Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 167 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- Seite 251 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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..Delktsrhes Abendblatt" stellte vor einigen Tagen ohne irgendwelche vorherige 2Inkt'indigung ihr Erscheinen «in. Dieses plötzliche Verschwinden einer Tageszeitung gibt der Berliner Presse Anlast zu tterschiedenerlei Erörterungen. Anfangs glaubte inan, cs handle sich um ein behördliches Berber, nunnichr aber scheint es. als'wären finanzielle Stafa« miiiitcit die Urjackw der Einstellung, indem die deutschnationale Partei dem aus ihren Reihen ausgetretenen Wullc die Unterstützung entzogen hat. Berlin. Wie in politischen Kreisen verlautet, geht der Rist innerhalb der Deutschnationalen Partei imincr nviter, so das; die Abspaltung des gesamten deutschvvlkschen Flügels und dessen Umbildung in eine selbständige A n t i sein i t c n p a r t c i nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint. Desterreich. Wien. Ter amerikanische Bankier Otto H. Kahn, Geselljchaster der Finanzuniernehinnngen Jacob Schiffs, hat anlästlich seines Wiener Ausenthaltes 17 Millionen Kronen für verschiedene wohltätige Institutionen der Stadt Wien gespendet. Das Israelitische Kindcrhvspital wurde mit r>00 000 Munten bedacht. Mr. Kahn hat l>ereits vor kurzem 20 Millionen Kronen für die gleichen Zwecke in Oesterreich gespendet, seine Zuwendungen für die Stadt Wien belaufen sich nach der jüngsten Spende auf 37 Millionen Kronen. Ilngarü. Budapest. Tic Erivartungen. die inan an die Berhaflung des Führers der Mörderbande» der „Ertunliendcn Ungar»" gegen die jüdischen Städte, des früheren Oberlcntnants Hejas, mit Bezug auf eine Aenderung des politischen Kurses in Ungarn geknüpft hat. habe» sich als trügerisch ertviesen. Nicht nur beeilten sich der Regierung nahestehende Politiker zu versichern, daß der ..christlick)« Kur»" trotzdem weiter behalten >r>erden wird, sondern sogar der Ministerpräsident Graf Beihlen liest sich herbei, eine Abordnung der „Erwachenden Ungarn". n>elchc die sofortige Freilassung ihres Führers forderte, zu empfangen und dieser gegenüber die patriotische Gesinnung der Hejas und seiner Genossen hervorzuheben. Ter Druck der „Erwachenden Ungarn" lMe auch Etfolg. sodast Hejas freigclasscn tvnrde. Die Tatsache der Freilassung Hejas, sowie die Umstände, unter welchen sie sich vollzog, hat auf die liberalen Kreise einen sehr starken Eindruck gemacht. Frankreich. Paris. Die irn'ltberühmte Künstlerin Sarah Bernhard gewährte Mist Elise Roow, der Berichterstatterin „des New Bork Herald", chn Interview, in dessen Verlauf' sie ansführtc: „A n der Schwelle der Achtziger fühle ich das Bedürfnis, meine Gefühle einer Revision zu unterziehen. Ich glaube jetzt, dast ich dem französischen Volke mehr gegeben hal>e, als ich schuldig war, dem jüdischen Volke dagegen lwit weniger, als cs von mir zu erwarten das Recht hat." — Diese Aeusterung hat in nationalistischen Kreisen Frankreichs unliebsames Aufsehen erregt und selbst Zeitungen. die Jahrzehnte lang in dieser Künstlerin den französischen Genius gefeiert haben, geben zu verstehen, dast die alte Künstlerin mit einem zweischneidigen Schwerte spiele. Man könnte dazu kommen, meinen sie, dast „die göttliche Sckrah" doch nicht jo göttlich sei, wie man gestiemt hal>e. Sarah Beuihardt steht diese«) Angriffen ruhige gegenüber und meldet der „Revue des dem mondes", dast sie jene Aeusterung wirklich getan habe. Sie habe ihr Leben lang