Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 3 (23.9.1924)
- Date
- 1924-09-23
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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22 i >» —'JJ ' i : .—-a-! — - — von Justizrat Sachs, Schweidnitzer Stadtgraben 8 an Rabbiner Tr. Sänger und von Droese, Wallstraße 9, Seitenhaus, an .Lc*hrer Freier, sowie die Wahl des Rechtsakiwalts Tr. Älfons Budwig zum Kmatoriumsmitglied der Neümann'schen Stiftung.'Tes weiteren wurde genehmigt: die vorgelegte Tenfmalsordnung für die neue Mittelreihe aus Friedhof »Lohcstraße, die Erhöhung der Schachtgebühr für ein Pind arf 3U)0 Mk. und die Gewährung eines Darlehens von 3000 M .■ an die Jüdische.Mittelstandshilfe E. V. und di/ Erhöhung der Platzprcise in den Synagogen und Zweiggottesdiensten. Bei dieser Gelegenheit wurde,von den Herren Lewin, Goldschmidt, Tr. Schachtel und anderen Klage datüber geführt, daß trotz Erhöhung der Preise im Konzerlhause die Bänke wegfallen sollen. "Herr Marcus (B.) und Tr. Rechnitz gaben die Gründe hierfür an. Tie Bänke, seien reparaturbedürftig und heut so zerfallen, daß eine Wiederherstellung nicht möglich sei. Tie Neuanschaffung kostet sehr viel. Geld hierfür sei bei dem beschränkten Etat und den geringen Steuereingängen hierfür nicht vorhanden. Turch den Wegfall der Bänke seien etwc. 200 Plätze gewonnen worden. In den übrigen Zweiggottesdiensten seien auch keine Bänke, mid auch Berlin habe in den Filial- Gottcsdienften keine Bänke. Ueberdies sei bis vor kurzer Zeit höchst ungewiß gewesen, ob die Gemeinde p/n Konzert- Haus-Saal noch' für Gottesdienstzwecke erhalte. Ter Versammlung genügten aberFne Gründe nicht, und sie setzte eins Kommission bestehendaus den Herren Goldschmidt, Tr. Schachtet und Wolfs ein zur Prüfung, ob die Aufstellung von Bänken noch möglich sei. ,. - 8ei der Mitteilung, daß das Gemcindeblatt erstmalig am 8. August 1924 erschienen sei, bemerkte der Vorsitzende, daß es. ist der Gemeinde allseitig Anklang gefunden habe, , und sich hoffentlich allmählich weiter ausgcstalten werde. Er nfünschtc, daß die nächste Nummer noch vor Rausch-haschanph erscheine. Die letzte Nummer hätten viele Gemeindemitgtzeder erst nach dem Sonnabend erhalten. Tr. Rechnitz versprach, sein Möglichstes zu tun, um die nächste Nummer bis 'io. ö. Mts. herauszubringen. Tie vorige Nummer sei -pünktlich Donnerstag Mittag zur Post gegeben und den meisten Gemcindcmitgliedcrn Freitag früh zugeftellt 'worden. Einige Fiille feiern ihm allerdings bekannt, wo das Blatt erst Montag oder Tienstag ausgetragen sei, weil dier Post die enorme Auflage von über 92OO Exemplaren nicht auf einmal habe bewältigen könneg. - Rechtsanwalt Jacobiohn' und M. Frankel beklagten sich, daß das Gemeindeblatt einer Aufruf des Palästina-Fonds und einen Aufrufe der vie giabbiiicr zu Spenden abgelehnt habe. Tr. Rechnitz ga Aufklärung über die Grundsätze der Rcdaktions-Kommissior 'für die Zulassung derartiger Werbcschreiben. Tie Versamm lung wünschle eine Vorlegung dieser Grundsätze. Im Anschluß an den Bericht.über die Arbeiten de Satzlmgsänderungskommission führte der Vorsitzende aus Rach i dem Stand der Satzungsänderung-Beratungen kan nicht ^cynit gerechnet werden, dgß bis zum Ablauf des Jahres die Scjtzungsünderpng die gesetzmäßigen Instanzen vorschriftsmäßig passiert habe. Insbesondere dürste bie Gc- -nekmugüug der Behörde längere Zeit erfordern, da die neue i Satzung jim bewußten Widerspruch zu dem noch in Geltung befindlichen Preußischen Judengcsetz von 1847 steht. Es ist .aber mißlich, jetzt noch einmal nach der alten Satzung zu 'wählen und im nächsten Jahre hoffentlich schon nach der neuen ' Satzung, ganz besonders auch deshalb, weil am 7. Tezembcr i 1924 mcch einem neuzeitlichen Wahlrecht (mit Frauenpimmi recht f) für den Preußischen Landesverband gewählt wird. ' Teshpll haben sich alle Parteien dahin geeinigt, die Amtszeit der Ende 1924 ausfcheidenden Repräsentanten um ein Jahr zü verlängern und deshalb beantragt: Tie Uehergtängsbestimmungen zur Satzung vom 11. Juli 1919 fverden in Ziffer 2 dahin geändert, r