Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 175 (6.10.1922)
- Date
- 1922-10-06
- Page
- Seite 298 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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298 T sonders bedürftiger Beamter zur»Vcrtcilung gebracht. Bei der Auswahl Hai der Vorsitzende des Verbandes jüdischer Lehrervereine im Teulschen Rcich.lHerr Mittelschullehrer 2icnt, miigewirkt. \ Berlin, '.»{ad) einer längeren Periode der Schwankungen tmidjt sid) eine Wiederannäherung der Teutschnartonalen an die Deutschvölkischeu benicrkbar. In einer Resolution des Parteivprstandes wird die Rotwendigkeit betont, die Gejd)losscnhcit ausrccht zu erhalten und beide Elemente der Partei aneinander zu binden. . Berlin. Im Prozeß des Sd)riftstellers Dinier gegen das „Berliner Tageblatt" hat der bekannte Literat Thoinas Mann ein Gutachten erstattet, in dem cs heißt: „Die Druckschrift von Dinter „Die Sünde wider das Blut" habe;d) erhalten und nicht ohne widerstand gelesen. Dichterisch völlig wertlos und auch ohne Ehrgeiz in dieser Richtung, ivird das Buck) durd) die Mischung von Halbwahrheit und betzerischer Fälschung. die cs darftellt, zur geistigen Gefahr. Bei der gewaltigen Verbreitung, die cs getragen von populären .Strömungen, gefunden hat, scheint die schärfste Form der Abwebr mir entsdmldbar". Berlin. Einige Zeit vor seiner Ermordung hatte der Reichsminister des Ausivärtigen. Dr. Walter Rathenau, gegen den Herausgeber des vielbesprochenen antisemitischen Bad,es „Die Geheimnisse der Weisen von Zion", Hauptutann a. D. Ludwig Müller von Hausen (Schriftstellernaitie Gottfried zur Beek) wegen Bejdiimpfung seines Vaters Strafantrag gestellt. In der genannten Schrift wird ». a. beliaiiptet, das; die Fassade des Rathcnauschen Hauses in der Viktoriastraße zu Berlin mit einem Fries gesdnniicki sei, ans welchem sid) abgcsd)nittene, gekrönte Häupter befänden. Wörtlich heißt es dann: „Wie oft mag unser argloser Kaiser die Sd)wellc dieses Hauses überschritten baben. ohne zu ahnen, welche frommen Wünsche der Mann, den er „Freund" nannte, für die Zukunft des Hohenzollcrnhanses hegte." Tie Staatsan>valtjd)ast Hane and) Anklage erhoben. Die >l. Strafkammer des Landgerid)ts ln hat aber die Erössnung des Hauptvcrfahrcns gegen den Herausgeber der „Weisen von Zion" abgelehnt. Gegen diesen Beschluß der Strafkammer hat Rechtsanwalt Grünjpad) Beidnvcrde erhoben. Daraufhin hat das >iaintne'gerid)l den Beschluß der Strafkammer aufgehoben und das Hauptverfahren gegen Hauptmann a. D. Müller von Hansen eröffnet. Dir Hauptverhandlung dürfte in den »ad,st eit wodien stattsinde». Mainz. Die beiden deitisd)-völkisd)en Agitatoren, Siudienrat Meerbad) aus Wiesbaden und Hans Frank aus Mainz wurden vom sranzösisdien Mililärgcrid)t in Mainz zu je l.'i Tagen Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe verurteilt. tvxil sie in einer in Mainz abgchaltcnen deutschvnlkisdien Versammlung geäußert haben, das deutsd)e Volk müsse von dem Ungeziefer und den Schmarotzern vom Rheine besten »erden. Das franzöfijd)e E)ericht sah in diesen Aeußerungen eine gegen die französische Besatzung geriduete Kundgebung. Die Verurteilten legten gegen das Urteil Berufung ein. mit der Begründung, daß die beir. Redewendungen sid) nidit gegen die Ententemächte und die rheinischen Beiatzungsnzrppen, sondern gegen die Juden am :»il>ei>! und die Tstjpdeu gerichtet hätten. Der Militärstansanivali beantragte, die Berufung zu verwerfen und die Strafe erheblich zu erhöhen, iveil diese Verteidigung der Angeklagten eme nidn gerade mutige Ausrede sei. Das Gericht schloß sieb diesem Anträge an und erhöhte die Strafe auf 20 Tage Gefängnis und 5000 M. Geldstrafe. be;>v. kt! Tuge Gefängnis und 3000?.){. Eleldstrafe. Langcnbcrg. Den Erben das seinerzeit bei deii Thüringer Unrüben umgekommcnen Redakteurs des völkischen „Hcimaiboden" Ernst Sd>ott, auf dessen Grabstein sich ein Hakenkreuz befindet, ging ein Sdireiben des Gemeindevorstandes von Langenberg (Reuß) zu, in dem es heißt: Wir - , fordern Sie hiermit auf Grund des Paragr. 