Einhaltung der Anlaß zu Kl >gen nach Möglichkeit unterbunden bleibt. .1»! Zusqinmcnhang mit vorstehenden Ausführungen muß des ..Vrcslaue' jüdischen Gcm.'indeblattcs" gedacht werden. Seine Einführung erfolgte im Wesentlichen unter dem Gedanken, daß die gemeindlichen Vckanntm icbungen nach früherer Art nicht an jedes Gemcindemitglied berankamcn. Run aber rvird jedem Gemeindcmitglicd jegliche gemeindliche Vcröffcntiicbung und auch ifie betreffend die Platzkartenerneucrung durch das Geincindeblatt ins Haus gebracht. '7lber mit welchen» Erfolg? Nichtbeachtung der für dicErncucrmig festgesetzten Termine, ungebührliche Ausfälle, falls eine Karte nach Ablauf des festgesetzten Terinines anderweit begeben, also nicht | mein: vorhanden öft, ruhcstörcndcs Lärmen bis zu körperlichem Eingriff auf die Karten ausacbenden Beamten sind neben vielen anderen Erscheinuijgcn leider die ganz geläufigen Hcinniungen einer geordnete» OldfertiguNg. Unter diesen! leiden naturgeinäß die an den» geschilderten Gebaren schuldlosen Geincinjdcmitgliedcr, die sich mit Recht bedrückt fühlen. Solche Vorkommnisse, odschon die Verwaltung für eine a»isrcichende Zahl von Plätzen vorzusorgen pflegt! So sind in diesein Jahre nach Verteilung einer großen ÄnzahlFreikarten noch über 200 Platzkarten »»»verausgabt verblieben. Es muß von Aller Einsicht gefordert und erivartct werden, daß jeder, der die 6 emcindecinrichtungcn benutzen will sichden dafür vorgesehenen Aiiordnui gen fügt. Wie dringlich erforderjich das ist, eriveisen folgende Zahlen. Die Kartcnausgabe, außer der für die Alte und Reue Synagoge, umfaßt lediglich für die Zlveiggottesdienstc mehr als 6000 Plü »e, die sich auf 8 durchaus verschieden geartete und zu behandelnde Räume und außcrdein, nach dem Rit»»s, auf 4 gegen einander abgegrenzte Anfordcri »gen unserer Gemcindeangehörigen verteilen. Die Arbeit der Vorbereitung der Kartenausgabe und diese selbst ist demgemäß eine außcrordciitlich große. Es geht bei ihrer Vclvältigung nicht um die Dcamten, diese Arbeit zu leisten haben; sic haben noch nicht vekfagt und erfüllen ihre Pflicht im Dienste der Genicindemitglicder gern. Aber n»an bedenke, daß, n>cim die Erledigung der hiex gekennzeichnete» Arbeit iin Interesse jedes ein einen der vielen Tausende» Gemcindcniitglicder reibungslos verlaufen soll, es erforderlich iit, durch vorsorgendc Plangcstaltung dahin zu »virkcii, daß eine gleichmäßig ruhige Olbivickclung gesichert bleibt. Der festgestellte lind jedes Mol in» Voraus veröffentlichte Arbeitsplan für die Kartenansgabc Muß darum von jedem Gcmeindcmitglicd beachtet und cingehalten »verdcii. Otnlässen Für Einzelfälle besonderer Bchinderu»»g, »vie auch aus anderen nolivcndige Erleichterungen, z. B. Auscinanderzfehen der Friste» syeri 3-i Tätigkeit! für die Wie aus der lichen Besserung Unterstützungssälle Verwaltung zur Iahreshaushaltsplas» jchastlichen Verhält lich ungünstiger als der Tiefstand der Die Auswirkung besinden, wird sichiveitere Zunahme