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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1925-06-26 · 6 (26.6.1925) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1925)
Issue
6 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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«Breslauer Jüdisches Semeknbeblat« 8y- Dief« Hingab« an Gott ist dem Jüdin möglich, weil^ war im zweiten Abschnitt der Buch«» ««läutert wird, di« Gottesidee biersür die grundlegende Voraussetzung bildet. Den in. dar von Mose gestiftete Judentum überkommenen atavistischen Begriff vom Gott der Rache und der Strafe wandelt die jüdische Auffassung sebr bald um in den Begriff de« gerechten Gotte« der Gnade, Heb« und Glitt. Gott erzieht, daber must er mabncn und drohen, und so wirkt er fördern» aus die fit licht Verrslichtung de» Menschen. Dies« fordert fromme Ehrfurcht vor Gott, «in« sich »> Nächstenliebe betätigende Lebenrsübrung, Gottvcrlrauin, d. h. „Ergebung in dar unbedingt Richtige im Unergründlichen", endlich aber fordert d e fittlichc Verpflichtung vom Juden „die fittliche Tat". Für diese gibt er vier UN ereinander gleich wertvolle Formen: da« Gebet, den Kultur, dar Studium der hiligen Lehre, dar sozialethisch« Tun. j Darau« erbellt, daß für den Juden fittlicke und religiöse Tat gleichbedeutend find. }a« nennt Zigler Gotleetienst, aber nur dann, wenn der Mensch dabei r echten Gesnstung zu Gott durchglübt ist, „denn jeder Gottesdienst, im oder weitere«; Sinne, er sei Gebet, Ritu«, Tborustudium oder Nächstenliebe, ivird ein Betrug an Gott und Menschen, wenn : tr irdisch«, menschliche Zwecke verfolgt." . Die Religion, und sie allein, da« ist „dar £«&^J^''Cll einer nicht wirklichen, aber wahren Welt", besäbigt den Menschen, dentrestlo« nie erreichbaren, aber /eben deshalb stet« iia Auge »u behaltenden Ziele nachzststreben, immer gottähnlicher l» werden. . Da« innig« Verhältnis zu Gott führt den Juden [ nui den richtigen Weg, den des Mensch zum Menschen zu gehen ha». Hillel« „war Du nicht willst, dafi mau Dir'» tu ", Rabbi Akiba« „Liebe deinen Nächsten, wie gcbung find untrügliche Zeugen für die Richtung dieser Wege«. Die jüdische Ethik macht aber beim Menschen nich^Halt, fie rückt auch da« Pcrbältni« de» Mcuschcn zum Tier trägt, die einem liSmuI werde Begri gcnostc se find. Ziegler« Buch zu diesem Zi l«. u Dick selbst", und die biblische Sozial- und Fremdengesctzin den Kreis ihrer Forderungen. Alle dies« Gedanken, die Ziegler in der Form de» „Vorbemerkung" vorbelegt er nun mit einer Fülle von Stellen au« den heiligen Schriften, in hebräischer und deutscher Sprache bringt. Somacht er e« tatsächlich jeden möglich, die sittlich« Kraft, die liefe Religiosität, den boben^ Jdeader heiligen Schriften aus sich wirken zu lasten. In dem Mast , wie die Kenntnis der Bibel das Vademecum der Juden muffe fick «ine Abkehr vom Götzen der 'Zeit, dem Mannnon und der Genus such« bin zur Seele, zum Goticrgcist, zur fittlichen Kraft vollziehen. Der Huma iitäl«pbilister le« 19. Jahrhundert« müsse sich dann in den von hoben Ideal» erfüllten Menschen wandeln, dem sittliche und religiöse" Tatj gleich« da« ein jeder lesen und leben sollte, ist Führer utid Weg- Dr. xbil. et jur. Ludwig C o h n. >' dem vereinsleben. U . jüdisches Brockenhaus „peah" E. V. - Die durch die Kriege- und Nachkriegszeit unterbrochene Tätig- | keit des Vereins soll nunmehr wieder aufleben. Es soll zunächst die Kleldersammelstelle [ in Tätigkeit treten; a^S Raummangel können vorläufig nur Klei - > dunjgsstücke, Wäsche, Hüte und Schuhe angenommen j werden. Die Gemein bemitglicder werden gebeten, solch« Gegenstände, soweit fie nur irgendwie entbehrlich find, der Peah zu überlaffen. Infolge der außerordentlich großen Not, die durch die wirtschaftlichen Verhältnis?