Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 144 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Hajessvb gewählt werben sollt«. Nach einer BearHnungsanfprach« de» Generalkonsul» Landau bericitete Dr. Atthur Hantle über ble Lage der Keren Las«sob- Aktien in der Welt, wobei er besonders aus die deutschen Erfolge und Pläne einging. Hierauf wurde zur Wah des Präsidium» geschritten, in dessen Händen die Leitung de» Keren Hasesiod liegen wird. Unter ledhastem Beifall der Versammelten wurde Herr Oskar Wassermann, D i - rektorberDeutschenBank,zum Vorsitzenden gewählt. Die Wahl der stellverttetenden Vorsitzenden fiel aus Generalkonsul Landauund Dr. Hantke. Bei der Uebernahme keines Amtes betonte Direktor Wassermann, daß seine Tätigkeit innerhalb de» Keren Hasesiod den deutschen Juden eine Gewähr für den unparteiischenCharakterdes Palästina-Werkes bieten dürfe, da er außerhalb jeder Partei stehe und lediglich dem Ausbaugedanken diene. Berlin. Ein Berliner Komitee plant die Errichtug eines jüdischen Gymnasiums in Berlin für Knaben und Mädchen, in welchem das Lehrziel der allgemeinen höheren Schulen mit einer starken Pflege des Hebräischen verbunden werden soll. Österreich. Wien. Im verflosienen Sommer beschlosien die antisemitischen Gemeindevertretungen mehrerer OrteOberösterreichs und Salzburgs, den Juden den Sommerausenthalt zu verweigern. So erlaubte die Gemeinde llttendorf Juden nur einen 24stündigen Aufenthalt mit der Begründung, datz jüdische Sommergäste „nackt badeten und Sonnenbäder nahmen und zwei Liter Milch täglich pro Person konsumierten". Die „Union deutschösterreicher Juden" 'erhob §egen diese Beschlüsse Beschwerde an das Ministerium des nnern wegen Verletzung der staatsgrundgesehlich gewährleisteten Rechte. Das Ministerium verständigte kürzlich die „Union", datz im Falle Uttendors die zuständige Bezirkshauptmannschaft den erwähnten Gcmeindebeschluß als ungesetzlich außer Kraft gesetzt habe und fügte das Ersuchen hinzu, darauf hinzuwirken, datz die Juden in Zukunft jeden Luxus in bäuerlichen Sommerfrischen vermeiden. Die „Union" erwiderte in einem mannhaften Schreiben, daß sie dem Wunsche des Ministeriums gerne Nachkommen, aber darauf verwesien müsie> daß das Nackchaden und Milch- 'trinken kein Luxus sei, andererseits aber auch Christen in Sommerfrischen Luxus ttieben und die Ernährungsvorschristen übertraten. Wien. Der Realschulprofesior> Dr. Eugen Dohnal hatte sich in den letzten Tagen vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Fünfhaus, Landgerichtsrat. Dr. Winter, wegen Amtsehrenbeleidigung zu verantworten, weil er den Straßenbahnschaffner Heinrich Löwi während des Dienstes beschimpft und mit der Aktentasche beim Aussteigen einen Schlag verseht habe. Anläßlich einer Konttoverse ' habe Dr. Dohnal, wie es in der Anklage heißt, zu dem Schaffner unter anderem gesagt: „Glauben Sie, Sie sind in Galizien, in Tarnopol, Sie galizischer Jude?" Dies in einem Tone, her geeignet war, den so Apostrophierten herabzusehen und zu schmälern. Ebenso wird in der Anklage behauptet, daß Dr. Dohnal dem Schaffner mit der Aktentasche einen Schlag versetzt habe. Der Angeklagte bestritt die Angaben des Schaffners, während die Zeugen im großen und ganzen diese bestätigen. Der Angeklagte bemerkte, baß er den Schlag mit der Aktentasche nicht geführt habe; er sei möglicherweise beim Aussteigen mit der Tasche an den Schaffner angestreift. Er sei Neurastheniker und er habe sich in großer Aufregung befunden. Landesgerichtsrat Dr. Winter