Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 12 (15.12.1925)
- Date
- 1925-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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184 * warten. In dieser Sonderausstellung sollen die bedeutenden Leistungen und Ausgaben der freien LiebeStätigkkit auf den verschiedenen Gebieten in die Erscheinung treten^. An dem Liga-Pavillon ist die Z e n t r a I * Wohlfahrtsstelle beteiligt und zwar ist sie beauftragt, die charakteristischen Einrichtungen, Arbeitsgebiete und Arbeitsmethoden der Juden in der Gesundheitsfürsorge, in der Erziehung und Ge« fährdetenfürsorge, in der Altersfürsorge und der Fürsorge für besondere Bernfe und Notstände recht anschaulich zur Darstellung zu bringen. Er liegt im größten Interesse unserer jüdischen Wohlfahrtspflege, die sich ihr bietende einzigartige Gelegenheit wahrzunehmen und neben den anderen großen konfessionellen Organisationen, der CaritaS und der Inneren Mission, ihre Leistungen hier wirksam zu zeigen. Aber nicht nur an dem Pavillon der „freien Wohlfahrtspflege" (Liga) ist die jüdische Wohlfahrtspflege beteiligt, sondern auch an einer anderen Svnderausstellung, die unter dem Titel: „Hygiene der Juden" auf der großen Düsseldorfer Ausstellung errichtet werden wird. Das Programm dieses jüdischen Pavillons umfaßt folgende große Gebiete: I. das jüdische ÜkeligionSgesetz in seiner biologischen Auswirkung; 2. Der jüdische Stamm; 3. Die jüdischen WohlfahrtSeinrichtungen in Deutschland; 4. Ein- und Auswanderung; 5. Siedlungen. Die Zentralwohlfahrisstelle der deutschen Juden steht vor der großen Aufgabe, sowohl das AuSstellungSmaterial fssr den Pavillon der freien Wohlfahrtspflege (Liga) als auch für den jüdischen Pavillon und zwar hier für die Abteilung: „Die jüdischen WohlfahrtSeinrichtungen in Deutschland" zu beschaffen. Für beide Ausstellungen werden benötigt: 1. vielseitiges charakteristisches Bilder material von den geschloffenen und balboffenen jüdischen WohlfahrtSeinrichtungen; 2. von einigen Anstalten: Modelle; 3. Statistisches Material über die verschiedensten Gebiete (z. B. Ehrenamtliche Mitarbeit in der jüdischen Wohlfahrtspflege, Zusammensetzung der Pfleglinge in den Mischen Anstalten und die Gründe für deren Einweisung; Beteiligung der Juden an interkonfessionellen Einrichtungen; Verpflegung von Nichtjuden in jüdischen Krankenhäusern; Tätigkeit der jüdischen Eknn'chtungen für Gesundheitsfürsorge in der offenen Fürsorge) u. a. m. > Um dieses photographische und vor allem statistische Platerial zu erlangen, ist die Zentralwohlfahrisstelle gezwungen, immer wieder Rundschreiben und Fragebogen an die verschiedenen jüdislhen WohlfahrtSeinrichtuügen herauszuschicken und sie erwartet, da» alle Einrichtungen, an die sie sich mit Ersuchen um Mitarbeit unh Materiallieferung wendet, sie bereitwilligst unterstützen. | Es liegt im größten Jntereffe de« Gesamtjudentums 4vor allem der deutschen Judeuheit — daß auf dieser Ausstellung der Beweis ' erbracht wird, was das Judentum auf, dem Gebiete der Hygiene und der sozialen Fürsorge geleistet hat und jetzt noch hervorbringt und wie seine uralten Erkenntniffe die Grundlage für viele sozialpolitische und sozialhvgkenische Gesetzesvorschriften der gesamten Kulturwelt bilden. Die Subvention für üen Preußischen Lanbechoerbanb jüüifcher Semeiaben j Da« „Hamburger Familienbfatt" brachte die Meldung, daß das Preußische Abgeordnetenhaus die Subvention für den Landesverband jüdischer Gemeinden gestrichen habe. I Die Korrespondenz Jta verbreitet nunmehr folgende berichtigende Meldung de« Preußischen Landesverbandes: l Der Preußische Landtag hat in seiner Sitzung vojn. 13. November bei der zweiten Beratung de« Haushalts des Mmifi^riums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die für die Synagogengemeinden vom Hauptausschuß beantragten Bewilligungen abgelehnt. Da bekanntermaßen die zweite Lesung niemals irgendwie entscheidend in« Gewicht fällt und ansschlaggebentz immer ^st da« Resultat der dritten Abstimmung ist, habe»» wir, um Dsißdeutungen keinen Rau« zu geben, bisher davon abgesehen, eine doch nur vor. läufige Abstimmung zur Kenntnis der Oeffentlichkeit ktt bringen. Nachdem nunmehr die Angelegenheit durch einen Teil der Presse mitgstteilt tmt jwn Gegenstand von Erörterungen gemacht »norden ist, stchchien mit über die Vorgänge