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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1926-10-22 · 10 (22.10.1926) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1926)
Issue
10 (22.10.1926)
Date
1926-10-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 | VreslnurrJßdtsche« 0<«<inbtklaff \3p In d^r daraus folgenden geheimen Sitzung wurde zunächst d Hochbaum sowie den er Privatdienstvertrag mit dem Kassenassistenten genehmigt. Des weiteren wurde auf Antrag des Vorstandes beschlossen, den Weichenwärter Zernik zu entlassen, Beerdigungsinspektor Löwenstein auf dessen Antrag unter Bewilligung eines Krankheitsurlaubes vom l. Oktober 1926 ab, am 1. April 1927 in den Ruhestand zu versetzen, sowie die vorgeschlagene Pensionsregelung zu genehmigen. Die Stelle des Beerdigungsinspektors soll ausgeschrieben werden; his zur Wiederbesehung, zunächst bis l. April 1927» wird die Vertretung durch Herrn Louis Reumann genehmigt. 2luch der Organist an der Reuen Synagoge, Herr Heinrich Scholz trstt am l. Oktober 1926 nach über vierzigjähriger Dienstzeit! auf seinen Antrag in den Ruhestand. Dies sowie die beantragte Pensionsregelung wird ebenfalls genehmigt. Zrie-hofskunst. Unter diesem Titel erschien im Februar dieses Jahres in unserem Gemeindeblatt ein Artikel des Herrn Architekten Kleemann, Breslau. Ein Mahnwort an unsere Gemeinschaft, sie möge den Ausdruck ihrer heiligen Pietät ihren Toten gegenüber. das Denkmal, nicht gleichgültig wie Alltagsgegenstände erstehen, sondern auch dafür sorgen, daß das Mal äußerlich durch vollendete . Art, Form und Beschriftung dem Gefühl des Seelischen entspricht. Leider muß man feststellen, daß es seither damit nicht besser geworden ist. Weiter verfährt man nach nüchterner, rein kaufmännischer Art, — die billigste Firma erhält den Auftrag und bekümmert sich nur in den seltensten Fällen darum, ob man ech wirklich gut durchgebildetes, geschmacklich einwandsfreies! Denkmal erhält. Man sieht zumeist schon zwei oder drei ixbeliebige aufeinander gestellte Steinstücke mit Inschrift als vollwertiges Denkmal an. Unser Publikum, das so oft in se nen Häusern und Wohnungen vornehmen Geschmack zum Au »druck bringt, versagt hier leider bis auf einen verschwindender Teil vollkommen. Warum aber wird nicht in solcher Ratlosigkeit ein Sachverständiger, ein fein empfindender Mensch befragt, wie es so oft in ernsten Lebenslagen geschieht? — Aber nicht nur der' Käufer allein ist schuld daran, daß so viel Unschönes auf unseren Gräberfeldern aneinander gereiht wird, sonbery auch der Lieferant, der Steinmetz und Grabsteinhändler Es ist richtig, auch er muß Kaufmann sein, um existieren zr können. Trotzdem müßte er einen gewissen Stolz seines edlen Handwerks in sich fühlen und das kaufende Publikum diesbezüglich belehren, um es von geschmacklosen Irrungen beim Kauf fernzuhalten. Bor allem müßte er schönheitlich nicht befriedigende Fabrikate zum Handel abiehnen, schlechte Erzeugnissi nicht zur Schau stellen und falsche Zusammenstellungen von E esteinsarten nicht anbieten. Welche Ratlosigkeit kennzeichnet, un nur ein Beispiel anzuführen, die Wahl eines schwarzen, die Dorderfläche spiegelblank polierten, schwedischen Granitoberstei res, während alle anderen Seiten „wild gesprengt" sind. Diises Oberstück auf einen schwarz gestrichenen, ursprünglich hellm Steinsockel gestellt und dazu eine Helle Kunststeinumfriedung! Unzählige solcher Verirrungen könnte ich noch als Beispiel anführen. — Die gefühllose Form verbindet sich hier mit dem gefühllos polierten Material und wird leider nur allzu häufig noch durch eine schlechte Schrift vervollständigt. Ganz abgesehen davon, daß derartige Zusammenstellungen praktisch« Nachteile in sich bergen, bedeuten sie noch eine ungeheure geschmackliche Verirrung, die dem Auge des stillen Beschauers weh tut und Unruhe und Zerfahrenheit in das Friedhofsbild hineinträgt. Wollen wir wirklich so fortfahren? Nehmen wir uns doch ein Beispiel an unseren alten, ehrwürdigen Friedhöfen, auf denen uns fast jeder Steiin, den wir still betrachten, ewas sagen kann, — Gemüt und Seele wohnt in ihnen. Wo bleiben heutzutage die. sinnvollen, hebräischen Inschriften, wie wir sie auf unseren alten Friedhöfen so wunderbar vorfinden? Gewiß, die Zeiten sind andersgewprden, und