vergangenen Halbs gaben geleistet Nachweis der Ausgäi cht des Jüdischen Wohlfahrtsamtes » vom 1. Apriz bis 30. September 1928. nachstehenden Tabelle hervorgeht, ist tr atz!der atigebr Wirtschastsoerihältnisse bisher eine Abnahme der eider nicht zu verzeichnen. Die von her iGemtindeügung gestellte»t Mittel sind! im Berhältrsis zu. dem . i bereits wesentlich überschritten worden. Die!wirt> »lfsse in Niederschlesien bzw. in Breslau liegen wdsent im übrigen Reiche, und wir müssen leider sagenz daß Kot anscheinend hier'noch nicht erreicht warbest ist. tr gesamten Wirtschaftskrise,; in der p>ir uns noch für uns erst später zeigen, fjo daß.sicher noch! eine der Unterstützungssälle zu verzeichnen sein wird.! 3m ihr wurden für Unterstütz»»»! (szwecke folgende iAusdt Be s ben für die Zeit vom 1. April Avril ^ui:>' Träilc Bett ftfl- Ouli/Si'U Saite |. ember- Bctrgg Tratte E^erraa £ft>. WJowatO'tlntcrfiMV - S .72 I i!:i:> , lsfinii.s Lpeifrmarlen I >1 Bollrlüchc . . i'.Uu Port. ¥ i.r»:* 2k»k'2 Port. 'XiTjiV :.<|| t Lc'N. 1 . I») Mitlflsland»küc1)e 2.V:iu Port. 1 M(l lul.V Port.' 1 2Ki.jr> 11^ Port. -! »7 *.»*•:» Lebensmittel (:tversct)iev ne ) -j (Größen u. jukimn n* l ■ itcäl.werd.ausgeg.) :ui2 Ptk 1 11 .im '!>(». 1 122.1L »U'.l 4d. 2 Brotmarke» 1*2 Piv. > -- >11.71» , Lemmeln. in:! j »ii'-i/ biemeinde»chteichevk \Sii :: 2fi L— litt» ' .:7v 1.7 — vinmal. Unterst eins 4». »i»Ir. veihUle» .!* •»»*» i.s:j II i»s:; . i«, Jugendfürsorge . .1» lausend .... S.'l I :t2 l!.’)(■ 112 l «;i 1.1.' I!»7 2 M einm.ilig . . . 12 -'1 » n IH « 'lui.j;. l-.ul ' e) Ferienlolonif . 2 (Hl i nun.- *"•' - Uiittrft. cnll. Mcfanflcu r .12 Ki u - - . IK.'i. - 2. 4 ii». - eüandertürforsr ’ u) Barl'etlttUen an?li f. . . Huri arge . . . nun.— I jlmi. t*) .^aUrtarten . . 1 12 I i:i i.K) 1(11 i iiM.ur» riM:} 2 fi2>.1" Peatz, iltoiber, Model u w. im 12.. 21.i - ii»eiratsbeihilfen . . " . " - Vadereilcun» (frfjotiiii 0» < * beiftilfen .... /.II 1 -72- INI I :;k :tn 7.1t r:» :ik7.7 bis'30. September 192b und möglichst zeitiger Beginn des Kartenumtauschcs us»v. »vcrden erwogen und solle» je nach Möglichkeit zur Einfü hrung kommen, so daß von Verwaltungswegen düs Möglichste vorbereitet »vird, um in Zukunft die Kartcnausgabe sich ruhic abivickcln zu lassen. (Weitere Artikel folgen). A. (hanukkafeier An Sonntag, den 4. Dezember 1926, hat im Pflegehaus Herrnp rat säi eine Ehanukkahfeier für die dort befindlichen jüdischen Insassen stc ttgesunden. Die Anstaltsverwaltung hatte in freundlicher Weise einen Raum zur Verfügung gestellt und in Verbindung Mit unserem Jüdische» Wohlfahrtsamt die erforderlichen Vorbereitungen getroffen. Herr Knntor Wartenberger brachte die üblichen Gesänge und stimnningsvolle Lieder zum Vortrag, während der Anstaltsseelsorger, Herr «Rabbiner Dr. Halpersohn, eine zu Herze» gehende Ansprache hielt. Herr Freimarin trug einige Gedichte vor. Die Insassen, die bewirtet und mit Geshenken bedacht wutden, waren durchweg erfreut über die Fürsorge, die man ihnen dauernd zuteil werden läßt. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle herzlichster Dank ausgesprochen. G. An Einnahmen sind insgesamt rund 48671 Mark eingegangen^ die sich aus Zuwendungen von Behörde», -Spenden' von' Privatpersonen! und Rückzahlungen von Unterstützungen zusamnieistetzen.. Allen denen, die an unsere Bedürftigen gedacht haben, sei an dieser Stelle herzlichst gedpnkl. Außerordentlich groß war die Arbeit, die von ollen _ beteiligte», Stellen geleistet werden mußte. Es waren Insgesamt 1311 Hausbosuche ■ und Ermittlungen erforderlich, während - Unsere Hilfesuchenden in. 15336 Fällen beraten wxrden mußte». Die Beratung erstreckte sich nicht nur aus',die Durchführung ihrer Ansprüche bei den Üsfentlichrechtlich verpflichteten Steilem sondern auch auf persönliche Angelegenheile» aller verschiedenster Art. Seitens der Kinderfürsor« wurden 167 Fälle bearbeitet. während die Jugend- und Gesährdetensiirsorge 133 Fälle erledigt hat. Durch die Gemeindeschwester waren 626 ^Besuche mit 1296 ambulanten Hilfeleistungen erforderlich. Die verschiedenen Ausschüsse des Wohlfahrtsamtes haben einschließlich der Teilnahine an anderen Stellen insgesamt 77 Sitzungen abgehalten. Mancherlei' Einrichtungef». die zun» Teil auch an anderer Stelle des Blattes zu ersehen sind, bilden zur Zeit noch Gegenstand det Erwägung und harren der Erfüllung: sö z. B, die Errichtung eines Jügend- und VolksheiMes, der Ausbau der Peah, nebst Errichtung einer Häjzspalterei, die Einführung der sozialen Gerichtshilse. Rechtsschutz für bedürftige Gemeindemitglieder, Abhaltung eines Wohlfahrts-Kursus, sowie eines solchen für Heilpädagogik, für jüdische Isehrer- und Lehrerinnen, Fürsorge sür jüdische Jnsas en in nicht jüdischen Anstalten u. q. in.. Schließlich wäre noch zu erwähnen, daß die Zusainmenarbeit mit fallen interkonsessionellen Stellen, sowie mit d> n jüdischen 'Anstalten und Vereine» wie bishef ersprießlich und ersolgreü) gewesen ist. Bei dieser Gelegenheit gestatten wir uns, erneut an unsere Gemeindemitglieder dqs dringende Ersuchen zu richten, vor Gewährung direkter Unterstützungen an Bedürftige, Auskrnst bei uns einhvlen zu »vollen, da nach den! getroffenen Feststellungen!auch in letzter Zeit wiederum erhebliche Mißbsräuche vorgeNimmen find und die Haus- und Briefbettelei wieder einsetzt. Erfahrungsgemäß sind gerade-diese Unterstützungssuchenden meist nicht bedürftig. - r Zum Schlüsse bitten wir noch, bei Verteilung voy. Spenden aus Anlaß von Familienfeiern usw. auch an unser Wohlfahrtsamt zu denken und uns Spenden für die wirklich Bedürftigen, freundlichst überweisen zu wollen. Ein jeder möge nach seinen Kräften, beitragen, die große Not, unter der viele unserer Gemeindemitglieder leiden, zu lindern; besinden sich doch unter diesen nicht nur die Aermsten der Armen sondern auch viele verschämte Angehörige des Mittelstandes, die einst bessere Tage gesehen habe». _ ■ . G. i

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