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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1925-04-28 · 4 (28.4.1925) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1925)
Issue
4 (28.4.1925)
Date
1925-04-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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54 Breslauer Jüdisches Semeinbeblatt Nr. 4 durch Krankheit und Altcrsbeschwerden genötigt, vor wenigen Monaten sich zu seinem außerordentlichen Bedauern gezwungen sab, aus dem Gemeindevorstande auszuscheii en, wurde er durch cinstimpugen Beschluß des Vorstandes und d rr Repräsentanten- Versammlung;um Gemeindcältesten ernannt mit dem Recht, auch weiterhin air allen Beratungen des Äorstandes teklzunehmcri. Es war dem Dahingeschiedenen Herzensbedürfnis, von diesem seinem Recht, der Gemeint Verwaltung auch weiterhin als kluger Berater zur Seite zu tshen, bis' in leine letzten Lebenstage Gebrauch zu machen, und noch auf feinem Sterbebette beschäftigten ihn die Pläne, dic mit dem Terrainerwcrb für die Erweiterung der Friedhöfe Lohestraße und Eoscl züiammenhängcn. Wie die Gemeindekörpcrschaften durch die Ernennung des nunmehr leider Äerblichenen zum Gcmcindeältestcn ihm eine hohe Freude bcieiteten und wie er mit Stolz von dieser einzigartigen Ehrung sprach, so hat unsere Gemeinde durch diese Ehrung die unerschöpfliche Dankbarkeit, die sie dem dahingeschiedcncn edlen Manne schuldet, leider nur in geringem Maße zum Ausdruck bringen können. Die unermüdliche Schaffenskraft unseres Herrn Eduard Sachs war aber mit seiner erfolgreichen Wirksamkeit für die Interessen unserer Gemeinde bei weitem nicht erschöpft. Seine Lieblingsbctätigung waren die Werke der Nächstenliebe,, die in der Fürsorge für Kranke, Altersschwache und Sieche zum Ausdruck kommen. Am 27. April 1879 also vor 46 Jahren in den Vorstand der Israelitischen Krankcn-Verpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft gewählt, bat er in der unermüdlichen Hingabe an die Fürsorge für Kranke und Bedürftige seine aufrichtige Befriedigung gefunden. 1890 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden und 1895 nach tzcm Heimgang'des Herrn Jacob Freund zum Vorsitzenden des Vorstandes dieser humanitären Gesellschaft gewählt, welches Amter seitdem und bis zu seinem Tode ununterbrochen beskleidcte. Was Herr Lachs in dieser seiner 46 jährigen Tätigkeit!um die Entwicklung 'unserer Chewra Kadischa geleistet hat, rtniß jedes Mitglied unserer Genteinschaft mit tiefster Dankbarkeit, erfüllen. Sein schöpferischer Geist, seine unermüdliche Arbeitslust und Arbeitskraft haben die Iftaelitische Kranken-Derpflcgtlngs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft zu der allseitig anerkannten Höhe in der Erfüllung ihrer heiligen Ausgaben geführt. Bald nach seinem Eintritt in den Vorstand erkannte! Herr Eduard Sachs die räumliche Beschränkung und die hygienischen Mängel, die dein alten Hospital in der Antonienstraße anhafteten» und uVicmutMicb war er bemüht, hier Verbesserungen durchzuführen. Sein Bestreben, dic Fürsorgetätigkcit der Ehewra kadischa auch auf Altersschwache und Sieche auszudehnen, war von Erfolg gekrönt. Im Jahre 1883 wurde die bis dahin im alten Krankcnhause auf der Antonienstraße untergebrachte Waisönanstalt in ein eigenes Grundstück nach tzcr Gräbschenerstrasße verlegt und das Hospital erwarb gegen: eine einmalige Entschädigung von 20 090 Mark die frei gewordenen Räume tzür dic Zwecke des neu zu errichtenden Alters- und Sieckßnhausrs, bicrmit einem dringenden Bedürfnisse abhclsend. Die innigen freundschaftlichen Beziehungen des Heimgegangenen zu dem auf dem Gebiete der Wohltätigkeit vorbildlich wirkenden Herfn Rittergutsbesitzer Julius Schottlqender s. A. veranlaßten diesen, auf einem Gelände an der Kirschallce in Kleinburg die fast 70 Insassen Platz bietende Israelitische Altersversorgungsanstalt zu errichten und dieses Heim der Israelitischen Kranken- Dcrpflegungs-Änstalt als Geschenk zur Verfügung zu stellen. Im Frühjahr 1897 konnte die neue Anstalt, die eine reichen Segen schaffende Einrichtung darstellt, eröffnet werden. Die Errichtung des schönen jüdischen Schwesternheims an dpr Kirschallee ist gleichfalls dem idealen Zusammenwirken dts schöpferischen Geistes unseres Verklärten mit dem von selten!;r Herzensgüte erfüllten wahren Menschenfteunde Julius Schottländer zu verdanken. Mit der Schaffung dieser