verurteilte den Angeklagten wegen Amtsehrenbeleidigung zu 5000 K. Geldstrafe. Holland ' wurde beichlosien, diejenigen Schulen, kn denen ble Wischen Kinder eine überwiegende Majorität buben, außer Sonntags auch'am Sabbat geschloffen zu backten. Wohl war der Schulbesuch am Samstag für die jüdischen r Kinder auch bisher nicht verpflichtend, doch waren die jüdischen Schüler, da die Schulen am Samstag regelmäßigen I Unterricht hatten, um im Unterrichte nichts zu versäumen,; gezwungen, die Schulen auch am Samstag zu besuchen, j Durch die neue Verordnung werden ungefähr 20 S ch u - j l.e n betroffen und der Enffall des Samstagunterrichts wirb auf diese Weise hereingebracht, daß in den Schulen an den übrigen Schultagen der Unterricht um je 30 Minuten verlängert wird. Amsterdam. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen dem hiesigen Stadttat und der jüdischen Gemeinde Zürich. Mit 92 gegen 35 Stimmen hat der hiesige Kantvnsrat einen Antrag des „Demottaten" Höhn angenommen, wonach der Regierungsrat aufgeforderl wird, seinen Beschluß vom 31. Dezember 1914 betteffend D i s p e n s a t i o n der israelitischen Volksschüler von Schreiben und Handarbeiten am Sabbath aufzuheben und die Ordnung dieser Verhältnisie den Ortsschulbehörden zu überlasten. Dabei sollen die letzteren eingeladen werden, von der bisher gewährten Dispensatton nur abzusehen, „wenn die Schulordnung und Schulführung beeinträchtigt werden." 31 Kölner Nachrichten - Jüdischer Iugendring. Am Donnerstag, den 16. Februar weihte der Gabriel Rießer-Verei» zusammen -mit den übrigen dem jüdischen Iugendring angeschlosienen Jugend-Vereinen und Freunden sein dank der liebevollen Fürsorge der Rheinlandlvge wiederhergestelltes Heim ein, das künftighin das Heim der gesamten jüdischen Jugend bilden soll. In dem festlich geschmückten, in dem hellen Lichterglanz erstrahlenden Saal lauschten wir nach den herzlichen Begrüßungsworten Paul Auflesiers dem weihevollen Vorttag des jugendlichen Geigers-Drucker, den Herr Lehrer Baum trefflich auf dem Klavier begleitete. An Stelle des erkrankten Herrn Landrichter Ickenberg sprach sodann M, Golbberg über die Entwicklung des Iugendvereins Gabriel Rießer, indem er an den Mann erinnerte, dessen Namen der Verein trägt, dann die Blicke auf die Zeit richtete kn der Dr. Apfel, der heutige Führer des Jugend-Verbandes, an der Spitze der Kölner Bewegung stand und schließlich warme Worte des Gedenkens für die fand, die aus unseren Reihen den Heldentod für das Vaterland gestorben waren. Im Mittelpunkt des Abends stand ein vom lebendigen Geist quellender Jugendlichkeit gettagenes Referat Paul Aufseesiers, der in begeisternden Worten von der Bedeutung und den Aufgcchen des Iugendringes sprach. Er kennzeichnete als Basis der gemeinsamen Arbeit das Etteben jüdischer, junger Menschen wieder gute Juden zu werden, er sprach von den Forderungen, die der Begriff „jungjüdischer Mensch" an jeden einzelnen stellt und weiter klang aus seinen Worten ein tiefes Sehnen nach Einheit im Judentum und damit ein Hinwegkommen über das ewige Gezänke der ^Parteien. Warmes jüdisches Bruberempsinden sei das innere Band, das sich um Oft- und Westsuden schlingt und um die, die in ernster Weise versuchen einen Weg — welcher Art er auch sei — zur Befestigung des Judentums in sich selbst, zu gehen. Eine Schickfalsaemeinschast im Kampf um das jüdische Erbe, in Vergangenheit, gemeinsames Ziel als Träger dieses Erbes im Künftigen sei die Triebfeder auch gemeinsam die Gegenwart zu erfüllen.