Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 12 (17.12.1926)
- Date
- 1926-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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17C r Bre«lau«r Jüdisches Semeiudeblalt Nr. 12 Stiftung eines Röntgen-Institut« für öas Israelitische Krankenhaus _ fas 200 jährige Jubiläum unfarer Israelitische» Kranken- . Verpflegungs-Anstalt, das wir in diesem Jahre unter» Antcilzrajzm« der ganzen Genrcindc begehen durften, hat noch nacb- 'jrä'gli^ jgezcis ^adis ircbst l.^csts 'gcsan von einen für unser Krankenbaus festr erfrerilichen Erfolg rirch eilt in Berlin wohnendes Mitglied unserer Chewra a wurden die Berichte über die Itlbiläumsfeierlichkeiten 'cm Werbcaufruf rür einen Iubiläumsfonds und der ist a»r einen in. New-Pork lebenden Verwandten t, dessen inzwischen verstorbener Vater vor $0 Iabren rcslau yach Amerika ausgcwandcrt war. Mcscr hocbberzig gesinnte Wohltäter bat sich nun cntichlossmt, zrnn, Andenken und auf den Nümcn seines beiingegangenen Vaters unserem .Krankenbause anläßlich des 200 jährigen Jubiläums die Mittel für die Errichtung eines neuen! der modernen Wissenschaft entsprechenden Röntgen- Institl ks zur Verfügung zu stellen. Li crmir wird-nnchl nur dem schon lange zutage getretenen Vcdüi'nis, die Nöntgcncinrichtungcn des .Krankenhauses zu erneuern bezw. zu modernisieren in vollkommenster Weise Nechiumg getragen, sondern durch das neu zu cfrichtende Iin'titj t wird auch das höbe Ansehen unseres ^rrankdnbailses, lauf dfs tMi'crh E>cineindc aucb bisher schon stolz sein dürfte, 'in instncr weitere Streife getragen. ,!; Äie Vläne für das neu zu erricbtcnde Institut werden gegen oärtig bearbeitet und ist;u boffcn, daß in kurzer Zeit mit di n Vauarbcitcn begonnen werden kann. Das Institut soll a^ der Rordicitc des Kränkenbauics nach dem Mcnchinenbausc! %u im 1 Anschluß an die chirurgische rind nrejdizinische Abtcifmg errichtet und in einem besonderen Anbau, der aber mir diu vorbezcichnetcn Abteilungen in dircktcin tzusammcnhangc« steht, untcrgebracht werden. In den im Hochparterre des Anbaues an die chirurgische Abteilung anzugliederndcn en sollen alle Einrichtungen für Nöntgen-Diagnostik und ie facbärztlicbeil rlntcrsnchungcn des Primärarztes, Professor Dr. (vottstcin, in den in der l. Etage an die nncbc Abteilrurg anzugliederndcn Räunren neben weiteren Einricbtungen für Diagnostik insbesondere die Vcsm hlungsabteilung und die Abteilung für Licht-Therapie (Diät! crmie, j Hohensonne, Vierzellenbad) untergebracht wcrdc >i. ' Z as Krankeitbaus in durch chie Hochherzigkeit des edlen stifte -s in die Lage verseht, das gesamte Nöntgcn-Instilut init dun beste»! und modernsten Apparaten auszuslattcn und iö citxir Einrichtung zu schaffen, die als in jeder Weisct mustergültig! bezcicbncl werden kann. L. Jacob Guttmanns predigten. Dan Dozent Dr. f) e i n e m ft n n in Breslau. , - leben Oaftre sind es, feit Jacob Guttmann von uns gegangen ist. A ,er noch steht sein Bild deutlich vor den Augen seiner Gemeinde. Man ak es bei Goethe als kennzeichnend empfunden, daß hinter der weiche> Form ter Schritten feiner Reifezeit eine stahlharte Persönlichkeit fi »war wird. Aehnliches gilt von Guttmann. Ein Mann von seltene , oft rührender Menschenliebe und doch-eine aufrechte, bis zur Spröd zkeit stolze Natur: ein Theologe, der jeden ernsthaften Einwand gegen l die Religion und ihre überlieferte Form leidenschaftslos