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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1926-02-18 · 2 (18.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1926)
Issue
2 (18.2.1926)
Date
1926-02-18
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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20 H f8te»l«nt t Jüdisch«« 0cm<i:«beblatf Nr. 2! )lus unserem Gemeinüe-)lrchiv Ilsbevt »ns tsd» li belli. Von Rabbiner Dr. H t p p n t r. Am 17. August 1786 bestieg Friedrich Wilhelm II., der Nes e und Nach feiger Friedrich de« Großen, den xreußische» Thron, und im Oktobei darauf kam der neue Kerrscher nach B r e « l a u , um sich auch in Schlesien huldig, n zu lassen?) An diesen Feierlichkeiten beteiligten sich auch die Juden und ließen e« sich di«, nicht unbeträchtlich« Summe ren 2322 Talern kosten?) Via Märzdorf zog ihm di« Judenschast entgegen. An der Straße, di« der König befahre» mußt!, wurde au« frischen, mit Blumen umwundenen Tanne» «ine 60 Fuß hohe, mit Nische» »ersehene Ehrenpforte errichtet, und hier wurde der Monarch von de» Aeltesten und Vornehmsten der Gemeinde empfangen und begrüßt. Junge Mädchen streuten Blumen. unV die spater al« Dichterin bekannte Esther Gad^) hielt eine kurz« Ansprache') und überreicht« auf einem „reich bordürlen Kiffen von violettem Samt" ein von Hartwig Wessel»?), dein Meister der hebräischen Sprache, »er- ' faßte« Gedicht und Gebet. — Und dies« Adresse, die der König, wie berichtet wird, sedr »freut und höchfteigcnbändiz entgegcngcnommea hat und für welch« die Jüdin. Esther Gab;um Handkuss« zugelassen wurde, ist nach 117 Jahre» wieder in den Besitz der Breslauer Svnagogen-Eemeinde gelangt und befindet sich jetzt mit der 'Bezeichnung I. F. r. 13 im Archiv derselben. Sie fand sich nämlich — aus welch« Weise sie. dortbin kam, ist noch unaltsigeklärt — im Nachlasse «ine» Konigl. Kammerdiener« Engel vor, wurde in eimr öffentlichen Versteigerung mit rcrschiedcncn anderen Altertümern verkauft und von Herrn Wilhelüt Ledermann in Berlin erworben; und dieser überwie« sie durch seintn in Brerla, wohnenden Bruder Lrui« im Jabre 1903 unserer Synagogcu-Gemeinde. — Di« Adresse, aus jtla« gedrulkt, in Samt gebunden und mit reichen Goldunh S lber-Applikaticnen verliert, besteht au« 6 Blättern, von welchen di« erste und di, letzt« Seit« „»bedruckt ist» die linken .Seiten «ntbalten den hebräischen und-di, rechten den deutschen Ter« und zwar: Seite 2 und 3 di« Widmung. 4 — 9 da» au« 7 Strophen bestehende Gkdicht und 12—11 da« Gebet. Der Anfang und der Schluß de« Gedichte« laüjtcn: ^_. Heit, Wilhelm, Dir, den Gott zun» Herrscher au«erse^:n! All«, die Dich erblicken, sind »oll Freud« und Hoffnung; Zähren, Friedrichs Asch« beilig, — Du trocknest sie. In I Dir erwacht von Neuem Seinqr Große Lichtglaaz; Du wirft Seine« Reich«« Macht und Stärke erbeben; , Seinen Tbron zu erben, bist Pu allein nur werlb! K Gekleidet in Gerechtigkeit; mit Huld gekrönet, HiÄsreiich sedem wunden Herzen, da« Heilung nur suchet, Sch auch Jakob» Kindern gnädig^ Erhöre sie! Ein wenig seine« Mehl ist Gott ein lieblich Opfer; I Ssi betracht« die« kleine Geschenk, da« wir Armen Dir