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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1926-06-17 · 6 (17.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1926)
Issue
6 (17.6.1926)
Date
1926-06-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BreÄlauer Milches Stmeindebla« Amtliches Blatt der Synagogmgemeinbe zu Breslau VttMUUung: DerwaUungSvtrekor Dr. Nechntg, Srrtlau, WaNstraße 9 I ©rud und ANzeigen-Annahme: Druckerei Th. Schatz^ ANiengeseNschoft, ©INkätz: Büro der S^nagogengemelnde. Drecklau. Wallstr. 9 / Tel. N. 1612 | Breslau 3. Neue Sraupenstratze Nr. 7 / Femsprecher Ning 8331 u. 8332 Anzrigrnprrt«! DI« 6 gef&. 7nunmtt«r-3«Ue oder d«rrn 3taom 12 Via. — 3M laufmbra Aufträgen Rabatt. I Kllr dir unter dem Namen deck Drrfafferck erscheinenden Artikel und die Derrincknachrichten übernehmen wir nur diepressegesetzNche Derantwvrtung 3. Iavl-g. 17. Zuni 1926 Mr. 6 Gemeinüevertreter-Sihun^ vom Zi. Juni 1926 Bericht vön Dr. Rechnitz. Diese außerordentliche Sitzung wurde auf den Antrag von sieben Gemeindevertretern (Jahobsohn und Genossen) einberufen wegen der Interpellation betreffend jüdische Schule. Auf diese Interpellation konzentrierte sich auch dos Interesse der Sitzung» die sich bis 11 Uhr abends hinzog. Die übrige Tagesordnung war rasch erledigt. Der Vorsitzende, Justizrat Peiser, gab zunächst die Einladung der Israelitischen Kränkenverpflegungsanstalt zu ihrem zweihundertjährigen Jubiläum bekannt und überwies den Fraktionen eine Anfrage der Verwaltung betreffend die Einladung der Stellvertreter zur Stellungnahme. Nachdem Herr Kober berichtet hatte» daß der Vorstand f Beschluß der Versamnüung cheigetreten sei» der Arbeit»., einfchast 600 Mark zur Einrichtung des Büros zu beigen, wurde die nächste Borlage» die Ausschlagung der Erbt Spring auf Anregung des Berichterstatters Rechtsanwalt )mann dem Borstande zwecks Anfrage bei Oberrabbiner Landau in Johajmisburg zuvückgegebett. Der Antrag des Vorstandes, die Beihilfe an den jüdischen Frauenbund zur Besoldung der Gemeindeschwester von 1500 Mark auf 2200 Mark jährlich zu erhöhen» wurde 1 nach eingehender Befürwortung der Bcrichterstatterin Frau Dr. R a b i n - H e ß ohne weitere Aussprache angenommen. ■ \ 1 Nachdem ein mündlich von Geheimrat Goldfeld vor-. getragener Dringlichkeitsantrag,' den Beamten der Gemeinde die staatlich eingeführte Erhöhung des Wohmmgsgeldes von 95 auf 100% ab 1. April 1926 zu bewilligen, angenommen war» erteilte der Vorsitzende Herrn Rechtsanwalt Jakobsohn unter allgemeiner Spannung der zahlreich erschienenen Zuhörer das Wort zu seiner Interpellation. - Rechtsanwalt Jakobsohn wirft zunächst einen Rückblick auf die° finanzielle Entwicklung det hiesigen jüdischen Schule, die zu verschiedenen Eingalien auf Unterstützung durch die Gemeinde geführt hat. Die letzte Eingabe zahlreicher Eltern sei auf Beschluß dieser Versa nmlung dem Dorstande zur nochmaligen Erwägung überwiesen, aber dem Vernehmen nach vom Borstande abgelehnt worden. Er wünsche zu wiflen, aus welchen Gründen dies geschehen sei. Geheimrat Goldfeld faßt die Gründe kurz dahin zusammen: Bei Begründung der Schule vor etwa fünf Jahren sei dem Verein auf Beschluß der Gemeindekörperschaften mitgeteilt worden, daß die Begründung einer jüdischen Schule unerwünscht sei und sie auf Subventionen nicht rechnen könne. Dennoch sei nicht bloß die jüdische Volksschule gegründet Tkorden» sondern auch noch eine höhere Schule aufgebaut worden. Dabei mußten die Herren