Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 12 (15.12.1925)
- Date
- 1925-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.182 &(«<(««<( ... 1 ■ . und Rechtsanwalt Cohn gebehmigt, 'elftere in der Hofftl^rügdaß der Betrag auf den Beitrag der Gemeinde an den Prrußischen Landesverband angercchnet wird. Des «eiteren genehmigte hie Versammlung die AuSchlagung des Vermächtnisses KoslowSky und die vorgencmmemn Dach-', reparaturen an der neuen Synagoge im Betrag von 2988,95 Mark. Dagegen entspinnt sich eine längere Aussprache bei dersnächsten Vorlage, in der der Vorstand um die Ermächtigung ersucht, das Synagogengrundstück in Dyhernfurth gegen einen baren, Kaufpreis von $000 Mark und Uebernahme der Verpflichtungen: 1. die Mauer des jüdischen Friedhofes in Dyhernfurth! für alle Zeiten zu erhalten, 2. die auf dem Friedhof stehende'Leichenhalle unter Schonung der Gräber und^der Bäume abzutragen, zum Verkauf öffentlich auszuschreiben. Der Berichter stattjer, Herr Fritz Goldschmidt, wünscht, daß die Leichenhalle "auf aste Fälle erhalten bleibe und hält diesen Wunsch auch aufrecht, nachdem vom Vorstande Justizrat Hirschberg dargelegt hatte, laß diese I tibi sch«« «t«rs»dt»latt Rr. 12 nicht, in und Er- Iakobsohn Leichenhalle für Beerdigungefeierlichkeitcn überhaupt Frage käme,,dagegen ihre notwendigste Instandsetzung Haltung erhebliche Ausgaben erfordere. Rechtsanwalt äußert überdies Bedenken,Ehje Synagoge zu profanen! Zwecken zu verkaufen. AuS der Vorstandsvorlege geht zwar hesvor, daß der Magistrat Dyhernfurth der voraussichtliche Erwchber sei, sie enthält aber nicht« über die künftige Verwendung: Wenn in der AuSsprcche erwähnt wurde, daß der Magistrat die Synagoge zu einer Turnhalle oder eincm Feuer wehrdepot umbauen will, so seien auch dies profane Zwecke. Es bestünden vermutlich gegen diese Veräußerung religiöse Bedenken. Justizrat Hirschberg zerstreut diese Bedenken.durch die Mitteilung, daß beide Gcmeindcrabbiner noch Besichtigung an Ort und Stelle gegen den beabsichtigten Verkauf vcm religiösen Standpunkte aus nichts einzuwenden hätten, und die Synagoge-selbst weder einen baulichen noch einen Kunstwert habe. Rach kurzer Abschweifung auf das, Gebiet der katastrophalen Finanzlage unserer Gemeinde und nach einer weiteren Aussprache, an der sich insbesondere die Herren Fritz Goldschmidt, Martin Frankel, Dr. Schlesinger, und Rechtsanwalt Jakobsohn von der Versammlung, und die Herren Justizrat Hirschberg, Hoffmann und Wajdstein vcm Vorstande beteiligten, wird die Vorlage mit der Maßgabe genehmigt, daß der Vorstand die Bedingungen wegen Abbruch der Leichenhalle zu ändern versuchen solle. Nachdem-die letzte Vorlage, nämlich die Anstellung^ eines weiteren Aufsehers in der alten Synagoge auf Antrag des Berichterstatter«, Herrn Kober, ohne Aussprache genehmigt worden war, zieht sich vor Eintritt in die AuSsprcche über die Eingabe des Jüdischen Schulvereins, die liberale Fraktion zu einer kurzen Beratüstg zurück, die jedoch fast eine halbe Stunde dauert. Rach Wiedereröffnung der Sitzung begründet Justizrat Kalischdie Eingabe des Jüdischen Schulvereins e. V. auf eine jährliche Beihilfe. Diese Beihilfe hat der Vorstand abgelehnt, unter Beachtung der Grundsätze, die dem Verein hch Gründung der Schule im Jahre 1920 unter Billigung der Gemieindekörperschaften mitgeteilt worden seien, nämlich, daß eine jüdische Volksschule nicht für erforderlich gehalten werde, und der Verein daher auf eine Unterstützung seitens der Gemeinde nicht rechnen dürfe. LUs liberaler ^Mann sei er Gegner der konfessionellen Schule. Seine Freunde könnten nur eintreten für ein Zusammenarbeiten der Kinder aller Religionen und Bevölkerungsschichten, natürlich unter voller Gleichberechtigung, nicht aber für eine Absonderung., Nur bei<eincm Zusammenarbeiten lasse sich die Austlärung und da« gegenseitige Verstehen erzielen, wie die« der Zentralverein im Großen hetreibe. Er selbst habe da« hiesige Johannesgymnasium unter dem größten Antisemitikmus besucht und doch sich viele Freundschaften mit christlichen Mitschülern bis auf den heutigen Tag bewahrt. Der Antisemitikmus, der heute auf den Schulen sichersich sehr groß sei, werde durch das Herausnehmen der jüdischen Kinder nicht beseitigt, vielmehr sei das Gegenteil zu befürchten. Ueberdie« handelt e« sich beim Schulverein um eine Privatschule bestimmter.Richtung. Allerdings sei