Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 10 (22.10.1926)
- Date
- 1926-10-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vr«Sl«»«r Jüdisch«» @**»«liibeH«<l Nr. 10 äntjcrunc», daß einheitliche Bepflanzung nicht vorgeschrieben fehlt solle und die Abwechslung der Grabsteine bei Nachbarsteifen von Verwandten nicht vorgeschrieben werde. l Iustizrat Goldschmidt bittet Abänderungen der Dcükmalsordnung, äuch wenn sie unwesentlich erscheinen, nicht zu beschließen, da die Bestimmungen das Ergebnis eingeltender Beratungen aller fachmännischen Stellen' seien. Auch bei Verwandten müsse man die Abwechslung der Steine vochchreiben, um nicht die künstlerisch wirkende Symmetrie zu ^zerstören. Ebcleute könnten in einer Grabstelle beigcsetzt wcrdön. Auch die einheitliche Bepflanzung durch die Frjcdhofsvorwaltung soll den künstlerischen Eindruck ■ der Gchamtanlagc gewährleisten. Die Auswahl der Blumen blabe natürlich dem Geschmack der Angehörigen überlassen. I Herr W a l s ch stimmt bezüglich der Denkmäler^ diesen Ausfübrungen zu, bcfürchtct^dagcgcn, daß die vorgeschriebcne Einheitlichkeit der Bepflanzung eintönig wirken werde und bickct daher, entweder das Wort, „möglichst" cinzuschalten oder das Wort „einheitlich" zu streichen. I Nach weiterer Aussprache wird beschlossen, die Prüfungsordnung unverändert und die Dcnkmalsordnung mit der Atndcrung anzunchmcn, daß das Wort „einheitlich" gestrichen wird. I Die wichtige Vorlage, durch die der Vorstand beantragt, dan Iahresstcucrsatz endgültig aus lS Prozent festzufctzcn, wsrd von hem Vorsitzenden der Haushaltskommissiön, Herrn Gli ns, eingehend begründet. Der an pch hohe ^atz von lg Prozent sei leider notwendig. Zu den niedrigen Sätzen dch: Vorkriegszeit werde man so rasch nicht zurücktchren können. Dbfür habe nian vor dem Kriege eine. Staffelung der Lätze nirkt gekaimr, während jetzt schon die zugrundeliegende Einkolnmcnstäucr gestaffelt sei, so daß die schwächeren Schultern durch die Kultussteucr nicht so stark belastet sind, wie die stärkeren.-. Vnser Bedarf steht durch den Etat fest und beträgt 000 Alk-, er muß durch den Prozentsatz unbedingt aüfgebracht werden. Das Soll der jüdischen Vorauszähler beträgt nach den Feststellungen beim Finanzamt l J000 5f>7,05 Mk. Dazu tritt das kkultusitcuersoll der Gehalt;- cfnpfängcr, das mangels AnterlagH, vom' Vorstand aüf >000 Alk. geschätzt wird. Die Schätzung sei vielleicht etwas niedrig, aber auf 10 000 Alk. mehr oder weniger konmit es in diesem Punkte nicht an. Bei dem Gesamtaufkommc n von rund 1030 000 Älk. rechnet der Vorstand mit einen Ausfall von 25 Ptozent. Cs sei zu befürchten, daß der Ausfall zu gering angenommen sei, man merke das Bestreben des Vorstandes, keinesfalls über 18 Prozent hinausgchcn zü müssen. Das Ncttoaufkommen wstrde demnach 772 500 Älk. ^tragen. Hiervon sind die beim Finanzamt pnjd bei den ereiiügten Rcligionsgcscllschaften entstehendenEinziehungspften ahzuzichen, die nach der bisherigen Schlüsselzahl ür Gemeinde 05 500 Alk. betragen, so daß mit einchn Ltcu wctrag von 707 000 Alk. gerechnet wird. Nach Dngade i es Vorstandes sind die außcretatsmäßigen Auscabcn < mf 10 000 Alk. im Jahre zu rechnen, so daß sich cin^Fehlbetiag jon etwa 45 000 Älk. ergiebt, der aher nicht so erheblich list, tm eine Erhöhung des Prozentsatzes zu rechtfertigen. Allerdings würden beim Etat Ersparnisse schon deshalb nicht gerächt werden können, weil einzelne Einnahmen njcht erreicht cherden: z. B. sei die Einnahme durch" Platzvermietung in |!cr Neuen Synagoge mit 30 000 Alk. angcsetzt, wahrend pur 14 000 Älk. erzielt worden sind. In dein Stcuersoll von rund einer Alillion spiegelt er enorme wirtschaftliche Rückgang der jüdischen Bevölkerung, nsbesondere des Mittelstandes wieder.' Vor dem Kriege etrug der Anteil der jüdischen Bevölkerung am Gesamtuftommen der Einkommensteuer über 30 Prozent, jetzt dacgen beträgt der Anteil der jüdischen Bevölkerung trotz! der normen Zunahme nach dem Kpiege nur 18—19 Prozent. Awch hieraus erklärt sich die notwendige Erhöhung