Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 1 (18.1.1926)
- Date
- 1926-01-18
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Breslauer Jüdisch«- Gemeindeblatt 5 Golden« Hochzeit. Am 26. ». MtS. beging Herr Zadik Goldmann, Freiburger Straße 27, mit seiner Gattin di« schöne Feier der Goldenen Hochzeit. Dh« Jubelpaar, dasich allgemeiner Verehrung in weiten Kreisen erfreut, ist von Angehörigen und Freunden in weitem Umfange aus diesem Anlaß gefeiert werden. Auch wir gratulieren ihm herzlich« und wünschen ihm, noch viele Jahre in Kraft und Gesundbeit im Kreise der Angehörigen zu verleben. G. j Nachruf. Am 4. Dezember 1925 verstarb Herr Geheimer Justizrat, AmtSgerichtSrat i. R. Hermann Glo,gauer. Der. Verewigte hat viele Jahre hindurch als Mitglied'der Kultuskommisfion II eine segensreich« und ersprießliche Tätigkeit entfaltet und hat auch allen übrigen jüdischen Einrichtungen und Institutionen unserer Glaubensgemeinschaft lebhafte« Jnlereffe und Verständnis entgegengebracht. Durch sein schlichtes, bescheidenes und freundliches Wesen hat er sich Liebe und Verehrung in weiten Kreisen unserer Gemeinde erworben^ Wir werden das Andenken dieses edlen Mannes in unserer Gemciisde iederzeit in Ehren halten. K. Frau Rabbiner Eva Baeck s. A. Asn 18. Dezember 1925 wurde auf dem Friedhof zu Cesel^bei BrrSlaü Frau Rabbiner Eva Baeck, früher in Liffa i. P»,x^r letzten Ruhr bestattet. Die Heimgegangene, die das gesegnete Alter von 86> Jahren erreicht hat, war die Gattin des vor über einem Jahrzehnt ist Liffa i. P. verstorbenen dortigen Rabbiners Dr. Samuel zusammen zu wirken, um, wenn irgend möglich,reinen neuen Wahlkampf zu vermeiden, der wieder große Opfer an Geld und Arbeitskraft erfordern würde. Wir konnten dies um so eher tun, als 'schon die Wahl für den Landesverband nach den. modernen Wahlgrundfätzrn unter Teilnahme der Frauen erfolgt ist, und die damals für die einzelnen Parteien abgegebenen Stimmzahlen einigermaßen als Spiegelbild der Schichtung unserer Gemeinde und als Grundlage für die Zusammensetzung der neuen Vertretervexsämmlung dienen konnten. Daher sind die Unterzeichneten Vereinigungen, welche alle Parteischattierungen unserer Gemeinde umfassen, zu einer Verständigung gelangt und Hatzen beschloffen, eine gemeinsame Wahlliste aufzustellen, auf welcher «ntsprechsend dem Resultat der Wähl zum Landesverband! von de» zu wählenden 21 Vertretern i -; den Liberalen: 13 Mandat«/ ' : den nationaljüdischeä Gruppen: 4 Mandate, den verschiedenen konservativen Richtungen: 4 Mandate zufallen. Wir sind überzeugt, daß unsere Entschließung die Zustimmung aller verständigen Mitglieder unserer Gemeinde'finden wird. Wir richten deshalb aber auch an alle Gemeindemitglieder, Männer und Frauen,, die sich ibrrr Verantwortung als Wähler bewußt sind, den dringenden Appell, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß dieser Friede, der allen Parteirichtunqen ibr Recht gibt, unserer Gemeinde gewahrt bleibe, und daß ni«it Eigenbrödler durch Aufstellung einer besonderen Liste uns einen Wahlkampf aufzwingen. Ein Wahlkampf in fetziger Zeit könnte der Gemeinde nur Schaden bringen. Breslau, den 4. Januar 1926, Baeck und die Mutter des bekannten Berliner Rabbiners Dr. LeoX^jheraler Verein der Synägogengemeir.>e Breslap. Baeck, des verdienstvollen Vorsitzenden des Rabbiner-Verbandes und derzeitigen Großpräsidenten des deutschen Distrikts der U. O. B. B.-Logen. Dr. Leo Baeck sprach schlichte aber ergreifende Worte! deS Abschiedes an der Bahre seiner Mutter, schilderte sie als die auf ihr Judentum stolze Frau und Tochter eines jüdischen Gelehrten, als treue Mutter und gute Hauswirtin einer kinderreichen Familie. Leider sei es ihb infolge der politischen Verhältniffe nicht vergönnt gewesen, durch ]t>ic ibr vertrauten Straßen und Gäßchen ihres Heimatstädtchens Liffa i. P. zur letzten Rübe neben der Grabstätte zhres Mannes gebracht zu werden, Nachoem der hiesige Ge meindqrabbiner Dr. Vogelstein im Aufträge der Berliner Hochschule für di^ Wiffenschaft de« Judentums Worte des Trostes an die Hinterbliebenen gerichtet hatte, geleitete eine zahlreiche Trauerversammlung den Sara zur letzten Ruhestätte. Unter ibr bemerkte man die vier Rabbiner der Breslauer Gemeinde, den Delegaten der Großloge, die Präjiheirten und Vizepräsidenten der vier Breslauer U. O. B. B.