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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1925-10-29 · 11 (29.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1925)
Issue
11 (29.10.1925)
Date
1925-10-29
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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168 Dr««la> er Jüdische- Gemeiudeblail Die M»eit -es jüöischen ZraLenbun-es in Nr. 11 Breslau. " Li« Breslauer Ortsgruppe L«» jüdisch«» Frauenbundes, d r fast sämtlich« Frauewvereiu« unserer Stadt angeschloffcn sind, besteht feit 1908. Sie ist, ihr«» Statut«» gemäß^ bestrebt, di« Interesse» d«r< jüdisch«« grau «x hrzunehmcn, w» immer e» artig ist. Sei rt durch Stärkung dj» Gemeinschasttbi wußtseiu«, durch Austreben der gleichberechtigte» Mitarbeit d«r> Frau i» Bern» ltung und Gemeiad«, durch Fürsorge für hilssbedürftig« Franeu und Kiuder und durch di« Pfleg« de« jüdische» Familienleben» und de« jüdischen Nachwuchs«« im allgemeine». . Die Ortsgruppe stecht im enge» Zusammenchang mit dem Jüdisc en Wohlfahrt»- amt der Gemeind« und ist in alle» interkonsessionellt» Fraueuver inen der Stadt durch Delegiert« vertrete». ' Um eia engere» Baud zwischen de» Mitgliedern herbeizi führe» und um ihre Idee» und Ziel« weiteste» Kreise» zugänglich zu mache», veranstaltet di« Ortegrupp« allmonatlich gesellig« Nachmittage Mit Vorträgen. - >iese Zusammenkünfte finden im großen Saale de« Hotel» „Vier Jahreszeiten" stat I und der außerordentlich reg« Besuch beweist, daß diese Veranstaltungen allgeme ne Anerkennung gesunde« haben. Wir hatten bisher Vorträge »cp unserer Bundesvorsitzendei, Frau Brenner ' au» Leipzig, Frau Olleudorff und Frätzlein Karuiinski au» Berlin. Der nächst« Vortrag ist am Montag, de» 14. Dezember, nachmittag« %5 Uhr. Fräuleia Clara Pasch spricht über: Altjüdisch« Frauengestalten in deutscher Drimatik. Außer de» Vorträgen finde» vier Disku stonrnachmittag« über Politik und politisch« Parteien statt. Frau Olleudorff bä » de» einleitende n Vortrag und leite« di« Diekussion. Wir hoffe», dadurch d im oftgerügte» \ stangel, daß die Frauen zu wenig politisch unterrichtet sind, >« besten abzuhklse». Für da« kommende Jahr werde» »och andenbeitig« geistige Anregungen i ocbereitet. Praktisch« Arbeit leistet di« Ort« zrupp« aus folge» den Gebieten: Di« Beratungsstelle erledigt in wöchentliche» S tzungen laufende Fürsorgesälle. Sie bringt Krank« und Siech« i« Anstalten unter eine Gemeindeschwester übt ambulant« Krankenpflege au« urd leistet w«rtv>ll« Dienst« ' bei Recherchen und von einem Kreis gut eingearbeid ter Damen wird Familienfürsorg« in jeder- Form betrieben. Diel Tuberkulosenfürsorge gi>l i» Krankheit»alle» Beihilfe». Beratender Arzt Herr Dr. La»d«berg«r, Hosch nfiraß« 27 n. i lächere Auskunft im Bürd der Gemeind«. Dallftraße 9, I. I» der offenen Kiaderfürsorge hält unser« Jugendpflegerin täglich mit Ausnahme de» Sonnabend Sprechj und« von 9 — 11 Uhr im Büro, Wallstraß« 9, I, ab. Sie steht in enger Zusammenarbeit mit hem Wohlfahrtsamt der Gemeind« und mit alle» zuständigen i Fürsorgestellen. Betreut werdrn sämtlich« jüdisch«, von ter Amtsvoamundschask regelmäßig