Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 156 (26.5.1922)
- Date
- 1922-05-26
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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die beamteten Mitglieder und die Sachverständigen für die Delegation in Genua von den dazu berufenen Stellen nach ihrer PaH l i ch c n Eignung ausgewählt worden feien. Eine Untersuchung, wieviel von ihnen jüdischer Religion oder Herkunft seien, habe nicht stattgefunden und konnte nicht statfindcn, da dies der R e i ch s v e r f a f - f u n g widersprechen würde. Frankfurt a. M. Der bekannte Nationalökonom an der hiesigen Universität Pros. Franz Oppenheimer hat einen Ruf an die Universität Tokio angenommen. Pros. Oppenheimer hat grotzc Verdienste um die Begründung der jüdischen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in Palästina. Polen. Warschau. Um der außergewöhnlichen Teuerung der Fische, die selbst dem Mittelstand den Fisch auf dem Sabbattisch zur Seltenheit macht, zu begegnen, erliest das Warschauer Rabbinat ein Verbot, Fische zu geniesten? 3n* solge dieses Verbotes hatten die jüdischen Fischhändler — einige hundert -- nichts mehr zu tun und sahen sich gezwungen, das Rabbinat um gemeinsame Bildung einer neutralen Preisjestsetzungskommission und Rücknahme des Verbotes zu ersuchen. Lettland. Riga. (<t. E. B.) Die lettländische Regierung gibt bekannt, dast die in New Port erscheinende jüdische sozialistische Tageszeitung „Vorwärts" von jetzt ab in Lettland verboten ist. Sendungen dieser Zeitung nach Lettland werden sisticrt. , Riga. Die lettische Konstituante hat in dtitter Lesung die Bestimmungen der Verfassung, die die nationalen Minderbeitsrechte sicherstellen, abgelehnt. Schweiz. Gens. Der Völkerbundsrat hat in seiner Sitzung vom 17. Mai beschlossen, die Erledigung des Palästina- Mandats vorläufig auf den 15. TJuli zu verschieben. Amerika. London. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Harding, hat an den Sekretär des Keren Hajesfod, Rewman, folgende Kundgebung gerichtet: „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dast ich die Bemühungen des Palästina-Aufbausonds zum Zweck der Wiedererrichtung von Palästina als Heimstätte für das jüdische Volk billige und dazu Glück wünsche. Ich habe immer mit einem ebenso Verstandeswie gefühlsmäßigen Interesse den Plan des Wiederaufbaus von Palästina angesehen und ich Koste, hast die Bemühungen, die jetzt zu diesem Zwecke in diesen und anderen Ländern unternommen werden, das grösste Mast von Erfolg erlangen werden. Ihr ganz ergebener Waren G. Harbin g." New Port. Der ft'ercn Hajessod-Drive in New Bork Kat nach den letzten Berichten in den ersten zwei Wochen insgesamt 500 000 Dollar (ca. 151) Millionen Mark) in Barbeträgen und Zeichnungen ergeben. New-Pork. Das Iüd. Waisenasyl in dem mehr als 1 1000 Knaben und Mädchen erzogen worden sind, feierte sein IWjäbriges Bestehen. Kölner Aachrichten Ein Artikel in Rr. IN des „Israelit", der sich mit der Ausgrabung des alten jüdischen Friedhofs hier befasst, veranlasst den Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu folgender Richtigstellung: 1. Das städtische Gelände ,^um toten Juden", auf dem die Gebeine gefunden werden, ist wohl geschichtlich und in seinem Namen als die Gegend bezeugt, in deren Umkreis sich eine Begräbnisstätte der alten Kölner Iudengemeinde befunden hat. Die heutige, nach der Vertreibung im Jahre 1424 um 1800 neubegründete jüdische Gemeinde hat jedoch niemals auf dieses Gelände irgend einen Rechtstitel besessen oder verlangen können. Sobald aber die Tatsache der Ausbaggerung