reichen! Zeitz' auch un«, wie Allen, Güte und Vaterhuld!! Aufruf zur Reichsgesunöheitswoche Trotz her außerordentlichen Fortichrit.e, die di« medizinische Wissenschaft in den letzten 3p Jadren gemacht haß, bat der. allgemein« Gesundheitrzustand — ganz abgesehen von den besonderen' Schädigungen durch die Krieg«- und Nachkrieg«z«it - doch nicht die Höh« erreicht, die wir al« wünschenswert und möglich bezeichnen müssen. : Der Gesundheitszustand eine« Volke« hängt aber nicht allein von hem Stünde der Wissenschast und den auf ihr ausgebauten Maßnahuie» der Behörden und Wohlsahrtrverbänd«, sondern sehr wesentlich auch von der Art ihrer Durchführung ab. Dies« hinwiederum ist in hohem Maß« abhängig von dem Verstäittni«, dar den Frage» der Gesundheitrpsleg« im große» Publikum entgeqengebrgcht wird und von dem Grad«, .he« VerantwvrtlichkeitSgefühl«, da« der Einzeln«!sn dieser Hinsicht sich selbst und anderen gegenüber empfindet. Diese« Perstandnit iund Verantwortungsgefühl zu wecken, ist da« Ziel einer große» Veranstaltung, di« im April nächsten Jahre« untcr dem Name» „Reichsg « su n dl>.« i t« w e ch e" stattsind«» soll. Di« Anregung hierzu ist von den Krankenkasseüverbändca aurgegangcn und bat im Reichrministerium de« Innern freudigen Niübball gesunden. Nach mehreren im kleineren Kreise statigehabtea Vorbesprechungen fand am 9. Juli ». I. im Reichrministerium de« Innern unter dem veriönlichtn Vorsitz de« Herr» Reichrinn'ruminister» Dr. Schiel« ein« greßn'Sitzurjg statt, zu der zadireich« Einladungen an die an der gesundheitlichen Volkrausklbrüng interessierten Körperschaften ergangen waren. In ganz seltener Einmütigkeit stimznten all« Anwesenden dem Plaste' einer /„Reichrgesundheit«- woche" zu und versprachen, diesen Gedanken ibrerfeitt mit allen Kräften zu fördern und ihren- Isintercrganliationen sein« > Unterstützung nahezulegen. Di« Veranstaltung will während einer Woche gleichzeitig in möglichst zahlreiche» Orte» »« Reiche« mit allen Mitteln der Belehrung und Propaganda die Aufmerksamkeit lauf die Notwendigkeit der Grsunbheit«psleg« hinlenke». Sie will dem Einzelne» geigen, in welcher Weis« er durch eine, naturgemäß« Lebenlweise sein« Gesundheit fördern, seine Kräfte stählen find sein« Arbeit»- und Leben»- sreudigkeit steigern kann. Sie will dartun, auf welchen gesundheitlichen Grundlagen sich «ine i zukunstssroht Eh« und «in hossnuntz«voller Rachwuch« ausbaut und wie der Einzeln« sich und sein« Familie vor 8«fuadheit«schLde» und Krankheiten zu schütz« vermag. Wie. ein gewaltiger Appellsoll di« Reichrgesundheil«- wcch« alle Volirkreis« aufrusen, um ihr Jntereff« an den gesundheitliche»'Fragen wachzurufe» und zu beleben. Vom Wissen will sie zum Gewissen, von der Erkenntni» zur Verantwortlichkeit hinlenken- Sie will ein« .