« bedi rgt ist, 'werden abgelegte Kleidungsstücke aller Art 1 für unsere bcdürf igen Glaubensgenoffen dringend benötigt. Es ist zu hoffest und zu wiufche«, baß der Verein Lurch die Mithilfe der Gemeindemitglieder feine segensreiche Tätigkeit wie früher auSzuübcu in deit Lage ist. Die Sachen werden bei den Spendern gern abgeholt, entsprechend« Mitteilungen werden erbeten an das Büro der „Peah"^ Deffauer Straß« 8. Telephon Ring 6185.! G. __t, ' , Verband der Synagrgen-Gemeinde« der Regiernngrdezirke Brerlau und Liegnitz. Verwaltungrberichtfür >924/25 (28. Geschäft«fahr). . Seit acht Jahren zum ersten Male wieder erscheint der Jabrerberich» im Druck. Di« Hauptversammlung vom 25. Mai 1924 bat dem Verband di« Möglichkeit geschaffen, sich wieder etwa« freier zu beweg«, durch den Beschluß, haß jede« oddentliche Mitglied zur 'Bestreitung der Bedürfniste der Verband«« einen Jahrcrbeitrag von 2 Mark für jeder steuerzablcnde Mitglied der betr. Gesiiciut« zu leisten habe. Im allgemeinen haben die dem Verband« angeschloffenen Gemeinden die entsprechenden Beiträge geleistet. Aber eine Anzahl bat cuich diesen gewiß mäßigen und1 deshalb wobl erschwingbaren Betrag Nicht gezahlt lmh, war besonder« hervorgeboben werden muß, selbst einige der größeren und unbedingt zahlungrsäbigen Gemeinden haben sich [ mit einem Pauschbetrag absinden zu sollen geglaubt, aber auch nicht annähernd ibre satzung-gemäße Zahlung«-/ Pflicht erfüllt. Um so dankenswerter zu begrüßen ist die Opferwilligkeit der Gemeinde Breslau, di« für 1924 wie für 1925 im Bewußtsein ibrer Verpflichtung. gegenüber leistungsschwachen oder ''gar leisiungrunfgbigen Schwestergömeinden den .Beitrag für den Verband in einer der Zahl ihrer stcuerpslichtigen Mitglieder annähernd entsprechenden Höbe bewillig» bar.! > Die unseligen Krieg»- und die vielleicht noch schlimmeren darauffolgenden ' Jahre batten in den Bezirksgemeinden ein« Gleichgültigkeit gegenüber allen jüdischen Angelegenheiten bervorgerusen und verbiieiler, die da« Schlimmste für dar nieder- und mittelschleftsche Judentum befürchten ließ. Sollte nickt ein „Zu spät!" eulgegentönen, so mußte mit allem Nachdruck «ingegrisscn werden. Da» Wichtigste schien eine Regelung der Religionrunttrrecht«, die er jedem'jüdischen Kind« iu den angeschlostenen Gemeindien ermöglichte, in der Sprach« der Väter die wichtigsten Gebet« mit Verständnis zu leien, di« Grnndlcbren unsere« Glauben« kenncnzulernen und sich mit der Geschichte unserer Ahne» vertraut zu machen. , Insoweit di« angeschlostenen Gemeinden eigene Beamte besitzen, haben sie sich ' gern in den Dienst auch ihrer unversorgten Na, cbarqemeindcn gestellt und dort de« Religionsunterricht übernommen. Zu den dadurch entstandenen Kosten find ' vom Verband« Zuschüste geleistet. ' j I Ganz besonder« notleidend waren in diese Hinsicht verschiedene Vororte der Kcmeinde Glatz: In Neurod«, Altbeite, Kc dowa, Habelsckwerdt, Langeyän würde seit Jahpen Religionsunterricht nicht «r»ci t. Die schulpflichtigen Kinder sollten