idaß das Wort „vierten" durch das Wort „fünften" ersetzt wird. Breslauer 2 lkbisches Seine!nveblatt Nr. 3 -» Tiefer von den i3 Fraktionsvorsitzenden Justizrät Kalisch, Rechtsanwalt Jacobsohn und Tr. Schlesinger unterschriebene Antrag wurde ohne Aussprache einstimmig angenommen. Darauf wurde zur H.aushaltsplan-Beratung geschritten.. Auf Bitte d^s Vorsitzenden sollten tunlichst Abänderungs-„Anträge"' unterbleiben und nur „Anregungen" dem Vorstande zilp Berücksichtigung überwiesen werden. Tie einzelnen Etats wurden daher auf den Antrag der Berichterstatter verabschiedet. Beim Etat des Fürjorgewesens regte Tr. Schachtel an, die Beihilfe für die Arbeiterfürsorge Bres au von 1000.-— Mark auf .3000.— Mark zu erhöhen. Herr Tanziger wünscht'Erhöhung der Beihilfen für die Atersverso gungsanstalt und des Siechenhauscs bis zur Höhe des Frietensbetrages. Beim Etat der ZweiggottesdieistI weist der Berichterstatter Direktor Sander darauf hin, daß man nicht gleichzeitig den-Zuschuß vermindern und kostspielige Anschaffungen machen kaiui, wie Herstellung von Bänken. An sich werde der Zuschuß^ sich erhöhen. Beim Etat des S ch l ä ch t w e s e n s hebt Herr Kränket hervor, daß über die hohen Fleischpreise große Mißstimmung herrsche. Herr Hoffmann (P.) berichtet über das energisch^ Vorgehen, das der Vorstands beabsichtige, falls die. Fleischer sich nicht gutwillig zu einer Herabsetzung "der Preise verstehen. Notfalls wird der Vorstand einen vierten Fleischer unter Aufsicht nehmen und ihm die Niederlassung durch ein Wirtschafts- Darlehen erleichtern gegen die Verpflichtung koscheres Fleisch zu den allgemeinen Fleischpreisen zu liefern, wie dies in- Franksurt a. M. durchgeführt sei. Tie Versammlung billigt dieies Vorgehen. Tr. Rechnitz erwähnt, daß der Vorstand; beim Polizei-Präsidium beantragt habe, den jüdischen Fleischern die O f f e n h a l t u n g ihrer . Geschäfte am Sonntag vor.den Festtagen (28. September 1924) ooW. von 7—9 zu gestatten. Ter Antrag habe Aussicht aui Genehnngung. Beim Etat der Allgemeinen Verwaltung beantragt Rechtsanwalt Jacobsohn 3000 Mk. Jahresbeihilfe für ’ tzen Palästina - Fond. Er gibt ln längeren Darlegungen eine Uebersicht über die geschichtliche Entwickelung des Aufbaues von Palästina und begründet eingehend seine Ansicht, daß der Aufbau nicht mehr zionistische sondern allgemein jüdische Aufgabe sei. Juftizrat Kalisch beantragt Vertagung, weil der Antrag näherer Aufklärung bedürfe. Ter LZertagungsantrag wird-angenommen. Zum Gesa m-t -Hau sjh a l t s p l a n führt der Vorsitzende der Etats-Korympsion, Herr Gins,- aus: Tie Streichung aller Rücklagen'sei erforderlich gewesen, weil man die Steuern niedrig halten wollte, mit Rücksicht auf che damals schon voraussehbare Wirtschaftskrise. Tie Entwicklung hat der Kommission recht gegebene Ter Vorstand gibtjn der Etatsbegründung selbst zu, daß die. Steuereingänge^ mit Hilfe der Ueberschüsse aus den: Vorjahrg zum Ausgleich des Etats reichen werden. Tabei seien noch erhebliche Steuer-Rückstände vorhanden, die das Finanzamt hoffentlich bald einziehen wird. (Das Erforderliche ist bereits in der Besprechung der Vertreter der drei Religionsgesellschaften mit den Vertretern der . Finanzämter am 9. September 1924 veranlaßt worden. Tw Schnftleilung.) Tabei habe die Kommission dis Fürsorgebedürfnisse nicht vernachlässigt. Ein Vergleich mit demFürsorgeetat der Gemeinde SBfrlirf falle durchaus zu Gunsten von Breslau'aus. Tabei erhebt Berlin 25% Zuschlag zur Reichseinkommensteuer-Voxauszahlung. (Äenäu genommen erhebt Berlin an Kultusfteuckr 1924/25 0.24 Mark auf je 1000 Papiermark Reichseinkommensteuer 1922. Ter Vorstand ist aber erjmäckstigt, diese Steuerbls zu 25%der Steuervorauszahlung zu ermäßigen. Temnach kann eine Ermäßigung bis zu einem Steuer betrage eintreten, der immer noch mehr als das Vierfache der hiesigen Kultussteuer be trägt/ Tic Schriftleitung.) Auf Antrag des Herrn Gins wird der vorgelegte Haushaltsplan mit einem Einnahmesoll von 414 302.-^- Mark Ausgabesoll „ 819 415.84 „ Zuschußsoll „ 405 253*84 „ von der Versammlung genehmigt.