und gewiss« ihaft würdigt und doch jedes schwächliche Zugeständnis an die Entari ingen rejigiöien BersaUs mit tiefer Entrüstung von sich weist — so steht feit» Bild vor unserer Seele, und so lebt es neu auf bei der L ftürc Öetj 37 P'r edigten, die sein Sohn, Prof. Julills Guttmann,, aus seinem Nachlaß heräusgegeben und mit einer feinfühligen Einlei ing versehen hat. l acob Gunmanns Predigten waren in ihrer Zeit modern; sie sind e heute ebensogut, in gewissem Sinne vielleicht noch mehr. Sie hatten die überiaüs schwierige Aufgabe, in einer Zeit, da das gebildete jüdisch Bürgertum die Lebensauffassung sreigeistiger christlicher Kreise nicht j ur für hie wahrere, sondern auch für die vornehmere hielt, von einer, üdischen -Großstadtkanzel aus das Lebensrecht der Religion und des 7 rdentumS zu erweisen. Inzwischen hat sich die Zeitströmung. gewen let: sie ist sowohl der Religion wie der Einordnung in geschichtliche! indungen freundlicher geworden: ein starker Wille nach jüdischer Frönn iigkeit geht unzweifelhaft auch durch solche Kreise, die sich vor einem Menschenalter an ihr Judentum nicht gern erinnert fühlten. Aber wo der Wille ist, ist durchaus nicht immler ein Weg. Manche Einwände gegen das religiöse Weltbild haben, gerade für ernste Menschen, doch ein gewisses Recht oder den Schein eines Rechtes behalten und lassen das freudige Bekenntnis zu, jüdischer Frömmigkeit nicht in vollem Umfange auskommen. Solchen Menschen, die den Weg. zum Judentum nicht nur mi» dem Herzen, sondern mit voller Ueberzeugung gehen und an ihrer Religion die Grundlage ihrer Lebens anschauung haben wollen, ohne die Verbundenheit mit der allgemeinen Kultur zu lockern, werden Guttmanns Predigten auch heute ein will kommener Führer sein. Sie I setzen sich mit den! religiösen Sorgen und Nöten' des Großstädters auseinander — nicht in Vorwurf oder Klage, londern in voller Würdigung des sittlichen Ernstes, der oft gerade aus dem Zweifel spricht: und sie, finden die Amwart nicht, indem fic den Hörer in eine Stimmung religiöser Gehobenheil versetzen, die ihn vorübergehend allem Zweifel eythebt, sondern indkin sie ihm in ruhiger Beweisführung zeigen, daß eine überlegene Kenntnis des Lebens und vor allem des Weltbildes des Wisienschaft das Recht der Religion nicht erschüttert, vielmehr gerade! erweist. Gewiß, ineint Guttmann, neigt unsere Zeit dazu, „den Wer) der sogenannten Bildung für die sittliche Erziehung des Menschen zuÜberschätzen": in Wahrheit hat der Midrasch recht, nach welchem die niedrigste Sklavin am Sinai Größeres erfahren: hat als später auserwählte Propheten: „denn nicht auf Reichtum unseres Wissens kommt es an, fon»ern auf die Unmittelbarkeit und Tiefe des religiösen Erlebens." Dennoch betont bereits seine Antrittsrede, daß sich „der echte und wahre Glaube auf E r k e ij n t ii i s gründen muß": denn „nicht auf schwankende Gefühlt, sondern auf klare und fesiz gewurzelte Ueberzeugungen will das Judentum gegründet sein". Ruit dann darf das religiöse Erlebnis seiner Wahrheit sicher »ein, -wenn es die Ausemonderfetzung mit den Bedenke» der» Zeit nicht scheut. Diese Bedenken aber sind heute keine anderen als in ücr Zeit vor dem Kriege, aus der die Mehrzahl der Predigte» unserer Sammlung stammt. Da wolle» manchei die Religion ersetzen durch Wissenschaft und Kunst. Aber „so wertvoll alle anderen Bestrebungeil sein mögen, sie können doch die Religion nicht! entbehrlich