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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-08-04 · 166 (4.8.1922) · p. Seite 244

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
166 (4.8.1922)
Date
1922-08-04
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 Gprechsaal. Ein Hilferuf ist ergangen, ja fllcid» jroti, für das 3 ü b. Lehre r- I f m i n a r in Jlöln. Der eine, vom Kuratorium unterzeichnet, wendet fid) an die 3uden von S\öln, und der andere, unterzeichnet von aner- > kannten und bekannten Männern des jüdischen Lebens, ist an einen; grosseren Kreis gcricblcl. Wir wünschen beiden Aufrufen vollen Er- | sola. i’.Viihhi 2)t. sind auszudringcn, wenn nicht das Seminar feine - Pforten fchliesten soll. Wenn ein Aufruf für eine jüd. Lchrerdildungsanstalt von mehr als -l> Persönlichkeiten unterzeichnet wird, so follte man glauben, daß alle fragen geprüft sind, ganz besonders die Frage, ob das Budget des Seminars an sich nicht verringert werden könnte. Es soll auch an diefcr Stelle nicht untersucht werden, ob nicht die Seminare Würzd u r g und Köln zufammengelcgl werden können: beide Seminar« sieden in religiöser Bczicdung aus gleichem Boden, sie leiden, wie leider scldslverständlich, unter den wirtschastlichen Berhältnissen, haben beide nur ganz wenige Zöglinge, und die einheitliche Gestaltung der Lcdrerdildung in Deutschland macht diesen Lurus der Zwerglein i n a r c noch mehr unverständlich. Wenn auch die „gcdeiipen Verhandlungen" in der groben und der kleinen Politik stch nicht mehr eines guten Rufes erfreuen. Io glaube ich doch, dah diese Bestrebungen der Zusammenlegung durch Verhandlungen von Kuratorium zu Kuratorium medr praktisch gefördert werden können, und deshalb möge dieser Hinweis vorerst genügen. Eine andere Frage der Budgclverringcrunq ist aber sür die weiteste Oessenliickkeil reis: Die Uedungsschulc. Es ist bekannt, bah sich bereits 3nstanzcn der kiesigen Gemeinde, angeregt von „austen", mit dieser Frage bcfastl baden. Ob diese Verhandlungen zu irgend einem Ergebnis geführt baden, entzieht sich unserer Kenntnis. Ader auch aus diesem Grund ist eine öffentliche Diskussion rur Klärung erwünscht. Die Uedungsschulc ist ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Seminars, und sic ist so nötig wie eine Krankenanstalt für eine medizinische Fakultät, An ihr erfährt der zukünftige Lehrer unter Leitung des Seminarledrers seine praktische Ausbildung, und im letzten 3ahre der Seminardildung tritt der theoretische Unterricht weit zurück hinter die praktische Betätigung in der' Uebungsschule. Wie sind nun die Verdällnisic am kiesigen Seminar? Cs bat eine log, „Uebungsschule", in iw sich"rij>4> auch Seminaristen ihre erstem Versuche der untersichtlichen Lehrtätigkeit unter Leitung ihrer Seminarlehrer ausführen. Ader da die Schule viel zu «grob ist, um allen Unterricht durch Seminaristen erteilen zu lallen, so ist man dar» üderg"gangen, hauptamtliche Lehrkräfte an dieser sog. „Uebungsschule" zu beschäftigen, und cs sind deren nicht weniger als Fünf. Die Besoldung von fünf Lehrkräften delastet das Seminar- - budget, und der „Mangel an Lehrernachwuchs" wird nicht behoben, wenn die junaen Lebrkräste statt in den Gemeinden in der sog, Uedunasschule b-((bäftiot werden, ’ Cs ist bereits in der Oefsenllichkeit?darauf hingcwiesen worden, das; diele , Uebungeschulc" nicht nur einen das Seminar verteuernden L»r„s darstellt, dasi sic auch die diesige Städtische 3üd, Volksschule. die der süd, Wohltätigkeit keinerlei Lasten vcrursas», in ihrem weiteren Ausbau schadet. Wir fragen das Kuratorium, ob die Aufc Wendungen kür die ..Uebungsschule" nicht jene ..besorgniserregende K»nde aus Köln" mildern könnten, ob sie nicht zum Abbau der Defizits von 250 onn M. dienen könnten, ebne dasi bas Seminar In irgend einer Weife in der Erfüllung seiner Ausgabe beeintrchtigt würde. Ben Josef,?aä hiesige südildw Lehrers,miliar erlös» biingcnbe Ausrufe zu euer lei'ie» Reiiung-saktio». glaube, bas; die Rot sehr grast und die '."eiaignio in den leitenden Kreisen über den Weiterbestand , echt ist. So ist i-'t» dieselbe Rat. die heute a» allen jüdischen sazialeu iiud kuliur.Ilen Einrichtungen Deutschlands nagt, die vielleicht angensili '! d> gehauen werden kann, aber bei der rasende» Abwärtsbewegung des Geldwertes immer stärker wieder hervarlrcten wird. Ti.ii'j Problem ist ca jedoch nicht, dasi mich zier Feder drängt Tie neue Hi ioakiia» soll hem 2i’m:nar die Möglichkeit gewähre», seiner Au'ggu^ der Lehrerbildung, weiterhin dienen zu käniie». sagt, man heute an der Frage nid» mehr vorüber: Istes >vn»>'d>enaiöeri, hast bei db» lwniigen Verhältnisse» diese Möglichleit überhaupt weiierbesiehe? Ist daS Wirke» der Scniinare heute »ad» ein Segen? Tamil wende ich mich van diesem Spezialiall des hiesige» SeininarS ab zur Seminarsrage überhaupt. Tie Seminare sind vielleidn heule »vd> eine Ratwendigkeil für die Gemeinde». Aber r'ür den Lehrer selbst? — — \ Wir sind h tti, gtüülich soweit gekamnie», hast "her jüdische Lehrer 'n iniriidm'ilie'er^ Beziehung n-eit unter den »ngelarulen ingendtieheit Ai''eit>r berat gedrückt isi. SaS litstige Wart der Selbstironie v»n Stcbliaaenlraleiatier Hai längst eine» bitteren Geschuio-t der -J-i..t-. | , f siebe!■•!'v v-el Geleoensi it, >11 ii'd^tche Lehreriainilie» hinein,zublicken und bi» verbittert worden in meinem a»'i» i''laiil'in an d:e iüdt!d>e» Gemeinden, Hart mit einem Veto'. der den ein'gcsien Menschen nidit ipehr ernährt, der aitmatS z» reit» i'c'ttc'iird gend.n Resieiisiesdtäilignugen zwingt Wieviel ist sclic'n darüber geipradien tvarden! ES gibt provinzielle, preußische »nd denitd'e Gemeindearganikativnen. Bisher überall »nr Worte, Sie Lage hat die Lehrerbeialdnng als ein Werk der Wohltätigkeit anigeiastt und eimzn fleinen Versuch zur Lösung gemacht, und endlich hat der Zentralverein einen bescheidenen positiven Smritt getan. Alles nichts, »nd alles zwecklos. Tie Gemeinden DeutschlandS müssen endlich auf cttvaS brinnlidjcrc Weise auf die Bedeutung dcS LehrerstandcS hingcwiesen werden. Tie Seminare an sich könne» an den Tinge» nichts ändern, aber sic sind der Lrt, wo der erste Hebel angesastl werden muß. Fort mit den Seminarie», keinen Pfennig zu ihrer Erhaltung. Was nützt es, daß ein paar Lehrer hcrangebitdet werde», die später in Rot und Sorge ihren a»S Unkenntnis der Tinge gesästtcn Enischlnst z» bereuen habe», WaS nützt cs. daß Lehrer ihr Abgangsexamcn machen, um sich sodann unter der Einsicht der Existenzunmöglichkeit andern Berufen z» widme». Es geht hier gegen die Seminare zum Schutz der wirtschaftlichen Lage der Lehrer. Man mag mir nicht damit kommen, daß kleine Gemeinde» keinen Lehrer bezahlen