Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 6 (17.6.1926)
- Date
- 1926-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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78 drttlftitr H*<< «t. 8 d o doxen gegen die jüdische Schule gen darauf die Vorteile, die eine gemeins den christlichen Mitschülern im Kampfe 'den Antisemitismus biete, und bittet träges Fraenkel. srsen. Redner schildert ftliche Erziehung mit fürs Leben und gegen Ablehnung des Anu n fir Rechtsaitwalt Jakobsohn hält an der Entwicklung der Lage der JuA theoretischen Erwägungen oorbeizusehe lich das Bestreben aller Mitglieder Kinder zu guten Juden zu erziehen, jüdischen Schule möglich. Ohne jüdis bisher, das deutsche Judentum durch untergchen. Die Emanzipation sei beschossen,^ sie wollte, daß die Juden sich Mitgliedern nur im Glaubensbekenntr i den bestehenden Schulen ist Religion worden, ohne den Geist und den Sii vermitteln. Eltern und Familie haben den wenigen konservativen und letzthin absieht. Heute will die Schule M e gibt keine Trennung des Seelenlebens Eine solcheErziehung ist nur in der möglich. Das hgben unsere christlicher faßt. Redner wendet sich ferner gege i Besuch der christlichen Schule zum Kan gegen den Antisemitismus stähle. Die Parteischule, sondern eine Schule konsi^ ung. Nach ß 51 der Gemeindesatzuni jeder Richtung und jeder Weltanschauu« jg lassen Sie daher nicht den Weg des Fr!e! mehr den Menschen, konservativer Welßa ihres Gewissens zu erfüllen! Justizrat G o l d s ct> rn i d t (vom ^Vorstand) ist es klar, daß. die gegenseitigen Ausführungen l m anderen Teil nicht überzeugen werden. Er wendet sich zunächst gegen die Anschauung von Herrn Fraenkel, daß gute Juden nur in jüdischen Schulen, natürlich seiner Richtung, eh ogen werden Könnten. es nicht für imöglich, n in Deutschland aus i. Es ist doch sicherer Bersammlustg, ihre Das ist nur fn einer ' )e Schule wekde, wie Laufen und Mischehen das Ziel lhinaus- 1 von ihren christlichen 'S unterscheide. Bei einfach Lernfach gcn des Judentums zu »erjagt, wenn man von zionistischen Familien s ch e n erziehen. Es die einzelnen! Fächer, konfessionellen Schule Mitbürger längst tzrdie Ansicht, daß der pf für das Leben und Irdische Schule sei keine» rvativer Welmnschaumüsse die Gemeinde gerecht werden. Verdens, helfen Sie vielnschauung die Pflicht ich nicht Überdrücken. Gerade wegen dieser Die Weltanschauungsgegensätze lasten auch wenn wir hier drei Tage reden. Weltanschauung müsse er Gegner der jüdischen Schule sein. Seine Pflicht als Vorsteher gebiete es, der Allgemeiilheit der Gemeinde zu dienen und verbiete es, nne Schule einseitiger orthodoxer Weltanschauung zu unterstü!;en. Sonst könne der Frieden in der Gemeinde nicht geuiahrt werden. Wenn Rechtsanwalt Jakobsohn frage, wie sol eine jüdische! Schule geleitet werden, wenn nicht in einer be timmten Weltanschauung. so müsse er fragen, ob es kon ervqtive und liberale evangelische Schulen gebe. Für die Gemeinde käme überhaupt nur eine öffentliche jüdische Schule in jifrogc. j Frau Dr. Rabin - Heß setzt sih in bewegtes, von Herzen kommenden Worten für die irdische Schule ein, die ihre Kreise aufs Tiefste berühre. Die üdische Schule sei aus der Not der Zeit gegründet worden, ails eigener HerzensNot, nicht aus den« Zwang der anderen, 9iur die jüdisches Schule könne ein widerstandsfähiges Judentuni in die Welt schicken, sie lasse sich nicht mit christlich-konfessionellen Schulen vergleichen, die an bejtinimte Dogmen gebunden seien. Die allgemeinen Weltbeglücküngsideen der 8 iufklärungszeit. nützen uns nichts mehr. Nur der jüdische Gelanke, der konservative Geist, der an dieser Schule herrsche, forme uns retten. Liberalismus bedeute doch die Duldsamkeit gegen andere, gegen die Minderheit; deshalb werde er nicht wollen, daß die 183 Kinder ihre Schule verlieren und nicht verlaitgen, dqß diese Minderheit ihre konservative Weltanschauung ausgebe. Sollten das die Bedingungen sein, so müßte si; di« Subvention ablehnen. Rednerin erinnert an dos Wor der Lehre: Dy darfst dich nicht entziehen. Deshalb habe sie liier trotz der geringen Hoffnung, die Gegner umzustnnmen, g rsprochen, deshalb ermahne sie die Gegner an die Pflicht, sich den so stark;n