Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 5 (17.5.1926)
- Date
- 1926-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Q9rt«l«utt JSdisch«« Gemeind «b lall 65 unentgeltlich behandelt! werden, sei hingewiesen. Von Interesse dürfte es auch insbesondere für die Bewohner der Südvorstadt sein, daß im Hrankenhause eine Synagoge mit täglichem Früh- und Abendgottesdienst unterhalten wird. Da? Krankenhaus und die ihm angtjchloffenen Wohltätigkeitsanstalten werden nach den Bestimmungen der Satzungen streng, rituell und unter genauer Jnnehaltung der religionsgesetz-' lichey Bestimmungen geführt und stehen unter Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Cohn. Die Verwaltung des Krankenhauses ist bemüht, aUeri Wünschen der Patienten nach Möglichkeit Rechnung.zu tragen und die steigende Zahl der Pfleglinge ist ein Beweis, daß dank der hingebungsvollen Tätigkeit der Herren Anstaltsärzte unser jüdisches Krankenhaus sich in den Weitesten, auch christlichen-Kreisen, allseitigen Ansehens erfreut. In der Altersversorgungsanstalt und im Siechenhause wird den Insaffen vollständiger Unterhalt, d. h. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Verpflegung, Bedienung, Wäschebesoffgung, ärztliche Behandlung und Medikamente und im Bedarfsfälle Krankenhausbehandlung gewährt. Getreu der Ueberlieferung besorgt die Chewra Kadischa auch! die Verwaltung der Friedhöfe einschl. Grabpflege und das Leerdigungswesen ijn Aufträge der Synagogen-Gemeinde. Die ebenso hingebungsvolle wie opferwillige Tätigkeit der im Ehrendienste des Beerdigungswesens arbeitenden Damen und Herren Hat stets die volle Anerkennung unserer Gemeindemitglieder gefunden. Im Zusammenhang hiermit sei noch darauf hingewiesen, daß die Mitglieder der Israelitischen Krankenverpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft die Vergünstigung genießen, daß bei ihrer Bestattung und die ihrer nicht selbständigen Haushaltungsmitglieder nur die einfachen, durch den Vorstand der Synagogen-Gemeinde festgesetzten Sätze der Gebührenordnung erhoben werden, während Nichtmitglieder mindestens das Doppelte dieser Sätze zu zahlen haben. Die Angehörigen verstorbener Mitglieder haben ferner das Recht, zu verlangen, daß ihnen zu den während der Trauerwoche im Trauerhause zu verrichtenden Gebeten 5 Männer von der Gesellschaft unentgeltlich gestellt lyerden. Wenn wir in diesem Jahre auf die 200 jährige Geschichte unserer Israelitischen Krankenverpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft zurückblicken, so dürfen wir mit Stolz bekennen, daß die Tätigkeit dieser heiligen Brüderschaft von ihrex Entstehung an segensreich gewesen ist und sich in fortschreitender Entwicklung zu einer hohen Kulturtat im Dienste der Menschlichkeit und zum Ruhme für unsere Gemeinde und das Judentum entfaltet hat. Möge das bevorstehende Jubiläum einen neuen Merkstein in der Geschichte der Chewra Kadischa und den Beginn eines weiteren Aufstiegs für unsere humanitäre Gesellschaft bedeuten. Ein Werbeausschuß ist in der Bildung begriffen, um unserer Chewra Kadischa, anläßlich des so seltenen Jubekkages die Mittel für die Errichtung einer Iubiläumsstiftung zu schaffen. Wir zweifeln nicht, daß der Aufruf des Werbeausschusses, trotz der gegenwärtigen scharferigen Verhältniffe, bei