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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1925-10-29 · 11 (29.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1925)
Issue
11 (29.10.1925)
Date
1925-10-29
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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ammenarbeit mit den Anstalten, Vereinen und sonstigen Einrichtungen der übischen Wohlfahrtspflege, waSfl^zim Teil schon jetzt in die Wege geleitet ist. Di« Gejchäftsordnung de« neuen Wohlfahrtsamtes selbst sieht vor, haß dasselbe ein >länbiger ÄurschuH der Gcnicinee ist, sodaß die Wahl derselben durch die lsememdebehorven ju erfolgen hat. Er sollen in demselben Mitglieder de/ Voipanoes und der üteptäjentaittenversammlungi die Herren Gemeinberabdinbi, einige Vertreter der wichtigsten Vereine sowie solche Personen vertretendem, die Erfahrung auf dem Gebiete der Wohlfahrt«; pfleg« besitzen. Außer dem Pauptausschuß der Wohlfahrtsamtes sind für die einzelnen Arbeitsgebiete besondere Ausschüsse einzufetzen. Et soll im wesentlichen erstrebt werden, dasj die Ärdcivb/urfchüsfe bestimmte WohlfahttSgebiete behandeln und in geeigneten fallen mit den in Frage kommenden Anstalten und Vereinen gein^liisam arveiten. Die Schaffung von Arbeitsgebieten scheint aus nuinchen (stünden für gewiss« Zweige der Wohlfahrtspflege ein durchaus «rsirevenswertes Ziel zu sein. Eine Anzahl von Ein-' richtungen und Anstalten habe» bereits ihre Arbeitsgebiete begrenzt und üben seit Jahren nur einen bestimmten Zweig der Wohlfahrtspflege auL. Neuerdings hats zum äjeispiel der Verein „GmilluS Ehessed" in Aussicht genommen, in der Hauptsache sich der Fürsorge für „kranke Personen" zu widmen, während seit einigen Monaten der sozial« Ausschuß der Zacharias Frankft-Loge sich mit der Gcsäyrdetenfürsorge befaßt.; Zur Durchführung der umfangreichen Arbeitsgebiete der jüdischen Wohlfahrtspflege, der, sachgemäßen Prüfung der UnterstützungSfätle, der rechtlichen'Inanspruchnahme der verpflichteten Stellen, des allgemeinen Ausbaues der Fürsorge ist A allerdringendst erforderlich, daß daS Wohl: fayrtsanit von der Pauptvetwalrung der Gemeinde losgelöst wird und eine eigene für sich geschlossene Verwaltung, mit den dazu gehörigen Vüroräumen, erhält. UedervleS hat sich auch der fetzige Zustand als unhaltbar erwiesen und eS ist dringend notwendig, eine durchgreifend« Aenderung eintreten zu lassen. Der Gelchäfrsberrieb der Verwaltung wird durch den WohlfahrtSbjttrieb außerordentlich geftö*-- Zur Beseitigung dieser Mißständ« ist die ichgffung anderer Räunie in Aussicht genommeti worben. Der Umfang id der Heschäftskrei« der Wohlfahrtspflege unserer Gemeind« ist derart 'stiegen, daß eine vollkommene Aenderung nicht mehr zu umgehen ist. ie Erwägungen hinsichtlich der Schaffung der erforderlichen Geschäftsräume find im Augenblick noch nicht abgeschlossen. Die Einrichtung eines selbständigen jüdischen Wohlfahrtsamtes bedingt aber auch y. a.. die Anstellung einet geeigneten Leiters. Die Gemeindebehörden chadeni beschlössen, diese« Amt in die Hände de« Unterzeichneten zu legen. Derselbe wird bis auf weitere« noch die Dezernate für di« Zweig- Gottesdienste und die Karrcnausgabe weiterbehalten und der, Verwaltung scldstverstinküch in außergewöhnlichen und Notfällen zur Verfügung stehen. WaS die übrigen Kräfte beS jüd. Wohlfahrtsamtes anbelangt, jo sollen die bisher irf: der Fürsorge tätig gewesenen Dam?n mit übernommen werden. Zur Erleichterung, der Dienstgeschäfte werden täglich ein oder zivei (ehrenamtliches Mitglieder dpt UnterstützungSauSschusseS im Wohlfahrtsamt anwesend sejn, um kleinere und eilige Sachen sofort erledigen zu können. Auch der Vorsitzende des Wohlfahrtsamtes wird sich meist täglich einfinden, um in Gemeinschaft mit dem Leiter die Eingänge und sonstigen Angelegsenheiten zu besprachen und zu erledigen. - . j ^Sckfkießlich ist noch zu bemerken, daß al« ein dringende« Gebot der Stunde die Zentralisierung der jüdischen Arbeitsnachweise geplant ist. Hieran soll sich auch die Schaffung einer Berufsberatung« stelle angliediern. Auch die Einrichtung von geeigneten Arbeitsstätten wird erstrebt. Für diesen Zweck der Wohlfahrtspflege kommt ein Zusammenschluß der iüteressierten Vereine und Logen, deren Frauenvereine zum Teil schon einen Arbeitsnachweis betreiben, in; Frage. Mannigfache Anregungen und Neuerungen liegen vor, deren Durchführung nach und nach erwogen werden wird. Auch die Frage der Einordnung der Jugendpflegerin und der Gemeindeschwester in den Betrieb des jüdischen Wohlfahrtsamtes witD zu prüfen und zu entscheiden sei». In llebereinstimmung mit der Reprasentantenversamchlung sind folgende Damen und Herren in den HauptauSschuß de« Jüdische» Wohlfahrtsamtes gewählt worden: j Vorsitzender: Herr San.-Rat Dr. Dach. ir Stellvertr. Vorsitzender: Herr Emil Waldstein. . Mitglieder: Herten: Eurt Btieniyer, Gem.-Rabb. Dr. Hoffmann, Sgn.-Rat Dr. Horn, Dr. med. Jos. Kaliski, Bruno Matthias, Eugen Perle, Siegfried Preuß, Gem.-Rabb. Dr. Dogelstein. Damen: Stadtrat Marck, Justiziar Lllcndorf, Justizrat Peifer, Prof. Wohlauer. Die Mitglieder der einzufetzenden verschiedenen Arbeitsausschüsse werden durrb den HaoptauSschuß gewählt. Ste bedürfen der Bestätigung durchs den Vorstand dev Gemeindeverwaltung. Tie Befugnisse und Pflichten der einzelnen Ausschüsse,, der GeschäftSkreiS sowie daS Verhältnis zu den Gemeindebehörden sind durch ein« besondere Geschäftsordnung geregelt. ES ist zu wünfchien und zu hoffen, daß daS jüdische WohisahttSamt durch seine Ziele und Leistungen nicht nur zum Wohl« der Hilfsbedürftigen wirken und schaffen wird, sondern auch zum Segen der jüdischen Allgemeinheit. Dovaussctzung ist und bleibt, daß alle Kreise, also auch feie jüdische Verein«-, Anstalt«- und die private Fürsorge sich der hohen sittlichen Verantwortung bewußt bleiben und die Ausübung der - Wohlfahrtspflege als ein« ernst« Pflicht betrachten. An die Gemeindemitglieder ergeht die Bitte, die vielfachen Aufgaben de« Jüdischen WohIfahistSamteS, schon nt Anbetracht der großen Not, recht reichlich mit Spenden zü bedenken. Bes feierlichen Anlässen, Dergleichen und anderen Gelegenheiten, sollte maN an die jüdische Bedürftigkeit denken, die Namen von Spendest» sollen in Zukunft im Gememdeblakt veröffentlicht werden. Auf Wunsch unterbleibt die Nennung de« Namen« oder de« gespendeten Betrage«. ~ Wir alle, denen die Ausübung einer wahren und guten Wohlfahrtspflege' o&t Herzen liegt, sollen un« leiten lassen von den Worten: „Jedem erteil« sein Recht und nach Gunst nicht richte da« Urieil! Tritt nicht nieder den Armen; nach Unrecht richte du niemand. Richtest du schlecht, so wird einst dich auch richten die Gottheit!" * Bürodircktor Glaset. Beratungsstelle fürpfpchopatische Kinder. Don der Zentralwohlfahrisjielle der Deulschcn Juden wird uns mitgeteilt: . ] „2" der letzten Nummer ist «ine Notiz über die Schaffung von Beratungsstellen für psychopathische ünd schwer!erzieh, bare Binder erschienen, die in weiten Kreisen lebhaften Widerspruch fand. ' Der Verein der