da« Folgende bekannigeb«»: Breslauer Silbisches «emelnbeblati Ar. 12 Dar »»egative Ergebnis der z»»eiten Abstimmung hall keineswegs die Bedeutung, daß etwa die Mehrheit de« Landtage« sich endgültig gegen die Bewilligung der in den sLtat eingestellten Positionen für die preußisch-jüdischen Synagogengchneinden festgelegt hat. Ursache de« negativen Ausfalls der zwecke» Abstimmung ist viel eher die Tatsache, daß der mit den Stimmen hon fünf Parteien (Sozialdemokraten, Zentrum, Deutsche Volks^artei, Demokraten, Wirtschaft-- Partei) im Hauptausschuß angenomene Antrag, für Zwecke der geistlichen Versorgung leistungsunfähiger Synagogengemeinden 510 OOO Mark in den Etat einzustellen - ein Antrag, für den sich auch der Kultusminister Dr. Becker im Prinzip aussprach - später als Folge mancherlei Bestrebungen und auf ausdrücklichen Wurssch der. Regierungsvertreter, insbesondere auch des FinanzministepS Höpker (Aschhoff) selbst, vom Unterausschuß insofern abgeändert wurde, als die Position verkleinert und in zwei Teile geteilt worden ist: 200 000 Mark für die Rabbinerpofition und 250 000 Mark für; die Unterrichtsposition. Obwohl der Hauiptausschuß dem Beschlüsse! des Unterausschusses nachträglich beigetreten war, fanden sich im Plenum nicht mehr alle Parteien bereit, für die also abgeänderte Position zu stimmen. Nur Zentrum, Demokraten und WirtschaftSpartei stimmten für den Antrag. I Die Entscheidung hängt nunmehr von der dritten Lesung'de« Etat« ab, deren Beginn für den 9. (Dezember in Aussicht genommen war. Wohlfahrtsbriefmarfen für Sie üeutfche Nothllfe Auf Seite 188 de« Gemeindeblattes finden die Gmeindemitglieder einen Aufruf betreffend Ankauf von Wohlfahrtsbriefmarken. Mit Rücksicht auf den wohltätigen Zweck wird dringend gebeten, Wohlfahrtsfriefmarken von uns zu entnehmen. Wir werden hierdurch in die Lage verseht, die jetzt herrschende große Not einigermaßen zu lindern. 6. 75. Geburtstag. Am 9. d. MtS. beging der Organist der Neuen Synagoge, Herr Heinrich Scholz, die Feier seines 75. Geburtstage«. Seit" Jahrzehnten wirkt der Jubilar als Organist an unserer Neuen Synagoge. Mit Liebe, Verständnis und Hingabe hat er durch sein harmonisch-künstlerische« und schöne« Orgelspiel im wesentlichen Maße zu der weihevollen Ausgestaltung unsere« Gottesdienstes beigetragen. Möge ein gütige« Geschick ihm auch fernerhin Kraft und Gesundheit verleihen, damit er in der Lage ist, noch viele Jahre zu wirken. Ein sonniger, heiterer und ungetrübter Lebensabend möge ihm zuteil werden. 6. Gemeiaöe-Vibliothek tvallstraße 7 ln Ne« Bücher feit 1. Januar 1925 (Schluß.) Stab. *>*. A. Lieber»»»»»: Wer Schulchor» Aruch. 9t. 0. S. Bloch» Kol Ridre und seine Entstehungsgeschichte. 9t. Q. Leo»: Fichte und die Luden. P. Erhard Schlund: Religion, Kirche, Gegenwart. Prof. Vr. Erik NSlting: Da» .zerfetzende" Judentum. (Eine Auseinandersetzung mit dem kulturellen Anllsemillsmu».) Stab, vr» E. Mnnk: Gefälschte Talmudzitate. g. Qcinemann:, Dom .jüdischen Leist". (Ein Wort an die Ehrlichen unter seinen Anklägers) — Jüdische Weltherrschaft; Phantasiegebilde ober Wirklichkeit?^ Si«o» Bet» selb: Jüdische Geschäftsmoral nach Talmud und Schulchan Bruch, vr. Juli»» Skotholz: Die deutschen Juden in Zahl und Bild. (Mit vielen Karten und Tabellen.) Sie. theol. Ernst Moyling: Segen völkischen Wähn. (Rede an Menschen guten WMen».) Friedrich Taro: Dom Subengott. Vr. Fell» Goldman,: Dom Wesen de« Antisemitismus. Fritz Kahn: Die bilden als Rasse und Kulturvolk. ~ Vr. Ma, Grnnmald: Da» Judentum bei Oswald Spengler. Wk gmmaanel Semfelft: Einführung in da» Wesen der talmubischen Diskussion, vimitri Buiasch»»: Bolschewismus und Judentum, gakod Fromerr Der Babylonische Talmud. (Uebertragen und erläutert.) vr. g. Sinzig: Da» jüdische Schrifttum über den Wert de» Lebe«. Vr. theol. »hll. Loren, Vürr: Ursprung und Ausbau der Israelitischen jüdischen Heilanbserwartung. (Ein Beitrag zur Theologie de» Alten Testaments.) Prof. Vr. galt»» Goldstein: Der Morgen. (Zweimonatsschrift.) j vr. gakod «nr»: Da» deutsche Judentum und seine jüdischen Gegner. Mendale Moicher-Gfurim: Die Mähre. — Der Sude. Zeitschrift. Jahrgang 1024.! Fell» Philippie Die Ehrenreichs. (Roman.) «. v. gaitung. 1024. < Gast» Geis: Um da« alte-neue Land. (PalSfttnoauissätze eicke» thorp treue» Juden.) — Die hebräische Universität in Jerusalem. ' . ' 1 -\. :