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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1925-08-28 · 8 (28.8.1925) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1925)
Issue
8 (28.8.1925)
Date
1925-08-28
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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120 »> 33rt<t auer Svblsche« Äemelnbeblatt Nr. 8 b«r sich mit praktischen Fragen in jüdisches Einrichtungen und Per«« sönlichkcite» zu beschäftigen bat, ei» unentbehrliches Nachschlagewerk ist, so dürfte es sich aucb für die wiffenschafttlich« Bearbeitung des! in ihm «nrbaltenen nahezu erschöpfenden MaferialS als eine brauchbare Grundlage erweisen. n flus öem vereinsleben. Kurse für Wohlfahrtspflege. Von der ZentralwohlfahrtSstelle der deutschen Juden wird uns folgendes mitäeteilt: Die Neue Fürsorgegefetzgebung und «ren praktische Bedeutung für die jüdische Arbeit, sowie die inner« Ausgestaltung der sczialen Fürsorge selbst, stellen heute grüße Anforderungen an die Träger der jüdisch-sozialen Arbeit. Um diese zu schulen und über plle bestechenden^Einrichtungen und alle Zuständigkeitsfragen möglichst eingehend zu informieren, hat die Zentralwohlfabrisstelle sich entfchloffen, vom ü. — v. September 1925 einen Kursus für praktische soziale Arbeit in Berlin zu veranstälten. Sie >bill mir diesem Kursus vielfachgeäußerten Wünschen und Anfragen entgegenkommen. Der Lehrplan giesst Vorlesungen und Vespreckningen über: D l e Organisation der allgemeinen Wohlfahrtspflege vor. (Die Tsurchführung der Verordnung über die Fürsorgepflickt in den Großstädten. Die Durchführung ,des Reitbsjügendwodlfabrtsgefetzes auf Grund vorliegender Satzungen. Die Miitslbeschaffung.) Die Organisation der jüdischen Wohlfahrtspflege. (Aushau und Zusammensetzung eines jüdischen Wohlfahrtsamts und eines! Provinzial- bzw. Landesverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege. Ausbildung und Anstellung jüdischer Sozialbeamter. Wirtschaftliche Fürsorge, GesundheitS- und Erbolungsjürsorge, Gefabrdetenfürsorge uhd BerufSfürsvrge unter Berücksick,liigung der örtlichen Verhältnisses Die Durchführung von überlokalen! jüdischen Organisationen.) i e Durchführung der praktischen Fürsorge. Ermtttlungrn. Sprechstunden. Pflegschaften. Zusammenarbeit mit den jüdischen Vereinen, Stiftungen, Anstalten und der Gemeinde. Zusaihmenarbeit der allgemeinen und konfessionellen Wohlfahrtspflege. Vertretung bei der Behörde. Technische Einrichtung eines Wohlfahrtsamtes. A n ni e l d u n g e n werden! bis spätestens 2 5. August an die wo blfabrts stelle, G e s ch a f t s st Berlin 0. 2, eile der Zentral- Rosenstrasie 2—4, erbere». Eine Teilnehmergebühr wird richk erhoben I , i Fürsorge für schulentlassene Knaben. - Hermann Cohen hat unter den Vdrschlägen zur Sicherung unseres Fortbestandes auch die Begründung von vehrlingsheimen und Klubs für Jugendliche gefordert und diese Ansicht müßten alle Glaubensgenoffen,' die die Gefährdung unserer Jugend schmerzlich empfinden, jidj zu eigen machen. Von dieser Forderung ausgehend, bat die Breslauer Ortsgruppe des Jüdifchejn Frauenbundes vorläufig im kleinste» Maßstabe vor etwa drei Mtznaten Abende für schulentlassene Knaben eingerichtet, um ihnen dort Gelegenheit zu bieten, nach Arbeitsschluß ihre freie Zeit, mit der sie meist nichts stnzufangen wissen, nutzbringend und angenehm zu verbringen. - Im Sommer wechselten - sportliche Veranstaltungeü, Wanderungen mit belehrenden Vorträgen und gemeinsamer Lektüre ab,- für die sich in liebenswürdiger Weise. Herren äus dem Rabbinerfemchiar, sowie au» den Lehrerkollegien der Irischen Schulei und : der Religion« UnterrichtS-Anstalt 11 zur Verfügung gestellt habe«. Nach dem ernste» Teil vergnügen sich die Besucher bei Schach unb anderen Spielen, wobei Tee und Gebäck gereicht wird, am Freitag Abend auch' BarcheS. Für den Winter ist auch ein HändfertigkeitSunterricht vorgesehen, und bei regem Besuch sollen verschiedene Gruppen gebildet werden, damit di« einzelnen Mitglieder einander näher treten. Wir legen allen Eltern di« dringend« Bitte ans!H«rz, ihre Söhne, di« vielleicht sonst ihre Abendstmtden in Kinos oder.sonstigen Vergnügungsstätten verbringen, uns anzuvertrauen. Unsere Erziehungsarbeit soll den Elter» eine tatkräftige Unterstützung sein in dem gemeinsamen