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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-10-13 · 176 (13.10.1922) · p. Seite 306

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
176 (13.10.1922)
Date
1922-10-13
Page
Seite 306 (sequence 2)
Language
German
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306 Notwendigkeit zu unterrichten, das Werden der nuninekrvölkerrechtlich anerkannten jüdischen Heimstätte in Pw lästina durch tätige Mithilfe zu fördern. . 2. Unterstützung aller Bestrebungen, die Palästinafrage zu einer gesamtjüdischen zri machen, insbesondere der Kongreßdewegung. 3. Aufklärung über die Bedeutung der Mandats bcstäligung und die durch diese geschaffenen Verhältnisse und Möglichkeiten zu verbreiten. 4. Veranstaltung von Kurscn und Vorträgen über atze den Gesamtkomplex Palästinas berührende Fragen, unter anderem über die kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnissc in Palästina. 5. Unterstützung von (Selb- und Materialsammlungen für solche Zwecke, die das allgemeine gesamtjüdischc Aufbauwerk in Palästina fördern Helsen. 0. Aufrechterhaltung der geistigen Verbindung der aus Deutschland stammenden Ehaluzim mit den Schätzen des deutschen Geisteslebens und Untcrstützllng und Ausrüstung vom Ehaluzim. 7. Sorgfältige Untersuchung ber Rückwirkungen des PolästincwAufdoucs aus die Verhältnisse der Juden in den übrigen Ländern. Mit der Leitung des Palästina-Dezernates wird eine Kommission, bestehend aus: Dr. Alfred Apsel-Börlin. k. Vorsitzender, Dr. Paul-Block-Köln, Dr. Ludwig Frank- Nürnbergs Dr. Fritz Noack-Gotha, Kurt Zacharias- Bremen, betraut. Dresden. Liegen die Verordnung des sächsischen Kultusministers, dass auch an hohen religiösen Feiertagen Schüler iric Lehrer keine Schutt esreiung zum Besuch des Gottesdienstes erhallen dürfen, haben sowohl die jüdischen als auch katholische und evangelische Peligionsvcrbände in Sachsen Einspruch erholen. So lamet die Einjpruchserklärung der Fsraelitischen Reiigionsgenicinschaft in Dresden wie folgt: „Tie Verordnung des Ministerjuins des Kultus und öffentlichen Unterricht vom II. August 1922 versetzt die jüdischen Ellern in den härtesten Gewissenszivang. Die Juden trifft die Verordnung am schwersten, weil ihre durch die Jahrtausende gcheiligien Feiertage durch die jüdische Zeitrechnung sesigejetzl sind und »ist den gesetzlichen christlichen Festen nicht zusammenfallen. -Den jüdischen Eltern ist es unsatzbar. das; sie vom Ltaai gezivungen werden. ihre Kinder auch an den höchsten Feiertagen, die uniiiittelbar bevor stehen, stalt*zuin Gottesdienst zur Schule zu schicken. In unserer Rot legen wir nachdrücklich Veruxihrung ein gegeir diesen Eingriff in die Freiheit der Rcligionsübung. die allen Bekenntnissen durch die Versassung von Weimar geivährleistet ivird." e Alle diese Proteste sind ohne Erfolg geblieben und der Erlas; des Kultusministers bleibt in Kraft. Wie aus Dresden und anderen sächsischen Städten mitgeteilt wird, sind' die jüdischen Schüler, die an den verflossenen hohen jüdische» Feiertagen der Schule serngeblieben sind, mit Karzerstrafen lelegt tvorden. Berlin. Der berühmte Hebraist und Bibelforscher Professor Strack ist. 7.', Fahre alt, in Berlin gestorben. Seit 1^77 lehrte er an der Berliner Universität alttestameniliche Wissenschaft. Strack ivar einer der bedeutendsten nichtjüdischen Semiiisle»: er zeichnete sich nichts nnr als Bibelforscher aus. sondern erstreckte seine Forschungen auch auf den Talmud, uif welchem tVebiel vonuhm eine „Einleitung in den Talmud" und die Ueberjetzung des Mischnalraktats erschienen sind. Weitere Werke seiner reicten Forsckertätigkeiv sind unter anderem Grammatiken des Hebräiscken und