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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1926-05-17 · 5 (17.5.1926) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1926)
Issue
5 (17.5.1926)
Date
1926-05-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr 5 Jüdisch«« 6tmeinbtfc(at< 63 schwierigen Zeit zu verr ingern. Für die Urnenbeisetzung werde selbstverständlich ein Statut geschaffen werden, für das die Leitsätze des Berichter Herr! Goldfchmik tatters als Material dienen sollen, t bemängelt in dem Plano, daß wieder dtr Fehler gleichmäßiger Felder gemacht werde, statt einen schhnen ungezwungenen Waldfriedhof anzulegen. Geh.-Rat Goldfeld widerlegt diese Ausführungen. Von Wchdfriedhöfen sei man längst abgekommen, weil die ' Orientierung schwierig und die Anlegung unwirtschaftlich sei. Man könne sich auf einen ausgezeichneten Fachmann, wie es - Herr Frijedhofsinspektor Piepes sei, verlassen. Der Plan sei von crftejc sachverständiger Seite, nämlich von Herrn Gartenbaudirektor Erbe und von Herrn Reg.-Baumeister Ehrlich durchgeakbeitet und befürwortet worden. Wenn Herr RA. Nothmayn mit Rücksicht auf die Finanzlage eine Zurückstellung auf 2 Monate befürwortet^ so bedeutet dies tatsächlich eine Vertagung auf ein Jahr. Nack) weiterer Aussprache wird hierauf die Vorlage des Vorstandes angenommen und die Leitsätze des Berichterstatters deiji Vorstände als Material überwiesen. Dagegen wird die nächste Vorlage, der Arbeiterfiirsorge in Breslau eine einmalige Beihilfe von 300 Mk. zu bewilligen, auf Antrag des Berichterstatters, Reg.-Rat Marcus, ohne Aussprache angenommen. Eiife ausführliche Vorlage, über die Herr Brienitzcr berichtet. legt die geplanten räumlichen Veränderungen für das Wohlfahrtsamt dar. Das Wohlfahrtsamt soll im 1. Stock Wallstraße 9, bisher Klassenzimmer der Religions-Unterrichts- Anstalt >1, untergebracht werden und dafür Klassenzimmer iin 3. Stock desselben Gebäudes geschaffen werden, jn dem jetzt die Gemeinde-Bibliothek untergebracht ist. Diese soll in die freigemachten Erdgeschoßräume des Gemeindehauses, Anger 8, verlegt werden. Die Kosten der baulichen Aenderungen bis zum Höchstbetrage von 5000 Mk. werden vom Vorstand angefordert. Der Berichterstatter, selbst eifriges Mitglied des Wohlfahrtsamtes, und mit dessen Notwendigkeiten vertraut, empfiehlt die Annahme der Vorlage. Herr Lehrer Freundl i ch chendet sich gegen die Bewilligung, solange bei der schlechten Finanzlage jeder Pfennig für die Beamten abgelehnt werde. S.-R. Dr. Bach erwidert ihm, daß gerade sein, warmes Herz für die Beamten ihn veranlassen müsse, die Vorlage anzunehmen. Er schildert, unter welchen schwierigen räumlichen Verhältnissen und unter welchen Störungen unangenehmster Art bei der jetzigen unzulänglichen Raumverteilung die Beamten der Verwaltung und des Wohlfahrtsamtes arbeiten müssen; Rach kurzer Aussprache wird hierauf die Vorlage angenommen. Desgleichen die beiden letzten Vorlagen, über die J.-R. P e i s ö r berichtet, nämlich die Bewilligung dev Kosten für die Reparqtur des Schornsteines in der Wollenberg-Stiftung mit 127.88! Mk. und für die Schwammbeseitigung in der Erdgeschoßwohnung desselben Grundstückes mit 296.25 Mk. Darauf tritt die Versammlung in die geheime Sitzung ein, in der über die noch zu wählenden Ausschußmitglieder und über d>e Eingabe des Herrn Ster beraten wurde. 200 jähriges Jubiläum -er Israelitischen Krankenverpflegungsanstalt unö Veer-igungsgefellschast zu Vreslau Dje Israelitische Kranken-Verpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft (Chewra Kadischa) zu Bresiau, diese bedeutstngsvollste unter den vielen wohltätigen Vereinigungen unseres Synagogen-Gemeinde,.kann in diesem Jahre die ebenso seltene, wie freudige Feier ihres 200 jährigen Bestehens begehen. Die Entwickelung und die segensreichen Wirkungen unserer Chewra Kadischa im Rahmen eines kurzen Artikels zu schildern, wäre müßiges Beginnen und deshalb soll hier nur mit kurzen Worten auf die Bedeutung dieser Humanitären Gesellschaft für die Wohlfahrtspflege innerhalb unserer Gemeinde hingewiesen