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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1926-01-18 · 1 (18.1.1926) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1926)
Issue
1 (18.1.1926)
Date
1926-01-18
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 Bre«la««r Jüdische« @em<inb<bl«ft lang!, so hat der Ausschuß die Einnahmen höher geschätzt und di« Ausgaben niedriger hl« die Verwaltungevorlag«, immerhin aber noch «inen Fehlbetrag , . von 85 000 Mark errechnet, «ährend da« 5. Steuerquartal nicht mehr al» ' I 60000 Mark erbringen dürft«. Da» 5. Steuerquartal wird daher in der »on der Ismmisfio» beschloffenen Form (siehe Bekanntmachuug) erhoben. Den njächsten Punkt der Tagesordnung, nämlich die Einstellung eine« jährliche« Betriebszuschuffes von l 500 Mark für di« Städtische Straßenbahn nach Cosel in den Hauehalt der nächste« sechs Jahre begrüßt der Berichterstatter, Herr Marlin Frankel, weil mit der Verlängerung der Straßenbahn nach' dem Friedhof Cosel einem sehnlichen Wunsch« der Gemeind« nachgekommen wird. Geheimrat Goldfeld vom Vorstande macht darauf aufmerksam, daß es sich zunächst nur um di« Beteiligung der Gemeind« und der anderen Interessenten handle, während die Stadt bis zur Entscheidung des VerkehrSauSschuffeS an die Verlängerung der Städtischen Straßenbahn nach Cosel-Schmiedefeld noch nicht gebunden sei. Die Vorlage des Vorstandes wird darauf ohne weitere Aussprache angenomme^. ' Der Verwaltungsbericht wird von dem Vorsitzenden, Justizrat Peiser, vorgetragen und dabei die Instandsetzung der von der Städtischen Branddirektion beanstandeten Blitzableitrranlage an der Leichenhalle Lohestraßr, sowie die weiter« Belastung des zinslosen Darlehns an die Jüdische Mittelstandshilf« genehmigt, ferner der Bericht übrr den Stand des Grundftückstausches OmnibuSdepot-Timmlerstifiung zur Kenntnis genommen. i Justierst Goldschmidt vom Vorstande berichtet noch über einen DringllchksitSanttag, das Abkommen über eine Abfindung der Silberfeld'schen Nacherbschaft zu genehmigen. Nach Auseinandersetzung der rechtlichen sind tatsächlichen Verhältnisse genehmigt die Versammlung auf Grund des Gegenberichts von Justizrat Peiser das Abkommen, wonach riüe einmalige Abfindung von 800 Mark bezahlt wird. | Schließlich wird auf Anttag des Vorstandes von der Versammlung beschlsiffrn, daß die neut Satzung, -soweit sie bisher von Aufsichtswegen genehmigt ist, am I. Januar 1926, soweit di« Genehmigung später erfolgt, mit dem Zeitpunkt der Genehmigung in Kraft treten sollf. - In der anschließenden geheimen Sitzung beschließt die Versamm- - lung entsprechend dem Anttag« des Vorstandes, dem Organisten an der Neuein Synagoge, Herrn Heinrich Scholz, aus Anlaß seines . 40 jährigen Dienstjubiläums eine Ehrengabe zu bewilligen» Soziale Hilfsarbeit an den höheren Schulen, Volksschulen, Rellgionsunternchtsanstalten ufw. Das Wohlfahrtsamt der jüdischen Gemeinde batte zum I. Dezember v. I. eine Einladung an die Herren Rabbiner, sowie an sämtliche jüdischen Lehrer, Lehrerinnen und Erzieher, die in Breslau sin Schulen oder privat tätig find, ergehen lasten. Auf der Tagesordnung stand das Thema: „Die soziale Jugendarbeit an den höheren Schulen, Volksschulen, Rcligioneschulen usw." Die Versammlung^ war von etwa 40 Herren und Damen besucht; auch einige jugendfürsorgerisch tätig? Aerztr waren erschienen. Di« Jugendfürsorgerm des Jüdischen Frauenbundes, 'Fräulein Eichelbaum, behandelt« hingehend das Thema. Sie führte etwa folgendes aus: Die jüdische Jugendfürsorge hat bisher nur diejenigen Kinder, di« irgend einer fürsorgerischen Betreuung bedürfen, erfaffen können, di« ihr entweder durch di« Eltern der Kinder selbst oder durch andere Personen namhaft gemacht wurden. Einer großen Anzahl von Jugendlichen kommt dqbcr diese Betreuurig nicht zugute, weil sie der Fürsorge nicht bekannt sind und sie die in Frag« kommenden Institutionen nicht kennen oder aber nicht in Anspruch nehmen wollen — sei es aus falscher Scham, sei «S aus Verbitterung oder Trotz. Diese Fürsorgebedürftigen alle gilt eS äufzufinden, zu beeinfluffen und sie der Fürsorgestell^ zuzuweisen. Di« Gründe der Notwendigkeit einer Betreuung sind gar mannigfaltig: Mangel an Kleidung, ErbolungSbedürftigkeit, Krankheit, Unsauberkeit und in Zusammenhang mit äußerer Verwahrlosung meistens auch die seelische, di« häufig wieder auf ungünstig« und schädlich« häusliche Verhältnisse zurückzuführen ist. Die Urshch« all dieser Wirkungen zu erkennen, kann dem Lehrer, der täglich däs betreffende Kind vor Augen hat, nicht schwer fallen, wenn