Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 176 (13.10.1922)
- Date
- 1922-10-13
- Page
- Seite 307 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Kölner Nachrichten Am 15. Oktober b. I. feiert Herr Geh. San.-Rat Dr. mcd. Simon Apfel, hier, seinen.70. Geburtstag. Geh. Lan.-Rat Apfel gehört zu den bekanntesten Vorkämpfern des deutschen Judentums, dem er feit Jahrzehnten fast feine s,.mze berufsfreie Zeit gewidmet hat. Ein besonderes Verdienst hat er sich als Vorsitzender des Provinzialverbandce rheinischer Synagogengemeinden erworben, als welcher er vor allem die Sorge der Landgemeinden zur eigenen Sorge gemacht hat. Er hat auch auf den verschiedenen Gemein-etagen. vor allem auf der letzten großen Berliner Tagung im Januar 1921, eine Rolle gespielt, indem,er nicht unwesentlich zu der zuletzt erfolgten Einigung beigetragen hat Auch in Logen- und Gemeindekreisen, in denen der Jubilar sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, wird der Tag, da er das biblische Altertum überschreitet, mit freudigen Wünschcn begleitet werden, ist doch sein Kölner Haus jahrelang gewissermaßen ein Mittelpunkt jüdischer Interessen gewesen. Geheimrat Apfel ist der Vater des Iugendführcrs Dr. Alfred Apfel in Berlin und hat auch stets für d.'e Sache der Jugendbewegung persönlich mit Lebhaftigkeit sich eingesetzt. Mögen dem Jubilar noch viele Jahre ungetrübten Wirkens und Schaffens befchieden fein! Oie Boientasche' Hersch als Bräutigam.*) Hersch kam in ein Dorf. Als er Hunger spürte, begab er sich ins Wirtshaus und bat den Juden, ihn über Sabbat zu Gast zu nehmen. Jener hielt Hersch für einen Junggesellen. und weil er eine heiratsfähige Tochter hatte, nahm er^hn freundlich auf. Am Sabbatausgang, da Hersch sich verabschieden wollte, rückte der Gastgeber mit seinem Anträge heraus, Hersch möge seine Tochter heiraten^ Hersch willigte.ein und bald darauf, nachdem die übrige» Dorfjuden geladen lumm wurde Verlobung gefeiert. Man be schloss, schon in drei Wochen Hochzeit zu machen und bat den Bräutigam, dem man ohnehin „ewige Kost" versprach, zu bleilwn. Er verbrachte einige sorgenlose Woche» und as; und trank wie nie zuvor. Endlich rückte der Hochzeitstag heran, für den schon alle Vorbereitungen getroffen waren. Vor der Trauung sagte Hersch zu seinem Gastgeber, er habe mit ihm Geheimes zu sprechen. Als dieser mit ihm allein . N'.ar. sagte Hersch: „Mein Vater seligen Angedenkens hat mir besohlen, ivenn ich einst heirate, so solle ich dem Brautvater alle meine Fehler vorher mitteilen, damit mau mir später nicht Vorwürfe mache, dass ich auf irgendeine Weise ihn gefoppt habe. Daher sage ich Euch: „Mein Vater hatte vier Brüder, die sich taufen ließen." Diese Mitteilung macht^ den Brautvater sehr betrübt, i Er liest auch sein Weib hereintreten, das; sie davon stunde haben solle. Aber nachdem er mit seiner Frau kurz beraten hatte, sprach er zu Hersch: „Macht nichts, du bist doch daran unschuldig." .„Höret nur weiter: Auch meine eigenen drei Brüder und drei Cchtvcstern haben sich taufen lassen." Man kann sich nun die Trostlosigkeit der Brauteltern vorstcllen. Doch was konnten sie jetzt im letzten Augenblick! tun? Sie sprachen daher: „Au^> das tut nichts: man nimmt : den Ochs heraus und der Stall kann verbrannt iverden." . „Nun habe ich euch", sprach Hersch. „noch eine Miti teilung zu machen: ich habe auch ein Weib und elf Kinder!" | Kauili, dast die Brauteltcrn dies hörten, schlugen sie j Lärm, die Hochzeitsgästc stürmten herein, hörten von der Bescherung. fielen über .Hersch her und wollten ihn er-; schlagen. Mit zerbrochenen Gliedern kam er davon. Seither pflegte er seinem Weibe, jedesmal ivenn sie ihn ärgerte, zu sagen: zehn Getaufte." Hersch auf dem Marktplatz.