Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 144 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Er entwickelt« fofann ein ausführliches Programm der Arbeiten, die der Iugendring geleistet hat und wester zu leisten sich müht und erwähnte hierbei vor allen Dingen die Errichtung eines Lesezimmers, das in diesen Tagen eröffnet wird sowie die Gemeinsame soziale Arbeit, die vor allem frei von nur „Wohltalengeist" beseelt von mitfühlender Herzensliebe erfüllt sein möge. Mit dem Ausblick auf die Zeit, in der jungjüdische Menschen auf verschiedenen Wegen sich die Haich reichen zur gemeinsamen Wanderung nach dem einen Ziel: Wiederbelebung unseres Judentums, fchlvst Paul Aufseesfer sein tief in allen Herzen wiederklingendes Referat mit einem Chasak an alle Weggenossen. Sodann fanden warme Worte der Sympachie für die Bestrebungen des Iugendringes im Namen der Synagvgengemeinde Herr E. Blumenau und im Namen der Loge Herr Rabbiner Dr. Rosenthal; weiterhin überbrachte Herr Dr. Kaufmann Grüße der zionistischen Organisation Kölns. Alle drei 'Redner unterstrichen den Gedanken des Kol Iisroel und begrüßten freudig, daß in der jüdischen Jugend der Anfang zur Verwirklichung des Einheitsgedankens gemacht werde. Künstlerisch vollendete Gesangvorttäge und tief empfundene Rezitationen von Frl. Gabriele Sander und Frl. Henny Coblenz ließen den Abend ausklingen. Wir gingen auseinander nicht nur im Bewußtsein einen genußreichen Abend verbracht zu haben, sondern voll ernst mit dem Willen zur jüdischen Tat, eingedenk der Worte, die den Abend beendeten: „Im Winde flattern deine Fahnen, Iung-Iuda halt ste hoch und rein." Für Leibesübungen treibende Vereinigungen ist es immer das höchste Ziel gewesen, dazu die geeignete Stätte zu haben. Neben den Turnhallen sind es die Sportplätze, die wohl heute am stärksten besucht werden. Leider herrscht ein empfindlicher Mangel an diesen für die Gesundheit überaus wichttgen Anlagen. Die vorhandenen Plätze, seien sie städttsche oder private Anlagen, sind teils überfüllt und teils in sehr schlechtem, ja gesundheitswidrigem Zustande.^ Für uns Juden ist die Pflege von Leibesübungen von anz besonderer Wichtigkeit und die jüdische Jugend hat ies auch voll und ganz erkannt. Der jüdische Iugendring, Köln, welcher fast alle jüdischen Iugedvereine Kölns umschließt, hat daher dem Vorschläge des Jüdischen Turnvereins, Köln, für die Schaffung eines eigenen Sportplatzes für die gesamte jüdische Jugend einzutteten, freudig zu gestimmt. Um nun das Werk möglichst schnell zu vollbringen, wird der Jüdische Turn-Verein, Köln, den Gewinn seines am ly. März ds. Is. in bei» Räumen des Zoologischen Gartens Köln stattfindenden 20. Stiftungsfestes mit Purim-Ball als Grundfonds für die Sportanlage anlegen. Der I. T.-V. fordert nun alle Juden auf, sich an dem Werke zu beteiligen und bittet um zahlreichen Besuch des Festes, das ein sehr gutes Programm aufweisen wird. Die Eintrittskarten sind bei den Mitgliedern in der Turnhalle, Frankstraße und in der Geschäftsstelle, Venloestr. 9II unb bei Fräulein Bertchen Meyer, Kpfshäuserstr. 