segensreich« n Stätten der Wohltätigkeit war dem rastlosen Eifer des Herrn Sachs und seinem unermüdlichen Wirken im Dienste werktätiger Menschenliebe kein Ziel gesteckt, denn alle Verbesserungen-und im eng begrenzten Rahmen ausgeführten Dei - größerungen im alten Fraen^kel'schen Hospital auf der Antonienstraße erwiesest sich als unzulänglich. Das im Jahve 1841 durch die Stiftung per in Gott ruhenden Wohltäter Kommerzienräte David und Jonas Fraenckel errichtete Hospital konnte weder der stark steigenden Frequenz, noch den neuzeitlichen sanitären Forderungen genügend So stellte sich immer mehr die Notwendigkeit heraus, eincrr Kränkenhausneubau, der unserer Gemeinde würdig erschien, anjeiner anderen Stelle zu errichten. In der unentwegten Verfolgung dieses hohen Zieles wurde dem überragenden Geiste, der unermüdlichen Schaffenskraft des Herrn Eduard Sachs eine seiner Persönlichkeit würdige Aufgabe gestellt. Ihm gelang cs, alle Schwierigkeiten 311 überwinden, f alle Bedenken zu zerstreuen, und nur einein Manne wie khm konnte die Beschaffung der außerordentlich großen Mittel,* die zur Durchführung des monumentalen Werkes erforderlich waren,! gelingen. Sein Appell an die jüdische Wohltätigkeit fand begeisterten Widerhall, und jo konnte das hervorragende Werk in Angriff genommen werden. Das für die Errichtung des Krankenhausncubaues sehr geeignete Terrain an der Höhenzollcrnjtraße wurde erworbcn und nach Erledigung der umfangreichen Vorarbeiten im Mcftz 1901 mit dem Bau begonnen. So konnte unter Gottes gnädigem Schutz und dank der aufopferungsvollen Mitarbeit aller Beteiligten der Heimgegangene den Tag der Einweihung des neuen Krankenhauses, der 27.'April''1903, als einen hohen Ehrentag für sein segensreiches Wirken und als einen Ruhmastag für das Judentum! gestalten. Das prachtvolle Wert stand vollendet dwund wurtzc von Behörden, Wissenschaftlern utzd Laien als Musteranstoilt in allen seinen Einrichtungen gepriesen. Als Zeichen jber Liebe und des tief empfundenen Dankes wurde Herrn Eduard Sachs am lö. April 1904 anläßlich der Doppelfeier! seines 25 jährigen Vorstandsjubiläums und seines 70. Geburtstages die Ehrenmitgliedschaft der Iftaelitischen Kranken-Derpflegungs-Anstalt verliehen. Ätzer nicht rasten und ruhen auf-seinen wohlverdienten" Lorbeeren wollte trotz des biblischen Alters der unermüdliche Mann. Das durch seine Tatkraft Erworbene zu,festigen und zu mehren, war ihm heil ge Pflichte Dqx weit verbreitete Ruf des Krankenhauses brachte eine stark steigende Frequenz, so daß die Räume bald zur Ausnahme der Patienten nicht mehr genügten. Dank seiner mit Unterstützung eines Komitees durchgeführten Werbetätigkeit flössen wieder reichlich dic Spenden hochherziger Menschenfreunde und jo konnte er dem Erweiterungsbau zur Unterbringung der Abteilungen für Frauen- und Augenkrankheiten nach glücklicher' Vollendung am 27. April 1914 die Weihrede hqlten. Wenige-Tage vorher, am 16. April 1914, beging er iniseltener Körper- und Geistcsfrische seinen 80. Geburtstag und dieser Einentag wurde durch eine im Vestibül des Verwaltungsgebäudes unseres Krankenhauses angebrachte Bronzetafel stür alle Zeiten verewigt. * Wenn üs auch leider nicht möglich ist, das hervorragende Wirken des Heimgcgar gencn in allen Einzelheiten gebührend zu würdigen, Jo darf koch die am 1..Dezember 1912 erfolgte Eröffnung des Israelitischen Sicchcnhauses „Arnold und Herrmann Schottländcrasche Stiftung", das auf dem Grzmdstück Menzelstraße 95 als Zweiginstitut der Krankenanstalt erbaut wurde, nicht unerwähnt bleiben. Hier ist dank der unermüdlichen Wirksamkeit des Herrn Eduard Sachs auf Grund -von Stiftungen der Frau Geh. Sanitätsrat Dr. Clara Altmann geb. Werner s. A., des Herrn Arnold Schottländer s. A. und des Wohltäters,' Hekrn Herrmann Schottländcr, ein dringend notwendiges Merk und ein leuchtendes Denkmal wahrer Menschenliebe geschaffen worden. Unausgesetzt und bis in seine letzten Lebenslage war Eduard Sachs bemüht, diese seine Schöpfungen wahrer Humanität, diese hervorragenden Wohltätigkeitsanstalten unserer Gemeinde auf eine immer höhere Stufe der Entwicklung^» bringen und sie für ewiße Zeiten in ihrem Bestände zu sichern und zu festigen. An diesen Anstalten hing der Heimgegangene mit ganzem^ Herzen und ihrer Förderung galt sein Sinn bis zum letzten Atemzuge. Noch auf seinem Sterbelager

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