öffentliche' Meinung erzeugen, für di« eine hob« KmnkheitSzssfer oder «ine hob« Sterblichkeitszisser, besonder« auch!d«r Säuglinge, einfach nicht tragbar ist und für di« «in falsch - genährte« oder schlecht gehaltene« Kind wie ein persönlicher Vorwurf wirkt. Die Mitarbeit jede« Einzelnen im Kampf« um di« Volk«gesundh«it zu gewinnen, ist letzten Ende« dg« Ziel, dem dies« Veranstaltung zustrebk. Die Art! und Weise, in der di« „Reich«g«sundheit«woche" im einzelnen durchzufübren ist, wirb örtlich zu bestimmen sein. E« werden sich in den einzelnen Ort«» likale Ausschüsse bilden, für die in den meisten Fällen der Kreisarzt «der Kommunalarzt den natürlichen Kristallisationspunkt darstelleo dürfte. Er wird au« allen Volksschichten diefenigen Kreis« an sich beranzieben, di« in irgendeiner Weis« d« gesundheitlich« Volkrastsklärung zu fördern vermögen. Diese lokalen Au«sch> ffe haben das Maß und die Art der Belehrung zu bestimmen, da« nötige De nonstrationsmaterial und die erforderlichen Redner zu beschaffen. Den vorstehenden uns zuqegangenc» Ausführungen können wir uns m zeder gefundbeitsw »che ist auch im Interesse der sozialen Fürsorge als v s r - beugend« werden auch geplanten Vtranstaltungen lebhaftes Interesse und Verständnis entgegenbringen Beziehung anschließen. Die Abhaltung einer Reichs- Wohlfahrtspflege sehr zu begrüßen. Infolgedeffeu di« sozial interessierten Kreise unserer Gemeinde den Ueber die Einzelheiten und sonstigen etwa noch zu ') .Ren« Friede. Wilb. II. von Berlin zur HuldiguMs 'Schleficns nach Breslau imiOcloder l7dS, And. l» d. Schles. Prov.-Blattern. -) Freudentbal in t. Mcn.-Schr., Jahrgang 37, S. 45. •") Geb. 1770 in Breslau, war die Tochter des Ge».-Privil«g. Raphael G. und eine Enitelin des berühmt. Hamburger Oberrabb. Jonath. Eibenstütz. 1792 beiraieie sie den Drc«l. Kfm. Bernhard, von dem sie sich jedoch scheiden ließ, um 1822 die Gattin Domeier«, de« LeS-arzte« de» Herzog« von Suffex, zu werden. Esther G. bstt eine reit« liter. Tätigkeit'«utsaltet und stand besonder« mit Jean Paul in sretzndichaitl. Verkehr u. Briefwechsel. (Kayscrling, Die jüt. Frauen in Gesch., Lit. «s. Kunst, S. 234 ss.) *) De« Wortlaut derselben ist in dem, Anm. 1 erwähnten Anhang zu den Schl. Pr.-Bt. zu finde». -) H. IW., auch Naphtali Herz Wesel gewannt, wurde 1725 zu Hambizrg aeboren und ist daselbst am 3. März 1825 gestorben. Er war «in Mitarbeiter Mos. Mend« Issobn«, ei» Gelehrter »nd Dichter tznd Verfasser verschiedener Dichtungen und Schriften. Sein Meisterwerk ist hie au«-18 Gesängen bestehende Mosi-Ide , Schire Tipharath". treffenden Maßnahmen in dieser Angelegenheit wird - noch berichtet werden. Zr bemerken ist noch, daß binsichtlich der Vorträge usw. entsprechende Anordnungen von den zuständigen Ausschüssen ergeben werden. Direktor Glaser. '; I ' Die Jüdische Volkshochschule hatte al« Erö f»ung«v»rlesund für den .2. Teil de« Winterhalbjahre« 1925,26 einen Vortrag de« Wiener Schriftstellef« Felix Salten über Heine angekündigl. Leider war Salten kur; vorbef erkrankt.- An seiner Stell« sicherte sich di« Volkshochschule Herr, Georg Hermann, der al« Verfasser derbeliebten Romane „Jettchen Gwl rt", „Henriette Jacobi", „Heinrich Schön jun.", , Kubinke" u. a. der deutschen Leserwelt rühmlich bekannt ist. Hermann sprach über „D i e seelisch« Struktur dIc« Wests ude n". Er ging von seinen persönlichen inneren Erlebnissen au«, schilderte, wie er v o r dem Krieg« nicht nur i n Deutschland, söndern m i t Deutschland gelebt und wie seine christliche» deutschen Mitbürger