dem stets bewährten Wohltätigkeitssinn unserer Gemeindemitglieder reichen Erfolg haben und so die Möglichkeit bieten wird, für unsere wichtigen Wohltätigkeitsanstalten den Grundstock zum Aufbau eines neuen Stiftungsvermögens zu schaffen. Die Jubiläumsfestlichkeiten werden sicher das 'Interesse aller Gemeindemitglieder Hervorrufen. Bezüglich der Veranstaltungen wird auf die Bekanntmachung in der heutigen Nummer verwiesen. Lbch. Hauptversammlung -es provinztalverbanöeL. für - Schlesien und Gberfchlesien und der Breslauer Ortsgruppe des jüdischen Zrauenbundes am 20. und 21.V)lprtt 1926 in Breslau Die Delegierten des Prooinzialverbandes für Schlesien und Oberschlesien waren für den 21. April nach Breslau zur 4. Hauptversammlung eingeladen. Ihnen zu Ehren veranstaltete die Breslauer Ortsgruppe am Borabend, Dienstag, den 20 April, int großen Saale der „Bier Jahreszeiten"' eine öffentliche Versammlung. die die Vorsitzende, Frau Beate Guttmann, mit einer Ansprache eröffnet«. Sie hieß die Gäste, die Delegierten aus der Provinz, die Gemeinderabbiner und die Vertreter der Gemeindebehörden willkommen und wsts auf das, Bestreben des Frauenbundes hm, die jüdischen Frauen fester an sich zu ketten. Deswegen hat auch eine Kommission unter Vorsitz von Frau Grete B i a l eine Reihe von Borträgen veranstaltet, deren Bejchlutz der heutige Abend bringt. Hieraus übernahm Frau Grete.Binl den Vorsitz, brachte den Gruß der Kommission und gab das Wort zunächst an den 4 Gemeinderabbiner Dr. Hossmann, der sein Staunen über die große Versammlung der. Frauen ausdrückte» die in das Leben der Allgemeinheit eine eigene Note bringen^ Vorallem haben sie in die Wohlfahrtsbestrebungen eine andere Ordnung gebracht. Einen Hilferuf lieh der Redner an die Frauen ergehen,! in der sozialen Arbeit eine innere Mission an denen zu üben, die bedürftig sind. Drei Säulen stützen das Judentum: Wohlfahrt, Gottesdienst und dke Thora. Den Frauen liegt es ob, die 2200 Kinder derhiesigen jüdischen Gemeinde, die von den Lehrern nur notdürftig in die Ähre eingeführt werden, den Religionsschulen zuzusühren, damit das - jüdische. Haus errichtet wird und das Judentum fest auf seinen drei Säu«n ruht. Frau B i a l dankte ihm und versicherte, ihm, daß der Frauenbund bestrebt sei, diese Ausgabe zu lösen. Dr. Vogelstein stimmte ssmem Kl liegen bei und sprach seine Freude über die stattliche Versammlung aus. Er betonte, daß die Rabbiner das Judentum stützen durch Hebung de » Gottesdienstes, die Frauen durch ihre soziale Arbeit, für die ihnen, Dcnk gebührt. Sie üben die soziale Erziehungstätigkeit aus, die doppelt s gnet: den, der sie empfängt» und den, der sie spendet. In die Gemeinden:rsammlung sind die Frauen erst neuerdings hereingekommen: sie werdet auch dort hoffentlich neue Bahnen wandeln und Gutes wirken. In diesem Sinn sprach er die Hoffnung aus, daß die Tagung gedeihlich w rke über die engen Grenzen hinaus, in denen sie stattfindet. Nach diesen Ansprachen wurde zur Tagesordnung übergcgangen, auf der Vorträge über die „Völkerversöhm nde Frauenarbeit" standen. Fxau Bertha- Kamm. Frau Elire Marck und Frau Grete Wachs mann sprachen über dije Arbeit der Frau für die Friedensidee, die auch eine Grundlage de:> Bibel den Angriffskrieg verbietet, und da s Judentums bildet, da