Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 11 (29.10.1925)
- Date
- 1925-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Breslauer meinöeblatt Amtliches Blatt der Synag »gengemeinde zu Breslau Schriftleitung: Verwaltungsdirektor Dr. N«bnltz, Breslau. Wallstraße - Verlag: Büro der Sgnagogeygemeinde. Breislau. Walmr. - / Tel. 3t 1612 tmjt<gcn{irtU: Lite 6 gesp. 3B>nn>ctrt-3*l[t obre bertn MRtaMMUHIWIIHIWnNWIMIIWmiraKUMIIIIHI Für die unter dem Namen des Derfaffer«! erscheinenden Artikel und die <3 und Anzeigrn-Annahme: Druckerei Th. Schotzfg Aktiengesellschaft, lau S. Neue Sraupenstraße Nr. 7 / Fernsprecher Ntng 8551 ü. 8552 13 Ofg. — Bet taufend«, Aufträgen Maya«. maMHiMitHiutHiiiiniHt,iiimHinmi<iiiiuiiimtiHiiHiiiNiiuHnNnNM«iimHai richten übernehmen wir nur die pressegesetzliche Verantwortung 2. 3aftra. 30. ftotoemfr* 1025 Otr. 11 Bekanntmachung! Nachdem der Herr Regierungspräfident durch.Verfügung vom IO.' November 1925 - I. 48. VI. Nr. 1851 - mitgeteNt hat, daß der Herr Oderpräfideut die Abschuitt« 2 und 3 und dir UrbergaugS« destimmuugen der »s« den Gemeiudekörperschafteu beschloffeneu neuen Satzung vom 27. August 1925 genehmigt hat, findet di« Wahl der Gemeindevertrefer «ach der ueve« Satzung und der von de« Gemeiudelörperschaftt« desthloffenen Wahlordnung vom 19. November 1925 statt. Wahltag ist Ssnntag^der 7, Sehruar 1929, vormittags 9 Uhr hk< nachmittags 4 Uhr. l Waihlleite» ist! Geheimer Atstizrat, Zandgerich«dirtklor i. R. Leo- Goldfeld/ Krouprinzenstraß« 73; i dessen Stellvertreter im BehinderungSfave »st Rentner Emil Waldstei«, HohenroÜernstraß« 77, und! dessen Stellvertreter im BehinderungSfall« ist Jnstizrat Felix Hirschberg, Wallstraß« 5.! ■, Wahl vor schlag« find bi« 17. Ja»»«ir 1929, mittag« 1 Uhr, beim Wahlleiter i« Gemeindebüro, Wallstraß« 9, «inznreichen. Erklärung«« über ListenverbinduNgea find bi« 27. Januar 1929, mittag« 1 Uhr, beim Wahlleiter im Gemeistdebüro, Wallstraße 9, schristlkch abzugeben. Die Liste aste» stimmfähige« Gemeindemitglieder (Wahlliste) liegt im Gemeindehüro, Wallstraß« 9, Erdgeschoß liuk«, Sitzung«- ,immer 1, vom 2 9. November bi« 2 2. Dezember 1925, vormittag« von 10 — 1 Uhr, werktäglich außer Sonnabend zur öffentlichen Einficht au«. Während drr Auslrgungszeit kau« jede« Groieindemktglted gegen, dir Richtigkeit der ^Wahlliste Einspruch! beim Vorstand« eiulege». Die! Bekanutsnachnng vom 21. Oktober 1925 (Nr. IO de« GemeiudeblatttS) «vird aufgehoben. Di« bisher eingereichteu Einsprüche bleibe« wirksam. : Bre«lau, den 20. Rohember 1925. 7 Der Wahlleiter. (gez.) Goldfeld. Neuorganisation üer jüdischen Wohlfahrtspflege ln Breslau. In der letzten Sitzung der Re^räsentantenversammlung ist die Frag« der Neuorganisation der jüd. Wohlfahrtspflege in der Gemeinde Breslau einer eingehenden Behandlung unterzogen worden. . Aut der Dorsthndtvorlag« ist im Wesentlichen folgende» zu erwähnen: Wie! allgemein bekannt sein dürfte, hiestehen seitens der Zentralwohlfahrttstell« der, deutschen Juden in Berlin seit längerer Zeit Bestrebungen, in den größeren Gemeinden eigene jüd. Wohlfahrtsämter zu errichten, die in Gemeinschaft mit! den übrigen Einrichtungen der jüdischen Wohlfahrtspflege, m-glichst unabhängig von der Gemeinde-Verwaltung arbeiten sollen. Tatsächlich haben inzwischen auch schon ehre Anzahl von Großgemeinden eigen« jüdische WohffahrtSämter errichtet, i Man verspricht sich von dieser Maßnahme eine besser« ArbeitSmöglichkeit,! eine Anspannung aller Kräfte und «ine bessere Verwendung und AuSnützung aller bestehenden Hilfsquellen. Letztere zu erschöpfen, ist unter des» jetzigen Wirtschaft-Verhältnissen «in dringende« Gebot der Stunde. Sehr häufig stehen jetzt Hilfsmittel de« Reichet und dev Länder, sowie anderer gemeinnütziger oder öffent- .icher Einrichtungen quch für die private urjd konfessionelle Wohlfahrtspflege der W« zur Verfügung. Wiederholt haben unser« Wohlfahrtspflege und andere hiesge jüd. Anstalten und Verein« bei der Verteilung solcher Mittel entsprechende Anteile erhalten; so z. B. au« der Deutschen Nothilfe, k« wird!,iechei auch auf die Verteilung der Iointspenden hingewiesen. Dat Reich, owte die in Frage kommenden Behörden weiten aber evtl, verfügbare Mittel niemals direft den Religionsgemeinschaften zu und sie lehnen auch ein« Verhandlung mit ihnen ab. Sie wollen nur mit solchen