Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 7 (28.7.1925)
- Date
- 1925-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 e Breslauer Jüdisches Gemeinde btatt 1v3 Abschnitt noch rechtzeitig zu den Wahlen im Dezember 1925 Wirksamkeit erlangt. Sowohl vom Vorsitzenden und den Mitgliedern ber Repräsentanten-Versamnlung als auch von Vorstandsmitgliedern wurde dieser Antrag fw' sehr beachtenswert gehalten, aber gleichzeitig darauf hingewiesen, daß auch bei dieser Abtrennung die Genehmigung dep Behörde nicht rechtzeitig ein: ressen dürfte. Denn gerade dieser Abschnitt weiche in wichtigen P mkten, £ B. im Frauenwahlrecht, von den Bestimmungen des Judmgesetzes von 1847 ab, so daß die Genehmigung nur nach Bericht an °daö Ministerin» erteilt werden dürfte. Auch die getrennte Beratung des einen Abschnittes würde in der Repräsentanten-V« ssammlun > (zweite Lesung) fast einen Monat beanspruchen, da die Fristen dee § 120 der Gemcindesatzüng intu* gehalten werden müssen, woraus der Vorstand seinerseits über die Aeftderungen der Repräsentanten Versammlung mit denselben Fristen m erster und zweiter Lesung beschließen müffe. Der Antrag an die 2«gierung könne daher kaum vor Mitte September gestellt werden. pätestenS am l. Oktober müsse aber die Satzung genebmigt sein, wenn die Fristen für die Auslegung der Wahllisten und für Einlegung der Einsprüche gewahrt werden sollen. Daber sei es auch für di« getrennte Behandlung d s Abschnittes über die Wahlen zur Gemeindevertretung schon Einigkeit herrschte in der Repräsentanten-VersammIung darüber, daß eine nochmalige Verlängerung der Mandat : nicht in Betracht komme. Es ist also damit zu rechnen, daß die Ncuwahl im Dezember 1925 noch nach den Bestimmungen der alten Satzung stattfindet. Dr. R e ch n i tz. Tcgung kbineryerbandes in Köln. n CRq des Allgemeine Am 3. Juni fa rd in. Köln die Hauptversammlung des Allgemeinen! Rabbinerverbandes sta t. In den schweren letzten Jahren batte des Verband auf allgen eine Mitgliederversammlungen verzichten und sich dam« begnügen müssen, Sitzungen des Zentralausschusses zu veranstalten, zu ocncn die in der Nachbarschaft des Tagungsortes amtierenden Kollegen, auch soweit sie nicht dem Zcntralaueschuß angehörten, eingeladen wurden. Die letzte, sehr gut besuchte Sitzung des Zentralausshuß fand im April 1924 hier in Breslau statt, während die letzte allgemeine Mitgliederversammlung im Mai 1921 in Frankfurt a. Bt. getagt bat. Diesmal war Köln als Versammlungsort gewählt loorden, mit Rücksicht auf die Jabrtausendfeier deS Rheinlands, die in diesem Iabre zablreiche Kongresse nach Köln führt. Dee eigentlicken Tagung ging am Spätnachmittag deh 2. Juni eine ven der Synagogengemeinde Köln veranstaltete Begrüßung voraus. Der Vor itzende des Gemcindevorstands, Herr Blumenau, begrüßte hie Tagung in berzlichen Worten, in denen er die Bedeutung der Wirksamkeit der Rabbiner würdigte und auf die Rbeinlandfeier mnd auf die jükische Abteilung in der Jabrtausendarzsstellung hinwieö. Gemeind« rabbiner Dr. Rosentbal überbrachte dir Grüße der Kölner Kollege», Gemeinderabbiner Dp. Kober die Grüß« >drr beiden Kölner Bne Briß-Logen, in "deren! Räumen die Tagung stattfand, Dl. Hörter-Frankfurt die Grütze detz Verbandes jüdischer Lehrervrrein«, der zu zleicher Zeit im selben Hause tagte. Der Vorsitzende des Rabbinen «rbandes, Dr. Baeck-Berlin, führte in seinen DankeSworien aus, tafi die deutschen Juden sämtlich gesckichtlich und geistig «ut dem R Umland eng verknüpft jtüd, und wieS auf die große Bedeutung des Rheinlands mit seiner alten jüdischen Kultur für die geistige und wissenschaftliche Entwicklung des deutschen Judentums hin. Die eig Etlichen Verbandlungen nabmen den ganzen folgenden Tog in An pruch. Auf die Eröffnungsrede des Vorsitzenden folgt« entsprechend feststehender Gepflogenbeit ein wissenschaftlicher Vortrag, in dem Wiener-Stettin ik feinsinniger Weise auf Grund seiner eindrir genden Forschungen die jüdischen und du griechischen Elem nie in der Gotteslehre-^Maimunis bebandelte. Der von Dienrmann-Dffenbach erstattete Geschäftsbericht zeigte die ttotz der gerade in dir Bericht!zeit ganz besonders ungünstigen Verhältnisse vielseitige Tätigkeit d, S Vorstandes. StanbeSfragen vcrschiedener Art sind b bandelt worden, und in zahlreichptt Fällen hat der Vorstand allgemeine Angelegenheiten des religiösen Lebens in Verbandlungen mif den Behörden bearbeitet. Koper-Köln, der überaus verdienstvolle Veränfalter der Jüdischen Abteilung der Kölner