V* gewillt ist, sich auf die Psyche jede« Kinde« «inzustellen und den Mängeln, di« er bemerkt, beobachtend nachzugehen. Eine weiter« fürsorgerisch« Arbeit solle» die Lehrer nicht leisten, schon um di« Jugendfürsorge nicht zu dezenttalifieren. Dagegen sei eS wünschenswert, daß di« Lehrer und Lehrerinnen all« die'Kinder namhaft machen, di« ihqen auf Grund der Kenntnis des Charakters oder des körperlichen Zustandes oder aus irgend einem anderen Grund« fürfotgebedürftig erscheinen. Nur durch ein solche« Mileinanderarbeiten von Schal« und Fürsorge wäre «S möglich, di« richtige Art der Fürsorgrtätigkrit, nämlich die nachgebende und vorbeugende Fürsorge auSzuüben. — In der Aussprach« betonte Frau Pamct Ollendorff ebenfalls di« Notwendigkeit der Hilfeleistung der Schule« bei sozialer Jugendarbeit. Sie berichtete über die augenblicklich« ungeheure Verwahrlosung der schulentlaffenen Jugend. Nur vorbeugend« Fürsorge im Schulalter könne dem starken sittlichen Verfall der Jugend steuern. An d«r sehr ergiebigen und interessanten Diskussion beteiligten sich die Herren Rabbiner Dr. Hoffmann, Rabbiner Dr. Sänger, Rabbiner Dr. Goldschmidt, Dr. Kaliski, Dr- Prager, der Schularzt der jüdischen Schule Herr Dr. Falk, Direktor Glaser, sowie, die Herren Lehrer: Graf, Klibaneki, Tichauer und Fink Es wurde allseitig die Notwendigkeit der Psychopathen ausgesprochen. Alle Anwesenlen waren darin einig, daß in sozialer und fürsorgerischer Beziehung kräst« unbedingt erforderlich sei. Es wurde Breslan einen beilpädaqogischen Kursus für zu veranüalten. Fürsorge für jugendlich« ein« Mithilfe der Lehr» schließlich angeregt, in Lehrer und Lehrerinnen Eichelbaum. Gründung -er Arbeitsnachweis-Gemeinschaft Nach verschiedenen Vorversammlüngen! find am Dienstag, den 5. Januar, die Vertteter einer großen Anzahl jüdischer Vereine und Anstalten unserer Gemeinde zu einer Beratung über die Schaffung eines gemeinsamen jüdischen Arbeitsnachweise« für Breslau zusammengetteten. In der gut besuchten Versammlung berichtete der eingesetzte Arbeitsausschuß überdas Ergebnis der Vorarbeiten und legte eine» SatzungSrntwurf vor. Derselbe wurde dursiberaten und mit einigen Aenderungen gutgebeißen und genehmigt. In der Satzung ist u. a. zum -Ausdruck gebracht worden, daß die neugegründete Organisation ein« Fortsetzung des bestehenden Arbeitsnachweises, der Schwestern« vereine, der Breslauer Logen im U. O. B. Ä. ist. Die-neu« Organisation soll für einen sachgemäßen, weiseren Ausbau Sorge tragen. Die Aussprache ergab, daß die Schaffung des Arbeitsnachweises ein dringendes Erfordernis ist. Die Bedürfnisfrage war schon im Arbeitsausschuß hinreichend besprochen und geklärt worden. Dem Arbeitsausschüsse, insbesondere dem Vorsitzenden desselben, Herrn Rechteanwalt Jarobsohn, wurde Dank für.-dir mühevollen Vorarbeiten ausgesprochen. Di« anwesenden j Vertreter der Vereine wählten nunmehr den Vorstand der neuent Arbeitsgemeinschaft, und zwar die Damen und Herren: I ~ Regierungsrat Marcus (als Vorsitzender), Alfred Kalischer, . Grete Bial und ' '. ' Dr. Else Fuchs-Hes, während der fünfte Platz von dem Vorstande der Snnagogengemeind« besetzt werden soll. . Nach Schluß der recht intereffanten Aussprach« traten di» anwesenden Vorstandsmitglieder zu einer Besprechung zusammen, in -welcher über die wichtigsten Maßnahmen beritten wurde, die zur sofortigen Aufnahme der Arbeit erforderlich sind. Es wurden Büro-, Personal- und Raumfragen besprochem. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß in Anbrttacht der »pirtschastlichcu Verhältnisse schleunigst daran zu gehen sei, in der einen oder anderen Weise die Schaffung von Arbeitsstätten und Arbeitsgelegenheiten in die Weg« zu leiten. Durch diese Einrichtungen soll die große Arbeitslosigkeit einiqermaßen eingtdämmt und die Wohlfahrtspflege entlastet-werden. Der Arbeitsnachweis kann selbstverständlich nur dann Ersprießliches leisten, wenn er nicht nur der Unterstützung und Förderung durch die Vereine, Anstalten und Gemeinden Schlesiens, sondern auch der Mitarbeit alle? Gemeindemitglieder — insbesondere der Arbeitgeber — gewiß ist. Es ist zu hoffen, daß dieser neuen, .wichtigen, sozialen Einrichtung ein guter Erfolg erblühen würde. 1 Di« Satzungen der ArbeitSnachmeisgemeinschafk stehen Jntertffenle« auf Wunsch geni zur Verfügung und können im Büro des Jüdischen Wohlfahrtsamtes, Wallstraße 9f, in Empfang genommen werben. Letzteres gilt auch als vorläufige Adresse für de« Vorstand der!ArbtitSnächwtiSq«meinschast. - ^Direktor Glas« r.

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