Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 1 (18.1.1926)
- Date
- 1926-01-18
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Nr. 1 Breslauer Jüdische« Gemeinbeblatt Aentralwohlfahrlsstelle üer deutschen Juden * Die Jüdische Gefährdetenfürsorge (Arbeit«- gcmeiuschaft aus: Zentralwohlfahrtsstellc der deutschen Juden, Jüdischem Frauenbund, Deutsch-Israelitischer Gemeindebund, Hilfevereist der deutschen Juden, Großloge für Deutschland U. O. B. B-, Zionistische Vereinigung'für Deutschland) batte eine Beratung über die gegenwärtigen Aufgaben der jüdischen Jugendwohlfahrt, speziell auf dem Gebiet der Fürsorge für die gefährdete und verwahrloste Jugend. Für die Einzelnen Fürsorgegebiete: Fürsorgeerziehung, BahnhofSbilfe, Gefängnisfürsorge, Geschlechtekrankenfürsorge, Psychopatheyfürsorge, wurden besoadere Kommissionen gebildet, welche sich der gegenwärtig dringenden Aufgaben annehmen werden. Eine Umfrage, welche di« ZentralwohlsahriSfielle im Aufträge der Gefährdetenfürsorge vet anstaltet hatte, erbrachte den Beweis, wie gering vor allem die Möglichkeiten bei Unterbringung von obdachlosen und sittlich und sozial g«- fäbrdeten Frauen und Mädchen sind. Das Ergebnis der Umfrage, das in der Arbeitsgemeinschaft behandelt wurde, hat die Notwendigkeit gezeigt, in allen größeren Mischen Gemeinden ZufluchtShei me fit grauen uni Mädchen nach dem Vorbilde des,ZufluchtSheimes des Wohlfahrtsamtes der Berliner Jüdischen Gemeinde zu errichten, denn es ist zweifellos ein großer Notstand, wenn obdachlose Frauen und Mädchen in allgemeinen jüdischen Durchwandtrerheirnen, in Hotels und'interkonfessionellen Heimen ausgenommen werden müssen. Die Errichtung von Zufluchtsheimen ist um so notwendiger, als im Lauf« dieses Winters das sogenannte BrwabrungSgestz im Reiche- , tage zur Verabschiedung gelangen wird, in dessen Ausführung in erster Linie derartige Heime errichtet werden müssen. Eine eingehend« Denkschrift, in welcher die Aufgaben und die Einrichtung eine« solchen ZUfluchtSheime« dargestellt ist, kann vo» der Geschäftsstelle, Berlin, Rosenstvaße 2/4, bezogen werden. Auch für Breslau ist die Errichtung eines ZufluchttzhezmeS für jüdisch« asoziale Personen dringend erforderlich, ob re sich nun um Gefährdete, Obdachlose, entlassene Strafgefangene und : ähnliche handelt, oder ob Kinder von. «rziehungSunsähigen Eltern von diesen entfernt werden müssen. Der volkstrauertag f Hierzu fcbreibt uns der Deutsch-Jsraelitiscbe Gemeindebund in Berlinr Io, Anschluß an eine durch die Press« gegangen« Notiz, wonach der Volketrauertag für die im Weltkrieg Gefallenen auf den fünften Sonntag vor Ostern (Reminiseere) festgesetzt worden ist, gestalten wir un« berichtigend^binzuzufügen, daß die Zustimmung von jüdischer Seite nur allgemeinen erfolgt ist. Selbstverständlich ist für diesesJabr mit Rücksicht auf das Purjm-Zest ausdrücklich darauf hingewiesen worden, daß die Veranstaltung einer Gedenkfeier^ in den Synagogen am Sonntag, den 28. Februar, nicht möglich ist. Eö ist deshalb im Ausschuß für die Festsetzung eines Volkstrauertages vereinbart worden, den jüdischen Gemeinden zu empfehlen, beim Sabbath-GotteSdienst am 27. Februar eine schlichte Gedenkfeier für die gefallenen Krieger' unter Bezugnahme auf den VolkStrauertag abzuhalten. Eine entsprechend« Notiz wird auch in den künftigen Publikationen des Ausschusses für die Festsetzung eines VolkStrauertage« erfolgen. E« sei gestattet, den Wunsch auezusprechen, daß sämtliche jüdische Gemeinden unseres Vaterlandes dieser Vereinbarung Folg« leisten. Amtsjubiläum. Am h Januar 1926 feierte Herr Sanitätsrat Dr. Jungm a n n sein 40 jähriges Amtsjubiläum als Arzt am Jüdischen Krankenhau«. Seit vielen Jahren ist er ^dirigierender Arzt an der Abteilung für Auqenkranke in dieser Anstalt. Mit großer Sachkenntnis, mit Liebe und Verständnis, zu Ijeder Zeit hilfsbereit