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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1926-05-17 · 5 (17.5.1926) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1926)
Issue
5 (17.5.1926)
Date
1926-05-17
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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66 (SrtfltHcr Jßblsche« 6<w<{»b«HaM Nr. 5 Angreß - Beuthen noch Berichte über die Tätigkeit der Logenschwestern an diesen beiden Orten gaben.! Ans allen Berichten geht herrEir. daß sänstliche Vereine sich ihrer Aufgabe voll bewußt sind und das Wohl der Allgemeinheit zu fördern suchen. So bestehen fast überall Kindergärten Und Horte, in denen die Kinder unter sorglicher Leitung von Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen stehen und auch, so weit dies nötig ist, Speisung und Kleidung erhalten. Ueberall sucht man die Aroße Rot, namentlich der Allen und Kranken, zu lindern, nimmt sich besonders bed Kleinrentnerinnen an, schafft Erwerbsmöglichkeiten für Arbeitslose. Den Armen wurde Nahrung gereicht, Lebensmittelpakete zugesandt, kmzuni di« soziale Arbeit stand an erster Stelle. Auch an der städtischen Wohlfahrtspflege beteiligten sich alle Vereine. In Beuthen ist eine jüdische Haushaltsschule bfgründet worden, die den Mädchen eine gründliche Ausbildung ermöglicht. Besondere Erwähnung verdient das Kop steinsche Kinderheim in Ziegenhals, das auch Erwachsenen Aufnahme genährt. In Gleiwitz besteht ein Altersheim, während andere Vereine noch mit Sammlungen für derartige Anstalten beschäftigt sind. Hierauf gab Frau Angreß den Kass lnbericht. Die Einnahmen betragen 93b Mark, die Ausgaben 432.(30 Mark, Bestand rund 504 Mark. .Frau Vogel st ein dankte ihr für die Mühewaltung und sprach ihre Freude über den günstigen Bericht aus. Nachdem der Kassen - führerin Entlastung erteill und einige kurze Anträge erledigt worden waren, wurde in die Wahl eingetreten und^i ie Stimmzettel an die stimmberechtigten Delegierten erteilt. Inzwischen hält F r l. D r. Kate L i n d n e r ihr Referat über „Tuberkulose-Bekämpfung". Eie gast einen Ueberblick über das, was zur Bekämpfung der Tuberkulöse bereits geschehen ist, besonders seit der-Gründung der Zentrale, die ei» Netz'von Fürsorgestellen in Deutschland geschossen hat. Besonders eingehend beschäftigte sie sich mit der Art der Verbreitung der schweren S4uche und erwähnte die neuen preußischen Gesetze und die Tätigkeit des seit 1906 bestehenden Vereins für unbemittelte Lungenkranke in Bneslau, wo vier Fürsorgestellen vorhanden sind. Auch über die von her Stadt Breslau unternomnienen MaßnahmenTberichtete sie und bedauerte die geringe Zahl der Tuberkulosen-Heime für Erwachsene in Deutschland. Ebenso Erwähnte sie die .Heilverfahren der Landes- und Reichsversicherung, die; eigene Heime besitzen. Die jüdische Tuberkulosenfürsorge ist organisiert -in der Zentralstelle des jüdischen Wohlfahrtsamtes in Berlin. Anschließend daran nannte sie die bereits vorhandenen Heime jm Inland und Ausland, nämlich Bad Sode» (für männliche Kranke), Ri-rdrach im Schwarzwald (für weibliche Kranke), Meran, das Haus Etanja in Davos. Die örtliche Fürsorge.untersteht den örtlichen Wohlfahrtsämtern. Frau Grete Bial wies in ihrem R<ferat darauf hin. welch furchtbare Geißel die Tuberkulose ist, die allerdings heilbar ist, und - erwähnte noch das Kinderheim Wyk auf Fähs-, das von der Krankheit I gefährdete Kinder ausnimmt/ Ferner befürwoitete sie eine Inspektion von Wohnungen, namentlich bei den Familiejn die Almosenempfänger der Gemeinde sind, und hob hervor, daß auch, in gebildeten Kreisen die Kenntnis der ersten Symptome fehlt, und doch.i t Verhütung der Tuberkulose das Hauptgebiet der sozialen Arbeit. dieses Gebiet fällt