gemeldete unehelich« Kinder, ferner durch Charakter »der häuslich«! lerhältniffr gefährdet« Kinder und Jugendliche, sowie krank^ und erholungtbedürfti ze Kinder. Eins Anzahl Damen ist in dieser Kommission ehrenamtlich tätig. Zu Chaaukkach «Verden wir, zusammen mit anderen Organisationen — Loge», Chanukkahkomittze, besonder« mit der Schwefternvereinigung der Gesellschaft „ Eintracht" — alt alljährlich unbemittelte jüdische Kinher «inkleide», wobei w r auf die »i, versageut« Hilfsbereitschaft unsxrtr Glaub«n«gen»ffe» rechnen. Am l. Juli 1924 habe» wir mit Unterst itzuag der jüdisch«», Gemeind« und de» jüdischen Wohlfahrt»amte» «in eigene» K »derlandheim in Bad Flia»b«rg gekauft. Seitdem habe» dort 300 Kinder un > 100 Frauen u«d Mädchen de« Mittelstand«» au« Stadt und Provinz einen Erholungtausestthalt gesunden. Ganz »»bemittelte» Kindern wurde der Aufenthalt, durch Beschaffung von sogcminntchi Patenschaften und durch «in« von der Gemeinde des Kinderfürsorg« gütrgst jur Verfügung gestellte Jabretbeihilse ^ermöglicht., Wirj nehmen in gemachten Kolonie» ' Kleinkinder v»m 3. Jahre i an auf, Mädchen bi« zum 16., Knabe» i>«r bi« zum 12. Lebensjahr. Um au» größere» Knabe« die Möglichkeit eiiör Erholung zu gebe», habe» wir im Oktob« diese gesondert i» einer Kolonie vereinigt« Di« in unserem Heim untergebrachte»' Kinder stehe», »ater ständiger Aufsicht Ivon bewährte» Leiterin»«» und Helferiänen Hz». Helfer» Di« der ärztlichen Uirsorg« bedürftige» Kinder gebrauche»! »ach Vorschrift' de» um unser« Arbeit bochverdieate» Badeärzte» Herrn. Dr. Arthur Schäfer tin« rtgelmaßig« Kur, di« in Höhensouneubehandlung, Bädern us». besteht. Z» statistische» Zwecke» wird ein« Kartothek aller durch, un« zur Erholung versandten j Kinder geführt, di« un« | auch Material zu aachgehender Fürsorge liefert. i ■ . Mitte De z« mb « r eröffnen wir da« renovierte Heim für die Winterftrienkolo.aie-. bie bi« Mikle Januar dauert. Di« Pensionspreise im Kinderlanaheim siwdr r» T aig 3 Mark, fürMinderbemit o n Da me» von Mitte Januar, t«lt«2Mark. Aufnahme Pension-«präi « 3 Mark, rem Bür« »er Kinder- U br erwünscht. Zu diese»- p » o Anmeldung«» schon jetzt i» uns^i fürsoige Waklftraße 9 vo» 9—l l Pensionspreise» mochten wir noch bemerke», dstß bei Zahlung «len 4 Mark pro Tag einem unbemittelte» Kinde gleichestig rin. Erholung«ause»thalt. ermöglicht wird. Di« ob«» erwähnt, steht-unser Heim kmtn Teil de« Jahrt« erholung«- bedürftige» Frauen und Mädchen de« Mittelstände«, bessnder« «rwerb«- »ätige«, offen. I! . Für die erwerbstätige» Frauen - »od Mädchen de« gebildech» Mittelstand«« sorgt di« Abteilung Erholungsheim. Durch günstig« Depeickbarnngt» mit Erholungsheimen und Kuranstalten und durch gütige Beihilfh der Gemeind«,. sowie durch private Spende» war ««möglich, etwa 80 Damen, »ine.Bade» »der Erholungsreise zu verschaffe». Alle dies« Dache» stehe» im Erwerbsleben, und bei dem.jetztf« besonder« schwere» Kampf um« Dasein war {ine Auffrischung ih^er stark beanspruchte» Kräfte besonder« nöjig. j ' Den Erfordernissen der Zeit entsprechend besteht' seit eiuyge» Jahre» der Rentnerinnenbund. E» finde» dreimal wöchentlich!Zusammenkünfte statt.