Leiter und Leitertimeu jübischer ErziehungSanstalten hat mitgeteilt, daß er allenthalben derartige Beratungsstellen errichtet hat. Es. ist zunächst festzustellen, daß die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden vor Erscheinen, der Notiz nicht von der Absicht deS Vereins unterrichtet worden ist. Wäre dies der Fall gewesen, so wäre unter allen Umständen darauf 2jBer< gelegt werde», daß solche Beratungsstellen die Heranziehung fines sachverständigen Arztes nicht nur als eine Frage der Eventualität betrachtet, sondern in jedem einzelnen Fall muß der Arzt gehört werden. Es muß ferner ganz besonders nachdrücklich Wert darauf gcltgt werden, daß derartige Beratungsstellen nicht selbständig errichtet, sondern in de« Arbeitskreis der Wohlfahrtsämter organisch eingegliediert werden müssen." i Hierzu teilt Herr Waisenhausdirektor Kolodzinöky Mit, daß er selbstverständlich in jedem Falle den Arzt zuziehen werde, den ihm das hiesige Wohlfahrtsamt als Facharzt benennen würde^ Er habe da« Amt nur auf Drängen des Vereinsvorsitzendeu Waisenhausdirektor Dr. Peritz in Königsberg übernommen uno oie ^Veröffentlichung der vom Verein entworfenen Notiz im Vertrauen auf deren Richtigkeit veranlaßt. Auch wir haben den Artikel ohne vorherige D'-«-gung an das hiefige Wohlfahrtsamt gebracht, weil es im Eingang des Artikels heißt, daß di« Beratungsstellen gemeinsam mit dem D. I. G. B. und der ZentralwohlfahrtSstrlle der Deutschen Juden eingerichtet werden. Wie wir hören, soll bei der Beschlußfassung des fPrr *itö! der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten ein Delegierter der ZentralwohlfahrtSstrlle zugegen gewesen sein, sp daß der Verein viel' leicht ainfthmen konnte, daß der Delegierte die Zentralwohkfahrtsstelle unterrichtet habe, und daß diese mangele Widerspruch mit der Ein richtung einverstanden sei. . Die Schriftleitung. Die Eröffnung -er jüdischen Volkshochschule war wieder ein großes Ereignis für Breslau. Die -rührige Leitung, die im vorigen Jahre Martin B u b e r zur Eröffnung für Breslau gewonnen hatte, machte uuS dieses Jahr mit Dr. Max B r o d bekannt, der heute anerkanntermaßen zu den führenden Geistern des deutschen Schrifttums und zu den verdienstvollsten Erneuerern des Judentums gehört. Max Brod sprach über David Re ub eni und das Ergebnis der geschichtlichen! Forschung dieser sagenhaflen Gestalt aus der jüdischen Geschichte, die kien Mittelpunkt seine« neuen Romans „Re»deni Fürst der Juden" bildet. Zu Unrecht wird von vielen angenommen, daß Reubeni (den übrigens der Vottragende nicht nach der hebräischen Aussprache Resident, sondern romanisch Reubeni aussprach) überhaupt eine Erfindung späterer Legend« sei. Tatsächlich hat dieser Mann, der zu den sogenannten falschen Messiaffrn zu rechnen ist, gelebt und bedeutenden Einfluß auf sein« Mitwelt gehabt. Zunächst führte Brod sein« Zuhörer in anschaulicher Weise in die Zeit de« Auftreten« Reudsuis ein, nämlich in den Anfang des 16. Jahrhtmdertk. Damals begann die Renaissance, jenes Wiedererwachen de« Studiums der antiken Philosophie und schönen! Künste, jene groß« Befreiung de« individuellen Geistes, die den Menschen loSlkst« au« den Fesseln ständischer Eingliederung, und die Entdeckung der Neuen Welt, kurzum, der Renaissance-Mensch wurde -geboren. Nur die Juden waren unter dem Druck der Verfolgungen und Bedrückungen der spanischen Weltmacht ausgeschlossen von jener Befteiung' des menschlichen Geiste» und der menschlichen Persönlichkeit.

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