Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 3 (19.3.1926)
- Date
- 1926-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer Itidische« Semeindeblall Nr. 3 33 n Jlu8 dem vereiüsleben. n Einweihung -er Pinchas-Spnagoge Wir berichteten bereits im Anschluß'an die bistorische Reminiszenz über die Entwicklung der Breslauer Privatfynagogcn, daß die Pinchas- Synagoge in neue erweiterte Räume übersöedeln müßte. Der' Ilmzug ist inzwischen erfolgt und die Weibe der neuen Synagoge fand ain Sonntag, den 21. Februar, mittags >2 Ilbr, statt. Der offiziellen Einweihung war bereits am Donnerstag zuvor nach Verricbrüng des Minchab-Gcbctes in den« allen engen Raum der feierliche Auszug der Thorcirollen vorangegangen. Rachmittags 5 Ilbr, ehe die Dämmerung cinfetzte, batten sich die Mitglieder der Synagoge von der Moritzstraße nach tiCC neuen Andachtsstättc in die Höfcbcnskraßc K4 begeben. Der Vorstand' und die ältesten Mitglieder trugen die Thorarollen iin offenen Zuge, rechts und links von je einem Begleiter flankiert. Es war ein würdiges Schauspiel, das sich den Passanten bot und! dürfte wohl seit Jahrzehnten ein solcher Zug in Breslau nicht mehr gesehen worden sein. Et zeigte sich auch hier, daß wahre Religiosität und aufrechtcÄJudentum den Antisemitismus nicbt begünstigen, denn man merkte an dem Vorhalten des Straßenpublikums, insbesondere der zahlreichen Arbeiter, welch« um diese-Zeit von ihrer Arbeitsstätte zurückkehrten, daß sie volles.Verständnis für religiöse Ilebcrzeugungen Andersgläubiger haben. Auch nicht ein Wort der Mißachtung oder der Ironie fiel und das Publikum war joffenbar selbst von der Weihe und Würde der Prozession erfüllt. l 1 Am Sonntag wurde die Feier mit dcch <Klockenschlag 12 Ilbr (einer Pünktlichkeit, die angenehm auffiel und die! man sonst von jüdischen und wohl auch anderen Feiern nicht immer gcw>chnt ist), durch ein von Oberkantor Weiß mit Unterstützung, des von Herrn Lhordirigenten Anspach geleitet»! Storcbchors stimmungsvoll vorgetrag mcs na eröffnet. Hieran schloß sieb rcaa Wl während beide Thorajchreine geöffnet wurden, der alte, der nunmcbr nach jabrzehnrelangem Gebrauch seinen Zweck erfüllt batte und stock>mals provisorifcb ausgestellt werden war, der neue, kunswoll in die Oüniauer hincingcbaute, die Thorarv len aufzunehmen. Auch hier waren die angescbcnstcn würdigen Mitglieder und Gäste die Träger, und der Zug lvurdc eröffnet von dem ältesten Mitglied der Lynagogengemeinde, Herrn Adler, einem Greis von über 90 ilal-ren, der zu den pünktlichsten Mitgliedern der Pinchassynagoge gehört und gar häufig mit dein Morgengrauen scbon zun» Gottesdienste eilt. Racbd m» man die üblichen Umzüge um den Almemmor unter Absingung von X: “rjcrirt " X2K beendet und die Thorarvllcn dein neuen Thoräschrcinc übergeben hatte, stimnlte Oberkantor Weiß "'CK’ rman an. Sodann ergr ff Rabbiner Dr. Binetter das Wort zur Äleibeprcdigt, in der er darauf hini vies, daß 'die Eröffnung einer solchen Synagoge keine Privatsache, sondern daß sie von außetordentlicher Bedeutung für die ganze Synagogcngemeinie sei. Wenn sich auch einige Herren privat vereinigt hatten, um hier eine würdige Bctstütle zu schaffen, und einem dringenden Bedürfnis abzuhelkc», welches die im Süden der Stadt wohnenden Gemcindemitgliedcr schon lange empfanden, so müsse jedes Gemeinde Mitglied, selbst wenn es diese Synagoge nicht besuche, sein Scberflcin zur Erhaltung derselben beitrage» , wie auch das Stiftszelt in der Wüile, ein Heiligtum der Gesamtheit, di, se repräsentierte und sich aus den freiwilligen Spenden der Gesamtheit rhob. Rachdem Oberkantor Weiß mit dem Lbor den ab"B TJK angestimr it hatte, wurde das Minchah- Gebet verrichtet, bas Herr Ludnowsky, ein Mitglied der Synagoge, mit scböner Stimme oortrug. Die Synagoge war bis auf den letzten Platz gefüllt: bereits kurz vor 12 mußten die Türen wegen Ileberfüllung geschlossen werden. Der Ge- .ineindevorstond