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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1924-09-04 · 2 (4.9.1924) · p. Seite 10

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
1 (1924)
Issue
2 (4.9.1924)
Date
1924-09-04
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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>Nr. 2 10 391 eslauer 2 übi tf)?ö <9 eftvef n 6 e BIa 11 Wir Juden, die rpir den Optimismus 'stets auf unsere Fahnen geschriebenncsnnen solche Erde N'2, Haus des Lebens, denn zu neueps Leben und zu ner er Arbeit, zu neuer r Hoffen und zu neuer Größe rufen uns diese Toten auf! Un> wenn die! Menschen diese Erinnerung verwirren wolkter, dann werden diese Steine reden und ie werden künden: Wir find gestorben im Glauben an unser Vaterland und zury Ruhme unseres GostteZ.!! Als im Anfangs des 19. Jahrhundert das deutsche Vol!k sich zu den Freiheitskriegen erhob, da haben Juden seitens Beispiele nervorragenöen Mutes gegeben. Und auf de Schlachtfeldern des ,Krieges 1870/71 standen mehr als 12 00! Juben, darunter vieje Freiwillige, unter Waffen. Biele vof damals sinh ausgezeichnet worden, viele' wurden zu Krüpp geschlagen,! und viele find draußen geblstbenl Und 1914/1 standen von 600 000s jüdischen Bewol»nern Deutschland 100 000 Juden unter djen Fahnen, 80 000 standen unmittelba! vor dem Feinde uftd >12 000 haben die Heimat nie wiederlsgesehen. Alle aber sistd sie hinausgezog m als treue Söhns: des Vaterlandes «i d ftls treue Bekenne ihres Judentums! kchr^ mitten auf.Zner Nachteil soll nun dadurch beseitigt werden, daß die Verlesung des ganzen Thoraabschnittes in den Hauptgottesdienst des Sabbatks verlegt wird. ^Entsprechend einer Einteilung, wie sie bereits im! alten Judentum bekannt gewesen ist und wie sie hier in ähnlicher Form früher schon bestand, soll die ganze Thora jm p Jahren verlesen werden dergestalt, daß z. B. im 1. Jahre dieses Zeitraumes das erste des Abschnittes 'N'VXNP, im 2. Jahre das zweite Drittel und dritte Drittel verlesen wird.' Besonders wie das Zehnwort,1 das Lied am Meer bei dieser Einteilung alljährlich verlesen., i ng tritt am ITiPiro raw in Kraft. Tabellen im 3. Jahre das bedeutsame Stück« etc., werden mich DieNeuordnv mit dieser Neüeimeilung sind im Gemeindebürö zu haben. denn der Jude wuß je zu jeder Zeit,,daß die Pflicht gegen da Vaterland eine religiöse Pflicht ist, sntspr, chend der Mahnung des Propheten J^rtzmias an Israels Sihne: „Fördert das Hell des Staates,, wohin ich euch geführt und flehet für ihr z»mr Ewigen: a'ba asb rrrr rtc'hrz ':!, »denn in seinen, Heil ist euesc Wohl begründet." Und als si t damals vor einem Jahrzehnt jhinauszogeui, da waren sie allesamt Kameraden vereint und gestärkt^ durch die gleiche Lie ie, aber auch durch die gleiche j Sorges Damals fragte man nicht, nach-Religion und nicht nach Parteji, denn auch die feind! ichL Kugeln haben es nicht getdn, Damals gab es nur eine Parole, das Wohl und das Glück des Vaterlandes und alle : seiner Bewohner Und das Vaterland in seinem Unglück Hot die. Menschlichkeit vergessen! .Darum sof angesichts des Trdes die Mahnuno dorthin ger chtet, tvo Haß und Zerklüftur g genährt werden: „Wer seinen Gott liebt, darf seinen Ntbenmenschen nicht hassen, die Religiös: muß uns demütig, fr >mm, liebevoll und bescheiden machen/' Als Israel nach! dem Lande der Freiheit wanderte, zogen ihm, wie! d e Alten erzählen, Josefs Sar«! und die Bundeslade voran. Hier düs Symbol der Trauer zegen einen Toten, dort der In icgriff hss lebendigen Gottesglc ubens.« So müssen auch wir. d:r Zukuyit entgegengehen. *3!ie Erinnerung an unsere T»trn/anihf Glauben, Streben und Hoffen, an das, wofür fte j2< ib und Leben geopfert haben rru treuen Menschen» herzen, und den unerschütterlichen Gottesglauben in unserem Geiste trägc nd, das.alles gibt uns die Fähigkeiten, wieder von neuem Fretzde zu Awinnen an des Lebens Arbeit, von neuem hoffen zu können auf die kommende Einsicht dev Menschen, die da laut;n müßtes in Oft und West un> Nord und Süd : „Nicht mit, cchasscn, .sondern mitzulieben sind wir da." Und yun naht d!er große Augenblick, da für zwei Minuten gedes Mens heuherz km deutschen Vaterlar dvon Erinnerung gepackt und von Wehmut erfüllt sein wird. r Seien auch wir, -die wir uin i um nässere Töten geschart hüben» heutd und allezeit Mim Empfinden und Verstehen, seien wir vor» bildlsich int