sehr viele von uns können hebräische Inschriften vielleicht garnicht lesen, oder, wenn wir sie schon lesen können,' nicht verstehen. Aber die seit Jahrhunderten üblichen fünf hebräischen Buchstaben (nü:r die Seele möge eingereiht werden in den Buyd der ewig Lebenden) dürfte eigentlich niemand Unterlasten, auf einem jüdischen Gedenkstein anzubringen, damit jeder erkenne, daß er auf einem jüdischen Friedhof sei und vor dem Grabe eines Juden steht. Nun'wird mir der Käufe'r eines Denkmals vielleicht sntge^enhalten, — ich kaüfe was mir gefällt und vor allem, was ich mit meinen Mitteln!zu erstehen in der Lage bin. Dazu muß ich! ausdrücklich betonen,' ^>aß auch unter bescheidenen Verhältnissen sich Gutes schaffen läßt, wenn man davon absieht,'auf Kosten der.Gediegenheit große Denkmäler errichten zu wollen, und wenn man an Stelle minderwertiger Dutzendware Materialien bevorzugt, die auch ohne große Kosten geschmackliche Bildui'g. ermöglichen. Ich denke hier z. B. an guten Sandstein, aus dem auch unsere so schönen Kriegerdenkmäler gearbeitet sind, und der mit oder ohne farblosen, konservierenden Anstrich ei, e ganz beträchtliche' Lebensdauer hat. Auch hier muß ich w eder auf unsere allen Friedhöfe verweisen, bei denen fast ausnahmslos die Gedenksteine aus.Sandstein bestehen, also seine große Lebensdauer bewiesen ist. Merkwürdigerweise wird o t gerade von unserem Publikum dieses einheimische, sehr geeignete, wetterfeste Gestein abgelehnt und der ausländische, spiegelb and polierte schwarze Granit bevorzugt, der aber ebenfalls nach Jahren Schmutz und GrünbildungSn ansetzt. Während aber bei Sandstein „das' Verwittern" und „Nachdunkeln" den Sinn zu erhöhtem ^eiz und größerer Wirkung bringt, ist bei schwarz Poliertem Granit gerade das Gegenteil der Fall. — Alsdann soll man doch bedenken, daß keirr Geschlecht für sich allein, lebt und webt, daß man auf die Gesamtheit Rücksicht nehmen muß. und daß kulturell ein Friedhof mit seinen Denkmäl-rn eigen Wertmesser füs die geistige und gemütvolle Höhe ein, r Gemeinschaft bildet, denn sie geben Angelegenheiten des Herzeis und der Seele sichtbare Form. Daher soll ein Friedhof dermaßen beschaffen sein, daß er über das Alltägliche hinaüsgeherde Gedankxn auszulösen, einen gesteigerten Empfindungsausdruck in uns zu wecken vermag. Da die Gedenksteine den Hauptbestandteil eines Friedhofes darstellen, so müssen diese in Art, Form und Be-' fchristung so formvollendet als nur irgend möglich beschaffen sein, damit sie gemeinsam mit dem Grün der Natur diese hehren Gedanken in uns wachzurufen vermögen. Niemandem kann und darf verwehrt werden, seinen jeden Toten durch ein Denkmal zu ehren, und das Grab zu betreuen, aber es soll immer nur in dem zu schaffenden Gesomtrahmen des Friedhokes, in reiner, edler, gemütvoller'Art g'schehen. Die Ars, wie es seine Toten ehrt, kennzeichnet die Knltur eines Volkes für alle Zeiten. Die Totenehrung und die Ehrfurcht vordem Tode machten den Menschen erst zum Menschen. Es ergeht daher der Ruf und die Mahnung an die Glieder unserer Gemeinschaft, in erhöhtem Maße bemüht zu sein, durch allersorgfä-btigste Wabl.der Gr a b st e i n e auch unsere Friedhöfe zu einer Stätte odler Eindrücke für uns und unsere späteren Geschlechter werden zu lassen. '! Friedhofsinspektor S. Piepes, Cosel. Zortbilüllngskurjse. Auf allen Gebieten der Bildtlug Jahrzehnten dazu ühcrgcgangcn, üdh Einrichtungen zu schaffen, um das in befestigen und zu vertiefen und cs fr zu rnachcn. Daß diese Bestrebungen religiösen Bildung im Judentum crs cingefc^ haben, findet seine-natürliche besonderen Schwierigkeiten, mit denen unterricht der Schuljugend zu käinpfcr noch! bat. Frühzeitig hat man allcrdi konfirmation und den dixser Unterricht eingerichtet, weil man m> daraus gelegt bat, die hcranwachser altz es in der Schule möglich ist, in das tums einzuführen. Es kann nur dringß von dieser Einrichtung Gebrauch zu ist man in den.letzten r die Schule hinaus i 'er Schule Gelernte zu r das Leben fruchtbar auf dem Gebiete der verhältnismäßig spät Erklärung in den ganz der jüdische Rcligionsl hatte und zum Teil ngs die Mädchen- Feier vorarrfgchcndcn t Recht großen Wert den Mädchen aüdcrs, Bcrftändnis des Isidennd empfohlen werden, ifiachen.

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