und menschenfreundlich, hat er die Aufgaben feistes Berufes mit Eifer und Hingebung erfüllt und sich hierdurch «men großen Kreis von Freunden und Verehrern erworben.! Weit über de» Kreis seiner BerufSgejchäfte hinaus hat er seinen scharfen Verstand, seinen ruhigen, klarest Blick und i seine große Menschenkenntnis in de» Dienst vieler wohltätiger und gemeinnütziger Anstaltey Und Einrichtungen unserer Glaubensgemeinschaft gestellt. Viele Jabr hindurch hat er in der Repräsentanten-Versammlung und im Vorstand unserer Gemeinde unschätzbare Dienste geleistet und insbesondere das schwierige und undankbare Amt d«S Vorsitzenden der Gehaltskommisfion in der schlimmen Inflationszeit mit großer Umsicht und in versöhnlichem Geiste gehandhabt. Leider zwang ihn ärztlicher Rat, vor zwei Jahren sein Vorstandsamt nirderzul« zen. Dagegen dürfen ihn die Loge, die Gesellschaft der Freunde unv viele Institutr noch immer zu ihrem tatkräftigsten Mitarbeiter rechnen. Wir wünschen dem Jubilar von Herzen, daß es ihüi vergönnt sein möge, noch viele, viele Jahre in Gesundbeit und Kraft zu wirken und zu schaffen, zu seiner eigenen Freude und zu der seiner zahlreichen Freund« und Verehrer. 85. Geburtstag. Herr Josef Schauer, bier, Augustastraße 67,j beging am >5. Dezember 1925 in geistiger und körperlicher Frisch« die Frier seines 8 5. Geburtstage. Wir gratulieren dem Jubilar berzlichst und wünschen ihm einen beiteren sind ungetrübten Lebensabend. G. 75. Geburtstag. Amj 24. d. Mts. begeht Frau Anna Laqueur geb. Levn, Gutenbergstraße 44, die Feier ihres j 7 5. Geburtstages. Wip nehmen gern Veranlassung, der Jubilarin, di« seit vielen Dezennien unserer Gemeinde angehört und gleich ihrem verstorbenen Gatten jederzeit ein lebhaftes soziales Interesse bekundet!-hat, unsere berzlichsten nnd aufrichtigsten Glückwünsche auSzusprechen^ 0. 70. Geburtstag. - I Am 2. Februar dieses Jahres begebt Herr Simon Sachs di« Feier seine«! 7 0. Geburtstages. s , Seit vielen Dezennien unserer Gemeinde angehörig, hat b«d Jubilar mit wermem Herzen jederzeit die Werke der Nächstenliebe gefördert und ist immerdar eingrtreten, wenn «S galt, soziale Schäden " zu heilen. In verschiedenen Ehrenämtern tätig, hat er auch für alle anderen Mischen Einrichtung«» unserer Glaubensgemeinschaft lebhafte« Interesse bekundet. Wir wünschen Herrn Sachs, daß «s ihm vergönnt sein möge, noch viele, viele Jahre in körperlicher und geistiger Frischt zum Segen des Judentums und unserer Gemeinde zu wirken. 0. 60.' Geburtstag. Am 20. Januar begeht Herr Bankbirektor Emil H a n ck e die Feier seines 6 0. Geburtstages. Seit einer Reihe von Jahren dem Gemeindevorstande angehörig, bat er sich an dessen Arbeiten mit Eifer und Hingabe beteiligt und insbesondere die Finanz- und. Kaffenangelegenhriten der Gemeinde mit sachverständigem Rat gefördert. In der Zeit der schwersten Not hat er e« verstanden, uns die richtigen Wege zu zeigen, um den Betrieb unserer Verwaltung aufrecht zu erhalten. Auch alle anderen jüdischen gemeinnützigen Anstalten und Institutionen hat Herr Direktor Hancke jederzeit mit Lz,br und Verständnis gefördert und für sie allezeit lebhaftes Interesse bekundet. Mit unserem herzlichen Dank« für dir treue Mitarbeit wünschen wir dem Jubilar, daß er noch viel«, viele Jahre zum Wohl« unserer Gemeinde wirken »zöge. G. Silberne Hochzeit. Am 26. v. MtS. beging Herr Sanitätsrat Dr. Freudent h a l mit seiner Gattin das Fest der , Silbernen Hochzeit. Wir haben dem Jubilar unsere herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen und hierbei der Verdienst« gedacht, die er sich in der Kultuskommisfion I, der Kommission der Alten Synagoge und im jüdischen Leben überhaupt erworben hat. r Wir wünschen dem Jubilar und seiner' Gattin, noch viele, viele Jahre in Gesundheit und Kraft zu wirken, zum Segen der Gemeind«, seiner Angehörigen und Freund«. I \ 6L