16 der Friedhofsordnung vom 9. Oktober 1900^auf. innerhalb vier Wochen dieses Abzeichen zu bcjeitigcn?andernsalls cs auf Ihre Kosten durch uns geschieht. Frankfurt a. M. Hier fand ein Vertretertag aller jüdischen Beamtenverbände Deutschlands statt, auf dem Einigkeit über alle grundlegenden Fragen einer gemeinsamen Organisation erzielt wurde. Danzig. Die Repräsrntantenversammlung der JüdisckM Gemeinde in Danzig hat am 13. September mit 6 gegen 4 Stimmen beschlosien, den Antrag des Gemeinde- Vorstandes, aus dem Ueberschuß des Etatsjahres 1921 die Summe von.10 000 Mark dem Keren Hajessod zu überive»- scn, zuzustimmen. Oesterreich. Wien. Ter Atterscr Zweigverein des Union-Nachtklub beschloß in seiner letzten Generalversammlung mit einer Mehrheit von 113 gegen 15 Stimmen, künftig nur Personen arischer Abkunft als Mitglieder aufzunehmen. Die Einwendungen des Hosrates Profcsior Schlenk und anderer, daß ein Sportverein nicht das geeignete Forum zur Entsd)eidung der Judcnfrage bildete, blieben ergebnislos. Der Arierparagraph erhielt auf Vorschlag des Profesiors Wundtheiin folgenden Zusatz: Ter Aufnahmebewerber erklärt. daß schon seine Großeltern vor ihrer Verheiratung getauft waren. Wien. Dem Jüdischen Realgymnasium in Wien ivurde vom Bundesininisterium für Unterricht das Oeffentlid)keitsreck)t erteilt. Tie Schüler tverdeu ihre bisherigen vorläufigen Zeugnisse gegen staatsgültige umgetauscht bekommen. Ungarn. Wien. Die Wiener Morgenzeitung veröffentlicht folgende Zuschrift: „Als ich gestern zur ungarischen Paßstelle ging, um die Bewilligung zur Durchreise nach Bulgarin) zu verlangen, sagte man mir nach zweistündigem Anstellen, daß vom 20. 9. an ein Befehl des Ministeriums in Budapest vorliege, wonach polnischen Staatsbürgern mosaischer Konfession weder die Einreise noch auch die Durchreise gestattet werden dürfe. Id) bitte, vielleid)t die Oeffcntlichkeit aufzuklärcn, in Ivelcher Weise die ungarische Regierung prompt nach d-r Aufnahme in den Völkerbund ihre internationalen Verpflichtungen auffaßt. Hochachtend Ingenieur S. R." . Polen. Wilna. (I. C. B.).Dcr Polizcichef von Wilna erließ eine Verordnung, daß alle rnssiscki-jüdischcn Flüchtlinge binnen 24 Stunden Wilna verlassen müssen, da sic sonst zwangsweise abgesdiol>cn werden würden. Unter »en Flüchtlingen und Rückwanderern hat diese Maßnahme eine nngeheurc Panik hervorgerufen. Rumänien. Ezernowih. Der hebräische Landesschulvercin in der Bukowina erhielt von der rumänischen Ilnterrichtsbehöedc die Bewilligung zur Eröffnung einer Volksschule mit hebräischer Unterrichtssprache. Im ersten Schuljahr dürstu in die erste Volksschulklasse vorläufig nur 40 Kinder ausgenommen werden. Jugoslatvien. Navisad. Die jugoslawische Regierung hat die Errichtung einer Filiale der Scrajewoer „Jüdischen Bank" i» Rawisad, ungeachtet der antise»iitisck)en Hetze einiger Blätter gegen die angebliche Stärkung des jüdischen (Äparatismns, kwilligt. Die neue jüdische Bank hat Mitte September ihre Eleschäftstätigkeit ausgenommen.'