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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-10-13 · 176 (13.10.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
176 (13.10.1922)
Date
1922-10-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE T eichet»» itkeo gtcitag. Preis SO 1W. «»»aUich Z» beziehe» r»rch st»tliq« P,ftit»rrr oder b»eo> de» Boimctttg t» Bin. JÜdlSObsH VolksMiltt VOM RHEIN Sazelgrop-ets:!!« M kltSxSO mui breite Zeile. Dt« Leite nmfatzt -»tu Zeile». Pvftfcheckr»»»» lvotr»- v rl»g «. ». ». H74747 Serausgrgeben von Rabbiner I»r. Smit »lohn, Äonn. - Schriftlritung und SeschSftsgeNe: Äonn, Lrüberqaffe Si — Telefon 295«. Kummer 176 Körn. 13. Hktobev 1»22. — 21 Grschri ÜV83 4 . Aaytgaag. - Gimchas tauro 5683 1 \ J* Heiliges Gelächter VIm Freudenfest der Lehre uiögeder Jude ciuiiuil bedenke», wie bestimmte Worte — z. B. die, Worte Lehre oder Leben — jo einen ganz andern Mlnng bei uns hoben olS bei deit ondern. Tein nciiiciucu deutjchen Sprachgebrauch ist Lehre ein ziemlich blechernes Wort, das gewissermaßen den Finger an der Nase hält, wie der Lehrer Läinpel in Max und Moritz. Tic „Moral von der Geschicht'", das ist dein Deutschen die Lehre und weiter nichts. Worte sind Schicksalsträger, und das Wort Lehre ist in deutschen Laliden schlecht weggekommen, als der ewige Geist Schicksal nusteilte an die Völker. — „Tie Tauroh ist ein Baum des Lebens, für alle ist sie Leben, dem, bei Dir ist der Quell deS Lebens". Man tvird zugeben, daß das Wort Lehre im Indischen voll und tönend von den Lippen der Dichter. Sänger oder Beter rauscht. Ein Wort schwer ivie Atlas in den Händen. Ta ist von keinem Lehrincister die Rede, und wenn wir vom Mansche rabbenu, unserem Lehrer Mose sprechen, so ivissen >vir, das; diesem Lehrer alles Schulmeisterliche zuwider war. Unsere heilige, etvige, schwere Lehre spottet aller Lehrhaftigkeit, sie lägt sich leben, beibriugen lägt sie sich nicht. Sie hat eben Heiligkeit, Ewigkeit und SchicksalssckM're. Was hat alles in diesem Worte gelebt, >vas ist an ihm gestorben, ein ini Blut geivaschenes Wort: T a u r o h! Und nun kommt das Freudenfest der L^hre, und die Kinderchen kommen ins Gotteshaus, die Zwölf-, Zehn-, Acht-, Fünf-, Dreijährigen, alle miteinander und die gros;en Binder dabei, hier mit Laternen und dort mit Fähn- J chen, und die „Heiligkeiten" -sangen mit einem Male zu lachen und zu tanzen an. die Thorarollen ziehen auf, groß und klein, in ihren Kleidern von Brokat und Seide, und alle Kohanini, alle Leviten werden aufgernfen, -zehn auf einmal, und wenn die Bachuriin, die jungen Leut' an die Reihe kommen, zur Thora „aufzugehcn", da »ins; mit den BarnüzwojüngelckM auch der alte Hagestolz mit heran und lustige Spiegruten laufen unter dem Gelächter der Beten-' den. Zu allerletzt aber kommen die kleinen Buben von acht und zehn, alle unter einem einzigen grogen, breite» TalliS, und hell klingt die Broche von ihren Lippen. Aber damit nicht genug, ziehen im heiligen Umzüge auch die Geister der Väter einher, Abraham. Iiak, Jakob/ Mose, Aron. Josua. David, Salomo und jeder einzelne tanzt und jauchzt durch den lachenden Saug der Gemeinde. Teu Schlug macht Elia, der Profct. das ist der Erlöser in eigener Person und auch er tanzt und „freut sich am Simchas Tauroh". Soll da Gott selbst in seinem Geheimnis nicht lustig sein, wenn er solche Freude seines Volkes sieht, das mit dem grogen Schicksalsbehälter „Lehre" einmal im Jahre spielt wie ein Schulbube mit seinen Bällen? Seht, das ist jüdisches Leben, das ist das Leben im Judentum: Cs gibt keine Heiligkeir im Judentum, die nicht irgend einmal ins Metijchliche, Allzumenjchliche geriete. Wo kann man sonst noch vom Gelächter der Betenden reden, ohtie Gottes Namen zu entweihen? Bei uns kann inan es, und dag inan es kann, ist lx'zeichuend für uns. Hübsch ist die Lektion, die einmal ein bekannter Berliner Neformrabbiner von einem ungarischen Naiv erhielt, mit dein er die Donau hernniersuhr. Was ich hier berichte, ist wahr, denn, der es an sich erlebte, hat es mir selbst erzählt. Tie beiden kamen inS Gespräch, und der lil»crale Rabbi rühmte dem Alien die inusterhaste kirchliche Andacht der Berliner Resorinjynagogen und vergas; dabei auch nicht, gewisst; Seitcnhicbe auf den Lärm und das Geschrei, besonn ders am SiinchaSthorafeste, hinzuweist'p, das die östliche Schul' so widerlich mache. Ta diente ihm der Alte aus Ungarn mit folgendein Gleichnis: Im Gemach des Königs steht der Minister vor seinem Herrn. Der Zönig redet, der Minister schweigt. Nur. iwim er gefragt wird, antwortet er dem Könige. Ehrfurcht sthliegt ihm den Mund, und er steht zehn Schritte mindestens entfernt von der Majestät des Herrn. Mit einem Mal geht die Tür auf und herein springt der kleine Kronprinz, ist mit einem Satze beim Vater und klettert der Majestät auf''die Schultern: „Tatelebe»! Tareleben!" — Tie Völker, schlog der Alte, stehen in ihren Mtr.dK'n wie der Minister vor seinem Könige stand. Wir. die Erwählten, Israel, sei» „erstgeborener Sohn", ist nicht im Gemach des Königs, ivenu es in seinem Gotteshause ist. Israel ist — zu Hause, und sein Gelächter am SiinchaSthorafeste beireist, dag eS zu Harste ist.- Es ist sehr wunderlich und doch eine tiefe Wahrheit, das; das Allermenschlichste dicht ans Heilige rührt und daS Heilige, wo es am heiligste» wird, nur gewinnen kann durch die Berührung mit reiner Menschlichkeit. L Emil Eoh n. Wochenschau Deutschland. Berlin. Der (Sesamtvorstand des Verbandes der jüdischen Iugendvereine Deutschlands bat in seiner Sitzung vom 17. September dieses Jahres einstimmig folgende Beschlüsse gefaßt: Der Verband der jüdischen Hugendvereine Deutschlands errichtet ein Palästina-Dezernat. Das Dezernat soll der praktischen Verwirklichung bei Beschlüsse der beiden letzten Delegiertcntagungen und der Kasseler Führertagung dienen, in denen die Mitarbeit an dem Ausbau des'jüdischen Palästina als Pflicht des Verbandes erklärt worden ist. Dieses Dezernat bearbeitet im Namen des Verbände: und im Sinne der erwähnten Verbar.dsbeschlüsie alle bei* Ausbau des jüdischen Palästina bctressenden Fragen. Hhm liegt insbesondere ob: 1. Die Verbandsmitglieder und die breitere jüdische Qesfentli'chkeit über die im Hntercsse aller Huben liegende

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