auch die Erholungsfürsorge. Die Sorge gilt 1. den Kriegskindern, geboren 1914—1918, 2. den Halberwachsenen zwischen 20- -30, deren Entwicklungsjahre in den Krieg sielen, und 3. den Alten,;iie durch Krieg und Inflation geschädigt worden sind., Ihnen soll Sostr e, Licht, Freude gebracht werden, den Alten vor allem Bäderkuren und Heilung. Das tut die Abteilung Erholungsheim, die'sie hinaussrndet i« die schöne Natur. Die Kinder finden Ausnahme im Kinderheim in K zetern und zeitweise im Flinsberger Landheim. Ander Erweiterung dieser Fürsorge müssen alle teilnehmen, auch die Provinzoereine und Ortsgruppen, denen der jüdische Frauenbund Anschluß an eine schöne Gesamtheit gibt und viele Rechte für sic durchsetzt. Doch ist es Sache der Vereine, den Bund ihrerseits durch ihre Mitarbeit zu stützen und sich chm sting zugehörig zu fühlen. Erst dieses Gefühl zeigt, daß kein Dank verlangt wird, sondern daß Bond und Verein» wechselweise für einander eintrete i. Die Frauen werden sich dann al» Hüterinnen des Lebens dem Bun »e eng verbunden fühlen und in dem Bund eine Stätte sehen, in der Gu es und Schönes erblstht, uns und aller. Well zum Heile. Frau Dogelstein dankt der Redneriti für ihre warmen Worte lind wies auf die Satzung hin, die Frauen ckller religiösen Richtungen im Bund zu vereinen sucht. Dann fordert sie! Frau Engel auf, das Ergebnis der Wahl bekannt ^zu geben. Es sind 39 Zettel abgegeben worden,!ron denen drei Ungültig sind. Gewählt sind die Damen: Ollendorf (! 6 Stimmen), Vogelstein (36). Meyerslein (36). Angreß (36). Bial (36). Böhm (35), Hahn (35), Sänger (34), Gaßmann (34), May (32), Salistjer (25). Hierauf wird in die Aussprache über die steferate eingetreiten und Frau Vogel st ein hebt die Bedeutung «st er guten Haushstllungsschule hervor. Eine solche Schule besteht außerin Beuthen im Landerziehungsheim zu Wolfratshausen bei München. Frau Eastierer gibt bekannt, daß aus Berlin Erhebungsbogest und Antragsbogen (erhältlich in der jüdischen tuberkulösen Fürsorge) elle, Rosenstraße 4) gesandt werden. Wenn diese Stelle ein Drittel drr Kosten gibt, muß von Gemeind« und Vereinen des Heimatsortes zwei Drittel getragen! werden. Städtisch« Zuschüße sind durch den Schlesischer Provinzialoerbstnd zur Bekämpfung der Tuberkulose, Breslau, Höfche» »lag. zu erhallen. F r l. Dr. Lindner macht darauf aufmerksam, da; es genügt, sich zuerst an die örtlich« Fürsorgestelle zu wenden. Fr iu Bial bitten um die Mitarbeit der Provinzvereine in der Erholung-fürsorge. Es wäre gut, Familien ausfindig zu machen, die sür kurze" Zeit Erholungsbedürftige aufnehmen. Frau Hahn fragt, wer gefährdete.Kinder versorgt und erhiell die Antwort: die Schlesische Landessürsorge. Die interkonfessionellen Einrichtungen müssen also in jeden» Fall in Anspruch genommen werden. — Auf eine Anfrage, ob das Gleiwitzer Allersheim nur für Oberschlesien bestimmt ist, wird geantivortet, daß auch Auswärtige ausgenommen werden: doch kostet die Einzahlung in jedem Fall 1000 Mark. Frau Meyer st ein betont die Notwendigkeit. Arbeit sür Gesunde zu besorgen, wie es in Breslau in dem „Arbeitsnachweis jüdischer, Organisationen Schlesiens", Schwsidnitzer Stadtgraben, geschieht. Frau Vogel st ein schließt um l'/i Uhr mit Dank die Tagung. 1 (Schluß folg«.) Gründung eines kantoralen Archivs des Allgemeinen Deutschen Kantoren-Derbande». Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Kantoren-Derbande» hat beschlosien, ein Archiv sür das Kantorat zu schassen. Cr btttet nicht nur die Kollegenschast und die Verwandten und Freunde verstorbener Kantoren, sondern alle jüdischen Kreise, dieses bedeutungsvolle Unternehmen nach Kräften zu unterstützen und ihm im Interesse des Judentums gütigst folgende einschlägigen Objekte überlassen zu wollen: 1. Gedruckte, lithographierte oder handschriftliche synagogale Kompositionen für alle Gottesdienste und kantoralen Amtshandlungen. 