und das Repfäsentantenkollcgi um hatten Vertreter entsandt. Gegen I Ijhr schloß die würdige Feier, welch bei allen Teilnehmern einen erbebenden Eindruck zurückgelassen haben d» rfte. Dankbar erwähnt sei, daß alle Funktionäre chre Mitwirkung an bei Feier ehrenamtlich zur Der- fügung gestellt hatten. Auch die Funktionen vot: iin, min 7>V2 und Rabbiner ivcrdcn in der neuen Synagoge ehrenamtlick ausgeübt und nur auf dies« Weise »vird es überhaupt möglich sein, das Werk unter den größten Opfern fortiunihrcii, denn der Vorstand hat schwer, Lasten auf sich genommen, um die auf! jede Weise vorbildlich «usgcstaltc e Synagoge zu schaffen. Es ist zu wünschen, daß sich recht viele Gemeiudemitglieber durch Spenden oder durch Beitritt zum Verein der Pinch« ssynagoge an der Erhaltung dieser Delskälkc beteiligen, denn^sie wird ein n wertvollen Faktor für das' religiöse Eemcindelcben der Sudvorstadt bi! den. Auch die Synagogengemeindc bar bereits eine kleine Subventio i zugesagt, welche allerdings mit Rücksicht auf die überaus traurige Finanzlage unserer Gemeinde vorläufig kauni dazu hinrcickit, um die Belcuchiungs- und Behcizungskosten aufzubringen. Die Pinchassynagoge hat sich inch bereit erklätt, Iahrzeiten und Trauerjahre in würdiger Weise abzuha tcn, um den Spendern ein Aequivalent für ihre Opfcrwilligkeit zu erweisen. Möge der Segen des Allmächtigen auf dem neuen Gotteshaus rut cn. Anmerkung: Anineldungcn zur Mtgliedffh Synagoge sind zu richten an Herrn Ludwig sttaße 77, Spenden und Geldsendungen a»if der Darmstädter Bank, Dcpositenkasse D, kkornblum. ,aft des Vereins zur Piychas- Kornblum, Breslau, Gabitzdas Konto des Vereins bei onnenplatz, oder an Herrn Mädchenklut» des Jüdischen Frauenbünde i. Der Besuch der Klubabende im Dintc> das Programni, welches wir feftgelegt hatt« unseren Mitgliedern fand. — Gut gelange»! Freiburger Straße 15, war rege und bewies, daß n, allgemeines Interesse bei e Kleider, Blusen, Kindersachen und die vielen Umänderungen und Flickarbeiten zeigen, wie wertvoll der Schneiderkursus ist. Dir Gymnastikstunde fand rege Beteiligung und löste >edesmal von neuent Freude und Frische bei allen Teilnehmerinnen aus. — In Gesprächen und Vorträgen wurden wir in den Sirln und Wert jüdischer Gebete und Gotlesdienstordnuugen eingeführt und begrüßten die Anregung, die wir in Vorträgen über jüdische Haushaltsführung erhielten. — Andere Vorträge über dir Stellung der Frau in Fainilie und öffentlichem Leben, über Breslau» Entstehung u. a. lieferten uns stets Stoff, uns eingehender mit den begonnenen Themen zu beschäftigen. Auch Zeitungslektüre und im Anschluß an Museums- und Konzertbcsuche Lektüre von Klassikern verkürzten uüs die langen Winterabende. Sonntags, fanden wir uns stets zu fröhlicher Geselligkeit zusammen, während uns der Freitag-Abend jtiller um die brennenden Lichter versammelt, und wir beim Lesen und Besprechen des Wochenj abfchnittes in den Sinn der Bibel «inzudringen versuchen. — Doch wir! vergessen auch nie. daß di« Jugend ein Anrecht auf Freude hat und benutzten deshalb jede Gelegenheit, uni unseren Mädels Freude zu geben. Vor allem geeignet sind dazu natürlick» die jüdischen Feste, und jeder unserer über 70 zählenden Gaste wird wohl der gleichen Meinung gewesen sein, daß unser diesjähriges Chanuttahfest ein besonders wohlgelungenes und! fröhliches war. Neben wohlschmeckenden leiblichen Genüssen fanden hübsche Aufführungen allgemeinen Beifall. — Kostüme uad alle sonstigen Dinge, die dazu benötigt wurden, sind aus den einfachsten Mitteln in der Schaeiderstunde selbst hergestellt worden. Eine Anregung bot unseren- Mitgliedern'eine Prcisaufgabe: „Wie trage ich selbst zur Hebung des* Klublebens. bei?" Die fünf besten Arbeiten wurden prämiiert und vorgelcsen. — Auch sonst konnten wir in diesem Winter unseren Mitgliedern einige besondere Frevdestunden bieten: es wurden uns eine Anzahl Karten für Theater und Konzerte