- Allmonatlich ist ei« größerer Vortrag »ud alle Feiertagewerde» festlich begängeu. Die Absicht, Alleinstehende» Zerstreuung »nd Anregung zu bringe», wird voll und ganz erreicht. Wir hoffe», daß wir durch freundliche Spende» in der Lag« sei» «erden, zu Chanukkah durch «in kleine« Geschenk jedem Mitglied «in« Freud« zu machen. Der Mädchenklub vereinigt schulentlassen« Mädchen viermal wöchentlich zu belehrende» und gesellige» Zusammenkünfte», unter der Leitung fachlich «»«gebildeter Kräfte. Berufstätig« Mädchen können sich unter sachgemäßer Aufsicht ihr« Kleidung selbst anfertigen und in Ordnung halte», Unterrichtskurs« werdrn erteilt und Mädchen ohne Beruf werden in theoretisch«» «nd praktisch« Kursen für de» Haushalt «orgebildel. Wir legen besonderen Wert darauf, daß nur ausgebildet« Lehrkräfte unterrichten. Fünfmal «öchentlich komme» Schüler der höheren Klassen und Lehrling« in den Räumest Anger 8, I, zu Heimabenden zusammen. Sie werden dort mit Tee und Gebäck bewirtet, hören Vorträge und lese» gemeinsam unter Anleitung von Herren de» Seminar«. Di« besondere Freude der Ortsgruppe ist unser Kleinkind«rheim. E« ist im Sommer in da« durch!di« Schottländersch« Stiftung für sein« Zwecke erworben« Gartengrundstück in Knetern, Breslauer Straß« 35, übergesiedelt. Di« luftige», hygienisch aus« sorgfältigste ausgestattetrn Räum«, der große, ganz frei gelegene Garten biete» 20 noch nicht schulpflichtige» Kinder» bei sorgsamer, liebevoller Wartung di« besten Entwicklungemöglichkeiten für körperliche» und seelische« Gedeihen. Da« Hau« ist voll besetzt, aber im Bedarfsfälle erweiterungsfähig. Ueberdie« habe« wir di« Genugtuung, durch Vermittlung zahlreicher Adoptionen Freud« und Glück auch «eit über di« Grenzen unsere« Hause« hinau» zu verbreiten. , - Wir bitte» um Beachtung n«fm« I wichtige» Inserate« auf Seit« 173. Festabend der Jüdische» Volksschule und der Höhere« Jüdische» Schul«. Die am 19. und 20. v. Mt«, stattgesunden«» Veranstaltungen der beiden Schulen find ick so erfreuender und würdiger Weise verlausen, daß sie für immer ein Ruhmesblatt in der Geschichte dieser kraftvoll aufblühenden Anstalten bilden werden. Beide Male war der große Saal der Lessmg-Loge dicht gefüllt. Di« Ordner waltete» musterhaft ähre« Amte«. Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffman« begrüßte die Erschienene» «nd legte mit eindringliche« Worten di« schwierige Lag« der beiden Schule» dar, deren Ziele gründlich« Allgemeinbildung in Verbindung -mit der Erziehung zck pflichtbewußtem Judentum, di« Unterstützung eine« jeden Mitglied«« der Bre«lau«r Synagogengemeind« finden müßten. Dar Programm sollt« den btsondere» Charakter der Schulen und ihr« Leistungen widerspiegeln, soweit die« bei einer solchen Veranstaltung möglich war. Außer an deutschen und hebräischen Chorgesangen, die mit tiefer Empfindung vorgetrage« wurden, konnte man sich an der mit bewundernswerter- Exaktheit gespielten Kindersymphoni« von Haydn erfreuen. Stramm «»«geführte Stab- Übungen wechselten mit entzückenden Reigen und-Volkstänzen ab, bei denen sich auch die Kleinsten betätigten. Daneben waren