inzwischen der sogenannte Referenten-Entwurf eines Reichs-Schulgesetzes bekannt geworden, daS vielleicht die Gemeinde in die Zwangslage bringen wird, eine jüdische Volksschule — nur um eine solche kann eS sich handeln — zü errichten. DaS habe vcm Vorstand bei seiner Ablehnung noch nicht berücksichtigt werden können. Deshalb beantrage er namen« seiner Freunve: . . r ' Die- Petition'-««, Schulvereins an den Vprfstryd zurisck- - zureichest mif dkm .Ersuchen, zu prüfen/ ob mit Rücksicht auf da« in Aussicht gencmmen?Reichsschulgesetz für unsere Gemeinde ein Bedürfnis vorliegt, die Errichtung einer öffentlichen jüdischen Volksschule zu verlangen und alsdann zu prüßen, ob und in welcher Weise die jüdische Vereins-! schule sventüell in diese öffentliche Schule übergeleitet werden kann. > Herr Martin Fränkel ist von den Ausführungen des Berichterstatters gegen die Eingabe de« Schulvereins nicht überzeugt.'Er erinnert an die hervorragenden Männerdie aus jüdischen Schulen hervörgegangen sind. Rur ein in einer jüdischen Schule erzogener Jupe kann seinen Mann stehen im Leben. Ern solches Kultur werk wie t ie jüdische Schule, unterstützt durch den Gemeinderabbinier Dr. Hofsmann und von den Behörden wegen ihrer Leistungen wiederholt gelobt, kann man nicht untergeher lassen. Fränkfurt und Leipzig haben jüdische Schulen, die von der Gemeind! unterhalten.werden. Auch der liberale Vorsteher Dr. Stern-Birlin ist für jüdische Volksschulen eingetrcten. Ohne die Gegner bekehren zu wollen, bitte er daher den Vorstand,-seine ablehnende Haltung zu korrigieren. In diesem Sinne stimme er dem Antrege Kalisch auf nochmalige Beratung bei. Herr Kober erwähnt eine Anzahl Fälle unerträglicher Behandlung jüdi cher Schüler in paritätischen Schulen, die deren Besuch für jeden ur.rstöglich mache. Schon die Schülerzahl der jüdischen Schule bewert ihre Notwendigkeit für die Gemeinde. Sie habe daher Anspruch avf die Unterstützung. Rcchtsan yalt Jakobsohn hält die Rückverweisung ay den Vorstand 'ür den richtigen Weg und tritt für den Ifntrag Kalisch ein, in der, Hoffnung, daß der Vorstand die Begründung des Referenten sich nicht zu eigen machen werde. Denn die jüdische Schule sei nicht Angelegenheit einer Partei, viclnsehr-' habe sie Freunde und Gegner in allen Parteilagern'. Die jüdische Schule habe noch zu leiden unter.der Befürchtung, mit den Kindern ein Experiment zir machen. Deshalb bleibe die Besucherzahl von 250 Kindern hint» dem wahren Bedürfnis 'zurück. Die Befürchtungen werden allmäblich schwinden. Für Ostern seien jetzt schon 32 Meldungen eingegangen. Die hiesigen Verhältnisse zwingen zur Unterhaltung/einer jüdischen Schule. Wir wollest unter dem Druck des Schulantisemitismus nicht urisere heiligstest Güter aufgeben. Nuriwer die Grundlagen und den ethischen Wert des Judentums ist sich ausgenommen hat, sei für den Kampf gegen die Judengegner gerüstet. Cr habe noch nicht gesebcn/daß jemand hierfür weniger gefestigt sei, der aus einsr jüdischen Schule komme.! Bisher habe die Schule lediglich die Aufgabe gehabt, einen bestimmten Wissensstoff zu vermitteln, nach heutiger Auffassung dagegen soll hie Schule Menschen erziehen. Da« habe den Unterricht geändert^ Die christliche Weltanschauung trete in den christlichen Schulest in allen Fächern hervor. Entsprechendes müsse für das Judentum gelten, kurzum: wir wollen jüdische Menschen erziehen. Füt die Gemeinde Breslau müsse der Grundsatz gelten, daß jeder nas»'seiner Ueberzcugung leben könne. Deshalb müsse sie e« den zahlreichen Anhängern der konfessionellen Schule ermöglichen, ihte Kinder in eine jüdische Schule zu schicken. Mit unserer Bitte, daß der Voistand, diese Gründe bei der Wiedererwägung eistgkhend prüfe, verlangen wir lediglich Gewissensfreiheit. Der Vorsitzende Justizrat Peiser dankt allen Rednern für die würdi ze und ernste Behandlung dieser alle Gemüter der Gemeinde bewegenden Angelegenheit/ Weltanschauung steht hier gegen Weltanschauung.. Um aber allen Anschauungen gerecht zu weiden, sch der Antrag Kalisch auf nochmalige Beratung im Vorstände gestellt worden. Hierauf rpird.der Antrag Kalisch einstimmig angenommen. In der anschließenden geheimen Sitzung beschließt die Versammlung, di!e Bewilligung eine« Gnadengehalt« für da« bisherige. Mitglied, de« Chore« der Neuen Synagoge Herry Borck, dör dem Chorjseit der Begründung im Jahre 1872 ununterbrochen angehört hat.>