nach Glatz kommen, um daselbst dem Unte -richt beizuwobnen, machten von dirseiu Recht aber keinen Gebrauch, weil ihnen r:«r ihre» gesetzlichen Vertretern diese Reisen zu umständlich sein mochten. In lindeck, wo sich seit einiger Zeit eine eigene Swnaqogengemeinde gebildet bat, ist itit einigen Jabrcn während de» Winters jüdischer Religionsunterricht in uberau» dankenswerter Weise von einem dazu besonder« befähigten Gemeinemitgliede erteilt worden. Im' Sommer aber war die« unmöglich, weil der bctressend« Herr dann von seinem Berus in Anspruch qenomnicn war, und im Winter war er nickt inmer am Platze. Auf Antrag d'e« Aurschuster bat die Gemeind« Glatz ihrem E eamten Lcdermann gestattet, de» Religionsunterricht an den angegebenen Plätzen s« bst zu erteilen, und die Berichte, die Herr'Ledermann allmonatlich über seinen Um erricht erstattet,, lasten di« Hoffnung erstehen, daß di« Saat, die er hiep aurstrcut, reiche Früchte tragen werde. Die entstehenden Unkosten trägt zum großen Test der Verband. In ähnlicher Weis« bat die Gemeind« Oes« ibrem Beamten Wolfs die Ermächtigung erteilt, in Bernstadt, wo der Prediger Wolfgang infolge schwere» körperlichen Gebr/chcn» leider nicht mehr in der! age ist, seine» Amte« m waltertz >u unterrichlcn. Auch anderwärt« sind derart, ze Versuche mit Erfolg unleenommen. Wo ein solcher Unterricht aber nicht mö> lich war, bar- «in von uti« anaestclller Bezirke-Lebrer ihn Am I. 2 ugust 1924 trat Herr Richard Czdllack au« Hannover, der sein« Ausbildung , n der Berliner Lehrerbildungs- Anstalt genesten batte, sein Amt an. Mit «in:m nicht gewöhnlichen Orqanisaticnstalznt ausgestattet, hat er iS i» kürzester Frist verstanden, die Kinder in den ihm anvertrauten Gemeinden Neumarkt, Tr cchenbtrg und Trebnitz, in Ober- ' n,gk und Deutsch-Liffa, so »onväpt» zu bring n, daß Herr Gemeinderabbiner Dr. Hossmann gelegentlich seiner'Revisionen m Frühjahr d., I. sich "mit der höchsten Anerkennnng ebenso über die Leistungen wie über die Sckulzuchk der Kinder aussprach. V Neben dem Religionsunterricht war e« de, Gottesdienst, dem Herr Czollack feig Augenmerk zuwandte. In Reichenbäch, G -oß-Warlcnberg, Sprcttäu, Freiburg, Militlch, Trachenberq, Gubrau, Neusalz, Frbustadt, Loewrn hielt er — zum Teil wiederholt — Gottesdienste* mit Pighigl ab, und die Berichte, die darüber au« den Gemeinden zugingen, zeigten, I l>ic er es verstanden bat, überall da« Jnterestt seiner Hö,cr zu wecken, und damit jüdisches Leben in den Gemeinden wackzurufe«. , ’ Hier und anderwärts veranstaltet« Herr C ollgck auch Vorträge über jüdische .Themata, die gleichfalls überall starken Antlang andcn und den Gemeinden Anlaß gaben, un» gegenüber ihren Dank auszusprcchen J Di« Erfolge, die mit Hilfe diese« Lehrer« und Vorbeter« aus dem Gebiete de« Religionsunterricht« und de» Gokicrdienste«, sowie der Belehrung durch Vorträgc erzielt worden find, sollen ein Ansporn sein, wciterzuarbeiten. E« besteht . tk Absicht, allmählich dabin zu gelangen, da«, kein jüdische« Kind im Bezirk J äbite Religionsunterricht bleibt, daß kein« jüdi che Gemeind« dauewtd «ine« qe- ,einsamen Gottesdienste« entbehrt und daß jed« Mitglied einer Gemeind« auch bin und wieder durch anregende und belehrend! Vorträge über jüdische Fragen Gelegeubeit erhält, mit Verständnis di« das I identum bewegenden Kegenwart»- fragen zu verfolge«. j

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