die fordert, daß der Abwehrfölgte noch eine kurze Auskrieg human geführt wird, daher sind auch die Propheten Verkünder dieser Idee gewesen. Den beifällig aufgenommenen Reden spräche; dann schloß Frau Bial die Dersaminlung. Am Mittwoch, den 21. April 1926, sa gte - die 4. Hauptversammlung d» Provinzi, ^verband« für Schlesien und Oberschlesiei >. die um 10 Uhr im RepräseNtantensaal, D allstraße 9, eröffnet wurde. Frau Vögelst^in begrüßte die Telegierten aus-Schlesien und die Vertreter der Gemeindebehörden und wünscht der Tagung volles Gedeihen, dann erteilte sie das Wort dem Vertreter des Vorstandes der Synagogengemeinde Sanitätsrat D-r. Bach, der hie 'llnwsfenden zugleich als Vorsitzender des jüdischen Wohlfahrtsamtes b< grüßte, und die innige Zusammenarbeit hervorhob, die, zwischen M ohlsahrtsckmt und jüdischem Frauenbund besteht, so daß man sich das «iNr ohne Mitarbeit des antzeren gar nicht mehr vorstellen könnte. Herr Curl Br i enitzer hob als iVertreter der Gemeindevertretung in seiner Ansprache hervor, daß/die' Frauen in die Gemeindebehörden ihren Einzug gehalten haben und sich dort bewähren werden, was er von Herzen wünsche, da ihr Kamps um die Gleichberechtigung in der Gemeinde ein berechtigter gewesen, ist. ' Frau Bogelstein dankte beiden Herren für ihre freundlichen Worte und ihre Wünsche. Dann wurde getreten, und Frau Martha Meyer st ein bericht, aus dem zu ersehen ist, daß der Breslauer Ortsgruppe und den Schwesterbünden der Logen _30 Frauenvereine in Schlesien umfaßt, von-denen sich 3 (Brieg, Glatz und Neiße) im Laufe des letzten Jahres in. Ortsgruppen umgewandelt haben, eine Umwandlung, die überall, wo sie geschieht, in den Frauen das Bewußtsein engster Zusammengehörigkeit wachrust und das Bestreben, die Würde und Größe des Judentums durch Gesinnung und Handeln zum Ausdruck zu bringen. Die Blätter des Frauenbund« schaffen den geistigen Zusammenhang und sollten von 'allen- Mitgliederngelesen werden. Die Gebiete der praktischen Arbeit unserer Vereine sind zahlreich: Fürsorge für Kinder und Jtwendliche, Crholungsfürsorge auch für Frauen, die im Berufe stehen, Bekämpfung der Tuberkulose, Linderung der'Notlage vieler Familien, insbesondere dstnch Arbeitsbeschassung. Davon werden uns unsere Delegierten ausführlich erzählen. Alle Vereine aber müsien sich als Mithelfer bei dem großen Werke des jüdischen Frauenbundes fühlen, wie sie sicher sein können, bei der Breslauer Ortsgruppe immer Rat und Hilfe zu finden. Für dieses gegenseitige Verhältnis fprichk-der Umfang der Korrespondenz. Außer mehreren Rundschreiben sind über 100 Einzelbriefe verschickt worden. Wenn jeder einzelne Verein sich als unentbehrliches' Glied sin dem großen Bunde fühlt, dann wird durch dieses Zusammenstehen eine Macht geschaffen, die den Forderungen der Zeit genügt und wohl fähig ist. die großen und schönen Aufgaben zu erfüllen, die wir uns gestellt haben. Anschließend erstatteten mehrere schlefache Delegierten Bericht über die Arbeit ihrer Vereine. So sprachen Krau Anna W ieuier- Gleiwitz, Frau Martha May 7 Glcktz, Frau Hahn. Reiße. P!rl. Rahmer - Beuthen, Frau G l.a s er..- Brieg und Frau G o - i n s k y - Beuthen, während Frau Ko p p - Gleiwitz und Frau in. hie 'Tagesordnung, eingab den T ä t i g k e i t s - Provinzialverband außer der