Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-03-03 · 144 (3.3.1922) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
144 (3.3.1922)
Date
1922-03-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3947615-6435934-6437303--1545-3949025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHER BOTE tftfifttiBt jede» -ritt«, Si|igl< ProiDSM. »»Nitttch. Z» H|I((h ka*4 säattllche P»ftt»ter »kex karg kt» Boitnctlug ia B*aa. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt Itathtaf rtii: Id. ftr klt »Ui|tfk> BcttytUt. tU gnii Ctitt «»fohl SSV Zellt». fatfftttftaaO Bttoa» miii G ». k. H ,LII»N». 74747 Herausge-eben von Radklaer vr. G«U clahn, Bonn. — Schtifilett-mg und cpeschästsstelle: Bonn. Brüder^asfe 52 — Telefon 493t. Liyelgenverttoior für R5(n: ck-tdia« Müller. Mln, HohenzoUernrin, Lk>. - Te efon v 9>tt Aiamn 144 ASKi. 3. Wärz 1VLS. — 8 Adar S«8S 4. IRhrAKAK. f? ■■ ■ i rrnm Zum T. Adar 8 (Äeburts. und Todestag Moses') § Don Rabbiner Dr. Gelleo-M.-Dlabbach. JT1111» mrnrra i iTiTrm rrm rmnrn Der 7. Adar hat dem jüdischen Volt seinen größten Sohn geschenkt und genommen. Nach einer alten lleberlleferung soll Mose an diesem Tage geboren und im Alter von 120 Jahren auch an ihm gestorben sein. Und schwierig wird deshalb die Frage, ob die Freude oder die Trauer diesem Tage das Gepräge geben soll. Um eine richtige Antwort zu finden, müssen wir das Eigenartige dieses Tages, das Zusammentreffen von Geborenwerden und Sterben nicht nur vom zeitlichen Standpunkt aus beurteilen, sondern auch eine geistige, eine gedankliche Beziehung zwischen diesen beiden Grenzpunkten des Lebens suchen. Gibt es aber eine gemeinsame Linie für diese beiden fundamentalsten Erscheinungen unseres Seins? Was ist das Leben? Diese Frage legen sich die Menschen leider nur sehr selten vor, weil sie viel zu viel mit einer anderen beschäftigt sind; und diese andere lautet: „Wie können wir uns das Leben am angenehmsten gestalten, am besten einrichten?" Man nimmt eben das Leven als eine Tatsache hin, als ein Gegebenes, wie ein Haus, in dem man es sich behaglich macht, ohne danach zu fragen, ob man dem Gebäude nicht ein höheres Stockwerk ausiehen, ob man es nicht durch eine Kuppel krönen könne. Wer im „Leben" nicht» anderes als einen Zeitraum erblickt,, der stellt fein Menschendasein auf e i n e Linie mit dem Sein aller anderen Lebewesen, dem ist in der Tat sein „Leben" nur ein Uhrwerk, dessen fortschreitender Zeiger ihn mit Angst und Schrecken erfüllt, weil er ja der letzten Stunde immer näher , > rückt. Diese Anschauung ist jedoch nicht auf dem Boden des Judentums gewachsen. Dieses erblickt im „Leben" des Einzelnen das Leben der ganzen Menschheit und im'Einzelnen selber das Spiegelbild der Gesamtheit. Lesen wir doch im Talmund: „Wer eine Seele vernichtet, dem wird e» angerechnet, als hätte er eine ganze Welt vernichtet; wer aber auch nur ein einziges Menschenleben erhalt, dem rechnet es die hl. Schrift so an, als habe er eine ganze Welt erhalten." Diele Anschauung kommt auch in folgendem Gleichnis zum Ausdruck: Wenn ein Menlch mehrere Münzen in einer jjjoim prägt, so gleichen alle einander, der König der Könige aber, der Heilige, gelobt sei er, prägt jeden Menschen in der Form des ersten Menschen, und doch gleicht niemand seinem Nächsten. Daher kann auch jeder Einzeln« sagen „Meinetwegen ist die Welt geschaffen worden". — Aus diesem Wort ergibt sich der hohe Wert, der jedem Menschenleben beizumessen ist. Die letzte Konsequenz aber dieser jüdischen Lehre führt zum Frieden aller Menschen mit einander. Wir haben es ja erlebt, ein Stück Heidentum, aus altersgrauer Vorzeit, bedeckt mit dem Mantel sogenannter Religiosität, als man das Leben des Einzelnen gar nicht achtete und darum das Leben von Millionen opferte. Und was sieht die Menschheit als Ergebnis vor sich? Abgrundtiefe Vernichtung. Auch unter uns Juden gibt es viel, die sich für solchen „Heroismus" einfeken, die in Wort und Schrift verlangen, wir müssen heroischer werbem Damit wird nicht» mehr und nichts weniger gefordert, als daß das Judentum sich selber opfern, sich selber aufgeben soll. Der wirkliche Jude, der Lebensjude wird nie sein „Leben" nach heidnischen Sitten und Anschauungen einrichten und bestimmen. Wir Juden sehen im „Leben" nicht ein Uhrwerk, dessen Wert vom lauten und machwollen Klang seines Schlagwerks abhängt, wir Juden sehen im „Leben" die Täsigkeit, das Walten Gottes. Und jüdischer Heroismus wird nicht mit den Muskeln bewiesen, sondern mit der Fähigkeit, unsere Seele von allen schlechten Trieben zu entwaffnen. Die Menschheit steht heute am Scheideweg. Der Menschen Geist muß sich entscheiden, ob er das Judentum zu seinem Führer machen und damit Frieden und Menschenglück erstreben, oder ob er dem heidnischen Banner folgend noch tiefer in die Vernichtung, in den Untergang fallen will. Wer sehen kann, vor dessen Augen lüftet sich der Vorhang, und hinter ihm schaut er die Erfüllung jesajanischer Verheißung. Die rohe Gewalt tritt inrmer mehr von her Schaubühne der Geschichte ab, und an o?^Tür pocht das Recht und begehrt sehnsüchtig Einlaß. Das „Leben" erholt sich dann von allen Schlägen und Rückschlägen, und ein jeder fühlt sich dann als Vertreter der ganzen Menschheit, und achtet und liebt auch im Nebenmenschen das Gleiche. Was aber ist der Tod, wenn unser ganzes „Leben" nur ein einziges großes „Sterben" für alle anderen gewesen ist? Kein Anlaß zur Furcht. Es ist so schön im Bilde gezeichnet, daß Gott zu Mose spricht: Steig auf den Berg, stirb dort oben und blick hinüber zuvor ins gelobte Land. — St „stirbt" der Jude. Er erwartet den Tod auf der Höhe, auf dem Gipfel; er „stirbt" nicht mit dem Blick in ein leeres Nichts, sondern mit der wonnigen Seligkeit, vor dir liegt das gelobte Land, du kannst cs nur geistig schauen, aber die anderen, ja die anderen, sie werden es betreten, sie werden es bewohnen, und du — hast es mit ermöglicht ,Herrlicher ist ein solcher Tag des Sterbens als der Tag der Geburt". Er ist Erfüllung, er ist Sieg.! Wochenschau | v Tatsachen und Ergebnisse ' J 30v'XXYX3©< XDOOOGCXDOGXDOOOOOGOOOGöOOOOGOOOOa Deulichland. Berlin. Unter starker Beteiligung hat am 21. Februar im Berliner Hotel „Kaiserhof" eine Sitzung stattgefunden, in der da» P r ä s i b i u m und Zentralkomitee d« K e r e n

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.