desProzentfutzes. Der Berichterstatter empfiehlt daher die Mmoihme -e, Vorlage. Geheimrat Goldfeld ergänzt diese Ausführungen, da die Oeffentlichkeit! nicht genug aufgeklärt werden kann. Unser Zuschlag muß schon deshalb höher als der der christlicken Gemeinden sein, die dieses Jahr 15 Prozent erheben, A weil die Lasten der Synagogengemeinde wesentlich größer sind. Denn wir müssen vollständig aus der eigenen Tasche unsere Geistlichen bezahlen, wir müssen selbst für den Religionsunterricht folgen und haben große Ausgaben für das Schächtwescn, alses Ausgaben, die bci_ den christlichen _ Gemeinden fortfallen. Die christlichen Gemeinden verkaufen ihre Grabstellen nur aus 25 Jahre und erheben nach dieser Zeit die Gebühr noch einmal oder ebnen das Grab zum Wiederverkauf ein, bei uns dagegen kennt man'nur ewige Friedhöfe, und so lassen sich noch eine große Anzahl Mehrausgaben bei uns Nachweisen. Dazu kommt die wirtschaftliche Struktur unserer Zensiten, die zum größten Teil dem kaufmännischen Mittelstände angehören, der durch die Nachkriegszeit am meisten gelitten habe. Die christlichen Gemeinden haben überwiegend Lohn- und Gehaltsempfänger und daher lange nicht mit so viel Ausfällen zu rechnen wie wir. Trotz unseres sehnlichen Wunsches babcn wir uns nach langen Beratungen nicht entschließen dürfen, den endgültigen Satz niedriger festzusetzen. Dr. Schlesinger hält den Satz zwar für hoch, aber für notwendig. Auffallend sei die Höhe der Einziehungskosten. Auch bittet er dafür einzutrcten, daß Juden beim Finanzamt beschäftigt werden. ■ Dr. Rechnitz gibt an, daß durch Verhandlungen der vorn Minister vorgeschriebcne Satz von 5 Prozent für Einzichungskosten schon auf 2 Prozent herabgesetzt worden sei, die Kirchcngcmcindcn sich aber a,ach Abschluß des Etatsjahrcs unter Dcntfung auf die von ihnen' selbst getragenen Kosten eine weitere Ermäßigung Vorbehalten haben. Juden werden schon jetzt bei den Kirchenstcucrarbciten beschäftigt, eine Vermehrung werde er sich angelegen sein lassen. Darauf wird die Vorlage einstimmig angenommen. Im Derwaltungsbericht, über den Iustizrat P e i s e r referiert, teilt der Vorstand mit, daß der Vertrag mit der Stadt über die Straßenbahn nach Cosel nicht zustande gekommen sei, weil die Stadt auf die von der Gemeinde gestellten Bedingungen nicht cingehcn wollte, um sich in keiner Weise zu binden. Die Gemeinde zahle daher den von der Versammlung bereits bewilligten Bctricbskostenzuschuh von 1500 Mk. jährlich nicht. Des weiteren wird Mitteilung gemacht, daß der Vertrag mit der Firma Th. Schatzky über den Druck des Gemeindeblattes geändert sei. Der Berichterstatter trägt den Vertrag vor und knüpft daran die Bitte, daß der Inhalt und Amfang des Blattes nicht aus finanziellen Gründen beschränkt werde. Herr W a l s ch bittet mehr aktuelle Sachen zu bringen. Dr. R e ch n i tz sagt die Erfüllung der Wünsche zu, soweit cs der etatsmäßigc Betrag zuläßt. An Stoff fehle cs picht, er bitte jedoch um tatkräftige Mitarbeit der Ehrenbeamten, auf die er besonderen Wert lege. Im Anschluß an die mitgetciltc Statistik des Geschäftsbetriebes beantragt Gehein,rat Goldfeld die Einstellung einer, weiteren Bürokraft, da Herr Glaser durch die Leitung des Wohlfahrtsamtes vollkommen in Anspruch genommen sei und der Geschäftsbetrieb cnonn zugenommen habe. Besonders die Organisation der Zwciggottesdienste und des Kartenverkaufs mache eine weitere Kraft erforderlich. Herr Gins knüpft gn diese Forderung eine eingehende Kritik über die Organisation der Zweiggottesdienste, auf die ~" Herr W a l d st e i n als Vorsitzender des hierfür eingesetzten Ausschusses ihm erwidert. Die von Herrn Gins gemachten Vorschläge, den Bedarf an Plätzen etwa ein balbes Iabr vorher fcstzuftellen, hält Iustizrat H i r s ch b e r g leider für undurchführbar, weil alle Bemühungen des Vorstandes an, der Nachlässigkeit des Publikums scheitern, das immer erst vor den Feiertagen an die Einlösung der Karten denkt. Die beantragte Ausschreibung für eine männliche Bürokraft wird hieraus genehmigt.