Bestreben, brave, gesinnungstreue, jüdische Menschen beranzubilden. Die Abende (von Montag bis Freitag) finden im Schullokal, Anger 8, von 8-^10 Uhr statt. Meldungen werden bei Frau Rabbiner Dr. Sänger, Schwcidnitzer Stadtgraben 8, entgegengenommen (3 — 4 Uhr). Dort wird auch jede weitere Auskunft bereitwilligst erteilt. | ” Aboptionsvermitilung. Am 6. September d. I., vormittags I I Ubr, fiüdet in Berlin, Rosenstraß« 2/4, eine Besprechung über Adoptionsarbeit statt. Diese Besprechung wird vom Jüdischen Frauenbund einberufen, der dazu Einladungen an die einzelnen Adoptionsvermittelungöstellen innerhalb des Jüdischen Frauenbundes, an die beiden Jüdischen Sammelvormundschaften in Frankfurt a. M. und Berlin, an di« Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden und an einige Mütter- und Kinderheime, hie sich besondere mit Adoptionsvermittelung befaffen, hat ergehen lassen. Interessierte Stellen, die keine direkte Einladung erhqlten haben, sind hiermit freundlichst. aufgefordert, sich an dieser Besprechung zu beteiligen. Vor allem richten wir diese Aufforderung an Vertreter jüdischer Wohlfahrtsämter, die zü dem Schulungskursus für soziale Arbeit, veranstaltet von der Zentralwohlfahrtsstelle vom 6.-9. September d. I. in Berlin sind. Meldungen erbeten an: Die Geschäftsstelle der Adoptionszentrale, Elberfeld, Gcnizgfnmkeit- Straße 7.! Frau H e n r i e t t c Man, | Schriftleitung des Jüdischen Frauenbundes, Berlin-Wilmersdorf, Giesclerstraßc lj6. Feierlagsvorbereitungen. Wir sieben am Beginn des Monats, der uns die boben Feste bringt, und »der betreibt di« Feiertagrvorbereitungen auf seine Art. Jeder nachdenkliche Mensch wird gerade setzt, trotz aller Alltagsbgst, zum Nachdenken gezwungen, jeder sollte sich prüfen: Habe ich meine Mcnschenpslichtcn erfüllt, kann ich reinen Herzens den Festtagen entgegensetze»? Und da tauchen di« uralten Gebote unserer Religion wieder auf: Geben — Helsen — Freude bringen — Gerechtigkeit üben! Und da« tut in unserer heutigen schweren Zeit mebr Not al« je, denn eine ganz« neue Schar Hilfsbedürftiger ist erstanden. Alten und Kranken zu belsen, war von jeder oberste« Gebot tzer Juden. Kindern zu belsen, ist da« selbstverständliche Gebot jede« denkenden Menschen, der nicht nur für den Tag, sonder» für die Zukunft sorgt. Aber mitten darin die Schar derer, die arbeiten müssen und arbeiten wollen, die beut, ' nicht mebr jung, nur unter Aufbietung aller Kräfte imstande find, da« Leben mühsam zu fristen. Und djinn die große Schar derer, an die wir nicht denken können, ebne daß uns das Herz erzittert. Es find all« die, di« noch vor wenigen Jahren wohlversorgt, behütet, viele sogar reich waren. Die all« selber gegeben, selber gebolfen babcn und djie ein unerbittliches Geschick in« Unglück gestoßen hat. Di« Abteilung Erholungsbeim für erwerbstätige jüdische Frauen und Mädchen und Rentnerinnensürsorg« des jüdischen Frauenbundes hat es sich seit m«hreren Jahre« zur Aufgabe gestellt, dem Sinn« eines Frauenbundes gemäß vorerst einmal den von diesem Schicksal betroffenen Frauen zur Seite zu stehen. Ihnen wollen wir helfen, ihrer wollen wir uns annebmen! Wir wissen febr wohl, daß wir da« schwere Geschick dieser Frauen nicht ändern können, aber wir können versuchen, etwa« Freude in ibr Leben zu bringen. j Froh« Geselligkeit vereint Un« im Winter zweimal wöchentlich und musikaliche und deklamatorisch« Vorträge bringen un« geistige Anregung. Im Sommer hatten wir dar Glück, 76_ erwerbstätigen Frauen und Mädchen «in« Erholung«, oder Badereise »erschaffen zu können. Durch di« notwendig« Badekur, durch Aufenthalt in guter Luft und durch die Freudt an der Natur find sie erfrischt und gestärkt zurückgekehrt und können nun wieder den Kampf mit dem Leben aufnebmen. - Nun wollen wir di« Winterarbeit beginnen find als Anfang davon wollen wir zum Neujahrsfest «in wenig Festesfreude denen bringen, denen di« Festtagslichter, die fit doch einst gewLhnt waren, jetzt nicht mehr freudig leuchte«. Wir «ollen un» auch fernerhin, wie in den Vorjahren, bemühen, jeden Feiertag zu einem Fest zu gestalten. Denen, die einsam find, wollen wir Geselligkeit und geistige Anregung bringen. Denen, die andere, materieller« Hilfe brauchen, «ollen wir versuchen, auch diese nach Möglichkeit ju vermitteln.

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