und warmen Bitten eines großen Teiles b r Geineinde nicht zu entziehen Dr. Sch l g s i n g e r hat Verständnis für .einen. Tei5 der Gründe der Gegner, wenn es sich um die Gründung einv jüdischen Schule! handle. .Hier handle es sich aber um die Erhaltung einer bestehenden, gut besuchten Schule. Auch politisch liberal gesinnte Männqx seien für die jüdische Schule eingetreten. Der Unterschied zwischen konservativ und liberal sei nur quantitätiv, nicht qualitativ. Er bitte nicht, sondern er fordere die Unterstützung der jüdischen Schule, für die ein Bedürfnis nachgewiesen sei, da sie von 185 Kindern, auch von soschen liberaler Eltern, besucht werde. Nach einer, Entgegnung von Justizrat G o l d s ch m i d t ergreift Rechtsanwalt Spitz das Wort als besonderer Förderer der Jugendintereffen. Er vermißt eine Begründung, warum die höhere Schule aufgebaut worden sei, denn die öffentlichen höheren Schulen seiet« ncht konfessionell. Hierbei seien wohl zionistische Ziele' maßgebend gewesen. Er erwähnt, daß das größte Erlebnis für die Schüler eines hiesigen Gymnasiums der Geschichtsunterricht eines jüdischen Studienrats sei, und an einer anderen Schule der Unterricht einer jüdischen Studienrätin. Das gibt doch zu denken, daß der Fachunterricht mit Ausnahme der Religion nicht von einem besonderen konseissionellen Geiste erfüllt sein müsse. Es wäre ein Unglück, wejnn solch hervorragende jüdische Kräfte nicht mehr an paritätischen Schulen wirken könnten. Zu dieser Entwicklung maste aber die Gründung jüdischer Schulen führen. Die überwältigende Mehrheit der deutschen Lehrerschaft sei gegen die Konfessionolisierung der Schule. Deshalb dürfen wir uns sticht selbst mit den jüdischen Schulen absondern. Die Ausführungen von Rechtsanwalt Jakobsohn machten den Eindruck, als westn die Ereignisse der letzten 10 Jahre spurlos an ihm vorübergegangen feien. Er übersehe den großen Um schwung, der die jüdische Jugend, auch die libexale, ergriffen habe. Sie verlange stürmisch nach jüdischem Wissen, aber nicht nach einer konfessionellen Schule. Diese verlange nur die konservative und ziönistische Jugend. Gerade die aus der jüdischen Schule in Hamburg hervorgegangenen Schüler, darüber, habe er besonders Erfahrungen, litten schwer darunter, daß sie sich im Leben und in einer Volksgemeinschaft, die sie nicht kennen gelernt haben, nicht zurechtfinden. Mit der konfessionellen Schule geben sie den Antisemiten nur das Recht, uns als Fremde zu behandeln. Nach weiteren Ausführungen von Justizrat Kalisch, Rechtsanwalt Jatobsohn und Dr. Schlesinger bezweifelt Regierungsrat Marcus, ob die Weltanschaustngsdebatte hier einest Sinn habe. Die in ihr altgewordenen Anhänger werde inan hier «licht unrstimmen. Hier handelt es sich darum, zu ermöglichen, daß Gemeindemitglieder ihre Kinder im jüdischen Geiste und in jüdischer Gemeinschaft unterrichten lasten können. Als Reaktion gegen den in allen Fächern vermittelten christlichen Geist ist die jüdische Jugendbewegung bei allen Parteien emstanden. Redner wendet sich dann gegen die Ausführungen voll Rechtsanwalt Spitz und betont schließlich den Nätzlichkeitsstandplunkt. Die Unterstützung der jüdischen Schule sei eine Entlastung für die Religiönsunterrichtsanstalten der Gemeinde. Zum,mindesten müßte die Gemeinde für den Religionsunterricht dieser Schule wie bei allen anderen Schulen sorgen. Er beantragt daher Einsetzung einer Kominission zur Prüfung, ob bei Ablehnung des Antrages Fraenkel nicht wenigstens die jüdische Volksschule oder.der Religionsunterricht an der jüdischen Volks- und höheren Schule zu unterstützen sei. Justizrat P e i s e r betrachtet den Antrag vom Standpunkt der Geineiudesatzung und kommt zu dem Schluß, daß die Unterstützung )er jüdischen Schule eine Verletzung der vorgcschriebenen Parität beider Richtungen bedeuten würde. Rechtsanwalt N o t h «n a n n beleuchtet in längeren Ausführungen neben Den Argumenten für die jüdische Schule auch die Folgen eines Zusanunenbruches dieser Schule für die sie»- besuchenden Kinder und für den Frieden in der Gemeinde. Nach einem sehr teinperainentvollen Schlußwort von Rechtsqnwalt Jakobsohn tritt eine Pause von etwa einer halben Stunde ein. da die Versamrnlung durch die stunden-