für die Kunst und das Ideal der Franzosen gearbeitet; sic bereue ihre Vergangenheit nicht, aber auch die Franzosen iollten verstehen, dast sie wenigstens den Rest ihres Lebens threm Volke widmen ivoslle. Amerika. Washington, 1.' August.. (I. E. B.) Der Kupsrrm»- nenbesitzer Erlieft Barnl>erger. Sohn des jüdischen Gönne rneurs des Staates Ntah, wurde von der republikanischen Partei als Kandidat für den amerikanischen Senat aufge, stellt. Zurzeit »eist der Senat kein einziges jüdisches Mitglied ans. England. , , London. Auf Eiuladung Sir Alfred Monds. Präsident deS Economic Board for Paleftine. fand in London eine Besprechung trtegen Gründung einer.tdefellschaft zur Durchführung der Rutenberg-Konzession in Palästina statt. An dieser Konferenz nahmen teil: Sir Alfred M o n d . Iaines R o t h s ch i l d , der Vertreter des Palestine Development Evuncil Rosen svn. der zu diesem Zir-eck aus Amerika nach London gekommen war und «ilS Vertreter des Finanz und Wirtjckraftsrates der Zion. Organiialivn die Herren Dr. Georg Ha l per» und I. R a i d i t s ch. Die Aktien der neugegründeten 0kselljck)aft sollen demnächst emittiert werden. Eine „Holding-Eompanh" tvird ein Drittel aller Aktien ültcrnehmen. London. Die Zionistische IahreSkonfereenz ist für de» 25>August bis l. September nach Karlsbad eiulternfen. Da» Aktionskomitee tritt am 22. August in Karlsbad zusammen. Palästina. Jerusalem, 2. Artgust. (I. E. B.) Die. Regierung erteilte 1b Beamten des Hanptbureaus des I. 2k. F. inr Haag die Einreisevija nach Palästina. Bis Ende August wird die Uebersiedlung des Hauptbueaus des Jüdischen 'Ratioualsonds nach Jerusalem vollzogen sei». Jerusalem, 4. August. (I. E. B.) Ei» jüdischer Postbeamter ist in der Rähe von Ludd durch einen 21 raber getötet worden. Die Einzelheiten sind vorläufig u»b>ekannt. Kötner Nachrichten Vom jüdischen Turnverein. Am Ui. Juli ds. Is. fanden in Düsseldorf die Wcstdemschen jüdischen Kanchfspicle (leichtathletische Wettkämpfe) stt.tl unter Beteiligung zahlreickter Sportslcule der Fugcndvercine der lterschiedenen jüdischen Richtungen. — Der Sport-Erfolg war bedeutend und das Gelingen des Festes ist ein iveiterer Schritt auf dem Wege zur engeren Zujamiiienarlteit der jüdischen Jugend. Der jüdijck)« Turn- Berein Köln, dessen Betätigungsfeld, die Pflege von Leibesübungen. der geignetste Boden für eine Zufammenarlteit ist. hat schon vor einenk Jahre zu seinem Vereins-Sportfest alle jüdischen Iugendvcreine cingeladcn und zahlreiche junge Freunde ans Westdeutschland l>eteiligten sich an den Weitkänipfen. Es war damals der erste Versuch, eine Vereinigung aus sportlichem Otebiet zwischen den verschiedenen jüdischen Richtungen herzustellcn, gelungen. Den ölten angesühricn Grundsätzen dienend, haben >vir in diesem Jahre einen Vereins Wettkampf mit dem Iugendverein Düsscldorf nusgetragen, den wir nach Punklw'ertung mit 19 ui 2 2 Punkte n für uns entschieden. Ter Bedeutung der glöstten jüduchen sportlichen Veranstaltung Westdeutsch lands Rechnung tragend^entsandten wir nach Düsseldorf eine Mannschaft von 2«>'Turnerinnen und Turner, liegen sehr tüchtige Gegner gelang es uns. die gröstten Erfolge des Tages zu eringen, darunter einen von der Slinagogen-Ge ineindc Düsseldorf in anerkennensiverier Weise gestifteten Haupt- W a u d e r p r e i ». als 1. S i e g e r in der I itt a I 10 0 M e > erSl a f f e l für Senioren mit unserer' ersten Mannschaft Kahn. Kochmann, Marr. Laugo >ner gegen die an 2. und 3. Stelle Plazierten Vereine Krefeld und Düsseldorf. Die schärfsten Kämpfe des Festes.