sich sagen» daß die für letztere erforderlichen gewaltigen Mittel privat nicht aufgebracht werden könnten. Es fei nicht Aufgabe der Gemeinde» öffentliche Schulen zu unterhalten, das Judengesetz spreche nur von Religionsunterricht. Eine konfessionelle Schule entspreche nicht unserer politischen Anschauung und sei ein Rückschritt in die Gettozeit. Der Umgang mit Schülern anderer Bekenntnisie, wenn er auch teilweise heute nicht erfreulich sei» sei kein Unglück für den jüdischen Schüler: denn Jude sein» heißt heute eben Kämpfer sein. Wenn die.Ansicht der Anhänger der jüdischen Schule richtig sei» so könne bei der höheren Schale nicht stehen geblieben werden, sondern eine jüdische Universität muffe folgen. Diese ganze Entwicklung sei gegen das Jntereffe des Judentums und könne deshalb keine Unterstützung finden. Herr Fraenkel ist von dieser Begründung überrascht. Seit Jahrzehnten sei ein Kulturwerk von der Bedeutung der jüdischen Schule in Breslau nicht begründet worden (Zurufe). Nicht aus Liebhaberei, sondern aus Notwendigkeit sei die Gründung erfolgt. Redner verweist auf die jüdischen Schulen in Berlin» Frankfurt und Hamburg. Die Gemeinde habe die Pflicht» für die Unterrichtenden dreizehn Lehrkräfte zu sorgen. (Zurufe: nein.)!! Die Gemeinde darf die Schule nicht untergehen laffen, weUin sie von 181 Schülern besucht werde. Redner polemisiert gegen die Ausführungen von Geheimrat Goldfeld, daß der Besuch der jüdischen Schule zum Kampfe gegen den Antisemitismus weniger tauglich mache, unter Hinweis darauf, daß er selbst «ine streng jüdische Schule besucht habe. Wenn die Parteirichtung der Schule Anstbß errege» so könnte ja auch eine liberale jüdische Schule gegründet werden. (Zuruf: das. wollen wir gar nicht.) Wenn der Vorstand ein Mitbestimmungsrecht bei der Lehrerwahl wolle, so würden sich Mittel und Wege finden, diesem Wunsch entgegenzukommen, aber die bestimmte religiöse Richtungsei in der Satzung des Schulvereins vorgeschrieben. Die Wahl der Schule sei Sache der Eltern. Wenn der Friede in der Gemeinde gewahrt werden solle» so müsse die Schule gestützt werden. Er beantrage, einen Beitrag von monatlich 1000 Mark zu bewilligen. Justizrat Kn l i s ch erläutert den Sinn der Resolution der Gemeindevertretung. Die Antragsteller hätten damals auf den Entwurf des Reichsschultzesetzes hingewiesen, der die' Gründung konfessioneller Schulen vorschreibt. Zur Prüfung, ob die de' stehende jüdische Schule sich in eine solche konfessionelle öffentliche Schule überleiten lasse, sei die'Sache an den Vorstand zurückgegeben worden. Mit der Feststellung, daß der sogenannte Referentenentwurf unter den Tisch gefallen sei, sei die ganze Resolution hinfällig. Eine Notwendigkeit zur Erhaltung der jüdischen Schule sei im übrigen nicht vorhanden. Der Wunsch einer kleinen Minderheit sei nicht der Wunsch der Allgemeinheit. Für den Religionsunterricht beider Richtungen sei von Ijier Gemeinde gesargt. Eine Parteischule einftititzer Art zu Unterstützen sei nicht Aufgabe der Gemeinde. Für eine konfessionelle Schule seien seine Freunde nicht zu haben. Eine liberale jüdische Schule würden sie ebenso bekämpfen. Die, bestehenden jüdischen Schulen, die Herr Fmenkel erwähnt habe, rühren aus der Zeit vor der Emanzipation. Wir wollen nicht selbst aufgeben, wofür unsere Väter gekämpft utzd gelitten haben, und unsere Kinder in die jüdische Schule zurückstoßen. In der Emanzipation seien gerade die Ortho-

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