gesuhlt habe, während da« Judentum ibm nur ein religiöser Anhängsel bedeutete, übe^ da» er wenig unterrichtet war, und - da« man der 3222 jährigen Tradition zu kieb« nicht »erläßt. Nach dem Kriege sei ibm plötzlich di« Kluft zwischen jüdischen und christliche»' Mitbürgern zum Bewußtsein gekommen. Unter dem Drucke des antisemitischen Welle sei sein Gesübl der raffenmäpigen Zusammengebörigkeit der Jude» erwacht- Allerdings.bezieht sich diese« Zusammengehörigkeit«- gcssthl nach den Darlegungen de« Vortragenden nur auf di« durch Kultur verbundenen Westjuden, «in Ergebnis, dar mit einer rassenmäßigeh Verbundenheit der Juden nicht in Einklang zu bringen ist. Auch fetzte sich der Redner mit dem naheliegenden Einwand nicht aureinander, daß seine seelisch« Umstellung nur unter dem Drucke per antisemitischen Well« erfolgt sei und mit dieser wieder verschwinden kön»e, oder daß ulsigekebrt in der Seele unserer christlichen Mitbürger, verursacht durch di« seelischen und wirtschaftlichen Folgen de» Kriege« und der Nachkriegszeit, eine ander« Einstellung gegenüber den jüdischen Mitbürgern her- »orgerusen worden sei, und mit den. Verschwinden diese» Kriegsdrucke« auch da» gerechte Gemeinlchaftkgefühl zu ihren Mitbürgern jüdischen- Glauben« wieder ausleben würde. Kurzum, der Redner schilderte, wie seine seelisch« Umstellung ibn veranlaßt«, sich mit dem Problem de« Verhältnisse« zwischen Juden und Christen näher zu beschäftigen und jenen aufsehenerregenden Artikel über bi« Westjudcn zu veröffentlichen, den er im Anschluß daran verlas. Der seelisch« Umschwung beruht bei ibm aus der Erkcnnlni«. daß der Deutsch« als Siegelbewahrer de« Menschentum« sich nicht bewährt habe, und daß das Christentum al« Religion der Liebe kläglich Schisfbruch gelitten Hab«. Vielleicht find di« Juden, diel zum Krieg« zum große» Teil eine andere Einstellung hatten, deshalb zum allgtmeißen Menschentum befähigt, weil! sie seit Jahrtausenden nicht mehr staatsbildend gewesen fiitd und ihnen daher da« Streben, zu herrschen und ihren Machtbereich anLzudehnen, fremd geworden ist. Dazu paßt di« »ach innen gerichtete geistige Einstellung de» Juden, sein sittliche« Streben, für di« Allgemeinheit - und für di« Zukunst zu wirken, während di« christlichen Nationen mit ihrer Idee der Eroberung in erster Linie für di« Gegenwart und für ibr Volktztum zu wirken bestrebt finch. Der Redner -erläutert« die« an einer Reib« hervorragender Maiöner au« beide» Volk«trilen. Auch der Kapitalismus, bereden Juden zu unrecht zum Vorwurf gemacht wird, unkerfcheidet sich vom christlichen dadurch, daß dep jüdische Kapitalismus stet« mit sozialem Menschentum verknüpft ist, da« dem christlichen Kapitalem»« fremd ist. Auch hierfür gibt Redner Beispiel« an Kapitalisten au« beide» Lagern. Deshalb ist e« auch erklärlich, daß d«r sozial« Gedanke in allen Ländern vorzugsweise von Juten gefördert worden ist);. B. Ferdinand Lassalle, Marr, Trotzki. Jedoch ist die westlich« Kultur ohne die große» füdischen Männer in Literatur und Wissenschaft schlechthin nicht denkbär. Man lasse die zahlreichen Vertreter jüdischer Abi

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