von vermutlich jüdischen Gebeinen bekannt geworden war — man darf nicht vergessen, dast die Ausgrabung von Totengebeinen und Leichenseldern gerade auf Kölner Boden durchaus nichts Ungewöhnliches ist — hat die Kölner Synagogengemeinde von der ersten Stunde an jeden gebotenen und möglichen Schritt nach der religiösen wie juristischen Seite unternommen, um einer weiteren Profanierung vorzubeugen. Wir haben erreicht, daß die Elsenbahnbehörde die Baggerung sofort einstellte, Warnungstafeln gegen den Zutritt von Unbefugten anbringen lief) und ihre obersten Beam-. ten zur Untersuchung und Klärung der Angelegenheit an Ort und Stelle entsandte. Mil ihrem Einverständnis begannen wir sofort auf eigene Kosten die Abtragung des Geländes durch Handarbeiter, die auf diesem Gebiet besonders geschult und erfahren sind. Seitdem geht die Bergung der Gebeine unter Aufsicht jüdischer Vertrauenspersonen ungestört vor sich. Diese Bergung, wie auch die Wiederbeisetzung vollzieht sich genau nach den Weisungen, die von unseren Rabbinern in Gemeinschaft mis den Rechbinern der übrigen hier vorhandenen Gemeinde und Korporationen ausgestellt worden sind. 2. Auf unserem neuen Friedhof in Bocklemünd, den wir ohne Einspruch von irgend einer Seite für die Wiederbeisetzung zur Verfügung stellten, haben wir ein in sich völlig abgeschlossenes, durch Wege ringsum abgetrenntes Feld für diesen alleinigen Zweck bestimmt, um später einmal das Ganze zu einer Ehren- und Erinnerungsstätte an die große Vergangenheit unserer Gemeinde zu gestalten. Dieses Feld liegt auf dem linken Flügel des Gesamtgeländes, besten Benutzung für allgemeine Beerdigungszwecke erst in den nächsten Jahren bevorsteht. Die tadelnde Bemerkung in Nr. 18 des „Israelit": „man hat die Gebeine zwischen Aschenresten beigesetzt" ist demnach absolut unrichtig und ebenso der Zusatz: „zum Mindesten (!) an solcher Stelle des Friedhofs, wo auch Urnen mit Aschenresten begraben werden. (Urnen werden auf unseren Friedhöfen überhaupt nicht beigesetzt, sondern die Aschenreste in vorgeschriebenen Särgen beerdigt.) 5. Was die finanzielle Seite angeht, so haben wir für die ersten Erforderniste 100000 Mark ausgeworfen und gleichzeitig diesb. Schritte bei den städtischen und staatlichen Stellen unternommen, die bei den letztgenannten nicht ohne Erfolg geblieben sind. Für den Gemeindesäckel glauden wir bis an die Grenze besten gegangen zu sein, was wir unter den gegenwärtigen Verhältnisten verantworten können. Gar kein Zweifel aber katin obwalten, daß wir, laut dem von unserem Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal eingeholten Gutachten des Berliner Rabbinerseminars, nach der religiösen wie nach der materiellen Ausführung unserer Pflicht in vollem Ausmaß genügen. In unserer Gesamtgemeinde und -Verwaltung wünscht man nichts anderes als die korrekte, pietätvolle, jüdische Erledigung dieser Angelegenheit. In diesem Bestreben sollte uns die Ocffcntlichkeit unterstützen, nicht durch Entstellungen und Beleidigungen verunglinipßen. Anm.: Das erwähnte halachische Gutachten kommt auf die Anfrage nach den für die Eynagogengemeinde Köln sich ergebenden Verpflichtungen zu folgendem Resultat (ileberfetzung aus dem Hebräischen): „Demnach muh man sicher alle Mittel aufwenden, um die Gebeinesammlung durch Handarbeiter, nicht durch die Baygermaschine zu bewirken. Da aber im vorliegenden Falle diese Gräver längstvergangenen -lahrhunderten angeboren, und in unserer Mitte sich keinerlei Gewihbeit darüber befindet, ob in der heutigen Kölner Iudenheit noch Nachkommen der dort Begrabenen vorhanden sind, so