Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 175 (6.10.1922)
- Date
- 1922-10-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER BOTE tftfAeiat jcktn Kirt«,, Prrl» 5Ü M ««uatlich. Z» beziehe» ömech stmtliche P»ftS»t«r »der batft tn B«tr»vrrl«ß i» B»»». V0I^ RHEIN Jüdisches Volkßblatt «■selseaptti*:!10 W. ticSxSO mm breite geilt. Die Seit« »mf»tt 540 Zeile». P,ßschr<kk»»t» Bete» »er,., «W.b.H.,««»«». 74747. Herautgegeben von Rabbiner vr. Smil Lohn, Lonn. - Schriftleitung und Geschäftsstelle: >Sonn, Lrüdergaffe 52. — Telefon 2958. Kummer, 17 5 Köln. 6. Oktober 1922. — 14 Gifchri 6683 4. Aahrgaag. An unsere Leser! Ter „Jüdische Bote vom Nheiu" tritt mit Nr. 175 das vierte Vierteljahr seines.4. Jahrganges an. Wir richten an unsere Leser, welche das Blatt durch die Post beziehe», die Bitte, die Bestellung für das vierte Vierteljahr schnellstens, falls noch nicht geschehen, zu erneuern, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide:.- Diejenigen Bezieher, welche die Zeitung direkt von »ns erhalten, bekominen dieselbe ohne besondere Erneuerung fortlaufend zugcsaudt. Turch die fortwährende Erhöhung aller Unkosten waren wir gezwungen, den Aöonnementsprcis auf 50 Mark pro Monat zu erhöhen. Wir bitten unsere Leser höslichst, den Betrag von 150 Mars für das nächste Quartal umgehend auf unser Postschcckkoiuo Köln Nr. 74 747, Bolenverlag, Ol. in. b. H., Mölit, zu überweisen. Nach Ablauf eines Monats werden wir uns erlauben,, die noch nicht eingezahlteu Abo»nenicntsgeld»r dnrch Nachnahme zu erheben. Die Expedition. { Sukkaus 5663! Kruchibarkeit Kaum ist der Jom Kippur zu Ende, der letzte Schofarton verhallt, das Tor der Synagoge knarrend geschlossen, da tritt der Jude unter die Sternennacht, um „die Lewonoh mekaddesch" zu sein. Hupft nach dem Monde und fingt Stücke aus dem Hohenlied der Liebe. Nach Hause.gekommen, schlägt er im Abendwind den ersten Pfosten der Laubhütte in die Erde, und rüstet sich die ganzen kommenden Tage für das Fest der schwellenden Früchte, das, unbelastet vom Ernst des Denkens und der Schwere des Fühlens nichts als Freude bedeutet: Sem«» simchossenu. Und der Mond wächst von Tag zu Tag. Allmählich tönt der dumpfe Klang vom Fall der Aepfcl in unser:» Garte» bis in unfern Traum hinein, die Eide dampft vo.'.i letzten iwuiiu'it Nebel ihres Herbstes, die Schatten des düsteren Jom Kippur sind bald vergessen, und eh wir uns versehen, hat uns die Erde wieder, nachdem uns eben noch der Himmel hatte. Berauschend duften die feuchte M'yrth.e,und Weide vom grünen Lulaw her. und gar erst die köstliche F-rucht des Es'.rog, die nur atmen dürfen. Und wie wir die fleischigen Früchte, diö geplatzten, safttricfcnden, zum Munde führen und geniesten, iverdcn wir uns im .Handumdrehen auch wieder des eigenen Fleisches bewusti, seines geheime» Lebens und seiner offenbaren Lust. Wunderliche Welt der Oiegensätze. staunenswertes Judentum! In keinem Volke: keinem Glaube» ist scheinbar so Widersinniges so gepaart, so dicht nebeneinander gestellt wie bei uns. Soll uns Sukkaus ersetzen, >vas Jom Kippur uns entzog? Sollen wir einschädigt iverde» für die dumme Luft des Fastens, die wir einen Tag lang atmen mustte i? Wie kommt es, dast dem Fest der himnilijch hohen Lüfte das Fest der irdisch schweren Düfte folgt? — „Auch in der Sünd' ist Kcdusche!" sagt der Held des Anskiscl-en „Dibbuk", das wir kürzlich in Köln auf der Bühne gesehen: „Auch in der Süiidc ist Heiligkeit", ab-r er zittert, als er es sagt. Wo liegt die Heiligkeit des Laubhüttenfestes, das zwar kein sündiges Fest ist, aber als das Fest der schweren, berauschenden Düfte ein Feiertag der irdischen Sinne genannt iverdcn must. Der Jude, der Sukkaus recht begeht, must sein warmes Blut rauschen hören. ES ist das Freudenfest der.Früchte, daS „Fest der Lese um die Wende des Jahres". Seine Helligkeit ist der Nuf nach der F r u ch t b a r k e i t. Diese Fruchtbarkeit ist dos erste Oiebot, das die Thora enthält, ihr sinp Die koninicnd'u Tage geweiht, und tvcnii wir den Duft des Estrog atm-n, wenn uns die feuchte Bachweide die Finger netzt, wenn wir »in Tau und Rege» beten, wenn-wir die Tropfen des Morgenncbels auf dem Laub unserer Hütte glitzern sehen, und die Sonnenwärme fühlen um uns her. so sollen wir als Juden die hohe Lust empfinden, fruchtbar zu sein mit dem Leibe und dem Leben, und mit dem Geiste, der auch Leben ist! sollen die Kinder um uns scharen und ihren jnngsrischen Atem spüren rings um »ns. und das soll die Freude dieser Tage für uns sein: Nur zeugende Menschen duldet unser alter Glaube. Im Tempel zu Jerusalem erschienen in alte» Tagen i» der Lanbhüttcnnacht Gaukler, die brennende Fackel» zum dunklen Himmel warfen und aufsingc» und wieder Warfe». Dies ist beinahe ei» Gleichnis. Das Feuer unserer Sinne, das immer wieder zum Himmel fliegt, siukeud^nicht gesuicken, sondern immer wieder zu den Sternen empor. Die meisten Menschen hallen es für ei» Spiel gewandter Gaukler. Es für ein heiliges Mysterium halten, heistt Jade sein. Am Laubhüttenfest soll der Jude denken, dast der N'uhm des einst so zeugungsfrohen, kinderfreudigen Jud-utuins nicht erlöschen darf. E m i l E o h ». Wochenschau Deutschland. Leipzig. Zum Protest gegen die bekannte sächsische Negierungsixrvrdnuug über den Schulbesuch an Feiertagen veranstaltete die Leipziger jüdische Geineinde am l.^. September hu Künstlerhaus eine stark besuchte Versaininlung, in der Herr Gemeiiidevorstelier Nosenthal den Vorsitz führte und die Herren Oleineinderabbiner Dr. Goldmann und Eohn wirkungsvoll das Necht dxr Getvisfeusfreiheit verfochten. Zum Schlust wurde einstinitnig eine Nesolurio:, angcnoinmen. die de» Protest gegen de» Osewissenszwana. begangen an jüdischen Eltern, Lehrern und Kindern, ausjpricht und den zuständige» Negierungsstellen schnellstens, übermittelt werden soll, um die Aushebung jener Verordnung lierbeiznführcn. Berlin. Der D. I. Oi. B. hat neuerdings weitere 1(H) 000 M., aus seinen eigenen Mitteln an eine Neihe lx-