Aramäischen, ein Lehrbuch der neuhebräischen Sprache und Literatur und eine Einleitung in das alte Testament. Strack war ein Mann von vornehmer Gesinnung, der den anlisemilisckien Erzessen stets entschieden entgegentrat und den Mißbrauch der Wisstnschasr zu anlisemilischen Zwecken literarisch bekämpfte. So ließ er zur Zeit des Rohling-Prozesses seine Schrift „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" erscheinen, in welcher er den Ritualniordwahn einer vernichtenden Kritik unter- 'zog: gegen den antiscinitiscken Berliner Hosprediger Stöcker erschien seine Streitschrift „Herr Adolf Stöcker", und auch im Bibel- und Babclruininel erhob er gegen Delitzsch seine Stimme. Berlin. Prof. Einstein, der am 26. xSopjember nach Japan abgereist ist, wird auf seiner Rückreise auch Palästina lesucken, >vo er voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März für 10 Tage eintreffen wird. Prof. Einstein ertlärle, daßPieser erste Besuch in Palästina nicht etwa als seine ursprünglich geplante Palästina-Reise aufzufasien sei. Er ivolle vielmehr erst nach Rückkehr von seiner großen Reise für mehrere Monate nach Ercz Israel gehen. Einstein geht von Japan für kurze Zeit nach Riederländisch- Jndien, dann nach Palästina und zum Schluß nach Spanien, von wo er Ende März nach Berlin zurückzukehren gedenkt. (Ziko.) Litauen. Kowno. (I. C. B.) Die jüdischen Parteien in Litauen haben sich dahin geeinigt, daß in sämtlichen Wahlkreisen die drei bisher eristierenden jüdischen Kandidatenlisten zu einer einzigen vereinigt werden. Die Judenheit Litauens ivird demnach bei den bevorstehenden Wahlen in den Sejm einheitlich Vorgehen. Ungarn. Budapest. (I. C. B.) Die ministerielle Verordnung über die Ausweisung von Ausländern scheint tatsächlich nur auf Juden Anwendung zu finden. Vergangene Woche wurden zirka 500 Juden, durchwegs angesehene und wohlhabende Bürger, die seit 20 bis 30 Jahren in Ungarn wohnen, auf das Polizeikommissariat eines meistens von Juden beivohnten Budapcster Bezirkes vorgeladen, wo ihnen die Ausweisungsorder zugestellt wurde. Auf Einspruch der Kullusgenieinde nahm die Polizeibehörde von der Ausweisung vor den Feiertagen Abstand. Diese Ausweisungen sind nun in der laufenden Woche fällig, das Perlasien des Landes hat binnen 24 Stunden nach Einhändigung des Bescheides zu erfolgen. Im Judenviertel von Budapest herrscht über diesen neuartigen antiscmitisck)en Vorstoß große Aufregung. Frankreich. v Paris. Der bekannte Rohalistcnführer und Mitqrleiier der „Actione Fraucaise" M. Eharles Maurras begann in seinem Blatte einen scharfen Feldzug gegen die .Konmiission für intellektuelle Interessen im Vülkerbundrat und führte gegen dieselbe iirnfter Reihe ins Treffe», daß die Kommission aus drei Juden zusainmengeietzr ist: Bergion. Mine. Eurie und Prof. Einstein. Die Katholiken im Völkerbund, meint Mannas, müßten sich gegen eine Kommission wahren, die nur, durch Juden repräsentiert wird. Palästina. Jerusalem. (I. E. B.) Bis zum 1. Oktober haben 2000 Juden in Palästina sich um die palästinensische Staatsbürgerschaft lewo/len. In diese Ziffer sind jene Juden. nicht eingeschlossen. die als ehemals ottomanische Staatsbürger im Sinne des Fricdensvertrages und der neuen Verfassung automatisch, ohne sich erst darum bewerben zu müssen, palästinensisch:: Staatsbürger geworden sind. Das anfangs September erschienene Negierungsdekret betreffend die Erwerbung der Staatsbürgerschaft in Palästina jetzt eine Frist von zwei Monaten für die Erwerbung der Staatsbürgerschaft durch freiwillige Ansuclien fest. Es können also noch während des ganzen Monates Oktober derartige Gesuche ülerreicht iverden. * ,

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