Jahrtausend« aSstellung, hielt einen außerordentlich fesselnden Vortrag: „Aus dem Geistesleben des rheinischen Judentums". Alles, was die verf »ebenen Ansprachen hatten ankljngen lassen, wurde hier eingehend den Hörern dargelegt. Er führte von den ersten Ansiedlungen der Jut:n im Rheinland zur Römerzeit bis in unsere Gegenwart, die V erfolgungcn und Vertreibungen des Mittelalters und der ersten Iah hunderte der Neuzeit wurden erwähnt, vor allem Stellung der Juden im Rbeinland während der r" mehr als 1600 jährigen Geschichte aufgezeigl» Von dem Entsteh« t jüdischen Geistesleben» im Rheinland durch die Anfiedlung der auf Italien stammenden'Familie Kalonvmoe an bis das Rheinland stets nicht nur das Geistesleben stark, zum Teil entscheidend beeinflußt. Die aber die kulturelle ganzen Dauer ihr in unsere Zeit Hai der deutschen Jude i Eigenart der rheinischen jüdischen Wissenschaft, ihp enger Zusammenhang z. B. mit d^r der französischen Jude», abdr auch ihre Selbständigkeit wurde dargelcgt. Was Kober in seinem hochinteressanten Vertrag gegeben hatte, wurde in der Ausstellung, in der «r am folgenden Tage in iebenswürdigster Weife die Führung übernahm, sichtbar bestätigt. Don der photographischen Nachbildung einer alten - Handschrift des Et ktS Kaiser Konstantins e»n dem Magistraten Köln vom Iabre 521,! in dem von den Magistratckämtern der Kölner Juden die Rede ist — es ist die älteste urkundliche Erwähnung der Juden auf deutsch«»'Boden — bis in die Gegenwart ist mit größtem Fleiß und mit ajißerordentlicher Sachkenntnis rin überaus reichhaltiges Material zur Geschichte und Kulturgeschichte der Juden im Rheinland zusammengetragem Das Verdienst der Veranstalter der Ausstellung kann ^ar nicht genug anerkannt werden. In'der Tagung selbst boten die eingehenden Referate von Horovitz-Frankfurt und Levi-Mainz (frühe! in Breslau) über den „Rabbiner und di« soziale Arbeit" eine Füll: von theoretisch Wissenswertem und von praktischen Fingerzeigen! und Anregungen. Die durch Krieg und Nachkriegszeit gänzlich j veränderten wirtschaftlichen und sozialen Zustände, die- Notwendigkeit! die frühere Wohltätigkeit durch Wohlfahrtspflege und soziale Fürsorge zu ersetzen, die große Aufgabe, die dem Rabbiner daraus erwächst,! wurde dargelegt, die neuen Gesetze und Verordnungen über daS! Fürsorgewesen, die Jugendwoblfabrt u. dgl. beleuchtet, und die Aufgabe deS Rabbiners in den WoblfabrtS- und Jugendämtern skizziert. Nach einem Referat von Rosentbal-Köln über die Universität in Jerusalem schloß der Vorsitzende um 7 Ubr abends die arbessSreicke Tagung. T Im Zusammenhang mit der Tagung standen zwei Vortragsabende, am 2. Juni ein Vortrag von Seligmann-Frankfurt über „GotteSsuchcr im Judentum" und am 3. Juni ein Vorfrag, den der Vorsitzende des Verbandes und derzeitige Groüpräsideint der Bne Briß-Logen in Deutschland, Dr. Baeck, in den vereinigten beiden Kölner Logen über „Deutsches und amerikanisches Logenwesen" dielt. Die Rabbinerversmnmlunq war "von etwa 100 Rabbinern, namentlich aus dem Westen, dtm Süden und aus Mitteldeutschland besucht, der Osten war allerdings ziemlich späflich vertreten^ Aus Breslau nahmen ,die beiden Gemeinderabbiner teil. Die Tagung bot das erfreuliche Bild, daß trotz aller Verschiedenheit dijr religiösen Richtungen, die keineswegs verleugnet oder verwischt wurde, die Möglichkeit und der Wille zur Zusammenarbeit allseitig vorbanden ist, und daß es zahlreiche Fragen, und zwar die wichtigsten, qiht, in denen über alles Trennende hinweg ein einheitlicher Zusammenschluß möglich und geboten ist. Gcmeinderabbiner Dr. Vogelstein. > — Lin hebräisches Gebetbuch für Blinde. (I.' T. A.) Im Budapester jüdischen Blindeninstitut, einer Stiftung der Jndustriellenfamilie Wechsrlmann, fand vorige Woche die diesjährige Schlußfeier statt. Tiefen Eindruck erweckte cs bei den zahlreichen, zum großen Teil aus Fachmännern bestehenden Gästen, daß die Zöglinge die hebräischen Gebete aus dem' von der Jüdischen Gemeinde berausgegebenen hebräischen Gebetbuch für Blinde fließend ablesen konnten. Anstaltsdirektor Simon Adler machte die interessante Mitteilung, d>»ß das im Budapesser jüdischen Blindeninstitut -gebrauchte hebräische Gebetbuch das erste hebräische Buch für Blinde in der ganzen Welt ist. Die ausgezeichneten Erfolge, die mit diesem Buch in Budapest erzielt wurden, haben nun auch^ die Leiter der jüdischen Blindenanstalten in anderen Ländern veranlaßl, an die Herausgabe hebräischer Lehrbücher für Blinde zu schreiten.!