machen. Alle Hunft und Wissenschaft bietet uns keinen -Ersaß für die innere Heilung, für die Weihe der Seele, die wir nur im Glauben, in der Erhebung zum Ewigen und Göttliches!, finden können.!Mit den wichtigsten Anliegen des Menschenhchzenp können wir doch nur in das Heiligtum »ns flüchiev: für die letzten und höchsten Ffagen, für die qualvollen Rätsel, die uns im Leben: beunruhigen, kann keine irdische Weisheit, kann nur der Glaube an die göttliche- Weisheit uns eine befriedigende Lösung bieten". Andere wollen die religiöse; Erziehung durch die ethische ersetzen. Aber „versucht es doch einmal, einem Kinde begreiflich zu machen, was Pflicht und sittliches Gebot/ was Tugend und ivas Laster sei, ohne euch auf den Willen Gottes als Urqucl! aller Sittlichkeit und Tugend zu berufen! Und wie sollte euch das bei der unschuldigen Kindesseele gelingen, da bisher, auch die Weisesten der Weisen -noch immer in dein Versuch gescheitert sind, eine ganz auf sich gestellte, von dem Glauben an eine höhere Weltordnung losgelöste Sittenlehre zu begründen!' Wendet euch dagegen an das Äemüi des Kindes, sprecht zu ihm von Gottes .Vaterhuld, von de» Zeugnissen sxiner Liebe, die jeder Tag und jede Stunde uns aufs neue darbieten, und mit rührend glciuvigem Blicke wird es an euren Lippen hängen, in tiefster Andacht und Ergriffenheit euren Worten, lauschen". Aber nenn wieder andere zwar nicht die Religion: wohl aber das I u d e n4 tum für überholt und seine Sendung für erfüllt halten, so ruil ihnen Guttmann zu: „Wißt ihr eine andere Keistesmacht, durch die das Judentum von seinem Posten märe j abgelöst morden, — ein Glaubensbekenntnis, das dem Glaubensbedllrfnis> des menschlichen Herzens, seiner Sehnsucht 'nach einer Lösung für die ewigen Rätsel des Lebens eine höhere Befriedigung zu gewähren vermöchte-? Dem wahre» Juden ist jede religiöse Ueberzeugung heilig. . Aber das dürfen wir bei ,'ller Zurückhaltung getrost behaupten: wer als Jude geboren und von Kindheit auf mit dem Gellst des Judentums vertraut ist, der kann für sein religiöses Bedürfen ustd Empfinden in keiner anderen Gemeinschaft die Befriedigung finden, wie sie ihm has Judentum darbietet, co rein und lauter wie hier wird; er den Gottesglauben nirgends ausgefprochen finden"., Ich habe absichtlich Jacob Guttmann : selbst sprechen lauen, um unseren Gemeindemitgliedern, die ja wohl alle eine seiner Reden aehörl haben werden, den Klang seiner ebenso vornehmen wie klaren Redeweise ins Gedächtnis zur» ckzurufen. Erfreulicherweise hat der Verleger, I. Kaussmann in Frankfurt a. M.^ dem schönen Buche ein höchst würdiges Gewand gegeben: trotzdem hält sitz der Preis für dc» über 320 Seiten starken Band, — 6,80 Mark sü das geheftete, 8,— Mark für das gebundene Exestiplar — auf ver» ältnismäßig sehr niedriger Höhe. 'Möchte das Buch > in recht vielen Häusern Eingang finden: insbesondere kann es als Peschenk, auch zu Barmizwahseiern, gar nicht" warm genug empfohlen nferden!! ' [! ' Unseife Aweiggottesoienste. Die Veranstaltung d«r Zweiggottesdienstie für die vergangenen hoben Festtage hatte wegen der Preise der Platzkarte« und wegen deren Zuteilung hie und da Mißstimmung, ausgelöst. Gebt man dem berechtigten Anlaß ' dieser Stimmung nach, so ist festzustellen, daß Anordnungen der Verwaltung und ein — vielfach schon geläufiger — Mangel an Beachtung dieser Anordnungen zur Erregung von Unwillen ziisahmiengewirkt haben.