zur Verfügung, gestellt, die wir gemeinsam . besuchten. Die allgemeine geschäftliche Notlage hat natürlich auch bei uns Folgen gezeigt und Entlassungen verursacht. Da ist es für unsere Arbeit von l besonderen» Nutzen, daß wir mit städtischen und privaten Organisationen in enger Verbindung stehen und dadurch oft in der Lage sind, neue Stellungen zu verschaffen und alle Vergünstigungen für unsere Mitglieder in Anspruch nehmen zu können. Ganz besonders wichtig ist auch, daß uns vor allein jederzeit ärztliche Hilfe zur Seite steht, die uns durch eine der Vorstandsdamen, eine Aerztin, geboten wird. — Wir find darauf bedacht, stets nur au-gebildeten, erfahrenen Kräften die Mitarbeit bei uns zu übertragen. Doch noch von einer anderen Wintcrarbcit inuß berichtet werden.; End März werden 8 Mitglieder des Klubs vor dem Vorstand eine ■ Prü uhg oblegen, die Zeugnis lein soll von der praktischen, technischen und theoretischen Ausbildung, die sich diele jungen Mädchen in einem halb ährlichen Kursus einer Anleitung zur Pflege oon Kindern erworben . habet». — Dieser Kursus wurde Oktober neu eingerichtet um stellungslosen Mädchen eine gründliche Vorbildung zu geben, dis ihnen berechtigte Aussicht aus Anstellung in Haushalten und Heimen gibt. An drei Dorniittugen lernten die jungen Mädchen alle Zweige der Hausarbeft, wobei sie von Damen, die ihnen ihre Haushalte freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, angeleitet wurden. An den übrigen Vormittagen wurden sie abwechselnd in den verschiedenen Kindergärten beschäftigt, während am Nachmittag theoretischer Unterricht in Pädagogik, Deutsch, Naturuird Heinatkunde und allen Zweigen der Beschäftigung mit Kindern stattfand. In l ankenswerter Weise hotte sich dabei Herr Dr. Pelz zur Verfügung gestellt, der den Teilnehmerinnen des Kursus theoretische und praktische Älileitung in der Säuglingspslege in der Klinik gab. — Wir glauben durch diese r Kursus den jungen Mädchen, die infolge mangelnder Vorbildung nicht befähigt sind, das Kindergartenseminar zu besuchen, eine ausreich nde Vorbildung gegeben zu haben, so daß sie in ihren Leistungen den Ansprüchen gewachsen sein werden, die nian in den von uns besorgten Stellen von ihnen sorderl. — In» April beginnt ein neuer Sonimer-Halbjahr-Kursus, zu d em wir schon jetzt Anmeldungen in unseren Klubräumcn/Freiburger Straße 15, enlgegennehmen, ebenso auch die Anmeldungen derjenigen jungen Mädchen, die jetzt die Schule verlassen und die sich unseren, Klubleben anschließen möchten. Die Leiterinnen:! Dora H i r sch berg. Erna Stein. > Erste Lrüdergesellschast. Ain 14. März d. I. fand die'ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft der Brüder (Erste Brüdergesellschaft) statt. Die Zahl der leder beträgt 296, um 40 mehr als bei Kriegsausbruch. Das ögcn der Gesellschaft beträgt 33 564 RM., das j find immerhin 12% des bei Kriegsausbruch vorhanden gewesenen Betrages. Der iedsbeitrag ist 15 RM. jährlich: das Eintrittsgeld, dag früher betrug, ist auf 50 RM. herabgesetzt. Obwohl die Zinseinstahmen. . j vor dem Kriege aus das Vierfache der Mitgliedsbeiträge {beliefen, i orläufig auf einige hundert RM. beschränken, war es de« Gesellim Jahre »925 möglich, 4451 RM. an Unterstützungen innerhalb außerhalb djes Bruderkreises zu zahlen, außerdem der jüdischen Istandshilse ein Darlehn von 1000 RM. zu gewähren und «inen iie Mitglieder — auch neu eintretende — bestimmten Neudruck i n Jahre 1880 beim hundertjährigen Bestehen erschienenen Geschichte Gesellschaft der Brüder von Profestor Dr. M. Bronn zu veranstalten. Vorsitzende ggb der Hoffnung Ausdruck, daß sich bei Eintritt! besierer i die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft bald wieder auf die! frühere Heden werde. Demnächst fand ein geselliges Beisammensein d«« ich erschienenen Mitglieder statt. Mitg [t Berry! über Mitgsil ‘!)t. sch 100 die sich schafl und Miltsl! für der der Der Zeite Höh zahlr