Deklamation«»! teil« ernster, teil« heiterer Art nicht vergessen. Aber die« bildete nur de» Rahme» zu de» dramatischen Darbietungen, di« gut« Vorbereitung, aber auch beträchtlich« Begabung verriete». In einem hebräische» Stück „Abraham und di« Götzenbilder" konnte» di« Kinder ihre Vertrautheit mit der heilige» Sprach« beweisen. In der Szene „Chez l« mvdicia" (Beim Arzt) zeigten sie, wir tief sie in di« französische Sprach« «ingedrunge» waren. De» Abschluß bildet« al« umfangreichster Programmpunkt da« Märchenspiel: „Die zertanzten Schuhe". Schon die Kostüm«, di« Frau Wida««ki mit feinem künstlerische» Geschmack angefertigt hatte, war«» märchenhaft prächtig. Da« Spiel der Kinder — di« Märchentänze nicht zu vergessen — riefen allseitig«» Beifall hervor. Vor tem Saaleingang waren Gartenfrüchte und Handarbcieea verschiedener Art ausgestellt, an denen man erkennen konnte, wie auch in dieser Beziehungfruchtbare Arbeit geleistet wird. Ein« har« da» Programm nicht angekünbigl, doch die Veranstaltungen ließen e« spüren: da« war der wunderbar« Geist, her zwischen Lehrern und Schüler» herrscht, der Gehst freudigen Zuttauen« «nd Gehorsam« auf der «inen Seit«, geboren au« der liebevoll-ernsten - Hingabe auf der änbete» Seit«. Jeder, der teilnehme» durfte, wird da« erhebend« Gefühl von der Größe de« jüdischen Kulturwerk«, da« di« beiden Schulen darstellrn, in sich verspürt habe». -Der Verband zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinde« hat de» Gemeinderabbiner, Herr» Dr. Loui« Lewin in Kattowitz, al« Leiter der Erziehungsanstalt 'gewonnen. Dr. Lewia, geboren in Znin, Provinz Posen, besuchte di« Realschule' der. israelitischen Religioasgesellschaft (jetzt Goethe- Gymnasium) in Frankfurt a. M-, studierte 1889 — 1893 an der Universität Berlin - Geschichte und LiteraMpgeschichte und besucht« gleichzeitig da« HildeShennersch« Rabbinerseminar, promovierte in Heidelberg zum Dr. phik. >893—1895 wirkte er »l« Religionslehret in Frankfurt a. Dt., 1895 legte er da« RabbinatSexame» ,ab. 1896—1897 war er Stifisrabbiner in Hohensalza, 1897 — 1905 Rabbiner in Pinne, 1905—'1920 Rabbiner in Kempen und amtiert seit 1920 al« Gemeinderabbiner in Kattchvitz. Dr. Lewin hat «in« reich« literarische Tätigkeit entfallet «nd ein« groß« Zahl wissenschastlicher Arbeite», teil» al« selbständige Schriften, teil« al» Beiträge in Zeitschriften veröffentlicht. Rabbiner Dr. Lewin hat sich an de» Stätte» bisherige» Wirken« di« uneingeschränkte Wertschätzung aller Mitglieder der Gemeind« »nd gleicherweise di« Zuneigung seiner Schüler in reiche« Maße erworben, so daß da« Kuratorium in ihm di« in jeder Hinsicht für bi« Erziehung der im Heim befindliche» Zöglinge geeignele Persönlichkeit gewonnen habe» dürft«. Mit besonderer Genugtuung «erde» auch di« wissenschaftliche» Kreis« unserer Gemeinde fein« Uebersietelung begrüßen. | Der HandarbeitS-Derkauf im kleine» Sa^le der Lesstng-Lag« findet täglich von Montag bi« Freitag von 11-1 Uhr mittag« statt. Best« Gelegenheit 'zum Einkauf prziswerter schöner Chanukkah-Geschenk«! \ j Di« vereinigt«» Frauenvereine der U. O. B. D.-Loge».

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