Verzeihe>Hind in der Liebe zu deü Menschen. Amen! Neuordnung, der Thoravprlesung , . / in der Neuen Sgna^oge.! Tie bisherige, dus der Zeit des seligen Rabbiners Tr. Joel staunnende Einrichtung in der Neuen Shnagogs,-an Sabbathen nur dm ersten beiden Abschnitte des Tho^aab» schrqittes vörzplesen» hatte den Nachteil, Häß die Gemeinde wohl nur j in Auünahmefällen den ganzen Thoraabschnitt hören konnfte, weil hie Verlesung der ümigen Teile in den Sabbathnachmrttaggottesdienst bezw. die, Wochentagsgottesdidnste am Montag und Donnerstag verwiesen wurde. Dseser Freudige Jugend. ' > > * Seit zweifslflonaiten haben nir ein tificncä Erholungsheim für unsere Kinder. In Flshsberg, auf der Höhe des Ortes, abseits vom großen Verkehr, mitten auf. finer großen Wisse, steht unser Haus, aus dem seit diesen 00 Tagen srohesj Lache i und Heller Jubel herauslönt. Tie Breslauer Onsl gruppe des jüdischen Frauenbundes und das Zentralwohlfahrisamt der ' hiesigen Gemeinde hab,n eß geschaffen, dieses Erholungsheim, das seit Jahren ein dringendes Erfordernis war. das seiner. Erreichung so fern schien und das nun mir einem Male dasteht, von Lonne und Hoffnung umslutet Zwei Kolonie» erhol» :gss>edürsticer Kinder haben schon dort verlebt. Zweimal a it Luft aus des Tages Tas Heim soll einen Monat 4<s junge Herren haben sich an Luft und Licht, an Berg und Wald, an Freiheit und Lpiel erfreut, und sie sind heimgekommen, reicher geworden nicht nut an vielen Pfunden irdischen Gswichts. sondern an Frohsinn und Lebmsmüt, an Bereitwilligkeit. den Winrer, die Tch.ile, das enge, ^manchmal allzu cagc^Heim zu enraesen. in'der sicheren Hoffnung: Ich komme doch bald wieder nach Flinsbcrks! Und nun wandert die dritte Kolonie hinaus. 40 schwache, unterernährte, rachitische Kleinkinder, denen die Bergesluft. die Hei bäder. die gesunde irnd reichliche Verpflegung, jlieb.» volles Verständnis, sor< lost Spiele die Wanaen rötin, die schwachen Glieder stärk.n und die Keime aller in ihnen l schlummernden Krankheiten töten sollen. Und wenn dicse unsere ärmsten, zum größten Teil elternlosen Kinder ihren 'hoffentlih. noch recht «sonnigen Aufenthalt beendet haben werden, dann öffnet sic, unser Heim jenen erholungsbedürftigen Frauen und Mädchen, pte sich inmal hinaussehnen aus der gewohnten Umgebung, drückerüer Enge, aus dem Einerlei von Arbeit und Zoree. den gar zen Winter über geöffnet sein. Zwei warmherzige Leiterinnen sinh bereit, jedem, der Freuds und Erholung sucht, ob alt, ob I>ing. zu helfen und demils vielen neuen jMut für kommende graue Tage zu geben. > Wie-ist unser Heien geboren-worden? Leit Jahren sendet die hiesice Orrsgruppe des jüdischen Frauenbundes kranke, schwache, erholungsbedürftige Kinder in Kolonien, die in jedem Lonfmer mit Mühe aufgebaut, mä schwerer Lvrge durchg-halten wurden, um im-Herbste abgebrochen zu werdezz, weil wir immer nur,ge d u l d e t p Mieter, sehr ungern geduldete waren. Lachten die Kinder zu laut, oder sangeit sie gar, so arfjcl das dem bösen Nachbar nicht und ivir erlebtey mancherlei Unfreundlichkeiten, unbegreiflich, schwachen Kindern gegenüber.! Jubelten und tanzten die Kinder auf der Wiese, )ie uns nicht gehörte, flugs kamen Klagen, daß das Gras litte, u rd -fielen g ir die Birnen und klepfel von den Bäumen, die nicht unser'waren und faichen ihren Weg in Mäulchen, die unser waren, eewärtigten w r nicht, ir^geft Mundraubs angeklagi zu werden? Jetzt zertrecen uns.re Kinder ugs^rGras und es en unser Obst, das sie manch,- mal sich sogqr selbst von hen Bäumen hc eunterholen dürfen. Wie anders war es bisher!. Lchwig waren in jedem Frühjahr die Wanderfahrten in Törfer and kleine Ttädte der näheren urd lpeiieren Umgebung! Immct wieder wurdin wir qbaewiesen, wenn wir von unseren 300—400 judffchen hindern sprachen, die aus d>er Dtadt hinarskommen mußten! -Fanden wir mit großer flkiühe und größeren Opfern eifr Unterkommen, so gab es Temütigungey und Lchtvierigkeit?n. und immer war es Liückwerk, wfil wir nicht unsere >eigenen Herren wacen und um jeden Tag und jedes Zimmer und mm jedcls Bett uiid jeden Ltuhl bitten und betteln mußten. Und die Lchwierigkeitj des Transports unserer doppelten Wirtschaft! Denn wir)sind strengster Observanz, und keine Aufficht und kein Rabbiyat würden etwasin unserem sheim auszvsetzen sinden, das v^n sehr verständnisvollen Händen >

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