9II, zu erhalten. Es wird gebeten, die Karten im voraus und recht frühzeitig zu entnehmen. — Dem Festabend voraus geht ein S ch a u t u r n e n.in der Turnhalle, Kudem auch eine recht zahlreiche Zuschauermenge erwartet wird. In der Sektion Rheinland des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins war, wie sich jetzt hcrausgestellt hat, durch eine Zufallsmajorität in dicht vollbesetztem Vorstand in einer Sitzung des Vorstandes die Zurückweisung -von 11 jüdischen Kandidaten erfolgt. Das mußte den Eindruck erwecken, als ob sich die Sektion Rheinland antisemittschen Grundsätzen bei der Aufnahme von Bewerbern zugewandt hätte. Infolge dessen hob« die 58 jüdisch« Mttglieder der Sektion zur Tagesordnung der ordentlichen Mitgliederversammlung, die am 20. v. M. in Köln stattfond, folgenden Antrag eingebracht: „Die Hauvtversammlung ist nicht mit der seit einiger Zeit tatsächlich bestehenden Uebung einverstanden, geeignet« Bewerber jüdischen Bekenntnisies von der Aufnahme in den Verein auszuschließen. Sie weist den Vorstand an, zu dem i» der Seftion althergebrachten Grundsatz zurückzukehren, wonach kein geeigneter Bewerber seine, Bekenntnisses oder seiner Abstammung wegen abgelehnt werden darf? Die Beteiligung der Mitglieder an der Hauptversammlung war eine ganz besondets große. Der 'völkische Schutz- und Trutzbund hatte die Gelegenheit benutzt, um für sich zu werben und anttsemittsche Flugblätter seriellen lasten. Nach einer Begründung des Anttag» durch einen der Antragsteller gab der Vorsitzende der Seftion, Amtsgerichtsrat a. D. Günther, die Erklärung ab, daß im Bor- ' stand der Sektion keinerlei antisemitische Bestrebungen ob; walteten, daß es sich um eine durch besondere Umstände veranlaßte Zufallsentscheidung handele unb daß er persönlich keinen Augenblick länger an der Spitze der Sektion stehen werde, wenn etwa der Grundsatz, keine jüdischen Mitglieder oufzunehmen, rechtliche oder auch nur tatsächliche Geltung erlange. Irgend eine abweichende Meinung wurde von keiner Seite in der Versammlung geäußert. In Anerkennung der Loyalität dieser Erklärung zogen die Antragsteller ihren Antrag zurück und sttmmten dem einmütig angenommenen Anträge des Herrn Landgerichtsdirektors Dr. Buhe bei, der den Anttag der jüdischen Mitglieder als durch die Erklärungen des Vorstandes erledigt bezeichnete und dem Vorstand das volle. Vertrauen her Mitgliederversammlung aussprach. Die Versammlung hat die erfreuliche Folge gehabt, daß festgestellt wurde, in Köln sei für den grundsätzlichen Ausschluß von Juden in derarttgen ideal gerichteten Vereinen keine Stätte. Bei der am 18. Februar im Hotel Goldener Stern stattgefun denen Generalversammlung der Agudas Iisroel Ortsgruppe, wurde beschlosten einen fünfgliedrigen Vorstand zu wählen. « Es wurden gewählt die Herren: Dr. Moses Auerbach, Dr. Max Cohen, Iekufiel Seligmann, Mendel Silbcrmann und Julius Weil. * Alle Zuschriften für Agudas Iisroel sind zu richten an Herrn Julius Weil, Köln, Mozartstr. 4. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal bittet uns, den Kölner Gemeindemitgliedern bekannt zu geben, daß in der letzten Zeit sein Name, ebenso wie der Name seiner Frau, vielfach bei Betteleien und Hilfsgesuchen mißbraucht wird, indem die Betreffenden sich auf ihn und seine Frau berufen. Eie bitten deshalb bekannt zu geben, daß sie grundsätzlich in solchen Fällen die Erlaubnis verweigern, sich auf sie zu berufen: cs sei denn, daß ste den Betreffenden etwas Schriftliches und Unterschriebenes mitgeben. Von Berg und Tal Bonn. Die erste Sitzung der neugewählten Gemeindevrrwaltung am 21. Februar erledigte nach Einführung der neugewählten Vorsteher und Vertreter die Regelung der Besoldungsverhältniste der Gemeindebeamten, Der Rabbiner wurde in die 12. Gehaltsstufe der Reichs¬ und Kommunalbeomten eingegliedert, der Kantor in die 10., der Synagogendiener in die 4. Gehaltsstufe, und zwar unter Nichtanrechnung sämtlicher Nebenbezüge. Sämtliche Beiträge an Wohlfahrtsinstitutionen wurden entsprechend dem geänderten Valutastande hinaufgeseht. Eine neugewählte Kommistion wird ein neues Gemeindestatut entwerfe». -