Einrichtungen verhandeln, die Spihenorganisationen oder Zentralstellen sind, in denen die betreffenden konfessionellen Anstalten und Vereine vertreten und zusaw mengeschlossen sein müssen. Unsere Gemeinde würde also bei der Verteil mg solcher Mittel ausgeschlossen sein; ein Zustand,'der schon aut Gründen der Parität nicht erwünscht sein dürfte. Aber auch in allen anderen Wohlfahrt«fragen, di« jetzt ständig auf Tagesordnung sind, wollen die Behörden nur'mit Zentralstellen arbeiten, an als» die jüdische Wohlfahrtspflege bei den staatlichen, städtischen und sonstigen Wohlfahrt«einrichtüngen vertreten sein und ständig« Fühlung haben jodi so ist schon aut diesem Grunde di« Schaffung «inet eigenen Wohlfahrtsamtes unumgänglich notrvendig. I j Roch eine ganze Reihe anderer Gründe sprechen'für die Aenderung dev jetzige« Verhältnisse. Ein« Anzahl neuer Gesetze für da« Fürsorge- und WohlfahrtSwesen sind in letzter Zeit in Kraft getreten. Wir erwähnen hier z. B. da« ReichS-Iugend-WohlfahrtSLesetz, die Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht und dergl. mehr. Weitere Gesetze und Verordnungen sind in Vorbereitung. I' . ' Di« Wohlfahrtspflege innerhalb unserer Gemeind« hat in letzter Zeit «inen außerordentlichen Umfang angenommen. Hierzu hat nicht nur der Zuzug in den letzten Jahren heigetragen, sondern auch die große wirtschaftliche Not, in der wir unt befinden. Vor dtm Kriege zählte unsere Gemeind« ungefähr 20 000 jüdische Seelen, während wir jetzt schätzungsweise mit einer Zahl von ungefähr 30 000 jüdischen Seelen zu rechnen haben dürften. Diese Umstände haben ei»« vollkommene soziale- Umfchichtung in alle» Großgemeinden, also'öttkchvei unt, herbeigeführt. Der Kampf um da« Dasein ist härter und schwerer geworden ünd auch «in großer Teil der jüdischen Bevölkerung — insbesondere des Mittelstandes — ist gänzlich verarmt und nicht in der Lage, di« notwendigsten Lebensbedürfnisse zu erschwingen. Di« Zahl der arbeitslosen und einkommenlosen Familien -und Einzelpersonen ist »n letzter Zeit erschreckend groß geworden. Mai» kann sagen, daß di« Zahl der Bedürftigen und Hilfesuchenden von Woche zu Woche im Steigen begriffen ist. Wie bereit« im Gemeindeblatt vom 26. Juni d. I. autgeführt würden ist, (in dem Artikel „Die Wohlfahrtspflege der Gemeinde Breslau") haben die Gesamtausgaben für da« Gebiet der sozialen Wohlfahrtspflege für dat Haushaltsjahr 1924/25 rund 160 000 M. betragen. Diese Aufwendungen dürften alS recht erheblich zu bezeichnen sein, da sie fast 20% detz GesamthauSbaltS der Gemeinde autmachrn1 dürften. Denn man die WvhlfahrtSauSgaben für da« erste Halbjahr 1925/26 heranzieht, so kann man daraus ersehen, daß die gesamten Aufwendungen steigen und — wak nebenbei: bemerkt werden soll — die^ etatsmäßigen Mittel de« Haushaltsplanes für 2925/26 nicht ausreicben werden. Die« um so inehr, weil im Winter stet« die Not steigt und sich die wirtschaftlichen! Verhältnisse voraussichtlich noch verschlechtem dürften. Ganz bedeutend ist die Junabnie der Z<chl derer, ’ di« einst bessere Tage gesehen haben, verschämt« Bedürftige sind und meist den besten Kreisen angehören. Man kan«, sich d«m Ernst der Ding keineswegs verschließen. Et muß aber andererseits — mit Rücksicht auf die Finanzlage der Gemeinde — mit den verfügbaren Mitteln aus das Allersparsamst« gewirtschaftet werden. ES kann nicht oft genug!darauf bingewjesenl werden, daß die jüdische Wohlfahrtspflege nür ergänzend eingreifen kann und soll. Et müssen di« öffentlich-rechtlich verpflichteten Stellen in allererster Reche in Anspruch genommen, werden. Hierzu gehört natürlich auch eine sach?. gemäß« Beratung der Bedürftigen und man muß ihnen die Wege ebnen, um ihr« rechtlichen Ansprüche zu fichem. Dieerfordert selbstverständlich eine ständige Fühlung mit den verschiedene!» Behörden, Vereinen und Organisationen sowie ein« ständige Kontrolle, ob auch tatsächlich die Rechte der Bedürftigen nicht verletzt werden. Eine sachgemäße Beratung der Bedürftigen ist aber auch erforderlich, um sie vor Weiterem Verfall zg schützen und zu versuchen, sie nach Möglichkeit wieder! einem geordneten Erwerb oder Beruf zuzuführ««. Gerade alle vorbeugenden Maßnahmen isind »ie gllerwichtigsten Aufgaben auf dem Gebiete derj sozialen Arbeit. Zu einer geordneten ersprießlichen Wohlfahrtspflege gehört »her auch eine <nge Zu-