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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1926-05-17 · 5 (17.5.1926) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1926)
Issue
5 (17.5.1926)
Date
1926-05-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Dr«»l«««r JSdische« gtmtiwbtH»<l Nr. 5 S4 zinischen Wiffenschaft nicht lange genügen. Immer rstehr wurde der Wunsch laut, ein neues jüdisches Hospital in Bredlau zcc errichten. In dieser. Bedrängnis half die hochherzige Stiftung der Gebrüder Jonas und David Fraenckel, die I für diesen Zweck 50 000 Reichsthaler zur Verfügung stellten [linb so konnte im Jahre 1841 das Fraenckel'sche Hospital Antoyienstratze 6, 7 und 8 seiner Bestimmung übergeben werden. Dieses Gebäude, zu dem ein größerer Garten gehörte, nahm zunächst die Krankenverpflegungsanstalt und die Waißrnanstalt auf. Als legrere im Jahre 1883 ein eigenes Heim auf der Gräbschener Straße bezog, dehnte die Chewra Kadischa ihre Zwecke auf die Gründung und Unterhaltung eines Israelitischen Siechenhauses aus, welches in die frei gewordenen Räume'verlegt wtkrde und zahlreichen Siechen And Altersschwächen sorgenfreie Unterkunft gewährte. Die Eröffnung des Fraestckelschcn Hospitals bedeutete für t die Chewra Kadischa | den Beginn eines neuen Zeitabschnitts, die Fürsorge für grme Kranke und Sieche gestaltete sich immer mehr zur wichtigsten Aufgabe in ihrem heiligen Pflichtenkreise. Aerzte! und Verwaltung waren fortgesetzt bemüht, die Einrichtungen! des Hospitals zu verbessern und die Segnungen der fortschrettsn- , den Wissenschaft den Kranken zugute zu führen. Der Etfolg i dieser Bestrebungen zeigte sich in der fortschreitend steigenden Zahl der Kranken, die im Jahre 1846 — 113 betragen Hatte und die im Jahre 1882 bereits auf 343 gestiegen war. Mit i dem Hospital wurde eine Poliklinik verbunden, in der embulam zu behandelnde Patienten ohne Unterschied der Konfession freie ärztliche Behandlung fanden. Dank der Hochherzigkeit des aus dem Gebiete der Wohltätigkeit vorbildlich wirkenden Herrn Rittergutsbesitzer Julius Schottländer s. A. konnte im Jahre 1897 auf einem hervorragend geeigneten Gelände an der Kirschallee in Kleinburg die treue Israelitische Alrersversorgungsanstalt, die 70 Insassen Platz bietet, errichtet werden; dorthin siedelten die bisher in Räumen des Hospitals untergebrachten Altersschwachen über. Auch die hierdurch frei gewordenen Räume in der Antonienstraße wurden für die Zwecke des Kranjlenhauses zur Verfügung gestellt. Des reichen Segens, den der in Gott ruhende Wohltäter Julius Schottländer durch die Errichtung der Altersversorgungsanstalt , gestiftet hat. sei auch an dieser Stelle dankbar gedacht. Doch alle Versuche, das Hospital in der Antonienstraße zu vergrößern und für einen modernen Krankenhausbetrieb umzugeftalten, mußten sich bei der stets wachsenden Zahl der Kranken lünd nach dem Stande der medszinischen Wissenschaft und Hygiene als unzulänglich erweisen. Die Zahl der Patienten war bereits Ende der 90 er Jahre auf mehr als 500 gestiegen. Nachdem im Jahre 1897, nach Mverwindung großer Schwierigkeiten ein für den Neubau hervorragend geeignetes Terrain an der Hvhenzollernstraße angekaust war, konnte nach langen sorgfältigen Vorbereitungen im März 1901 mit dem Bau begonnen und derselbe so gefördert werden, daß die Gebäude im April 1903 ihrer Bestimmung übergeben werden konnten. Am 27. April 1903 fand die feierliche Einweihung des neuen Hauses statt unter Teilnahme der Spitzen der Staats-, Militär- und Kommunalbehörden, des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung unserer Gemeinde,! der Vertreter aller jüdischen Vereine und Korporationen ^und zahlreicher anderer hervorragender Persönlichkeiten und Freunde der Anstalt. Dieser Tag der Vollendung eines einzigartigen Denkmals jüdischer Wohltätigkeit muß als hin Ruhmesblatt in der Geschichte der 'Chewra Kadischa für ewige Zeiten verzeichnet bleiben. An dieser Stelle, geziemt es sich, des im April 1925 kurz vor Vollendung seines 91. Lebensjahres dahingeschiedenen Vorsitzenden und Ehrenmitgliedes der Israelitischen KrankeN-Derpflegungs-Anstalt und Beerdigungs- Gesellschaft Herrn Eduard Sachs in dankbarer Erinnerung zu gedenken. Wenn unser Krankenhaus, das sich in den weitesten Kreisen höchster Anerkennung erfreut, geschaffen werden konnte, so war dies in erster Reihe dem überragenden Geiste, der unermüdlichen Arbeiükraft, dem