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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-08-04 · 166 (4.8.1922) · p. Seite 243

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
166 (4.8.1922)
Date
1922-08-04
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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243 Wochenschau Deutschland. Berlin. Hier starb Kommerzienrat Dr. h. c. Carl! Leopold Netter, Senior der Metallfirma Wolf, Netter u. Iacobi, Mitglied der Handelskammer, im Alter von 58 , Jahren. Der Verstorbene, der aus Strassburg stammte! und in Berlin zum Inhaber einer Weltfirma, namentlich! des Eisenhandels aufstieg, bekundete zeitlebens ein grobes j jüdisches Interesse. So war er eines der deutschen Mitglieder im Zentralkomitee der I c a. , Leipzig. Seit einer Reihe von Monaten besteht in Leipzig die „Natioiiale Filmschauspiel-Gesellschaft Lampadius und Co.", deren Geldgeber Agrarier und Offiziere sind, letztere sind in der Gesellschaft auch als Darsteller tätig. Dieses Unternehmen bat es sich zum Ziele gesetzt, den „nationalen Interessen" durch die Herstellung von Filmen zu dienen, in denen auf die übelste Weise wüste Hetzpropaganda betrieben werden soll. Eines der Werke der Filmgesellschaft führt den Titel „Düfte aus dem Osten", wurde der Prüfungsstelle vorgelegt, verboten, erhielt dann den neuen Titel „Schieber" und wurde abermals mit drei anderen Filmen des nämlichen Unternehmens untersagt. Lehrreich ist die Begründung des Verbotes; darin heisst es: „Der Bildstreifen zeigt in Trickbildform, wie Ostjudcn die deutsche Grenze überschreiten, während die Wolgadeutschen trotz der Hungersnot in Russland nicht nach Deutschland^elassen werden, während im Gegensatz dazu die nach Deutschland hereingelassenen Ostjuden sich in Deutschland bereichern. Der Film reibt in heheri- ' scher Weise die Massnahmen der Regierung herunter. Er hat aubcrdem eine antisemitische Tendenz. Er ist daher geeignet, die öffentliche Ordnung und Sicherheit, zu gefährden." ' Polen. ' Warschau. Das Warschauer Rabbinat hat in seiner letzten Sitzung anlässlich der Ratifizierung des Palästina- Mandats eine offizielle Kundgebung erlassen, die in feierlicher Form die Bedeutung des Ereignistes würdigt. Es wurde verfügt, dass am Samstag nach der Ratifizierung aus diesem Anlässe in den Synagogen Psalmen gelesen werden. Palästina. Jerusalem. (I. C. B.) Der Oberkommissär Sir Herbert Samuel gibt bekannt, dab er von der britischen Regierung die Sanktionen zur Auferlegung einer Anleihe für die Entwicklung Palästinas erhalten habe. Die Bevölkerung Palästinas wird eingeladen werden, sich an dieser Anleihe durch Subskription zu beteiligen. Jerusalem. (I. C. B.) Die Ratifizierung des Mandats hat in allen jüdischen Kreisen Genugtuung und groben Jubel hervorgerufen. Aus taktischen Gründen wird es jedoch vermieden, diesen Gefühlen durch öffentliche Feiern und Demonstrationen Ausdruck zu verleihen. * Die Exekutive der Zionistischen Organisation veröffentlicht folgenden Aufruf zur Mandatsaktion: An das jüdische Volk! Der erste Zionistcnkongrcss hat vor 25 Jahren der Zionistischen Organisation Programm und Ziel gegeben: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer össentlich-rcchtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Am 24. Juli 1!)22, am 28. Tamus 5<>82, hat der Rat' des Völkerbundes durch einstimmigen Beschluss das Recht des jüdischen Volkes auf Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte in Palästina anerkannt und die Mandatarmacht zur Verwirklichung der Balfour-Deklaration verpflichtet. Durch diesen für das jüdische P-olk und die Völkergemcinschaft gleich bedeutsamen völkerrechtlichen Akt ist das im Baseler Programm formulierte politische Ziel — die össenlich rechtliche Sicherung der Heimstätte — zur Erfüllung gebracht. Nunmehr ist dem jüdischen Volk in seiner Gesamtheit die gewaltige und erhabene Aufgabe gestellt, die Schaffung der jüdischen nationalen Heimstätte aus eigener Kraft durchzuführen, zum eigenen Wobl, aber auch zum Segen des Landes und zur Wohlfahrt feiner nichtz'üdischen Einwohner und zur Bereicherung der ganzen Menschheit. Als jüdische Vertretuna, als Iewish Agency, die die Kräfte des jüdischen Volkes für diese Aufgabe sammeln, und nutzbar machen soll, ist die Zionistische Organisation' anerkannt. Artikel 4 des Mandates lautet: „Eine anaerNcssene jüdische Vertretung „Iewish Agency" soll als öffentliche Körperschaft anerkannt werden für die Ausgabe, der Verwaltung Palästinas in solchen wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten Rat und Mitarbeit zu gewähren, die die Erricb- , tung der jüdischen nationalen Heimstätte und die Intcrcsscn der jüdischen Bevölkerung in Palästina betreff fen und, immer vorbehaltlich der Kontrolle durch die Verwaltung, bei der Entwicklung des Landes zu helfen und teilzunchmen. « „Die Zionistische Organisation soll, solange ihre Organisation und Vcrfasiung nach der Meinung des Mandatars angemessen sind, als lösche Vertretung anerkannt werden. Sie soll, im Einvernehmen mit Seiner Britischen Majestät Regierung, Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei ' der Errichtung der jüdischen nattonalcn Heimstätte zu helfen." Juden! Eine grobe und verantwortungsvolle Aufgabe ist, uns gesetzt. In dieser Stunde ergeht an Euch alle der Ruf, Euch der Zionistischen Organisation anzuschlicssen, die von dem ernsten Wunsch beseelt ist, alle jüdischen Kräfte zur Verwirklichung des Aufbauwerks in Ercz Israel zu sammein. Dieses grobe Werk must von der Mitarbeit der gesamten Iudenheit getragen werden. Zionisten! An Euch ergeht der Ruf, die vier Wochen, die uns von der Iahrcskonfcrenz trennen, zur höchsten Anspannung aller Kräfte zu nutzen. Tat und Opfer sollen zeigen, das; der grosse, Moment bc^ Mandatscrteilung die Zionisten gerüstet fand. Sammelt alle Eure Krästc, werbet neue Anhänger der zionistischen Sache, gebet Eurer Leitung die Mittel zur Aufrechterhaltung und zum Ausbau der Zionistischen Organisation und führet in Euren Reihen und in allen jüdischen Kreisen die Mandatsaktion durch, zu der das Gcsamtjudentum aufgcrufcn wird, damit der Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte vorwärts schreitet. Z i o n > st e n! Wir bauen auf Euren Enthusiasmus, aus Euer Pflichtgefühl, auf Euer organisatorisches und politisches Verständnis, auf den Ernst Eurer Arbeit und die Raschheit Eures Handelns. Juden! An die Arbeit, zum Opfer, zur Tat! Für die Exekutive der Zionistischen Organisation: ChaimWeizmann, NahoumSokolow, Präsident. Vorsitzender.

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