werden. Schon jetzt seibemerkt, daß anläßlich des 200 jährigen Jubiläums Herr Rabbiner Dr. Lewin, früher in Kattowitz, jetzt in Breslau auf Ersuchen des Vorstandes eine Geschichte der Israelitischen Kranken- Dcrpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft schreibt, die demnächst allen Mitgliedern der Chewra Kadischa als Festgabe übersandt und die sicherlich allgemeines Interesse Hervorrufen wird. Ueber jüdische Krankenpflege in Breslau während dcs Mittelalters sind bestimmte Aufzeichnungen nichr vorhanden und so darf unsere heilige Brüderschaft ols Trägerin der etsten Organisation jüdischer Krankenpflege in Breslau bezeichnet werden. Die Anfänge unserer Gesellschaft reichen bis zufn Beginn dcs 18. Jahrhunderts zurück; denn bereits im Jahre 1725 bestanden Statuten derselben, deren Wortlaut allerdings nicht erhalten geblieben ist. Die Konstituierung der Gesellschaft fällt vermutlich erst in das Jahr 1726; dies ergibt sich auch daraus, daß am 18. Juli 1826 das 100 jährige Jubiläum der Chewra Kadischa uMer Anteilnahme der-Hanzen jüdischen Gemeinde gefeiert wurde. Die Krankenpflege Und zwar sowohl für einheimische wie für fremde Juden fand ursprünglich in gemieteten Räumen statt. Abgesehen von dieser stationären Behandlung erstreckte sich die Fürsorge der Gesellschaft bereits damals auf die ärztliche Versorgung zahlreicher Patienten in ihren Wohnungen, durch die von der Chewra Kädischa hierfür angestellten Jnstitutsärzte. Die vielen Schwierigkeiten, welche die Unterbringung von Kranken in gemieteten Zimmern, auch hinsichtlich deren ordnungsmäßigen.Versorgung Hervorrufen mußten, noch mehr aber auch die fortgesetzt stezgende Anzahl Hilfe suchender Kranker ließen das dringende Bedürfnis, ein ' eigenes jüdisches Hospital in Breslau zu ^gründen, immer mehr hervortreten. Rach jahrelangen Bemühungen und nach Erlangung der behördlichen Genehmigung konnte endlich im Jahre 1760 dieser Gedanke verwirklicht werden und die Brüderschaft kaufte „ein eigenes an der Stadtmauer zwischen der Antonien- und Graupengasse, in der Gegend gelegenes Häusgen, wo der im Jahre 1749 gesprungene Pulverturm gestanden, von dem Tuchmacher König von 700 Thaler Schlesisch zu einem beständigen Hospital." Bereits im Jahre 1788 . mußte dieses Haus, das den Anforderungen nicht mehr genügte, durch einen Um- und Anbau vergrößert werden. Im Jahre 1806 während der Bekagerung von Breslau wurde das Hospital z. T. eingeäschert, aber'bald wietzer hergestellr. In den nachfolgenden Jahren, insbesondere auch im Kriegsjahre— 1813 erwiesen sich die beschränkten Räume des Hospitals bald wieder als zu klein, und das weitere Anwachsen der Synagogen- Gemeinde machte die Beschaffung neuer Räume dringend notwendig. Um allen Anforderungen gerecht werden zu können, töurde im Jahre 1823 eine Filialkrankenanstalt auf dem Maschler'schen Grundstück am Schweidnitzer Anger errichtet. Die für die damaligen Berhiflinisse sehr'bedeutenden Mittel für den Erwerb des Grundstücks und für die mit der Vergrößerung des Hospitals verbundene bedeutende Steigerung der.Unterhaltungskosten wurden durch Eintrittsgelder, lau-, fende Beiträge und einmalige Spenden, sowie durch Zuschüsse der Synagogen-Gemeinoe aufgebracht. Das enge Band der Zusammengehörigkeit zwischen Chewra Kadischa sind Synbgogen 7 Gemeinde, das sich,' gegründet auf die gemein-, samen Aufgaben in der Fürsorge für Arme, Kranke und Dahin- . geschiedene, schon damals bewährte, hat sich im Laufe der 200 jährigen Geschichte unserer Gesellschaft immer inniger gestaltet und zu' den segensreichen Erfolgen unserer heiligen Brüderschaft in hervorragendem Maße veitragen. Nicht unerwähnt bleiben darf aber auchsdie Opferwilligkeit-der Mitglieder unserer Gesellschaft, die allezeit in hellem Lichte strahlt und die eisten unwiderlegbaren Beweis der praktischen Eihik des Judentums darstellt. " Aber auch diese Unterbringug der Kranken in. ,den beiden getrennt liegenden kleinen Hospitälern konnte den fortschreitenden Bedürfnissen und den Anforderungen der medi-

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