- Logen, Dozenten und Kuratoren des Breslauer Jüdisch-theologischen Seminars und Abgeordnete des Vereins der Liffaer und der früheren Liffaep Gemeinde. R. Der Freie« jüdisch«« Volk»h«chschule ist es gelungen, für da» kommend« Winterhalbsemester den Schriftsteller F e l i r Satten-Wien für den Erossnungevortrag zu gewinnen. rDerr Salten wird über ,,Heinrich Heine und di« Gegenwart" sprechen, ein Thema, da« gerade seht besondere Aktualität besitzt. Da» Vorlesung»-Ver»«ichni» der Freien.jüdischen Volkshochschule weist «ine imeressant« Reih« von Vortragrcytlen au« den verschiedensten Gebieten de» Wissen« um da« Judentum auf. Einig« Vorträge werdtn auch von Lichtbildern illustriert werden und dürsten dadurch besonderem Interesse begegnen. Wir verweisen auf da» unter den „Derein«nachrichten" abgedruckte Vorlesung«- Verpeichni». . Jtos dem vereinsleben. n Aufruf an die Mitglieder der Spnagogenyemeinde zu Breslau Am 7. Februar 1926 sollen die Wahlen zur Vertreter-Versammlung (Repräsentantenversammlung) in unserer Gemeinde erfolgen. , Da erst im letzten Frühjahr die Wahlen zur Vertreterversammlung des Landesverbandes stattgefunden haben, an welchen sich alle Pavteirichtungen unserer Gemeind« mit größtem Eifer beteiligt hatten, bade» di« Unterzeichneten Vereinigungen mit Rücksicht auf chie wirtschaftlich« Not unserer Zeit «S als ein Gebot der'Stunde erachtet, Breejauer zionistische Vereinigung. VerHn zur Förderung der Jntereffen der Dvnagogengemeinde Breslau. Mierachi, Ortsgruppe. Breslau. . | Agu^ae Jisroel, Ortsgruppe Breslau. |. Achdutb, Ortsgruppe Breslau. ' Studentennot ' ' Jni Jahre 1865 ist bier der /,V e r c i n zur Unterstützung jüdischer S 1 u d i e r e n d e r ' b e r H4 e s i g e n Universität" gegründet worden. Im Jahre 1885 besaß der Verein ein Kapitalvermögen von 17 400 Mark und zählte 230 Mitglieder mit Jahresbeiträgen oon ca. 2000 Mark; dazu kamen mehrere 'Stiftungen. Damals und in der Folgezeit konnten jährlich bis' zu 3700 Mark — in Beträgen von 150 bis 300 Mark — verteilt wei den. Das Kapitalvermögen ist verschwenden, die Mitglieherzahl ist auf 95 gesunken. Bei Beginn des b tzten Semesters standen dem Verein für 9 Antragsteller 650 Mark zur Verfügung. Wenn man die Gesuche liest, bekommt, man einen erschütternden Eindruck von ber herrschenden Not; die meisten Petenten müssen oft direkt hungern, sie verdienen in den Ferien ihren Unterhalt zum Teil durch die gröbsten Arbeiten. ' Und bei solchen Verhältniffe» konift« der Verein dem Einzelnen sage und schreibe 75 Mark, nichj für da« Semester, sondern für d ä S g a n z e I ach v\f gewähren. Wir fragen: Gibt es in . her grüßen Gemeinde Breslau nicht doch noch 200 Mitglieder, die uns angesichts solcher. Notlage und um den strebenden jungen Menschen zu einer Eristenz zu verhelfen, einen Jahresbeitrag von 5 — 10 Mark gewähren können?! Gewiß, die Zeiten sind ha»t und leS ist. Vielen, die gern geben möchten, nicht mehr möglich, Vereinsbeiträg« zu zahlen. Aber, wir wenden uns an did ge oße Zahl derer, die immerhin noch in der Lage sind, zu helfen.. Wir wenden uns an unsere Akademiker, deren Praxis jetzt wieder ei« beffere geworden ist. B e - sonders aber wenden wir üäS an diejenigen Akw demiker, die selbst früher di -genommen haben. Von diesen des Bestehens des Vereins nur aht für angrmeffe» gehalten, die empfangenen Beträge zurückzuzahlen bzw. dem Verein einen größeren Kapitalsbetrag zuzuwenden. eine Ehrenpflicht der Betreffenden sein^ oder sollten sie nicht wküigstenS Mitglieder des Vereins werden?! n Verein inAnspruch haben «S in de« 60 Jahren