können. Abgesehen davon, daß alle mehr zahlen könne» als sie leisten wollen, mag da-) ihre und der Gemeindeorganisalion Sorge sein. Heute ist selbst der Idealismus nicht mehr zu erschwingen, an dem sich früher die Lehrer satt essen musttcn. Lrsfnct die Lehrerin» nicht die Auge», so mag cs die Rot ai Lehrer» tun. Tan» vielleicht wird man dazu kommen, die Lchrersragc geistig »nd wirtschaftlich in ganz Teutschland einheitlich neu zu regeln und ztvar so, daß man dem Lehrer die Stellung zumeist, die ihm als Erzieher gebührt. Ich weist, dass ich Gegner finden werde. Zahlreich toerhen sic vielleicht im Lager derer sein, die sich im Bewnsttscin gesicherter Existenz tvohl suhle». Möglich, daß sich auf weiter Flur selbst noch ein Lehrer findet, den die Valuta immer noch nicht zur Vernunft gebracht hat. Tost aber das Gros der Lehrerschaft hinter mir steht, das di» ich gewiss, und das ge»ügt zunächst a»ch. Schluß mit dev Heranbildung weiterer Lehrer, dann wird and) anderwärts die Einsicht kommen. Eugen Jacobi, Lehrer. Oke Boieniasche ' Der Wiener Rothschild und sein Rabbiner. - Der Wiener Baron Rothschild rühmte sich eines Tages seinem Rabbiner gegenüber, datz er bei den vielen Gastmählern, die ihn an die Hoftafel riesen, niemals die Speisegebote übertreten, sondern bei jedem Gange das ihm dargereichte Gericht unter Anwendung einer Ausrede, wie: er hätte sich den Magen verdorben, oder: die betreffende Speise würde ihm nicht gut bekommen, abgelehnt habe. So hätte er sich jedesmal aus der Affäre gezogen, ohne die Gebote zu übertreten. Der sicherlich eine Anerkennung aus dem Munde des Rabbiners erwartende Baron machte aber ein ganz erstauntes Gesicht, als der Gelehrte zu ihm sprach: Das war aber nicht recht von Ihnen, Herr Baron. Siechätten die Wahrheit eingestehen und sagen sollen, dasi sie gern zugegriffen hätten, aber es nicht dürsten, weil die Religion es Ihnen verbiete. * Ter Ursprung des Wortes „berappen". Im Gegensatz zu Grimm. Heyse, Kluge und anderen Germanisten, die den Ursprung des Wortes „berappen" in der deutschen Sprache snchen und zu finden vermeinen, leitet es Dr. Buttenwiescr („Zeitschrift für Deutschkunde") aus dem Hebräischen ab und führt als Belegstcste rappo jerappe — (Exodus 21, 19) an. Wenn einer dem anderen im Streite eine Verletzung zufügt, so hat er die Pflicht, ihm die Zcitversäumnis zu ersetzen und ihn heilen zu lasten, d. h. die Heilungskosten zu bezahlen. Aus diesem jcrappe habe sich im „Deutschen" das Wort „berappen" gebildet, zumal der Bcdcutungsübcrgang von „Heilung bezahlen" zu der allgemeinen Bedeutung '„bezahlen" nicht schwer sei. * Das göttliche Gebot. Ein unter dem Pantoffel ferner Frau stehender Ehemann. besten Gesicht schon sehr oft Kratzsvuren von den manikürten Nägeln seiner bestercn Ehehälfte aufzuweiscn hatte, wurde einmal, weil er sich erdreistet hatte,, einer Gardinenpredigt zu widersprechen, von seiner Fraujdurch alle Zimmer hindurch verfolgt. Glücklich ins Schlafzimmer gerctkbt, verkroch er sich unterm Bett. „Mausche, willst du hervor oder nicht!" keifte seine Frau. „Rein, diesmal wenn du platzest, tu ich's nicht! Ich will ein für allemal sehen, wer hier Herr im Hause ist!" Ich will ein sür allemal das göttliche Gebot: „Und er soll dein Herr sein" in meinem Hause respektiert wisten."

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