2. Allgemeine oder lokale traditionelle Gesänge (Nigunim). 3. Kantoral-wissenschaftliche Bücher, Aussätze und Abhandlungen. 4. Biographien, Briese und Bilder berühmter Meister. 5. Grammophonplatten, welch« gottesdienstliche Gesänge hervorragen. der Kantoren und Synagogenchöre mustergültig wiedergeben. Das Archiv wird zunächst in Nürnberg seinen Sitz haben und später an den Ort verbracht werden, in welchem die jüdische Lehrer- Akademie ersteht, die auch die Kantsreri ausbilden soll. (Berlin oder Frankfurt a. M.) Gegebenenfalls könicken die Sainmlungen leinem zentral gelegenen jüdischen Museum in Deutschland als kantörale Abteilung angegliedert werden. Wie dein auch sei, daß zusammenkommendc. in historischer, kultureller und lünitlerisäKr Beziehung voraussichtlich sehr wertvolle Material bleibt- Gemeingut des deutschen Judentums, das gerade auf kantoralem - Gebiete wirklich Hervorragendes geschaffen hat und wird den heranzubildenden Kantoren für eine ersprießliche Berufstätigkeit in- und außerhalb des Gotteshauses, sowie der kantoralen Pissenschast ganz außerordentliche Dienste leisten.. Wahrscheinlich wäre die Zerslatlrrung mancher Kantoren-Bibliothek unterblieben, wenn schon früher eine solche Sammelstärte eingerichtet worden wäre.,! Die Gründung eines Archivs dürste deshalb denen besonders willkommen sein, die ins kantorale! Gebiet gehörende Hinterlassenschasten besitzen, sür welche sie persönlich keine Verwendung haben, während sie durch Ueberweisung an das Archiv dem verstorbenen Kantor und Verwandten ein dauerndes, würdiges Denkmal setzen und sich ein wirkliches Verdienst und allgemeinen Dank erwerbe». Die. lebenden Synagogen-Komponisten werden herzlich gebeten, ihre sämtliche» gottesdienstlichen Tonschöpfungcn noch bei Lebzeiten dem Archiv zugehen zu lassen; ebenso mög«n die Verleger demselben vorhandene und neu erscheinende kantorule Werke gütigst überweisen. . Der Unterzeichnete Archivar wird den Empfang aller Eingänge schriftlich bestätigen und sorgfältig registrieren. Der Ausschuß des A. D. K.-V. übernimmt einstweisen di« Verpslichtung der treuen Aufbewahrung aller ihm anzuvertrauenden'Zuwendungen; später soll ein hierfür zu wählendes Komitee dieselben ihrer Bestimmung zuführen und dem allgemeinen Interesse nutzbar! machen. Sendungen (Auslagen für! Porto, Versand- und andere Spesen werden auf Wunsch gerne ersetzt) -erbeten an Oberkantor Theod.ojr Fraenkel, Nürnberg, Neuegasse 12. Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Sanlorenverbandes. I.S.Levy, Th. Fraenkel, 1. Vorsitzender. .Archivar. Goldene Hochzeit. Herr Paul Steinert und feine Gattin Cilla geb. Rosenberg, Tauentzienstraße 9,; III, begehen am 4. Juni die Feier ihrer goldenen Hochzeit. Das gleiche Fest feiern am 11. Juni Herr Oskar Schuftan und seine Gattin Auguste geb. Engel, Friedrich-Wilhelm-Straße 4. Wir gratulieren den Jubelpaaren, die seit vielen^Iohrzehnten unserer Gemeinde angehören, aufs herzlichste. Möge ihnen ein heiterer und sonniger Lebensabend beschiede» sein. G. n >ens. lue öem vereinsleben. n Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler E. V. Frankfurt a. HU Fahrgasse 146 hat von der Grupve .Hygiene der Juden" auf der großen Ausstellung Düsseldorf 1926 sür Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen (Gesolei) wichtige Ausgaben auf dem Gebiete der jüdischen Kunst zur Erledigung übertragen erholten, da die genannte Gesellschaft durch ihre 30 jährige Tätigkeit zu einem Zentrum jüdischer kunstwissenschaftlicher Forschung geworden ist.

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