*) 2» großer Geldverlegenheit, stellte Hersch einmal ein Tischchen auf den Marktplatz auf und rief laut: „Ein großartiges Mittel gegen Flöhe!'' Das Mittel bestand aus ge-! mahlencm .Kalk. In ihrer Hast kauften die vorbcigehenden! Kausleute die Pulver, ohne den Inhalt zu prüfen oder nach | der Gcbrauchsanu'cisuilg sich zu erkundigen. Hersch hatte > schon seine Taschen mit Geld vollgefüllt, als ein Dorfjude I vorüberging. ein Pulver kaufte und .Hersch fragte, wie er! denn mit dem Mittel umzugehen halw. „Wenn Euch ein j -Floh beistt, so sollt Ihr ihn schnell am Leib packen und ihn j kitzeln. Natürlich wird der Floh anfangen zu lachen und den Mund öffnen, dann schüttelt gleich die Pulver in seinen Mniid und er wird sofort hin sein." * Der zerschlissene Ehalat.*) Einst f.im Hersch zum Nabln in ansterordcntlich desolatem EhaliU. Rabbi Baruch fragte ihn: „Hast du nicht etwa noch eine» zweiten Ehalat, dast du diesen zerschlissenen anzogst?" Hersch erwiderte: „Warum soll ich denn nicht noch einen zweiten haben?" „Nun", fragte der Rabbi ir jeder, „warum zogst denn nicht den zweiten an?" Darauf antwortete Hersch: „Weil der zweite noch mehr zerschlissen ist!" Rabbi Baruch lachte und gab ihm nun den Ehalat. welchen er selbst trug. * s Hersch als Ratgeber*.) Ei» Dotsjude kam zu Hersch und beklagte sich, das; in seinem .Hause jo sehr die Mäuse zur Plage würden, das; sie ihm alles auffr<u>en. und er bat Hersch um Rat, wie er diettm liebe' c bhelfen könne. „Ich werde dir ein bewährtes Mittel Mi.»", erwiderte Hersch. „du legst vor jedem Mäuielrch ein. Stückchen Apikomen. das werden die Mäuse au'swsse!'.. und nun iveisst du doch, dast man nach dem Apikomen nichts mehr essen darf." „Und woher wissen es di? Mäuse", fragte der schlichte Dorsmanu. „dast man nach dem Apikomen nichts effeii darf?" Hersch daraus: „Sie haben meinen SchulchanArnch (Riiual^Koder) ausgesressen, da irerden sie doch den Sinn von Apikomen gründlich zerkaut hab^n." * Kindermund in der Religionsstunde. Lehrer: Was hat Roa getan, als er aus der Arche ging? Schüler: Er ging nochmals zurück, um zu schauen, ob er nichts liegen gelassen hat. Lehrer: Wie nannte man die Nachkommeit ton Jakob? Schüler: Jakobiner. Lehrer: Warum ist denn im 1. Gebot von allen Personen desHauses.,die Rede, die nicht am Sabbat arbeiten dürfen und nicht von der Frau? Schüler: Die schaffen ia doch nichts. Lehrer: Was kan» man aus dem Buche Ruth lerne»? Schülerin: Die Liebe zur Schtviegermntter. * \ Schmul Nussknacker haue die Gewohnheit. wenn er ansaing oder verreiste, stets ein Fläschchen Brannnvein sich.;» stecken. So tot er auch, als er einst mit seiner Frau irichBerlin fuhr und dort mit ihm.dasTlwaier benichie. Am Eingang siand ei» Diener, der Operngläser verlieh und richtete an Schmul die übliche Frage: „Vielleicht ein Glas gefällig, incin Herr?"Mnstknacker sab den Diener ga»; »er dutzl an. dann aber zog er seine Frau fort: „A schwarze Grvnre bat der T-.itidi (Deutsche). 'BR'ist er. dast ich Hab a Fläich.'l Schnaps in der Tafch." > r. , ... .... ... , *i Vhi* bem 'J'iirlic ooii (ffiiijim Block: vrrsch Cittopolev. ('in Geh, du bist Mir gctahrltcher als ' jiidncker kill ('Iiteiiigieget dos IN. ^echrliiiiiberis. 2eiue (Seschich- I teil Hub Li reiche.