prophetischen Weitblick und dem nie versagenden Optimismus des in Gott ruhenden Führers unserer Gemeinde und der Chewra Kadischa zu verdanken. Er verstand es, olle Schwierigkeiten zu, überwinden und die Zaghaften zu heiliger Begeisterung für das große Werk der Nächstenliebe zu entflammen. Die stets fortschreitende Entwicklung und die hervorragenden Erfolge des Krankenhauses, die er erleben durfte, waren der schönste Lohn für sein mühevolles Wirken. Das für 120 Betten vorgesehene Krankenhaus erwies sich schon nach kurzer Zeit als zu klein und auch die wiederholten Um- und Erweiterungsbauten innerhalb des Gebäudes konnten der steigenden Nachfrage der Patienten nicht Genüge leisten: Durch csinen im Jahre 1914 vollendeten Neubau konnten dein Krankenhause eine besondere Abteilung für Frauenkrankheiten und für Augenkrankheiten angegliedert und die Zahl der Krankenbetten auf.ca. 220 vermehrt werden. Im Zusammenhang hiermit ist auch das auf dem Grundstück des Krankenhauses an der Menzelstraße errichtete Israelitische Siechenhaus,; das im Jahre 1912 seiner Bestimmung übergeben werden konnte, zu erwähnen. Es mangelte schon lange an einer geeigneten Unterkunft für solche Personen, die wegen chronischer Leiden oder aus sonstigen Gründen als siech zu bezeichnen find und besonderer Pflege und Wartung bedürfen. Diesem Mangel durch die Errichtung unseres Siechenhauses in hervorragender Weise Abhilfe geschaffen zu haben, ist das unvergängliche Verdienst der hochherzigen Wohltäter Frau Geh. Sanitätsrat Clara Altmann, geb. Werner f. A., des Herrn Arnold Schottländer f. A. und des edlen Menschenfreundes Herrn Hermann Schottländer, l Bald nach Vollendung pes Neubaues der Frauenabteilung Im Jahre 1914 brach der unglückliche Weltkrieg über unser Vaterland herein. Diese Katastrophe hat auch dem israelitischen Krankephause große Lasten auferlegt. Es war für den Vorstand des Krankenhauses eine ebenso selbstverständliche, wie gern erfüllte vaterländische Pflicht, daß er bald nach Ausbruch des Krieges der Heeresverwaltung 150 Betten als Lazarettabteilung für die Pflege und Behandlung von Soldaten zur Verfügung stellte und diese Abteilung war bis zum Jahre 1920 fast ununterbrochen voll belegt. Daß auch auf diesem-Gebiete das jüdische Krankenhaus seine Pflicht voll und ganz erfüllt haf, beweisen die zahlreichen Anerkennungen, die ihm sowohl von den Militärbehörden, wie von vielen im Krankenhause untergebracht gewesenen Offizieren und Soldaten dargebracht worden sind. Hatte schon so der Krieg große materielle Opfer vom Krankenhause verlangt, so kam in der Nachkriegszeit die Unheilvolle Wirkung des Währungsverfalls in einer für die Finanzen der 'Anstalt fast untragbaren Weise zum Ausdruck. Sowohl das Krankenhaus, wie die Altersversorgungsanstalt und das Siechenhaus haben ihre großen Stiftungsvermögen, die ihnen in der Vorkriegszeit bedeutende für den Betrieb unbedingt notwendige Zinszuschüsse brachten, fast vollständig verloren. Wenn es nichtsdestoweniger diesen bedeutungsvollsten Wohltätigkeitsanstalten innerhalb unserer Gemeinde bisher möglich wqr. ihre Betriebe in vollem Umfange aufrecht zu erhalten, sch ist dies neben der Unterstützung durch die Synagogen-Gemeirtde immer wieder in der Hauptsache dem aus echt jüdischem Geist geborenen Wohltätigkeitssinn unserer Gemeindemitglieder zu verdanken. Dem Appell des Vorstandes der Chewra Kadischa folgend, hat sich die Zahl der Gesellschaftsmitglieder seit der Vorkriegszeit verdoppelt. so daß heute mehr als 4000 Gemeindemitglieder dieser charitativen Vereinigung angehören. Ehrenpflicht jedes Mitgliedes unserer Synagogen-Gemeinde ist es, unserer altehrwürdigen Chewra Kadischa beizutreten und dieselbe in ihren heiligen Aufgaben in der Fürsorge für arme Kranke, Sieche und Altersschwache durch einen angemessenen Jahresbeitrag zu unterstützen. Aufklärend sei noch bemerkt, daß die Fürsorge für arme Kranke sich nicht nur auf die in, Krankenhause untergebrachten Patienten erstreckt, sondern, daß auch in der Stadtkrankenpflege mehr als 300 unbemittelte jüdische Familien durch unentgeltliche ärztliche Behandlung, sowie durch Gewährung von Arzneien und sonstiger Heilmittel unterstützt werden. Auch auf die vom Krantenhaüse unterhaltenen Polikliniken für innere, chirurgische, gynäkologische, Augen-, Kinder-, orthopädische Krankheiten, in der arme Patienten

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